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Wandern auf der Schwäbischen Alb
Foto: Albstadt Tourismus

Schwäbische Alb Traumblicke im Traufland

Weitsicht und Trauf gehören zur Schwäbischen Alb genauso wie Burgen und Täler. Auf Alb-Erkundungstour in Wanderschuhen und mit dem Fahrrad.

Weite. Die hätte das Wandererpaar so vor wenigen Metern nicht erwartet. Über Wurzeln und Kalkfelshalden haben sie sich hinausgekämpft, jetzt gehen sie um die letzte Kurve des Waldpfads und halten am Steilabfall. Ihr Blick fliegt über Dörfer, Obstwiesen und Felder. Weite klingt nicht direkt nach Schwäbischer Alb. Trifft es aber. Denn wer die steilen Pfade am Trauf erklimmt, den belohnt der Fernblick von krönenden Felsen. Wo diese Ausblicke zu finden sind? Fast komplett entlang des Albtraufs – so heißt die Kante, die die Schwäbische Alb im Nordwesten vom Albvorland trennt.

Die beiden Alb-Wanderer stehen am Zeller Horn: Unter ihnen schwindelnde Felswände, in der Ferne sanfte Hügel, direkt vor ihnen die Zollernburg, selbstbewusst auf den höchsten Berg gesetzt – wie es sich für den Stammsitz des preußischen Königshauses gehört. Türme und Wehranlage erhielt sie aber erst mit dem Wiederaufbau im 19. Jahrhundert. Wer weiter am Trauf entlang Richtung Norden auf dem Albsteig wandert, findet solche Orte immer wieder. Mit Blick nach Tübingen am Wackerstein oder mit Schloss Lichtenstein am Horizont.

Foto: Björn Hänssler

Auf Felsen sitzend schauen Wanderer, wie hier am Wackerstein, besonders weit.

Alb-Urlauber folgen, um die besten Blicke der Schwäbischen Alb zu erreichen, gut gekennzeichneten Wegen: Sie bringen Wanderer zu den Highlights, von Burgen auf Felskanten bis zu duftenden Wacholderheiden. Auf den verträumten Wegen unterm Buchendach lässt es sich entspannt schlendern, aber auch mit mehr Power wandern. Entlang der Traufwege erkunden Wanderer mit einem kleinen Abstecher die Nebelhöhle.

Nur wenige Meter vom Trauf entfernt steigt man über eine feuchte Steintreppe in die Höhlenwelt. Dort ragen Tropf steine so groß wie Bäume in die Kalksteinhallen. Leises Tropfen von Wasser ist zu hören. Der Kalk im Sickerwasser lässt die Tropfsteine in 60 Jahren nur einen Kubikzentimeter wachsen. Ein 50- Zentimeter-Stalagmit in der Nebelhöhle ist also etwa 3000 Jahre alt. Nur neun Grad beträgt die Temperatur das ganze Jahr. Wer danach fröstelnd in die Sonne klettert, verdient eine Stärkung.

Darf’s ein wenig mehr sein?

Traditionell gibt es Linsen und Spätzle, am besten von Alb-Feldern und mit Eiern von schwäbisch gackernden Hühnern. Es stehen aber auch Albzarella und Albbüffelgöschle auf der Speisekarte. Nie gehört? Die Freude an Eigenkreation und der Ideengeist kennt bei Alb-Köchen wenig Grenzen. Vor einigen Jahren holten findige Bauern und Wirte Büffel auf die Alb und erdachten sich Mozzarella- und Maultaschen-Rezepte, genau: Albzarella und Albbüffelgöschle.

Probieren lohnt sich! Gestärkt geht es von den Höhenwegen ins Tal. Im Lautertal, zehn Kilometer von Münsingen entfernt, gluckert Wasser. Klare, kalte Bachläufe locken im Sommer. Im Quelltopf in Offenhausen kühlen Wanderer die Füße und beobachten Pferde in den Stallungen nebenan. Pure Idylle.

Foto: Roswitha Guggemos

Blaue Lagune der Alb: der Blautopf, berühmt für Höhlensystem und Farbenspiel.

Ein weiteres Postkarten-Motiv finden Alb-Besucher am Blautopf in Blaubeuren. Die Karstquelle inspirierte Sagen und Eduard Mörike zu einer Nixen-Erzählung. Bei Tauchern weckt sie Abenteuerlust: In den 1960er Jahren gelang es, den Grund in 21 Metern Tiefe zu erreichen. 1985 entdeckte Tauch-Pionier Jochen Hasenmayer den Mörikedom, eine lufterfüllte Halle im Höhlensystem. Heute sind elf Kilometer erforscht, ein Ende nicht in Sicht.

