Gardasee Rundwege

Garda-Trek: 3 neue Hüttentouren am Gardasee mit Traumpanorama

Foto: David Schultheiss
Jenseits des Trubels am Gardasee wartet in den Bergen ein wahres Wanderparadies. Seit letztem Jahr führen hier drei neue Rundwanderungen von Hütte zu Hütte.
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Foto: David Schultheiss

Etappenübersicht (für Großansicht bitte Foto anklicken)

Drei neue Touren am Gardasee

Garda Trek Low Loop - Corona Bassa
34 km, 2–3 Tage, 1290 Hm auf, 1290 Hm ab, einfach
Die zwei- bis dreitägige Tour führt ohne nennenswerte Steigungen durch die Ebene der Buca. Ausgangspunkt ist Riva del Garda, das Städtchen liegt direkt am Ufer des Gardasees. Auf schmalen Straßen und unbefestigten Feldwegen geht es zunächst in Richtung Norden nach Tenno. Die erste Etappe endet im verwinkelten Städtchen Arco. Ab Arco führt der Weg anderntags in einer weiten Schleife über Nago nach Torbole zurück ans nördliche Seeufer. Entweder übernachtet man in Torbole oder wandert entlang des Seeufers wieder zum Ausgangspunkt Riva del Garda.

Garda Trek Medium Loop - Corona Media
72 km, 4 Tage, 4190 Hm auf, 4210 Hm ab, mittelschwer
Der Garda Trek Medium Loop verläuft in einem weiten Bogen um das Untere Sarcatal. Die erste Etappe windet sich von Riva del Garda zunächst recht steil den Hang hinauf, Ziel ist die San-Pietro-Hütte (sehr gutes Essen!). Danach geht es weiter in Richtung Bocca di Tovo. In Ceniga endet die zweite Etappe. Der dritte Tag bringt Wanderer nach Drena und dann über die bewaldeten Berghänge des Monte Stivo bis nach Bolognano. Von dort aus geht es bergauf zum Kastanienhain von Nago. Nach dem Aufstieg über den Segrom-Grat wandert man über den Panoramaweg BusatteTempesta zurück nach Torbole. Auf einem Radweg am malerischen Seeufer zurück zum Start.

Garda Trek Great Loop - Corona Alta
95 km, 7 Tage, 7930 Hm auf, 1290 Hm ab, anspruchsvoll
Die anspruchsvollste Variante der drei traumhaften Runden: Ausgehend von Riva del Garda geht es die steilen Hänge des Monte Rocchetta hinauf zur Penici-Hütte. Die zweite Etappe verläuft am Fuße des Monte Pichea zunächst bergab, bis an den Hängen des Monte Misone ein Aufstieg zur San-Pietro-Hütte folgt (super Aussicht auf den See!). Etappe drei: Steil zum Monte Calino hinauf, anschließend führt ein unbefestigter Straßenabschnitt hinab nach Dro. Am vierten Tag Aufstieg zum Bergrücken des Monte Stivo (2059 m), bei klarer Sicht bietet sich ein fantastischer Weitblick bis zu den Dolomiten. Übernachtung in der Berghütte Marchetti, am nächsten Tag Abstieg nach Nago. Die vorletzte Etappe führt auf den Monte Baldo hinauf, mit 2218 Metern der höchste Berg am Gardasee. Übernachtung im Rifugio Altissimo Damiano Chiesa. Über eine Wiese gelangt man am letzten Tag zur Seilbahnstation Malcesine; in Malcesine legt die Fähre nach Riva del Garda ab.

Gardasee Tourenplanung

Hinkommen: Bequem erreicht man den Gardasee mit dem eigenen Auto über die Brennerautobahn. Zugreisende fahren bis Rovereto (40 Euro von München) und nehmen dort den Bus 332 nach Riva (2,90 Euro). Wer fliegt (ab 150 Euro), landet in Verona und besteigt dann die Buslinie 164 und 184 nach Riva (5,80 Euro).

Beste Zeit: Die Wandersaison beginnt im Mai und dauert bis Oktober. Auf den Bergen über 2000 Metern kann noch länger Schnee liegen. Vor allem in den bayrischen Ferienzeiten wird es rund um den See sehr voll. Entspannter ist es im Herbst.

Einkehren: Entlang vieler Touren gibt es oft keine Einkehrmöglichkeiten. Deswegen sollte man genug Proviant einpacken. In den Orten direkt am See locken dafür sehr viele Restaurants mit gutem Essen – und sind zum Teil erstaunlich günstig.

Informieren: Die Seiten gardasee.de und visit garda.com bieten Wissenswertes zur Region. Auch Unterkünfte lassen sich hier direkt buchen. Tourentipps zum Wandern, Biken und Klettern stehen auf www.gardatrentino.it.

