Korsika

Wilde Schönheit statt grauem Schneematsch: Auf Korsika blüht zwischen Ostern und Pfingsten die Macchia. Die Temperaturen sind bereits angenehm mild, die Trails und Hütten noch erfreulich leer. Korsika-Kenner Dirk Schröder hat für uns eine Trekkingroute der Extraklasse ausgetüftelt.

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Karte

Die Mittelmeerinsel Korsika (ca. 80 x 180 km) ist eine der Landschaftsperlen Europas. Sie trägt zu Recht Beinamen wie »Insel der Schönheit« und »Gebirge im Meer« (höchster Berg ist der Monte Cinto mit 2706 m). Besonders wild ist die Westküste um Porto, wo die Berge senkrecht aus dem Mittelmeer aufsteigen (Capo d'Orto, 1300 m). Während sich die schmale Küstenstraße abenteuerlich am Steilhang windet und Autofahrern den Schweiß auf die Stirn treibt, kann man auf Wanderwegen entlang der Küste atemberaubende Blicke genießen und den Duft der Macchia in sich aufsaugen.

Anreise

http://Auto: Via Frankreich oder Italien (Autobahn-Maut) zu einem der Fährhäfen. Günstigste Verbindung über Genua (6 h bis Bastia) oder Livorno (4 h bis Bastia). Fährgesellschaften: Ganzjährige Verbindung mit Frankreich durch SNCM (Corsica Marittima, Berliner Str. 31-35, D-65760 Eschborn, Fax: 06196/483015; www.sncm.fr). In Italien verschiedene Möglichkeiten, z.B. mit Moby-Lines (Wilhelmstraße 36/38, D-65183 Wiesbaden. E-mail: info@mobylines.de) oder Corsica Ferries. Fahrpläne und Preislisten in fast jedem Reisebüro. In der Vorsaison ist die Buchung vorab nicht Pflicht, aber evtl. wegen diverser Sparpreise lohnend. Preisbeispiel für 2 Erwachsene mit PKW bis 4 m (April, Tagespassage mit Moby Line von Livorno nach Bastia): ca. 300 Mark + Hafengebühren. Bei gleichzeitiger Buchung der Rückfahrt gibt's auf diese 50 % Rabatt. Ausführliche Infos unter www.ferriesonline.com
Flug: Schneller und teurer (z.B. München - Bastia mit Lufthansa je nach Tarif DM 800 bis 1832 Mark). Vorteil: als Wanderer ist man flexibler, das Unterstellen eines Fahrzeugs ist schwierig und kostspielig.
Bahn: Nachtzug München - Livorno 10 h, dann Fährpassage (ca. DM 70 + Gebühren).
Transport vor Ort: Die korsischen Busverbindungen haben sich verbessert, trotzdem werden die Küstenorte im Westen nur 1-2 x täglich angefahren. Eisenbahn von Bastia ins Inland nach Ponte Leccia und von dort nach Calvi oder via Corte nach Ajaccio (2-4 x tgl. Fahrzeit 3 1/2 h., Calvi - Ajaccio 5 1/2 Std).

Die Städte:
Bastia: Die zweitgrößte Stadt der Insel (ca. 50.000 Einwohner) ist für viele Fährenbenutzer der erste Kontakt mit Korsika. Jeder freie Fleck bis weit den Hang hinauf wurde bebaut. Die Hauptstadt des Departement Korsika Nord erstreckt sich weit nach Norden auf die Halbinsel Cap Corse. Lebensader ist der Boulevard Paoli. In der »Grand Vin Corse«, eine Straße weiter, gibt’s korsischen Wein direkt aus dem Holzfass. Im Geschäft U Paese (4, Rue Napoléon) hängen die Schinken von der Decke (daneben Spirituosen, Käse, Honig, und Kastanienkuchen. Die Zitadelle oberhalb des Hafens ist eine Stadt für sich und bietet einen schönen Blick über die Altstadt. Infos: Office de Tourisme, Place Saint Nicolas,F20410Bastia.Tel.:
0033/4955/5969685.

