Alpinsport in Südtirol - Ahrntal Foto: Filippo Galluzzi

Über alle Berge: Alpinsport in Südtirol

Das Ahrntal mit seinen über 80 Dreitausendern ist das perfekte Ziel für Bergsportler. Im August lockt zudem ein besonderes Wander-Event im nahen Antholzertal.

Dichte Wälder, leuchtend grüne Wiesen und nach oben hin schroffe Gipfel mit weißen Gletschern: So präsentiert sich das Südtiroler Ahrntal. Als rund 40 Kilometer langes Seitental des Pustertals lockt es Bergfreunde, die Ruhe und unberührte Landschaften lieben. Weinberge und Apfelhaine sucht man hier vergebens. Im Norden grenzt das Ahrntal an den Zillertaler Hauptkamm und damit an die Grenze zu Österreich, auch im Westen und Südwesten begrenzen es die Zillertaler Alpen.

Foto: Hansi Heckmair Alpinsport in Südtirol - Ahrntal

Voller Panoramawege: die Ahrntaler Gipfelwelt.

Touren für Alpinisten und fitte Wanderer

Über 80 Dreitausender machen die Heimat von Hans Kammerlander und Jungbergsteiger Simon Gietl zum Topziel für Alpinisten. Aber keine Sorge, längst nicht alle Touren der Region erfordern Kletterkenntnisse oder etwa spezielle Ausrüstung – für Berge wie den Schönberg (2271 m) oder den Lutterkopf (2295 m) reichen Trittsicherheit, Kondition und angemessenes Schuhwerk. In den etwas tieferen Lagen geben auch die Koflerseen, die Malerseen und andere idyllische Gewässer schöne Wanderziele ab. Überhaupt ist Wasser ein prägendes Element im Ahrntal – ganz besonders im Naturpark Rieserferner-Ahrn, der direkt vor der Haustür liegt. Zahlreiche Bergbäche plätschern munter, kristallklare Seen laden zur Rast ein, und in Sand in Taufers, Hauptort des Ahrntals, rauschen die berühmten Reinbachfälle in die Tiefe.

Wer gerne fern der Zivilisation übernachtet, hat die Wahl zwischen sieben gemütlichen Schutzhütten. Auch auf mehrtägigen Touren wie dem Krimmler Tauern-Trek sind sie die idealen Quartiere und begeistern nebenbei mit ihrer schmackhaften Küche. Südtiroler Spezialitäten wie Spinatknödel, aber auch mediterrane Gerichte wie einen Teller Pasta, servieren zudem zahlreiche Jausenstationen und natürlich die Gasthäuser in den 15 urigen Ortschaften des Tals.

Unbedingt probieren sollte man außerdem den Ahrntaler Graukäse: Er ist sehr leicht, etwas säuerlich und war einst ein Arme-Leute-Essen. Besonders gut schmeckt er mit Essig, Öl und Zwiebeln oder als Bestandteil von Graukasnocken. Dazu ein Glas Südtiroler Vernatsch – perfekt! Die physischen Ahrntaler Höhepunkte bilden der Große Löffler (3379 m) und der Schwarzenstein (3369 m). Beide Berge stehen im Norden, an der Grenze zu Tirol, und beide besteigt man am besten nur mit einem Bergführer – es sei denn, man ist selbst ein erfahrener Bergsteiger. Eine komplette Gletscherausrüstung mit Seil und Steigeisen braucht auch, wer die leichtere der beiden Touren geht, nämlich die auf den Schwarzenstein.

Foto: Alfred Stolzlechner Alpinsport in Südtirol - Ahrntal

Futuristisch: die neue Schwarzensteinhütte.

Tradition trifft Zukunft: Übernachten in der Schwarzsteinhütte

Aber es muss ja gar nicht der Gipfel sein. Schon die neue Schwarzensteinhütte, die in diesem Sommer eröffnet, lohnt einen Besuch: zum Beispiel im Rahmen einer Tour auf dem Stabeler Höhenweg (28 km, ca. 2500 Hm, zwei Tage). Das auf 3026 Metern gelegene Schutzhaus auf der Sonnenseite der Zillertaler Alpen ersetzt die alte, 1893 errichtete Schwarzensteinhütte und ist das Ergebnis eines 2012 ausgeschriebenen Architekturwettbewerbs. Der »skulpturale Ansatz« eines Architektenduos, der die Hütte felsblockähnlich erscheinen lässt, überzeugte die Jury – während in der Öffentlichkeit auch kritische Stimmen ertönten.