Orientieren: Der Rother Wanderführer »Gardaseeberge« beschreibt unzählige Touren rund um den See. Außerdem steht ein Link zum Download bereit, auf dem man sich GPS-Daten zu den Routen herunterladen kann. Preis: 14,90 Euro. Eine gute Übersicht liefert eine Wanderkarte, zum Beispiel »Alto Garda e Ledro« von Kompass, 1:25 000, 7,95 Euro.

Unterkünfte & Gastronomie

Villa am See: Von der Terrasse der Villa Selene blickt man direkt auf den See. Der kostenlose Mountainbikeverleih und das reichhaltige Frühstücksbuffet sind weitere Argumente, dort zu übernachten. Das Hotel liegt im Nationalpark Alto Garda Bresciano in Pregasio. DZ ab 109 Euro. www.hotelvillaselene.com

Unterm eigenen Dach: Der Campingplatz für Sportbegeisterte heißt Camping Zoo in Arco – namensgebend ist der gegenüberliegende Zoo. Der Stellplatz kostet ab 9 Euro pro Nacht, Erwachsene zahlen 9 Euro zusätzlich, Kinder 6,50 Euro. www.campingzoo.it

Im Apartment: Das Zentrum von Torbole (direkt neben Riva) erreicht man von der Gardabike Residence in fünf Minuten zu Fuß. Das Gebäude hat einen Swimmingpool auf dem Dach und ein Depot für Bikes und WindsurfAusrüstung. Ein Apartment für vier Personen kostet ab 78 Euro pro Nacht. www.gardabikeresidence.it

Klassiker Pizza: Das I Momenti in Riva del Garda hat nicht nur sehr leckere Pizzen auf der Karte, sondern auch eine fantastische Auswahl an Weinsorten im Regal. www.imomenti.it

Frischer Fisch: In der Osteria al Pescatore in Castelletto sitzt man direkt am Wasser. Die Auswahl an Fischgerichten ist groß, und serviert wird fangfrisch, was der See an diesem Tag hergibt. www.osteriaalpescatore.it

Pizza mit Seeblick: Als Abschluss der niedrigen oder mittelhohen Trekvariante bietet sich eine Einkehr im Casa Beust in Torbole an. Knusprige Pizza und köstliche Eisbecher kommen auf die Tische der Terrasse mit Seeblick. Wer danach zu müde für den Rückweg nach Riva del Garda ist, quartiert sich nach dem Essen gleich im Haus ein. www.casabeust.it

Autorentipps von Katharina Baus

Paragliden: Wer Paragliden ausprobieren möchte, kann in Malcesine einen Tandemflug buchen (110 Euro). Der Gipfel des Monte Baldo lässt sich per Seilbahn gut erreichen; dort schwingt man sich mit dem Piloten in die Lüfte. www.gardaparagliding.com

Gelati, Gelati! Leckeres Eis und viel Auswahl bekommt man in der Gelateria Etabeta in Riva del Garda. Gutes Zeichen: Die Eisdiele ist auch bei Einheimischen sehr beliebt.

Kletter-Show: Die Gegend rund um Arco hat sich seit den 1980er Jahren zum Treffpunkt der internationalen Kletterszene entwickelt. Sehenswerter Höhepunkt ist der Wettkampf Rockmaster, der jährlich im August stattfindet. www.rockmasterfestival.com

Besuch im Mittelalter: Die Burg von Tenno liegt auf einem Felsvorsprung am Monte Misonte. Um die Burg schmiegt sich der Ortsteil Borgo di Frapporta als befestigtes Dorf; man sollte Zeit einplanen, um durch seine Gassen zu schlendern.

Gardasee Corona Media: Tourenbericht

Nicht in den zweiten Gang schalten! Nicht!« Gregor, mein Reisebegleiter, gibt alles, um zu verhindern, dass ich mit seinem VW-Bus stehen bleibe. Komischerweise hupt keiner. Dabei rollen Gregor, der Fotograf David und ich im Schneckentempo durch Riva del Garda und halten an jeder Kreuzung den kompletten Verkehr auf. Die erste Herausforderung, mit der Klapperkiste zum Gardasee zu kommen, haben wir schon mal geschafft. Herausforderung Nummer zwei: vier Tage wandern auf der Corona Media, einer mittelschweren Tour, die durch die Bergwelt bei Riva am Gardasee führt.

Foto: David Schultheiss

Alle drei Runden beginnen in den Altstadt-Gassen von Riva del Garda.