Mindestens so viele Ausblicke wie der Albtrauf, aber eine ganz andere Landschaft gibt es entlang der Donau zu entdecken. Hier läuft die Alb sanft aus Doch vom Donau-Zollernalb-Weg, dem Donauberglandweg oder den Donau-Felsen-Läufen finden sich viele schöne Talsichten: über blasse Kalkfelsen auf satte Grasweiden und den dunklen Fluss.

Foto: esk-foto - nu-hindenburgstrasse

Der Bierwanderweg bei Ehingen führt zu gleich vier Brauereien.

Auf der letzten Etappe des Donau-Zollernalb-Wegs erlebt man zurück am Westrand der Alb ein wenig Gipfelglück: Mit 1015 Metern ist der Lemberg höchster Punkt der Schwäbischen Alb. Vom Aussichtsturm aus öffnet sich der Blick bei guter Sicht sogar bis zum Mont Blanc. Richtung Nordosten schaut man den Trauf entlang und zurück auf die Hochfläche. Zu entdecken gibt es genug: die Wege des Früchtetraufs bei Mössingen, die Löwenpfade bei Geislingen oder für Genießer bei Ehingen, wo man ganz profan dem Bierwanderweg oder geistig dem Besinnungsweg folgen kann.

Radelglück im Schwabenland

Wer schon in Wanderschuhen auf der Schwäbischen Alb unterwegs war, weiß: Verlässt man die schmalen Wege, trifft man Radfahrer. Genussradler, Familien und Rennradler haben die Region längst für sich entdeckt. Mehrere Tage unterwegs ist man auf Fernradwegen wie dem Donau-, Neckar- oder Kocher-Jagst-Radweg. Letzterer führt an den Flüssen Kocher und Jagst entlang ins Umland von Heilbronn, wo die beiden Flüsse fast an derselben Stelle in den Neckar münden. Fünf bis sieben Tage brauchen Radler für diese Etappen-Tour.

Schöne Tagesausflüge hingegen bieten sich im Donaubergland an. Abseits des Donauradwegs führen hier unter dem Label »Donaubikeland« 16 ausgewählte Radtouren durch eine der schönsten Ecken des Südwestens. Gleiches gilt für die Zollernalb mit ihren Rundradwegen mit insgesamt 202 Kilometern Länge. Hier finden Radler einfache und schwierige Touren, vom Berg ins Tal und andersherum. Etwas weiter im Nordosten bei Tübingen sammeln Radfahrer Kilometer zwischen Burgen und Schlössern, entweder auf der Neckartal- oder der Schönbuchrunde. Und auf der Filstalrunde rollt man in der Nähe von Göppingen bis in die Region Stuttgart.

Foto: Thomas Rathay

Tautropfen glitzern an Gräsern auf der Wacholderheide, mittendrin Alb-Radler.

Als König der Alb-Fahrradrouten könnte man den Albtäler-Radweg krönen, der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club hat ihn mit vier Sternen prämiert. Wer hier unterwegs ist, gelangt zu Wacholderheiden, schroffen Gesteinsformationen, verschlafenen Dörfern und Städtchen. Eines davon ist Münsingen mitten im Biosphären-Gebiet: Hier kann man sich auf ein E-Bike schwingen, die es zu leihen gibt. Denn in den Hügeln und Tälern in der Region sind Radler froh um den Rückenwind aus dem E-Motor, 600 Kilometer Radwege sind ausgeschildert. Das schafft man selbst mit Motor-Unterstützung und geladenem Akku nicht so schnell.

Locker rollen die Räder zum Beispiel auf dem Marbacher Gestütsradweg von Gomadingen aus ins Lautertal. Die Attraktion: das Haupt- und Landgestüt. Am beschaulichsten sind die Außenstellen, etwa auf dem Hau über Gomadingen. Wer dort hin will, muss einen Gang zurückschalten und auf die Alb-Hochfläche radeln. Dem E-Bike sei Dank schaffen das selbst nicht ganz so gut trainierte Radler. Am Ziel weiden die wilden Hengstfohlen der Marbacher Zucht. Nach dem Ausflug laden müde E-Biker ihre Akkus in einem der urigen Gasthäuser wieder auf. Schließlich müssen sie am nächsten Tag fit sein für mehr Kilometer auf den Alb-Straßen.

Foto: Albstadt Tourismus Alb-Gold-Wadenbeisser

Mit etwas Fahrtechnik meistert man die Spitzkehren auf dem »Alb-Gold-Wadenbeißer«.

