Trek Neusseland - durch den Fiordland-Nationalpark

In der Urwelt - Auf Wandertour im Fiordland-Nationalpark

Foto: Ben Wiesenfarth Trek Neuseeland - Fjordland-Nationalpark
Nirgends hat die Natur der Vorzeit sich so gut erhalten wie im neuseeländischen Fiordland – und der Routeburn Track führt mitten hinein.

Man könnte sagen »es regnet«, doch das trifft es nicht ganz. »Es gießt in Strömen« passt schon eher, obwohl auch das vielleicht noch etwas zu beschaulich klingt. »Es schüttet wie aus Eimern« möchte man nennen, was gerade auf der ersten von den drei Etappen des Routeburn Tracks passiert. Nur, wer seine Hand in den Regen streckt, merkt am Rhythmus der Platscher, dass das, was da runterkommt, überhaupt noch tropfenförmig ist. In Europa würden nach solchen Güssen Flüsse über die Ufer treten, Brücken davongerissen und Keller unter Wasser stehen. Doch hier, im neuseeländischen Fiordland, ziemlich genau an der Wasserscheide zwischen West- und Ostküste, reißt dieses Naturschauspiel keinen Feuerwehrmann aus dem Sessel. Zum einen, weil der nächste Feuerwehrmann im 70 Kilometer entfernten Te Anau im Trockenen sitzt, zum andern, weil es hier einfach zum Klima gehört. Schließlich kommt die Region auf die beträchtliche Niederschlagsmenge von 5000 Millimetern im Jahr. Dreißig Kilometer westwärts, an der Küste, wo die Wolkenmassen, die über der Tasmanischen See Anlauf genommen haben, auf die südlichen Alpen treffen, sind es sogar 8000. Zum Vergleich: Das schottische Edinburgh, nicht unbedingt bekannt für sein gutes Wetter, bringt es gerade mal auf 700.

»Wer in einer Arche sitzt, sollte mit einem bisschen Sintflut rechnen«, scherzt Führer Takeshi Kominami in der Lake Howden Hut mit seiner australischen Kundschaft und spielt damit auf die geologische Lehrmeinung an, dass sich Neuseeland irgendwann vor 80 bis 200 Millionen Jahren vom Urkontinent Gondwanaland trennte. Isoliert im Ozean, konnte sich auf dem Archipel eine Flora erhalten, die direkt von den ältesten Farnen und Bäumen der Erde abstammt. 85 Prozent der neuseeländischen Pflanzenarten sind endemisch, also nur hier heimisch. Nicht umsonst zählen der Fiord­land- und der im Norden angrenzende Mt. Aspiring National Park zum 2,6 Millionen Hektar großen Unesco-Weltnaturerbe.

01.03.2010
Autor: Alex Krapp
© outdoor
Ausgabe 02/2010