72 Kilometer durch das südliche Trentino mit Aussichten auf den See, die Dolomiten, die Poebene und die schneebedeckten Gipfel des Alpenhauptkammes liegen vor uns. »Alle drei Rundwanderwege sind im letzten April eröffnet worden – und einfach großartig«, schwärmt Frau Bellotti vom örtlichen Tourismusverband. »Es gibt den Corona Bassa, den Corona Media und den Corona Alta. Bei allen Touren habt ihr tolle Aussichten auf das Untere Sarcatal und den Gardasee. Der Corona Media zeigt euch schon mal einige der schönsten Ecken.«

Sie holt eine Karte und deutet auf eine Linie, die von Riva del Garda in einer weiten Runde über Berg und Tal führt, im Uhrzeigersinn. Über die Orte Arco und Torbole leitet sie zurück nach Riva, »und wenn ihr Lust habt, könnt ihr spontan noch ein paar Tage dranhängen«, sagt Frau Bellotti. Sie hat uns überzeugt, auf geht?s zur Corona Media. Der Weg erreicht als Maximum zwar nur 1100 Meter Höhe, aber weil er mehrere Täler schneidet, kommen am Ende über 4000 Höhenmeter im Aufstieg zusammen.

Riva del Garda gibt sich maximal italienisch. Orangen und Zitronen blühen. Der leicht schiefe Torre Apponale, ein 35 Meter hoher Uhrturm aus dem Jahr 1220, ragt von allen Seiten weithin sichtbar über dem Hafen auf. Hölzerne Boote klappern sanft schaukelnd aneinander. »Sieht fast aus wie am Meer«, sagt David. Der Gardasee misst stolze 52 Kilometer in der Länge, das Südufer verschwindet im Dunst.

Touristen schlendern mit Eistüten in den Händen durch die Gassen. Der See wird von allen geliebt – den Ruhesuchenden, den Wanderern, Seglern, Kletterern und Windsurfern. Und natürlich auch von den Mountainbikern mit ihren Panzerwaden, die rund um den »Lago« ein Dorado an Singletrails und alten Militärstraßen finden.

Aus der trubeligen Altstadt wandern wir Richtung Norden in ruhige Hänge voller liebevoll angelegter Olivenund Zitronenhaine. Unser Weg windet sich gemächlich in weiten Serpentinen am östlichen Bergfuß des Monte Tombio den Hang hinauf. Etwa 17 Kilometer trennen uns vom Rifugio San Pietro, unserem Tagesziel – und 1400 Höhenmeter im Aufstieg: Die erste Etappe des Corona Media steigt auch gleich am meisten an.

Foto: David Schultheiss

Morgen wird es umgekehrt sein: vergleichsweise harmlose 800 Höhenmeter hinauf, aber über 1600 hinab ins Sarcatal nach Arco. Doch heute schwitzen wir in der Mittagshitze unter einem azurblauen Himmel, beißen ab und an in einen unserer klebrigen Müsliriegel und trinken literweise Wasser. Wer die Tour verkürzen möchte, kann knapp vor dem Gipfel des Monte Calino abbiegen und auf dem Corona Bassa, der niedrigeren, nur dreitägigen Variante, durch das Val del Tovo zurück zum See absteigen.

Vorbei geht es an Zypressen und Olivenbäumen, später im Herbst baumeln dunkle Trauben an den Rebstöcken – der Stoff, aus dem Bardolino Classico gekeltert wird. Je höher der kiesige Pfad uns bringt, desto imposanter liegt der Gardasee zu Füßen. Wie ein riesiger Spiegel schmiegt sich der »Lago« blau glänzend in die Berge. Die Ora, ein vor allem nachmittags am Gardasee und im Etschtal aktiver Südwind, hält Mittagsschlaf. Die Wasseroberfläche ist glatt wie das Bettlaken in einem Luxus-Hotel.

Obwohl die Gegend zu den beliebtesten Ferienregionen Norditaliens zählt, sieht man kaum Bettenburgen, die die Landschaft verschandeln. Das Panorama erfrischt wie ein kurzer tiefer Atemzug; selbst im Schatten herrschen 36 Grad. Vorbei an uralten Steinmauern, die ohne Mörtel errichtet wurden, erreichen wir am späten Nachmittag Canale di Tenno. Zwei strubbelige Katzen dösen auf Fußmatten vor sich hin. Wir schlendern durch die menschenleeren Gassen voller staubiger Gerüche.

Die Häuser mit ihren abgebröckelten Fassaden und splittrigen Holztüren stehen so eng beieinander, dass man seinem Nachbarn durch das offene Fenster schon fast die Hand reichen könnte. Nachdem Canale in den Nachkriegsjahren bereits dem Verfall preisgegeben war, engagierten sich hier in den 1960er Jahren Künstler, renovierten eine Ruine und richteten das »Casa degli Artisti« ein. Im Laufe der Jahrzehnte entstand hier eine Galerie, in der verschiedene Künstler im Wechsel ihre Werke zeigen.

