Bayern Frankenland Foto: Felix Meyer

Bayern - Porträt - Andi Weigand Besuch beim wilden Winzer

Im Herzen des Frankenlands widmet sich Andi Weigand ganz seiner Leidenschaft: Er stellt gute Weine traditionell her.

Für ein perfektes Ergebnis dürfen nur die Trauben in den Eimer, die man selber gerne essen möchte«, erklärt Andi Weigand, schneidet routiniert mit der Schere eine faule Beere aus der Traube heraus und wirft sie auf den Boden. In Aschenputtel-Manier trennt der Iphofener per Hand die guten von den schlechten Beeren und arbeitet dabei wie er fränkisch spricht – unfassbar schnell. Andi Weigand ist erst 26 Jahre alt und schon Vollblut-Winzer. Mit seiner offenen Art, den sportlichen Sneakern und der lässigen Kappe bringt Andi Weigand frischen Wind in eine Branche, in der immer noch traditionell gearbeitet wird. Seit 2013 führt er in zweiter Generation das Weingut seiner Familie, arbeitet dabei Hand in Hand mit seinem Vater, der ihn mit seiner langjährigen Erfahrung unterstützt.

»Meistens ist es so, dass ich komplett bescheuerte Ideen habe, mein Vater alles ein bisschen nüchterner sieht und wir uns in der Mitte treffen«, verrät der Jungwinzer. Eine dieser Ideen war es, den gesamten Betrieb auf Bio umzustellen. In Andi Weigands Weinbergen finden sich deshalb nicht nur Rebstöcke, sondern auch Sonnenblumen, Malven, Dill, Kümmel, Klee, Borretsch und lange Grasböschungen. »Es gab Zeiten, da musste ein Weinberg sauber sein«, erklärt der 26-Jährige. »Wuchs auch nur ein Grashalm zwischen den Reben, galt der Winzer als schlampig.«

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Wenn Kunden danach fragen, zeigt Andi Weigand gerne seinen Weinkeller.

Heute hingegen weiß man um die Vorzüge einer artenreichen Weinbergsbegrünung. So sorgt der Klee beispielsweise für eine Verbesserung der Bodenfruchtbarkeit. »Ein Riesenvorteil, weil man dadurch auf konventionellen Dünger verzichten kann«, schwärmt der junge Winzer, der sich mit seinen Weinbergen ein rund acht Hektar großes Paradies erschaffen hat. Und das in einer Region, die mit ihren beschaulichen Orten, kleinen Wäldern und vielen Feldern durch Bilderbuch-Charakter besticht.

Naturliebhaber kommen rund um Andi Weigands Heimatstadt Iphofen voll auf ihre Kosten. Etwa 150 Kilometer gut markierte Wanderwege leiten durch die nahe gelegenen Wälder und Weinberge. So führt beispielsweise der Steigerwald-Weinwanderweg, der zugleich Teil des zertifizierten Steigerwald-Panoramaweges ist, auf 30 Kilometern von Prichsenstadt entlang des Schwanberghanges direkt nach Iphofen. Unterwegs bieten sich Wanderern unzählige Möglichkeiten, auf Du und Du mit Wein und Winzern zu kommen. Wer möchte, erfährt gleich zu Beginn der Route auf dem sogenannten Rebenslauf in Prichsenstadt alles Wissenswerte über den Jahreslauf der Rebe und genießt ganz nebenbei einen Panoramablick über das Städtchen. Nach den ersten Kilometern durch Wälder, Weinberge und Felder lohnt in den Ortschaften Castell und Greuth ein Besuch bei einem der ortsansässigen Winzer; am besten verkostet man auch gleich vor Ort Weine aus den Lagen »Casteller Kirchberg« oder »Greuther Bastel«.