Calvi: Die vielleicht schönste Stadt der Insel liegt am Ende einer halbkreisförmigen Bucht. Schon die Zitadelle bietet viele Fotomotive. Am Kai und in der Altstadt viele Open-Air-Restaurants. Das mediterrane Bild Calvis wird durch den Yachthafen geprägt. Die nostalgischen Wagen der Schmalspurbahn klappern stündlich die Küstenorte bis I'lle Rousse ab. Eine Fahrt mit den alten Triebwagen ist ein echtes Erlebnis. Für Wanderer ist Calvi Einstieg zur großen Inseldurchquerung auf dem GR 20 und Start des Tra Mare et Monte entlang der Westküste bis Cargèse. Info: Office de Tourisme, Port de Plaisance, F-20260 Calvi, Tel.: 0033/495651667

Ajaccio: Die alte Napoleonstadt (55.000 Einwohner) dehnt sich inzwischen auf die Halbinsel Iles Sanuinaires und weit um die geschützte Bucht aus. Wer das pulsierende Leben einer Großstadt mag und einen Badestop mit französisch-korsischer Küche und etwas Kultur verbinden möchte, wird nicht enttäuscht. Napoleon Bonaparte, in der Rue Saint Charles geboren, ist Werbeträger Nummer Eins – und allgegenwärtig. Kunstliebhabern sei das Museum Fesch empfohlen. Info: Office de Tourisme 17, Boulevard du Roi-Jérôme, F-20181 Ajaccio, Tel.: 0033/495517777.

Bonifacio: Ganz im Süden thront der Ort über steilen Kreideklippen. Das Postkartenmotiv kann man entweder von einem Ausflugsboot aus erleben oder bei einem Spaziergang auf der Klippe bis zum Leuchtturm. Info: Syndicat de Initiative, Place de l'Europe, F-20169 Bonifacio. Tel. 0033/495731188

Corte: Im Inland gelegen ist Corte (5600 Einwohner) heimliche Hauptstadt Korsikas. Von hier aus regierte der »Vater des Vaterlandes« Pasqual Paoli für einige Zeit die Insel und gründete die erste und einzige Uni. Die viel fotografierte Zitadelle (mit ethnographischem Museum) überragt die Altstadt und erlaubt großartige Blicke in die angrenzenden Täler von Restonica und Tavignano. Für Wanderer ist Corte Ausgangspunkt vieler Touren ins Hochgebirge. Info: Office de Tourisme, La Citadelle, F-20250 Corte. Tel.: 0033/495462670.

Beste Reisezeit

Von Ostern bis Pfingsten blüht und duftet die Macchia, die Temperaturen sind mild und der Tourismus hält sich in Grenzen. Im Gebirge (GR 20) allerdings noch Schnee. Juli und August Hochsaison (Fähren teuer, sehr heiß, Strände und GR 20-Hütten überfüllt). Ab September dann wieder milder und ruhiger.

Ausrüstung

Normales Equipment von Badehose bis Regenjacke. Fürs Frühjahr am besten »Zwiebelprinzip« (leichte Kleidung wahlweise übereinander). Feste Wanderschuhe sind Pflicht, Teleskopstöcke sehr zu empfehlen. Höhenmesser und Kompass leisten mitunter gute Dienste. Zeltausrüstung und Kocher, falls man keine Hütten nutzen will.

Geld/Telefon

Lebenshaltungskosten etwas höher als in Frankreich. Hotels ab DM 70 pro Doppelzimmer, Gites d' Etape ca. DM 30, Refuge ca. DM 17. Bargeld gibt's in größeren Orten (nicht im Hinterland!) problemlos am Geldautomaten.

Sprache

Korsich werden die wenigsten können, ein paar Brocken Französisch helfen.

