Odenwald

Im Odenwald locken sanfte Höhenzüge und herrlich lichte Mischwälder.

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Karte

Foto: Daniel Geiger

Dichter Wald und lang gezogene, flache Bergrücken kennzeichnen den Odenwald. Im Norden reicht er bis Darmstadt, im Süden bis Heidelberg, im Osten bis Miltenberg. Höchster Berg des rund 3200 Quadratkilometer großen Mittelgebirges ist der 626 Meter hohe Katzenbuckel. Den Odenwald durchzieht ein dichtes Netz von Wanderwegen, die oft auf geschotterten Forstwegen verlaufen.

Anreise

http://Von Frankfurt aus auf der A 3 bis Aschaffenburg West, dort auf der B 469 bis Miltenberg. Von Süden her über Heilbronn auf der A 81 bis AB-Abfahrt Ahorn. Dann über die Dörfer Gerichstettem, Bretzingen und Hardheim nach Miltenberg.

Beste Reisezeit

Leuchtendes Grün im Mai, im Juni und Juli oft wechselhaft, recht stabil im September, dann erlebt man auch die schönsten Lichtstimmungen.

Übernachtung

Hotels und Pensionen in Miltenberg, Campingplatz direkt am Main: Campingplatz Mainwiese, Familie Ullrich, 63897 Miltenberg, Infos unter Tel. 0 93 71/39 85.

Bücher

Rother Wanderführer Odenwald, Bernard Pollmann. Bergverlag Rother, München 2005, 10,90 Euro.
Das Nibelungenlied, Text nach Karl Bartsch und Helmut de Boor, Reclam, Stuttgart 1999,
16,10 Euro.

Karten

Nördlicher Odenwald Ost, Hessisches Landesvermessungsamt, Maßstab
1 : 50000, 10,50 Euro.
Maintal-Odenwald, Freizeitkarte Blatt 7, Hessisches Landesvermessungsamt, Maßstab
1 : 20000, 7 Euro.

weitere Infos

Tourismusbüro Miltenberg: www.miltenberg.info, Tel. 09 37 1/40 41 19. Infos zu Wanderungen im Odenwald: www.odenwaldklub.de.

Artikel:

Goldbraun schimmern die Stämme der Kiefern, sattgrün schwingen sich die Höhenzüge des östlichen Odenwaldes in den wolkenlosen Augusthimmel. Die Luft ist erfüllt vom würzigen Duft der Nadelhölzer, eine mediterrane Trägheit liegt über dem Land. Es geht bergauf.
Auf den Stirnen steht der Schweiß, als wir uns den Anstieg hocharbeiten. Kein Hauch ist zu spüren, kein Straßenlärm stört die Stille.
Auch für die 1060 Nibelungen mit den 9000 Knappen muss der Weg anstrengend gewesen sein. Von Worms zogen sie unter König Gunther an den Main und dann flussaufwärts Richtung Donau. Komplett aufgestylt waren sie auf dem Weg zu einer verhängnisvollen Familienfeier an Etzels Hof. »Alles, was sie wollten, hatten sie bei sich: Waffen und Kleider«, heißt es im Nibelungenlied. Wie Helden halt so sind ...
Wir sind unterwegs auf dem Nibelungenweg. So heißt der über 150 Kilometer lange Fernwanderweg, der sich in sechs Etappen von Donnersberg in der Pfalz über Worms am Rhein bis Wertheim am Main zieht, einmal quer durch den Odenwald. Wandern auf den Spuren der Nibelungen – das verspricht ein spannendes langes Wochenende. Doch bislang sind die gelben Quadrate der Markierung des Nibelungenweges das Einzige, was hier im östlichen Odenwald an das Epos erinnert. Langsam nährt sich der Verdacht, dass unser Wanderweg mit der Nibelungensage wohl nur die Tatsache gemein hat, dass er durch Worms führt. Die Stadt wird im Nibelungenlied als Wohnsitz des Burgundenkönigs Gunther und seiner Schwester Kriemhild genannt. In der Gegend erinnert man sich gern an die blutrünstige Viereckstory um den König, seine aus Island importierte Powerfrau Brünhild, seine Schwester Kriemhild und deren Mann, den Tausendsassa Siegfried. Allerorten trifft man auf die Geschichte. Brücken, Restaurants, Museen und Straßen sind danach benannt. Um dem Rummel bei Worms zu entkommen, haben wir uns für die beiden östlichsten Etappen des Weges entschieden, von Michelstadt bis Wertheim. Wunderschön führt der Weg auf dieser Strecke durch Mischwald. Keine Spur von den sonst so verbreiteten Monokulturen, die viele Wälder in Deutschland so dunkel und langweilig machen.
Wir kommen durch das verschlafene Örtchen Rüdenau. Durstig laufen wir zum Dorfbrunnen, der Ottilienquelle. Ihr Wasser schmeckt ausgezeichnet. An so einer Quelle wird im Lied Siegfried gemeuchelt, von hinten mit dem Speer durch die Schulterblätter. Sein Schwager Gunther billigt den Mord. Zwei Stellen im Odenwald konkurrieren als Tatort: Die Siegfriedsquelle bei Grasellenbach und der Lindelbrunnen bei Heppenheim. Der Nibelungenweg führt allerdings etwa zehn Kilometer weiter nördlich an ihnen vorbei.
Auch am nächsten Tag auf dem Bürgstadter Berg: keine Nibelungen. Dafür schlägt auch auf diesem grünen Hügel, der 417 Meter aufragt, Kiefernduft entgegen. Der steile Weg hinauf liegt angenehm im Schatten. Auf halber Höhe steht eine Bauruine aus dem 17. Jahrhundert. Der Dreißigjährige Krieg verhinderte die Fertigstellung der Centgrafenkapelle. Eichen säumen den Kirchenbau, von hier aus hat man einen schönen Blick über Bürgstadt, den Main und die Weinberge. Wegen ihnen wollen wir die heutige Etappe des Nibelungenweges auf der Hälfte verlassen und in einem Bogen zurück nach Bürgstadt gehen. Abendplan: Weinprobe in einer Häckerwirtschaft, wie die von den Winzern betriebenen Weinlokale der Gegend heißen. Den Wein haben die Römer in die Gegend gebracht. Ihnen werden wir uns morgen widmen, auf einem Stück des so genannten Limesweges.
Doch zunächst führt der Pfad von der Kapelle tiefer in den Wald, als Hohlweg schmiegt er sich den Hang entlang. Abertausende Fußtritte schufen eine Kuhle. Er muss uralt sein.
Wenig später verlassen wir wie geplant den Weg mit dem gelben Quadrat und damit die Nibelungen. Die sind, wenn überhaupt, wahrscheinlich etwas weiter südlich in ihr Verderben geritten – den genauen Wegverlauf beschreibt das Nibelungenlied erst ab der Donau. Sie ritten zur Party am Hofe Etzels. Kriemhild lebte mit ihm nach dem Tod Siegfrieds in zweiter Ehe zusammen. Das Fest endet in einem Blutbad. Kriemhild rächt sich bei ihren Verwandten an dem Mord an ihrem Mann und wiegelt die Hunnen gegen die Nibelungen auf. Fazit: über 10000 Tote, Partyraum abgebrannt, am Ende wird Kriemhild zerhackt. Helden ...
Man kann froh sein, dass der Nibelungenweg mit der Sage nur den Namen gemein hat. Der Odenwald ist eigentlich viel zu schön für solch eine grausame Geschichte.

24.09.2005
Autor: Alex Krapp
© outdoor
Ausgabe 09/2005