Mountainbikern sind solche Touren zu lasch. Sie wollen Action, schweißtreibende Uphills und Kilometer sammeln. Auf der Alb kein Problem! Biker loten ihre Kräfte beim Bike-Crossing Schwäbische Alb aus: Von Aalen bis Tuttlingen über 7000 Höhenmeter und 370 Kilometer immer am Trauf entlang. Mehrere Tagesetappen dauert die Tour, und selbst ehrgeizige Biker rasten an Ausblickstellen, um die Weite zu genießen. Weniger Muße, mehr Adrenalin wird in der sogenannten Bikezone in Albstadt ausgeschüttet. Eines der Highlights: der spektakuläre Bikepark für Downhill-Fahrer. Wer mutig ist, probiert die steilen Kurven und Sprünge einfach selbst aus!

Als Mountainbike-City hat sich Albstadt sogar international einen Namen gemacht: Profis kommen einmal im Jahr zum Weltcup in die Stadt auf der Südwestalb. Spektakuläre Kurven und Steinfelder bezwingen die professionellen Sportler, und für Hobby-Biker ist ebenfalls gesorgt. Schmale Trails mit Spitzkehren und knackige Anstiege über Wurzelteppiche fordern auch Ambitionierte heraus. Familien und entspannte Mountainbiker finden zwischen Sommerwiesen und kühlen Forstwegen aber genauso passende Touren, E-Biker sogar Ladestationen für die Akkus. Damit verdient sich Albstadt goldene Sternchen bei Fahrradfahrern jeder Art.

Wandernd den Trauf entlang

Und Wanderer? Die kommen auf keinen Fall zu kurz. Unter dem für sich sprechenden Namen Traufgänge führen zehn Premium-Wanderwege in Runden bis zu 17 Kilometer um Albstadt. Was für ein Revier! Von den Balkonen des Albtraufs ergeben sich überall spektakuläre Ausblicke auf die Felskulissen. Auf der Tour Wacholderhöhe finden Traufgänger zudem noch eine Besonderheit: die Heide. Seit Urzeiten knabbern hier Schafe alle Baumtriebe ab, nur Moos, Flechten und Wacholder wächst weiter. So entstand ein nach Thymian duftendes Biotop, das man beim Alb-Besuch nicht auslassen sollte.

Foto: Albstadt Tourismus Wandern rund um Albstadt

Hügel, Wälder und Trauf: Albstadt ist ein Paradies für Biker und Wanderer.

Wer mit Kindern unterwegs ist, kann sich in die Hexenküche wagen: Dieser Spazierweg am Ebinger Schlossberg bietet auf vier Kilometern Nachwuchs-Wanderern Abenteuer satt. Sie können Höhlen in der Hexenküche erforschen, etwas über Wald und Jagd lernen. Der Albtrauf wird so für Kinder zum wahren Natur-Vergnügungspark.

Sightseeing auf Schwäbisch Wem nach den Abenteuern der Sinn nach Wellness steht, den erwartet in Bad Urach Heilwasser aus heißen Quellen und eine Therme mit Blick auf den Trauf. Nach dem Bad flanieren Besucher zwischen Fachwerkhäusern, zum mittelalterlichen Marktplatz, der Stiftskirche und zum restaurierten Residenzschloss des kleinen Städtchens.

Foto: Bad Urach Tourismus

Nebel aus Wassertröpfchen ergießt sich am Uracher Wasserfall in die Tiefe.

Wirklich berühmt ist Bad Urach aber für seine Naturschauspiele. Denn ohne den Wasserfall erwandert zu haben, sollte niemand abreisen. Dort stürzt das Wasser aus 37 Metern Höhe über eine Tuffsteinkante in die Tiefe. Wassernebel dimmt das Sonnenlicht, und inmitten moosbewachsener Felsbrocken fühlt man sich wie in einem Dschungel. Weiter bergauf führt der Wasserfallsteig zum Trauf und am kleineren Gütersteiner Wasserfall vorbei. Der Wasserfallsteig ist Teil der Grafensteige – einer der fünf Bad Uracher Premium-Wanderwege.

Fast in Sichtweite ist die zweite Attraktion am Trauf: die Burg Hohenurach. Im Dreißigjährigen Krieg hat sie die Belagerung überstanden, heute ist sie nur noch eine Ruine. Zerfallene Brunnen, Mauern, Burggräben und Türme warten auf Entdecker. Wer von hier auf die Täler, die Stadt und den Trauf schaut, spürt nicht mehr Weite, sondern das Alb-Glück.

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