Lac D´Annecy

Die Tournette ist der schönste Berg am Lac d´Annecy südlich von Genf. Der Anstieg garantiert Nervenkitzel und Panorama satt für ein Wochenende.

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Karte

Annecy ist das Venedig der Alpen. Foto: Iris Kürschner

Anspruchsvolle Tour; Trittsicherheit, Kondition, Schwindelfreiheit erforderlich. Besonders exponierte Passagen sind mit Drahtseilen gesichert. Auf den Gipfel führen 2 Eisenleitern.

Anreise

http://Von Genf auf der A 40 und A 41 nach Annecy. Am nordöstlichen See Menthon St-Bernard zum Col de la Forclaz. Etwa 2 km nach dem Pass Abzweig nach links über die Weiler le Bois und les Prés, zuletzt auf einer Schotterpiste bis Chalet de l’Aulp, 1424 m.

Start und Ziel

1. Tag: Chalet de l’Aulp (1424 m) – Refuge du Blonay Dufour (1774 m),
1 ,5 Std.
2. Tag: Refuge du Blonay Dufour – La Tournette (2352 m, 1 ,5 Std.) – Pointe de la Bajulaz (2254 m) – Pointe des Frêtes (2019 m) – Col des Vorets (1739 m) – Chalet du Rosairy (1758 m) – La Tournette (3 ,5 Std.) – Refuge du Blonay Dufour – Chalet de l’Aulp (2 Std.)

Beste Reisezeit

Vom Alpfrühling Anfang Juli bis Herbst.

Übernachtung

Refuge Blonay Dufour bzw. Refuge de la Tournette, Öffnungszeiten wetterabhängig, in der Regel aber von Mitte Juni bis Mitte Sept., Halbpension 28 € (nur mit Buchung), Tel. 00 33/4/50 68 98 41.

Karten

IGN Karte 1:25 000, 3431 OT Lac d’Annecy, 9 Euro.

weitere Infos

Office de Tourisme d’Annecy,
1, rue Jean-Jaurès, F-74000 Annecy,
Tel. 00 33/4/50 45 00 33,
Fax 50 51 87 20, www.lac-annecy.com.

Artikel

Man möchte sich die Kleider vom Leib reißen und eintauchen in das göttliche Türkis des Lac d’Annecy. Der See in den Savoyer Voralpen ist zum Verlieben. Glasklar schimmert er inmitten der Berge, und der Zehentest verblüfft: Geschätzte 25 Grad sind für einen Alpensee selbst im Sommer viel.
Den höchsten und schönsten Blick auf ihn hat sich die 2352 Meter hohe Tournette reserviert. Das imposante Kalkriff hoch über dem südöstlichen Ufer des Lac d’Annecy lockt mit einer Gipfelbesteigung, aber auch mit einer aufregenden Gipfelumrundung. Das alles in einem Panorama, das seinesgleichen sucht: Die Aussicht reicht bis zum Mont Blanc. Ein Gedicht sind die Morgen- und Abendstunden auf dem Gipfel, wenn unzählige Steinböcke aus ihren Verstecken hüpfen, sich auf den vielen Kanzeln ein Sonnenbad gönnen, auf den Wiesenterrassen herumtollen und den Wanderer sogar beim Äsen ganz nah heranlassen.
Man startet vom Chalet de l´Aulp (1424 m) etwas landeinwärts des Südostufers. Am besten, man steigt zunächst nur bis zur Refuge Blonay Dufour hinauf, genießt den Sonnenuntergang von der Terrasse aus, und geht erst am frühen Morgen die eigentliche Tour an.
Bei Schwindel erregenden Tiefblicken schlängelt sich der Steig durch die schroffe Westfront auf den Grat und ostseitig unter den Gipfelaufbau. Dort gilt es sich an Drahtseilen durch einen engen Kamin zu hangeln, um zuletzt über zwei Eisenleitern das Dach der Tournette zu erobern. Oben liegt einem die Bergwelt Savoyens zu Füßen: im Südwes-ten der Naturpark Bauges, im Osten das ver
eiste Haupt des Mont Blanc, davor ganz nah die Araviskette, weit im Norden das Chablais.
Bis zum Gipfel dauert es zwar nur drei Stunden, doch der schweißtreibend steile, exponierte Aufstieg ist für den Normalfranzosen schon eine echte Herausforderung. Am Gipfel macht er kehrt und strebt zu Tal gen See. Wer mit dem Bad noch wartet und stattdessen eine Höhenwegs-Umrundung der Tournette anschließt, bleibt herrlich einsam.
Zurück vom Gipfel folgt man dazu der ausgesetzten Route den Grat entlang nach Süden über die Pointe de la Bajulaz bis fast zur
Pointe des Frêtes. Adrenalinspiegel steigern: Vorher muss nach links eine steile Geröllrinne abgestiegen werden. Aber schon bei les Praz Dzeures kann man sich wieder beruhigen. Hier stößt man auf den Höhenweg zum Chalet du Rosairy und schreitet durch die Blütenpracht bezaubernder kleiner Täler. Auch den Steilanstieg an der Weggabelung hinter dem Chalet du Rosairy (links halten!) mildert der Anblick von Blumenteppichen. Dennoch wird man sich beim Gedanken an den herrlichen See im Tal ertappen. Gemein, aber motivierend: Beim kniemörderischen Abstieg auf bereits bekannter Route über die Refuge Blonay Dufour schimmert dem Wanderer der Lac d´Annecy als verführerischer blauer Fleck die ganze Zeit entgegen.
Zum Abend gehört das Flanieren an den Uferpromenaden beschaulicher Dörfer, und vielleicht lässt man sich in einem lauschigen Fischrestaurant verwöhnen – nur der starke Verkehr auf der Seerundstraße kann mitunter störend wirken. Besser, man verkriecht sich in das Gassengewirr von Annecy, wo kein Auto einzudringen vermag. Man sitzt unter luftigen Arkaden, nippt an einem Aperitif und genießt das schon fast mediterrane Flair. Und danach noch einmal in den See springen? Warm genug wäre er ja.

Foto: Iris Kürschner

03.03.2005
Autor: Iris Kürschner
© outdoor
Ausgabe 03/2005