Ammergauer Alpen: Wandern, Natur & Königsschlösser

Berge, Natur, Kultur
Ammergauer Alpen: Königsschlösser und stille Pfade

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ArtikeldatumVeröffentlicht am 20.03.2025
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Lage und Charakter

Rund um Schloss Linderhof türmen sich die Ammergauer Berge auf: sanfte, dicht bewaldete Kuppen und helle, zerklüftete Felsen. Zu ihren Füßen tänzelt der Fluss Linder durch das Graswangtal. Zwischen Voralpen und Hochalpen, mit den Allgäuer Alpen im Westen und dem Wettersteingebirge im Süden liegen die Ammergauer Alpen in Oberbayern, Schwaben und Tirol. Sie gehören zur touristischen Zugspitzregion und von vielen ihrer Gipfel ist der höchste Berg Deutschlands zu sehen. Wie vom Daniel auf 2340 m Seehöhe in Österreich, dem höchsten Berg der Gebirgsgruppe Ammergauer Alpen. Im Zentrum entspringt der namensgebende Fluss Ammer aus Mooren sowie Quellen und fließt durch ein liebliches Tal bis zum Ammersee bei München.

Das Ammergebirge ist ein märchenhafter Ort: Kein Wunder, dass sich der exzentrische König Ludwig II. einst vor seinen Regentenpflichten am Münchner Hof hierher flüchtete. Der "Märchenkönig" ließ hier in der Region im 19. Jahrhundert die weltbekannten Schlösser Neuschwanstein und Linderhof (s.u.) bauen.

Schloss Linderhof, Ammergauer Alpen, Bayern
Peter Scholey via Getty Images

Noch immer gibt es abseits dieser touristischen Highlights stille Rückzugsorte in den Ammergauer Alpen. Bereits in den Zwanziger Jahren wurden erste Gebiete unter Schutz gestellt, heute ist das Ammergebirge mit gut 300 Quadratkilometern das größte zusammenhängende Naturschutzgebiet Bayerns.

Über fast zwei Drittel des Gebirges erstreckt sich außerdem der Naturpark Ammergauer Alpen in Deutschland. Die zahlreichen Moore, der ruhige Wald und die unberührte Landschaft sind ein wichtiger Lebensraum für Tiere und Pflanzen. Nur wenige Menschen wohnen hier und da die Berggipfel gut zu erreichen sind, wurden auch nur wenige Seilbahnen gebaut. Allerdings ist dadurch das Angebot an Berghütten recht überschaubar für die circa 500 Kilometer an Wanderwegen.

Wie komme ich ins Ammergebirge?

So gut wie jede Stunde fährt von München die RB 6 innerhalb von 1,5 Stunden nach Garmisch-Partenkirchen. Auch mit dem Auto ist man für diese Strecke auf der A95 über eine Stunde unterwegs. Die Regionalbahn 63 verbindet Garmisch-Partenkirchen mit Murnau, Unterammergau und Oberammergau. Nach Füssen fährt die Buslinie 9606 von Garmisch-Partenkirchen über Oberammergau und Saulgrub. Durch das Graswangtal fährt ab Oberau die Buslinie 9624 bis nach Reutte in Österreich.

Sommeraktivitäten in den Ammergauer Alpen

Wer von Bad Kohlgrub aus auf das 1.548 Meter hohe Hörnle steigt, blickt im Nordosten weit über die Landschaft mit ihren Wäldern, Seen und Mooren, im Süden erhebt sich das Zugspitzmassiv. Die Tour kann auch mit der Hörnle Schwebebahn abgekürzt werden. Hier in der Laber-Hörnle-Gruppe bietet eine Bergtour auf den Großen Aufacker (1542 m) grandiose Ausblicke auf Oberammergau, den Hauptort der Ammergauer Alpen. Die eher mittelschwere Tour führt zuerst über den Altherrenweg und dann über Serpentinen bis zum Gipfel. Auf dem Rückweg kann man noch in der Berggaststätte Romanshöhe einkehren, bevor es in den Ort zurück geht.

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Ben Wiesenfarth

Der Weg auf das Ettaler Mandl führt auf bequemen Forstwegen am fast komplett verlandeten Soilasee vorbei. Ein Abstecher auf den Laber (1.686 Meter) belohnt nicht nur mit einem Panoramablick, sondern auch noch mit einer ordentlichen Portion hausgemachtem Kaiserschmarren im Laber-Berggasthaus. Hierher kann man sich auch mit der Bergbahn tragen lassen. Die Stärkung macht sich bezahlt, denn zum Ettaler Manndl hinauf muss man schon ein wenig kraxeln: Zum Gipfel führt ein steiler, mit Drahtseilen und Ketten versicherter Klettersteig. Nach einer aussichtsreichen Pause geht es in Serpentinen bergab nach Ettal.

