Die 24 Stunden von Bayern 2011

Durch die Nacht: Der schwerste Teil der 24 Stunden Wanderung von Bayern

Rund um die Uhr wandern führt an die eigene Grenze. Und bei den 24 Stunden von Bayern in diesem Jahr auch an eine Politische.

Mit Einbruch der Nacht beginnt der wohl härteste Teil der Ultra-Wanderung. Das Teilnehmerfeld spreizt stark auseinander, und immer seltener blitzt zwischen den Bäumen der Spot einer Stirnlampe auf. Um drei Uhr nachts wird es still im Frankenwald. Ab jetzt kämpft jeder für sich und zugleich gegen sich selbst. Die Füße schmerzen, die Muskeln verkrampfen, und der Körper ist eigentlich nur noch auf Schlafen programmiert. »Ich bin voll im Arsch«, gesteht Philipp Hutzler. Der schlurfende, schwerfällige Tritt des Saarländers spricht Bände. »Ständig rufen meine Freunde an und fragen mich, ob ich schon aufgegeben habe«, erzählt er. Für ihn Ansporn genug, sich zusammenzureißen. »Ich bin nicht umsonst acht Stunden angereist. Meine Zehen schmerzen furchtbar, aber ich will es jetzt durchziehen.«

Besser ergeht es da Bernhard Dörfler. Sein Hund Dax ist immer noch fit und zieht ihn durch die Nacht. »Er ist ausdauernder, als ich dachte. Gemeinsam schaffen wir die Strecke, da bin ich mir sicher.« Doch das schlimmste Stück liegt noch vor ihnen – der Aufstieg zum Döbraberg. Mehr als 50 Kilometer stecken den Wanderern jetzt schon in den Beinen. Für viele Grund genug, den 785 Meter hohen Gipfel zu umgehen und die offizielle Abkürzung zu nehmen – oder direkt mit dem Shuttle-Bus ins Hotel zu fahren.

Doch Durchhalten lohnt sich – das zeigt sich spätestens um fünf Uhr morgens. Wer jetzt noch dabei ist, wird mit einem märchenhaften Sonnenaufgang belohnt. Mit Anbruch des Tages taucht auch ein bekanntes Gesicht wieder auf. »Ich bin hundemüde«, gesteht Anna-Katharina Stötzer, die trotz der Strapazen noch immer lächeln kann. »Gleich ist es endlich geschafft.« Doch die letzten Meter tun ihr und den anderen sichtlich weh. Wie mechanisch und ein wenig hölzern stapfen die Wanderer nach und nach auf die Zielgerade. »Wenn es zwickt, gewöhnt man sich einen ganz eigenwilligen Laufstil an«, erzählt Laura Wiesner. »Bergab ging es bei mir irgendwann nur noch seitwärts.« Bei Silvia Mürling geht am Ende dagegen fast gar nichts mehr. Immer wieder nutzt sie ihre Wanderstöcke als Stützhilfe.

Foto: Christoph Jorda 24 Stunden von Bayern

Erschöpfung nach der Ankunft.

Die Härten der Zielgerade

»Die Füße wollen einfach nicht mehr«, gesteht sie und krempelt die Hosenbeine hoch. Zum Vorschein kommen blütenweiße Kompressionsstrümpfe. »Dafür sind die Waden fast noch taufrisch«, berichtet sie mit einem Augenzwinkern. Und schafft es schließlich doch noch ins Ziel. Zum letzten Mal an diesem nicht enden wollenden Tag erreichen die Teilnehmer den Wandermarktplatz in Bad Steben.

Hartgesottene belohnen sich am Büdchen mit einem prickelnden Weißbier, andere nutzen den nahe gelegenen Ruheraum für ein erstes Nickerchen. Doch die meisten Ankömmlinge tauschen bei einer dampfenden Tasse Kaffee und frischen Brötchen ihre Erfahrungen aus. »Anstrengend war es, aber schön«, sagt Ute Bracklow. Gemeinsam mit ihrem Mann Dirk und Wegbekanntschaft Rainer ist sie nonstop durch die Nacht gewandert. »Die 24 Stunden von Bayern sind absolut pärchentauglich«, sagt sie nun. »Allerdings haben wir Dirk zwischendurch ziehen lassen. Er wollte unbedingt noch die Runde über den Döbraberg mitnehmen. Aber Rainer und mir erschien die Abkürzung einfach zu verlockend.«

Doch nicht nur die Teilnehmer, auch die Veranstalter sind an diesem Sonntagmorgen rundum zufrieden. »Das Feedback der Wanderer ist durchweg positiv«, berichtet Bap Coller von Bayern Tourismus. »Es ist alles sehr gut gelaufen, es gab keine Verletzten, und sogar das Wetter war auf unserer Seite.« Wohl wahr, denn die ersten Regentropfen fallen erst mit dem offiziellen Ende der Veranstaltung. Ein bisschen Glück gehört bei einer 24-Stunden-Wanderung eben auch dazu.




08.08.2011
Autor: Tina Manhenke
© outdoor
Ausgabe 08/2011