Foto: David Schultheiss

Durch Pinienwälder bergauf

Als Gregor seine aufgeweichten Füße aus seinen viel zu warmen Merinosocken schält, plantsche ich schon längst in Unterwäsche in einem eiskalten Dorfbrunnen. David fischt sofort seine Kamera aus dem Rucksack und schießt in drei Minuten so viele Bilder, dass ich mir vorkomme wie ein Topmodel. »I was born to do this«, scherzt David mit affektiertem amerikanischem Akzent und fragt, ob ich noch etwas wünsche.

Nein, da fällt mir beim besten Willen nichts ein. Außer vielleicht noch länger im kühlen Wasser sitzen zu dürfen. Die Erfrischung hält aber wenigstens eine Weile an. Von 428 Metern Höhenlage schlängelt sich der Weg in weiten Kurven durch dichten Pinienund Buchenwald weiter bergauf. In schattigen Gefilden vernichten wir die letzten Höhenmeter des Tages, bis auf 974 Metern das Rifugio San Pietro am Südhang des Monte Calino thront.

Polenta und Paradegipfel

Bisher schien es, als würden Wanderer unsere Tour meiden, doch regionales Essen inklusive Panorama zieht Menschen einfach an. Von der gut besuchten Terrasse des Rifugios präsentiert sich eine Gipfelparade der Extraklasse: auf die Berge Rocchetta, Monte Brione, Cima d‘Oro und auf den in der Tiefe liegenden Gardasee mit Riva del Garda und Arco im Norden.

Und mit dem Monte Cadria und seinen 2254 Metern erhebt sich, nicht weit entfernt, der höchste Gipfel der gesamten Gardaseeberge. Es wird sogar noch besser. »Heute gibt‘s Polenta«, verkündet der bärtige Hüttenwirt persönlich. Bestens, darauf habe ich mich neben der Aussicht am meisten gefreut. Die traditionelle Trentiner Spezialität aus Maismehl wird klassisch mit Kaninchenfleisch serviert. Ich bevorzuge die vegetarische Variante mit mediterranem Gemüse.

Foto: David Schultheiss

Der Wirt des Rifugio San Pietro verwöhnt seine Gäste auch mit Spinatknödeln.

Am nächsten Tag zupft David morgens um halb sechs an meinem Kopfkissen. »Aufstehen, die Sonne geht gleich auf«, sagt er. Wir schlüpfen in unsere Wanderklamotten und schleichen uns in Socken aus dem Mehrbettzimmer. Es lohnt sich, so früh unterwegs zu sein, weil wir dadurch garantiert der Mittagshitze entkommen.

Und außerdem ist der Morgen bezaubernd schön: Einzelne Nebelschwaden kleben in den taunassen Wiesen. Ein bunter Mix aus Felsen, Gras und Latschenfeldern begleitet uns.Auf einer Lichtung noch einmal das alte Spiel: Vor uns offenbart sich eine irre Aussicht. Rechts der Ort Riva aus der Vogelperspektive. Geradeaus der Monte Brione. Unten: der glänzende Gardasee mit seinen zahllosen Segelbooten.

Ich liebe solche Touren: Man wandert durch traumhafte Landschaften und wird zwischendurch mit gutem Essen belohnt. Und der Weg ist weder besonders anspruchsvoll noch gefährlich. So können wir uns ganz auf das Panorama konzentrieren. Vor allem hier sollte man das auch – wo sonst fallen die Berge 1000 oder gar 2000 Meter tief in einen See ab?

Später, gegen Ende der zweiten Etappe, wird die Stille von knatternden Mopeds unterbrochen. Der Waldweg geht in einen Asphaltweg zwischen Olivenhainen über. In den verwinkelten Gassen von Arco reihen sich Kletterläden aneinander. Kein Wunder, dass leichte Felsen wie der Placche di Baone oder der Klettergarten Massone durch die Kletterer so glatt poliert sind wie der Fußboden im Petersdom.

»Ich schaue mal nach einem Paar dünnen Wandersocken«, sagt Gregor. Schließlich liegen noch zwei Tage voller schweißtreibender Aufstiege und gigantischer Seepanoramen vor uns. Danach sitzen wir in einer der schmalen Gassen, die Pizzen hängen über den Tellerrand hinaus, und an der Flasche Wein rinnen kühle Wasserperlen hinab. Man möchte hier nie wieder weg. Hoffentlich sieht Gregors VW-Bus das nach unserer Tour nicht genauso.

Wanderimpressionen vom Gardasee

07.09.2018
Autor: Katharina Baus
© outdoor
Ausgabe 03/2018