Réunion

Ein Vulkan brannte die Tropeninsel La Réunion in den Indischen Ozean. Wer heute dort strandet, den begeistern traumhafte Trekkingrouten, wilde Küsten und kunterbunte Dörfer.

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Karte

Wuchernde Pracht, leuchtende Farben, ein Hauch von Mystik

Das französische Eiland im Indischen Ozean hat 1000 Gesichter. Für den Trekker ist das bergige Herz der Insel ein Paradies. Viele gut markierte Wege, vom einfachen Spaziergang bis zur anspruchsvollen zweiwöchigen Inseldurchquerung, winden sich durch die grüne Wunderwelt. Für den Nachbarn aus Madagaskar ist Réunion Exotik pur, hat das Übersee-Departement doch alles, was es auch im Mutterland Frankreich gibt. Der Europäer fühlt sich dagegen fast wie zu Hause. Wenn da nicht die monumentale Landschaft wäre, die den langen Flug rechtfertigt und zu spannenden Trekkingtouren einlädt.

Anreise

http://Alle Wege führen über Paris. Von dort fliegt Air France mindestens einmal täglich in zehn bis elf Stunden nach Réunion. Tickets mit Anschlussflug ab Deutschland gibt es ab 1500 Mark. Etwas günstiger sind die Chartergesellschaften Corsair und Air Liberté, die aber über deutsche Reisebüros nur schwer zu buchen sind.

Beste Reisezeit

Auf der Südhalbkugel verlaufen die Jahreszeiten umgekehrt zu unseren. Von Dezember bis März ist auf Réunion Regen- und Taifunzeit. Fegt ein tropischer Wirbelsturm über die Insel, kann das komplette Leben schon mal für drei bis vier Tage zum Erliegen kommen. Windgeschwindigkeiten über 200 km/h und ein Meter Regen in drei Tagen sind dabei keineswegs ungewöhnlich. Für Trekkingtouren ist diese Zeit weniger empfehlenswert. Dafür pilgern dann die Wildwasserfreaks aus aller Welt nach Réunion, versprechen doch die vollen Bergflüsse den ultimativen Adrenalinkick. Im Südsommer liegen die Tagestemperaturen an der Küste bei tropisch-schwülen 27 Grad, im Winter, der optimalen Zeit für Trekkingtouren (Juni bis Oktober), bei relativ trockenen 22 Grad. In den Bergen kann es auch Nachtfrost geben.

Ausrüstung

Wetter und Topografie geben die Ausrüstung vor. In den Bergen reicht die Temperaturspanne von leichtem Nachtfrost bis zu 20 Grad tagsüber. Bei klarem Himmel brennt die Tropensonne gnadenlos. Sonnencreme mit hohem Lichtschutzfaktor und ein Hut sind dann unverzichtbar. Wer die Trekkingtour so plant, dass er jede Nacht in einer Berghütte übernachtet, braucht eigentlich keinen Schlafsack. Allerdings hat nicht jeder Lust, unter Decken zu schlafen, wo schon Generationen anderer Wanderer ihre Nächte verbracht haben. Deshalb kann ein dünner Schlafsack im Rucksack nicht schaden. Der hilft auch für den Fall weiter, wo die für den Abend anvisierte Berghütte nicht erreicht werden kann und man aufs Biwakieren angewiesen ist. Als sehr nützlich haben sich Trekkingstöcke erwiesen, verlaufen doch Réunions Wanderwege nur äußerst selten in der Ebene. Meist geht es steil hinauf oder hinab. Noch eine gute Nachricht zum Schluss: Moskitos gibt es kaum, wodurch eine Nacht unter freiem Himmel noch toller ist.

Geld/Telefon

Bezahlt wird mit französischen Francs, Kreditkarten sind mittlerweile recht weit verbreitet. Bei einigen Banken kann man sogar mit der EC-Karte am Automaten Geld abheben. Die Lebenshaltungskosten liegen etwas über französischem Niveau.

Sprache

Offizielle Sprache ist Französisch, viele Einheimische sprechen aber das – sogar für französische Ohren oft unverständliche – Kreolisch. Diese Sprache verbindet afrikanische, indische und französische Einflüsse.

Übernachtung

Vom Fünf-Sterne-Hotel bis zur einfachen Berghütte alles vorhanden. Die meisten Hotels findet man an der sonnigen Westküste. Für die Trekkingtour sind Übernachtungen in den Berghütten »Gítes de Montagne« oder den »Gítes d´etape« vorge-schrieben. In der Hauptsaison (August, Weihnachten bis Ende Januar) ist eine vorzeitige Reservierung über das »Maison de la Montagne« in St.Denis notwendig. (10, place du Barachois, 97400 St.Denis, Tel. 00262/907878, E-Mail: nature @oceanes.fr, www.iledelareunion-nature.com.