Der kleine Ort steht ganz unter dem Eindruck seines prunkvollen Klosters mit der großen Kirchenkuppel. Im Inneren verbergen sich kunstvolle Fresken und üppiger Stuck. Auf einem kleinen Waldlehrpfad erfährt man mehr über die Geschichte der Benediktinerabtei, das Gebirge und den Lebensraum Wald. Am Ende kann man noch die Schaukäserei besuchen und sich verköstigen lassen.

Südlich des Orts lohnt sich ein Gratweg in der Kramergruppe. Auf einer 20 Kilometer langen Wanderung können gleich mehrere Gipfel an einem Tag bestiegen werden, wie die aussichtsreiche Notkarspitze (1888 m), der Felderkopf (1928 m) und das Mittageck (1855 m). Über Oberammergau thront der markante Kofel (1342 m). Wie eine Nadel ragt sein felsiger Grat in den Himmel und zieht Bergsteiger magisch an. Die letzten Meter führen über einen drahtversicherten Steig, der Trittsicherheit erfordert. Ab der Kolbensattelhütte kann man mit dem Alpine Coaster ins Tal sausen.

Weiter südlich, im Graswangtal, gab König Ludwig von 1869 bis 1878 Unsummen für den Bau des opulenten Schloss Linderhof aus. Außenstehenden war der Zutritt zur königlichen Villa und der üppigen, nach Versailler Vorbild angelegten Parkanlage streng untersagt. Hoch über Schloss Linderhof verspricht die 1924 Meter hohe Große Klammspitze einen Überblick über das Fantasiereich des Monarchen. 1200 Höhenmeter sind bis zum Gipfel zu überwinden. Vom Schloss führt der Weg, zunächst einfach beginnend, vorbei an des Königs ehemaligen Jagdhütten, den Brunnenkopfhäusern. Danach geht es in steilen Serpentinen bergan und über einen ausgesetzten Grat, der für schwindelfreie, trittsichere Wanderer aber kein Problem sein sollte. Am Gipfel schweift der Blick von der Kleinen Klammspitze über das Hörnle bis zum Karwendel- und Wettersteingebirge.

Durch das malerische Graswangtal verlaufen aber auch schöne Wanderungen ohne viele Höhenmeter, wie von der Ettaler Mühle zum Schloss Linderhof. Die wohl noch bekannteren Märchenschlösser Hohenschwangau und Neuschwanstein lassen sich bei einer gemütlichen Wanderung ab dem Alpsee bestaunen.

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Naturpark Ammergauer Alpen / sowhatwetravel

Hier führt auch der Maximiliansweg vorbei, eine 360 km lange Weitwanderung von Lindau bis Berchtesgaden, beziehungsweise vom Bodensee zum Königssee. Der Bayerische König Maximilian II. – Vater von König Ludwig II. – soll die Strecke im Jahr 1858 zumeist mit Pferd und Kutsche zurückgelegt haben. Auf 22 Etappen geht es über Grate, Gipfel und durch Täler zu allen drei Märchenschlössern in den majestätischen bayerischen Bergen.

Kürzer und einfacher ist der Meditationsweg durch den Naturpark Ammergauer Alpen. Hier erlebt man fünf Tage voller Naturerlebnisse und kultureller Schätze, kann den Alltag vergessen und in die Natur eintauchen. Die 85 Kilometer lange Weitwanderung startet an der Wieskirche in Steingaden, führt durch das Ammertal bis zum Schloss Linderhof im Graswangertal. Unterwegs laden 15 Stationen zum Meditieren und Entschleunigen ein.

Im östereichischen Teil der Ammergauer Alpen führen gemütliche Wanderungen rund um den Plansee und Heiterwanger See. Eine tolle Aussicht auf ihre fjordartigen, naturbelassenen Ufern und bewaldeten Berghänge hat man vom Schönjöchl (1661 m) und dem Lichtbrenntjoch (1960 m).

Hier im Südlicher Hauptkamm beziehungsweise Danielkamm liegen die höchsten Berge der Ammergauer Alpen, wie der Daniel (2340 m), sein Nebengipfel Upsspitze (2332 m), der Plattberg/Hochschrutte (2247 m) sowie die Kohlbergspitze (2202 m). Der höchste Berg im bayerischen Teil ist die Kreuzspitze (2185 m). Ein alpiner Normalweg führt von Norden auf den Gipfel, man kann aber auch über den Grat mit Klettereien im I bis II Grad den Berg besteigen. Kraxelig wird es auch an der markanten Hochplatte (2082 m), dessen Grat teilweise mit Drahtseilen versichert ist. Alle Gipfel sind innerhalb eines Tages ab den Talorten erreichbar, Übernachtungsmöglichkeiten am Berg gibt es nicht.