Übernachtung

Hotels, Pensionen und Campingplätze vorwiegend an der Küste, wildes Zelten ist verboten (im Hinterland außerhalb des Nationalparks bei Nachfrage meist kein Problem). Verzeichnis bei der Gites d’Etape beim PNRC, siehe Infos). Auf dem GR 20 einfache Hütten (manchmal mit Lebensmittelverkauf). Da immer wieder mal eine Hütte abbrennt, vom PNRC eine aktuelle Liste schicken lassen.

Karten

Asterix auf Korsika. Pflicht! Nichts beschreibt Korsika und die Korsen besser.
Schröder/Pagenstecher: Korsika. Velbinger Verlag, Neuauflage Juli 2000, ISBN: 3-88316-015-6. DM 39,80. Bester allg. Führer, vom Autor dieses Artikels.
Ingrid Pilz: Naturparadies Korsika. Styria Verlag, 1999, DM 68,-, ISBN 3-222-12720-4. Hervorragender Führer für kürzere Touren in allen Ecken Korsikas (Booklet zum Mitnehmen), nebenbei auch der beste Bildband über Korsika (siehe auch Fotos S. 16-19). Optimal für alle, die nicht auf Langstrecken-Trekking gehen.

A travers la montagne corse GR 20. Beschreibung des GR 20 mit topografischen Karten. Klein handlich und unverzichtbar. Knappe Etappenbeschreibung, wichtige Adressen, gutes Höhenprofil. Auch ohne Französischkenntnisse sehr nützlich. 13. Auflage 1999. Erhältlich beim PRNC.

Karten: Pflicht sind die IGN-Karten Corse Nord und Corse Sud (1:50.000), vor Ort für jeweils ca. 15 DM.

weitere Infos

Maison de la France, Westendstraße 47, 60325 Frankfurt, Tel:. 0190/570025, Fax: 0190/599061; e-mail: maisondefrance@t-online.de. Internet: www.maison-de-la-france.com
Sehr gute touristische Infos im Internet: www.corsica.net (auch deutschsprachig)
Regionalpark Korsika: Parc naturel régional de Corce (PNRC), 2, rue Major Lambroschini, F-20184 Ajaccio. Tel. 0033/4955/17910, Fax 0033/4952/18817; e-mail: infos@parc-naturel-corse.com, Internet: www.parc-naturel-corse.com

Wanderwege:

Klassiker ist der GR 20, der von Calvi im Nordwesten über das Gebirge in etwa 2000 m Höhe bis Conca an die Südostküste führt. Insgesamt rund 200 km und 10.000 Höhenmeter, alpine Wandererfahrung wichtig. Reine Gehzeit ca. 80 Stunden. Hütten vorhanden, drei Passstraßen für Ein- oder Ausstiegsvarianten. Der Tra Mare et Monte führt entlang der wilden Westküste – im Frühjahr ein Traum, im Hochsommer schweißtreibend! Einfache Wanderherbergen und kleine Orte ermöglichen die Tour mit leichtem Gepäck; auch für Eltern mit Kindertrage machbar.
In jüngster Zeit wurden zudem drei Durchquerungen von Küste zu Küste erschlossen (weniger bekannt und frequentiert als der GR 20): Der Mare a Mare Nord verläuft in 12 Etappen von Moriani (Ostküste) über Corte nach Carbèse. Der Mare a Mare Centre erschließt in 7 Tagen die Strecke von Ghisonaccia (Ostküste) bis Ajaccio (Westküste). Der Mare a Mare Sud verläuft im schmalen Süden der Insel. In 5 Tagen von Porto Vecchio (Ostküste) nach Propriano (Westküste). Diese Querverbindungen ermöglichen viele Kombinationen mit Tra Mare et Monte und GR 20.
Les Sentiers de Pays nennen sich alte Verbindungswege von Dorf zu Dorf, die neuerdings von der Macchia befreit und gekennzeichnet wurden.

12.04.2003
© outdoor
Ausgabe 03/1999