Später in Wiesenbronn sollten sich Kunst- und Kulturinteressierte ein wenig Zeit gönnen, um mehr über die 13 Kunstwerke des Weinkunstweges zu erfahren. Dann geht es aus dem Ort heraus und weiter zur Wachhügelhütte. Bei einer Brotzeit genießt man einen Weitblick in das Maintal bis zur Rhön. Über Großlangheim und Rödelsee führt der Weg schließlich in Andi Weigands Stadt Iphofen. »Ich habe eine extrem innige Beziehung zu meiner Heimat«, verrät der Jungwinzer bei einem Spaziergang durch die barocken Gässchen der aufwendig sanierten Altstadt mit ihrem Charme der guten alten Zeit. »Viele Leute, die zu uns kommen, wollen ihre Ruhe haben«, erzählt der junge Winzer. »Du kannst abends schön essen gehen, Wein trinken und abschalten – auf eine ganz bodenständige Art und Weise.«

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Viele der Arbeiten im Weinberg werden liebevoll von Hand ausgeführt.

Bei einem Blick auf die Getränke- und Speisekarten der Gasthäuser wird schnell klar: nicht nur Müller-Thurgau, Silvaner, Dornfelder und Co. sind hier zu Hause, auch deftiges Essen wie bei Muttern steht bei den Franken hoch im Kurs. So führt am so genannten »Schäufele« kein Weg vorbei, einer mit der Schwarte geschmorten Schweineschulter. Was andernorts wie ein putziges Sandspielzeug für Kinder klingt, kommt hier als üppiges Fleischgericht auf den Teller. Mit solch guter Hausmannskost ist auch Andi Weigand groß geworden. Seine Eltern führen ein uriges Gasthaus inmitten der Stadt. Wer die Weine der Familie kennen lernen möchte, erhält hier die Möglichkeit dazu.

Probieren muss der junge Winzer seine Weine natürlich auch regelmäßig, ein durchaus angenehmer Teil des Berufs. In Andi Weigands Weinkeller tritt schnell die Liebe zum Detail zutage. Statt in Edelstahltanks reift der Wein überwiegend in Holzfässern, beschriftet mit Namen wie »Der Held« oder »Der Wilde«.»Ich brenne für neue Ideen und habe unseren Weinen neue Namen und Etiketten verpasst«, erzählt der Winzer und zapft ein Glas Silvaner aus einem Holzfass aus heimischer Eiche, »ich halte aber auch gerne an alten Werten und Traditionen fest.«

Andi Weigand schenkt einem buchstäblich reinen Wein ein, denn er lässt all seine Weine ohne die Zugabe von Hefestämmen gären. Er ist davon überzeugt, seinen Produkten dadurch das gewisse Etwas zu verleihen. Damit Qualität und Geschmack am Ende stimmen, müssen die Beeren vollständig frei von Pilzen sein. Möglich wird dies nur durch das akribische Aussortieren bei der Handlese. »Ich mache Weine wie vor 100 Jahren«, berichtet der Winzer voller Stolz und probiert einen Schluck seines »Helden«. Er behandelt seine Weine wie er seine Kinder behandeln würde – mit viel Liebe, Ehrfurcht und Geduld. Es ist daher nicht verwunderlich, dass auf den Holzfässern mit Kreide gemalte Herzen prangen.

Info: weingut-weigand.de

Winzer mit Leib und Seele

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Andi Weigand, Winzer aus Iphofen

Andi Weigand ist 26 Jahre alt und Bachelor of Science Weinbau und Oenologie. Nach einer Winzerausbildung bei Harald Brügel in Castell studierte er an der Weinbauschule in Geisenheim. 2013 übernahm er in zweiter Generation das Weingut seiner Familie und gestaltete es komplett um. Der junge Winzer entschied sich für neue An- und Ausbaumethoden, ein frisches Etiketten-Design und neue Wein-Linien. Seine Weine tragen Namen, die die Fantasie anregen, wie »Der Wilde«, »Der Franke« und »Der Held«. Andi Weigand hat sich voll und ganz der biologischen Bewirtschaftung verschrieben, erntet alle Trauben per Hand und lässt seine Weine ohne den Zusatz von Hefestämmen gären.

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