Ein Hingucker ist die Schwarzensteinhütte zweifellos, denn sie mutet futuristisch an, nicht traditionell-rustikal. Mit ihrem modernen Design hat schon die 2015 komplett erneuerte Edelraut-Hütte (2545 m) für Furore gesorgt: Die Kombination aus naturbelassenem Holz, viel Glas und klaren Formen fällt ins Auge. Ihrer Beliebtheit hat das nicht geschadet, und die meisten Besucher zeigen sich vor allem von der Aussicht durch die großen Fenster des Speiseraums begeistert. Kennenlernen kann man die Edelrauthütte zum Beispiel bei einer Wanderung auf dem Neves-Höhenweg (17 km, 1500 Hm, ca. 7 h).

Traumhafte Aussichten auf dem Kellerbauer Höhenweg

Zu den schönsten Touren des Ahrntals gehört für viele Wanderer auch der Kellerbauer Höhenweg. Er führt über den gesamten Schaflahnerkamm, der sich zwischen dem Mühlwalder Tal im Süden und dem Weißenbachtal im Norden erhebt – mit traumhaften Aussichten auf den vergletscherten Zillertaler Hauptkamm. Vom Start, dem Weiler Drittelsand, geht es mit der Bergbahn Speikboden und dem Sessellift Sonnklar hinauf auf 2400 Meter, dann führt die Tour zur Chemnitzer Hütte. Wie die Schwarzenstein- und die Edelraut-Hütte blickt das 1880 erstmals erbaute Haus auf eine lange Geschichte zurück, erfreut aber im Unterschied zu den beiden anderen auch Befürworter konventioneller Hüttenarchitektur: Das letzte Mal wurde sie im Jahr 1950 restauriert. Von dort steigt man nach Weißenbach (ca. 7 h, 22 km, 600 Hm Aufstieg, 1600 Hm Abstieg) oder alternativ nach Lappach (etwa eine halbe Stunde weniger Gehzeit) ab.

Foto: Hansi Heckmair Alpinsport in Südtirol - Ahrntal

Auf dem Speikboden-Gebirgsstock wandert man auch mal über den Wolken.

Hoch hinaus auf der "11 Gipfel-Tour"

Für eine Reihe von sportlichen Wanderern ist ein ganz besonderes Event in der Region zum fixen Termin geworden: Am 25. August findet bereits zum sechsten Mal die »11-Gipfel-Tour« statt. Sie verbindet zwei weitere Seitentäler des Pustertals miteinander; das Antholzertal, das Luftlinie etwa 30 Kilometer östlich vom Ahrntal liegt, und das dazu parallel verlaufende Gsieser Tal.

Rudlhorn (2448 m), Eisatz (2493 m) und Million (2435 m) lauten die Namen der ersten drei Berge, über die es geht: unbekannte Schönheiten, die sich auf der 33 Kilometer langen Route aneinanderreihen wie Perlen auf einer Kette. Leichte Gipfel, steile Anstiege, sattgrüne Hochalmflächen – und das alles mit atemberaubenden Blicken auf die Ostalpenwelt mit Rieserferner, Hohen Tauern und den nahe gelegenen Dolomiten. 2850 Höhenmeter im Aufstieg und 2280 im Abstieg kommen dabei zusammen. Dass so etwas nur mit guter Vorbereitung Spaß macht, liegt auf der Hand.

Foto: Stefan Schaaf Peak Art Images Alpinsport in Südtirol - Ahrntal

Der Weg ist das Ziel: elf Gipfel an einem Tag!

Der Startschuss zur Tour fällt um 3.30 Uhr morgens im Antholzertal am Kulturhaus Oberrasen. Die 11-Gipfel-Tour ist kein Wettbewerb, entsprechend verteilt sich das Teilnehmerfeld bald. Zur Sicherheit und Hilfe für die Teilnehmer stehen auf allen Gipfeln und Scharten entlang der Strecke Helfer bereit. Bei Kilometer 17 gibt es zudem eine Verpflegungsstation. Da ansonsten keine Wasserstellen am Weg liegen, müssen unbedingt genug Getränke in den Rucksack, ebenso wie Proviant – den Kalorienbedarf bei einer solchen Tour unterschätzt man leicht.

Was für ein Gefühl, wenn dann mit dem Antholzer See das Ziel erreicht ist! Freude, Stolz, Erleichterung ... Ab 14 Uhr fahren Shuttle-Busse zum Ausgangs- und zum Zustiegsort, der letzte Bus verlässt den See um 20.45 Uhr. Wer dann noch Reserven hat, lässt den Abend gemütlich beim »Après-11-Gipfel« auf dem Campingplatz Antholz ausklingen. Dem Ruf von Badewanne und Bett zu folgen ist jetzt aber auch eine höchst verlockende Sache ...

Mehr Informationen:
Was Sie für Ihren Urlaub im Ahrntal brauchen, findet sich unter www.ahrntal.it/bergsteigen

Zur 11-Gipfel-Tour (begrenzte Startplätze, Anmeldung 14.5., 11–22 Uhr): www.gipfeltour.info