Außerhalb der Hauptsaison sind die Hütten weniger voll, aber die Garantie auf ein freies Bett gibt es ohne Reservierung nicht. In den meisten Berghütten wird Abendessen und Frühstück angeboten. Die Qualität reicht von »nach dem Essen keine Bewegung mehr möglich« bis »hätten wir doch noch was zu essen im Rucksack«. Günstige Schlafmöglichkeiten bieten auch die Chambres d´hote. Eine ausführliche Liste aller Übernachtungsmöglichkeiten inklusive der Berghütten entlang der Wege gibt es bei den Infostellen.

Transport vor Ort

Wer wenig Zeit mitbringt – das ist zwar eigentlich unverzeihlich, lässt sich mitunter aber nicht vermeiden –, sollte sich nicht dem nur mittelmäßig ausgebauten Busnetz ausliefern. Direkt am Flughafen in St. Denis sind alle großen Mietwagen-Anbieter präsent, und selbst kleinere, lokale Anbieter haben dort ein Büro. Diese sind oft auch billiger. Buchungen für die Hauptsaison schon von Deutschland aus empfehlenswert, einen großen Preisvorteil bedeutet das allerdings nicht.

Bücher

Handlich und informativ ist das
Réunion Reisetaschenbuch aus dem DuMont-Verlag für 19,80 DM.
Zum Einstimmen zu Hause eignet sich der Bildband Réunion aus dem Bucher Verlag (ISBN 3-7658-1142-4) für 88 Mark.
Ideal zum Wandern sind die französischsprachigen Topo-Guides. Für die Fernwege GR R1 und R2 ist es der Topo-Guide 974 (ISBN: 2-85-699-657-4). Auf Réunion ist der kostenlose RUN-Guide erhältlich, der monatlich erscheint und alle nötigen Infos zu Übernachtung, Essen, Einkaufen und Aktivitäten auflistet.

Karten

IGN-Blatt 3615, Maßstab 1:100000. Erhältlich im guten Buchhandel oder vor Ort. Detaillierter ist die IGN-Top-25-Kartenserie im Maßst. 1:25000. Diese topografischen Karten eignen sich auch für die Trekkingtouren. Erhältlich vor Ort.

weitere Infos

Fremdenverkehrsamt Réunion, Westendstraße 47, 60325 Frankfurt, Tel. 069/97590494.

Maison de la Montagne, 10, Place de Barachois, St. Denis, Réunion, Tel. 00262/907878.

Office de Tourisme, 53 Rue Pasteur, St. Denis, Réunion, Tel. 00262/ 418300. www.la-reunion-tourisme.com

Aktivitäten

Réunion in Wanderschuhen kann süchtig machen. Wer es spektakulär mag, findet reichhaltige Angebote im Paragliding, Canyoning, Mountainbiking, Wildwasserpaddeln, Drachenfliegen oder Tauchen. Aber auch das Gegenteil ist auf der Insel der Kontraste möglich: Abhängen an den Traumstränden der Westküste.

Geschichte

Anfang des 16. Jahrhunderts vom portugiesischen Kapitän Mascarenhas entdeckt, beginnt für die damals unbewohnte Insel eine wechselvolle Geschichte. Zunächst dient sie Piraten als Unterschlupf und wird aufgrund der üppigen Pflanzenwelt English Forest getauft. 1649 wird das Eiland von Frankreich annektiert und nach der Königsfamilie Bourbon benannt. Frankreich beginnt nun mit der Besiedlung und lässt bald darauf auf Bourbon Kaffee anbauen. Mit Erfolg. Das dunkle Kapitel der Insel, die Sklaverei, wurde erst 1848 abgeschafft, obwohl sie von Frankreich schon 1794 verboten wurde.
So quasi zwischendurch eroberten die Engländer die Insel, die zu diesem Zeitpunkt einen erneuten Namenswechsel hinter sich hatte und nun Ile Bonaparte hieß. Doch nach nur vier Jahren der englischen Herrschaft ging das Eiland wieder an Frankreich. Kurze Zeit später zerstörten drei Zyklone die Kaffeeplantagen, und man stellte daraufhin auf die noch heute dominierenden Zuckerrohrpflanzungen um.
1946 wurde La Réunion zum französischen Übersee-Departement erklärt.

Entstehung

Réunion ist wie die Nachbarinsel Mauritius vulkanischen Ursprungs, allerdings ein paar Jahre jünger. Während die Erosion auf Mauritius längst alle Spuren der ehemaligen Aktivität abgehobelt hat, wächst Réunion noch immer. Vor einer Million Jahre spuckten sowohl der alte Vulkan Piton des Neiges, der damals noch ein Stück höher war, als auch der »brandneue« Piton de la Fournaise Asche und Lava. Dem Piton des Neiges wurde vor etwa 12 000 Jahren seine Verbindung zur Magmakammer abgeschnitten, worauf er sich das Rauchen abgewöhnte. Der Fournaise wird dazu wohl noch etwas länger benötigen.

Typisches Wetter auf Réunion: Der Passatwind schiebt Wolken vom Meer heran.
Foto: Jo Deleker

18.05.2002
© outdoor
Ausgabe 12/2001