Trek Neusseland - durch den Fiordland-Nationalpark

Fjordland in Neuseeland - von Papageien, Kiwis und anderen Vögeln

Nirgends hat die Natur der Vorzeit sich so gut erhalten wie im neuseeländischen Fjordland – und der Routeburn Track führt mitten hinein. outdoor unterwegs im Land des Kiwis.
Foto: Ben Wiesenfarth

Hinter dem Routeburn-Tal erstreckt sich der Mt. Aspiring National Park.

Als ob sie extra für eine aufwendige Hollywoodproduktion eingeflogen worden wären, lässt sich auf dem Sattel eine weitere neuseeländische Spezies beobachten – der Kea. Als einzige Papageienart lebt sie über der Baumgrenze und ist berüchtigt für ihre Neugier. Mancher Wanderer, der seinen Rucksack unbeaufsichtigt ließ, musste mit ansehen, wie die äußerst geschickten Vögel das Deckelfach fledderten und mit liebgewonnenen Ausrüstungsstücken wie Reisepass oder Kreditkarte davonflogen – im Übrigen ein prachtvoller Anblick, die Unterseite der Flügel schimmert rot, blau und grün.

An bemerkenswerten Vogelarten herrscht in Neuseeland kein Mangel. Da sich auf den isolierten Inseln keine Landsäugetiere entwickelten, entfaltete sich, von Fressfeinden ungestört, eine einzigartige Vogelwelt. Einigen Arten ging es sogar so gut, dass sie keinen Anlass zum Fliegen mehr sahen und so über die Jahrtausende ihre Flugfähigkeit einbüßten, wie etwa Weka, Kakapo oder der Kiwi. Mit dem Eintreffen der ersten Menschen allerdings war es mit dem sorgenfreien Leben aus. Der straußenähnliche Riesenvogel Moa beispielsweise schmeckte schon den Maori, die um das Jahr 1300 auf die Inseln kamen, so gut, dass er bereits 400 Jahre später, als die ersten europäischen Siedler eintrafen, ausgestorben war. Eingeschleppte Landsäuger wie Wiesel und Co. sorgten dafür, dass heute viele der endemischen Vogelarten vom Aussterben bedroht sind.

Doch zum Glück hat man in Neuseeland eine Schwäche für komische Vögel und bemüht sich um ihren Schutz, besonders den des Kiwis. Kein Wunder, hat man ihn doch als Nationaltier so ins Herz geschlossen, dass nicht nur die chinesische Stachelbeere, die in Neuseeland zum ersten Mal außerhalb Asiens in großem Stil angebaut wurde, nach ihm benannt wurde, sondern auch die Bewohner des Inselstaates selbst. Die Kiwiliebe geht sogar so weit, dass man den flugunfähigen Vogel zum Wappentier der neuseeländischen Luftwaffe auserkor.

Wie ernst man es mit dem Naturschutz nimmt, erfahren Wanderer am Ende des Tracks: Am Routeburn Shelter steht Desinfektionsmittel für Wanderschuhe bereit, um die Ausbreitung einer eingeschleppten Algensorte zu verhindern. Damit man auch morgen noch durch Gondwanaland wandern kann.

01.03.2010
Autor: Alex Krapp
© outdoor
Ausgabe 04, 05, 03/2010, 2010, 2010