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Naturpark Ammergauer Alpen / Simon Bauer

Wer gerne Klettersteige geht, findet am Tegelberg mehrere Touren für alle Könnensstufen. Kinder und Anfänger beginnen mit dem Gelbe-Wand-Steig (A/B), für Fortgeschrittene eignet sich der Tegelbergsteig (C) und für Erfahrene der Fingersteig (D). Am Ende kann man noch auf den Branderschrofen (1881 m) wandern und die Aussicht über Forggensee, Füssen und das Ammergebirge genießen. Zurück geht es mit der Seilbahn am Tegelberghaus oder über den einfachen Klettersteig mit Blick auf Schloss Neuschwanstein.

Die vielen steilen und schroffen Felsen sind auch ideales Kletterterrain. Nicht nur alpine Mehrsseillängen warten hier, sondern auch Sportkletterrouten. Beliebte Felsen sind Kofel, Laber, Säugling, Geiselstein und Frauenwasserl. Von einfach bis schwer wird jeder versorgt, besonders viele Routen gibt es im sechsen und siebten UIAA-Grad.

Zum Fahrradfahren bieten sich in den Ammergauer Alpen der Ammer-Amper-Radweg (202 km) und der Bodensee-Königssee Radweg (460 km) an. Auf ruhigen Wegen radelt man durch die sanfte Hügellandschaft der Voralpen. Schöne Tagestouren sind zum Beispiel die Königsrunde (42 km) von Oberammergau zum Schloss Linderhof und die Moorrunde bei Bad Kohlgrub (51 km).

Zum Mountainbiken gibt es den Bikepark Oberammergau mit sechs Trails von einfach bis schwer. Touren können auch mit einem Gravelbike geschafft werden, wie die Trauchbergrunde (45 km) und die Planseerunde (66 km). Hier steht mehr der Genuss der Alpenwelt im Fokus als das fahrerische Können.

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Naturpark Ammergauer Alpen / Simon Bauer

Winteraktivitäten in den Ammergauer Alpen

Auf 120 Kilometern an markierten Wanderwegen kann man hier die winterliche Stille mit und ohne Schnee genießen. Der 9,5 km lange Altherrenweg zieht sich als malerischer Höhenweg mit fantastischen Ausblicken von Oberammergau nach Unterammergau. Auch der Sonnenweg (10 km) durch das Weidmoos und das Graswangtal lohnt sich im Winter.

Bei guter Schneelage werden bis zu 180 Kilometer Loipen gespurt. Mit ihrem leichten Niveau sind sie sowohl für Anfänger als auch Fortgeschrittene geeignet. Die meisten sind zwischen drei und zehn Kilometer lang, Highlight ist die 30 Kilometer lange König Ludwig Loipe von Oberammergau am Kloster Ettal vorbei bis zum Schloss Linderhof. Auch Skitouren sind möglich, zum Beispiel am Laber, der Kreuzspitze und der Hochplatte.

Wer lieber auf Pisten unterwegs ist, hat die Wahl zwischen drei Skigebieten. Die blauen Pisten im Skigebiet am Kolben in Oberammergau eignen sich besonders gut für Familien. Etwas größer ist das Familienskigebiet Steckenberg bei Unterammergau mit fünf Kilometer an Pisten. Sicheres Fahren im Tiefschnee geht am Laber. Die Skiroute "Nordhang" ist als eine der steilsten Abfahrten Deutschlands bekannt. Sie wird nicht präpariert, aber bezüglich Lawinensicherheit überwacht. Am Hörnle und am Kolbensattel gibt es außerdem zwei Rodelbahnen, die einfach über die Sesselbahnen zu erreichen sind.

Welche Übernachtungsmöglichkeiten gibt es?

  • Auf dem Warbichlhof in Oberammergau bekommen Gäste auf Wunsch vor Ankunft den Kühlschrank mit regionalen Produkten gefüllt. Appartment für zwei Personen ab 76 Euro pro Nacht.
  • In den Ammergauer Alpen gibt es insgesamt drei Berghütten des Deutschen Alpenverein, einige private Hütten und keine in Tirol. Ganzjährig bewirtschaftet ist das August-Schuster-Haus auf dem Pürschling (1564 m), das man ab Unterammergau in zwei Stunden zu Fuß erreicht. Ab 11 Euro im Matratzenlager.
  • Mit Zelt oder Reisemobil übernachtet man zum Beispiel im Campingpark Oberammergau oder am Bannwaldsee. Direkt am Plansee bietet in Österreich auch der Campingplatz Seespitz eine ruhige Alternative. Von unserem Schwestermagazin promobil empfohlen: die Stellplatz-Campingoase Reindl in Bad Kohlgrub.
82433 Bad Kohlgrub (D)
Stellplatz Campingoase Reindl
13 Bewertungen
25,00 EUR/Nacht
Strom vorhanden
Wasser vorhanden
Grauwasser-Entsorgung vorhanden
Chemie-WC vorhanden
WC vorhanden
Dusche vorhanden
Platz für Wohnmobile mit Überlänge
WLAN vorhanden
Hunde erlaubt

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