Navigation vom Feinsten: 6 GPS-Geräte für Outdoorer im Test

Hightech-Navis zwischen 300 und 450 Euro

Ein gutes GPS-Gerät für Outdoorer macht die Orientierung auf Tour zum Kinderspiel. Welchem Sie sich beruhigt anvertrauen können, klärt der Test von sechs aktuellen Hightech-Empfängern zwischen 300 und 450 Euro.
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Ein GPS-Gerät gehört für viele Wanderer heute ebenso zur Ausrüs­tung wie die Funktionsjacke oder der Rucksack. Zu groß sind die Verlockungen der satellitengestützten Orientierung, als dass man auf sie verzichten wollte: Statt umständlich mit Karte und Kompass zu hantieren, folgt man einfach dem Wegweiser im Display. Verlaufen? Versteigen? Ausgeschlossen – selbst bei Nacht und Nebel!

Kein Wunder also, dass immer mehr Geräte auf den Markt drängen. Doch worin unterscheiden sich die verschiedenen Modelle, und wie viel sollte man investieren? Reicht ein Basisgerät, oder muss es der Top-Empfänger mit allen Finessen sein? Um das zu klären, haben wir sechs aktuelle Modelle zwischen 300 und 450 Euro getes­tet (siehe Mediashow). Sie mussten ihr Navigationskönnen auf zahlreichen Touren unter Beweis stellen: im dichten Forstweg­dschungel der Fränkischen Schweiz ebenso wie im weglosen Felsterrain der Ostalpen.

Hierbei achteten die Tester vor allem auf die Empfangsqualität, die Einfachheit der Bedienung, die Güte des Displays sowie auf die verschiedenen Navigationsmöglichkeiten der einzelnen Kandidaten. Ein weiteres sehr wichtiges Kriterium für die Tester ist die Qualität der aufs Gerät ladbaren Karten, denn sie bestimmt maßgeblich, wie gut man sich im Gelände zurechtfindet.

Ohne Licht geht oft nichts

Wie schon bei früheren Tests zeigen auch die aktuellen Geräte in puncto Empfang keine Schwächen mehr: Selbst im dichten Wald finden alle im Nu die exakte Position, wobei es den beiden Garmingeräten etwas zügiger gelingt als dem Rest. Deutlichere Unterschiede verzeichnen die Tester in der Handhabung sowie beim Display. Auch hier liegt Garmin vorne, allerdings nur mit dem GPSmap 62s: Die einfache Tas­tensteuerung mit cleveren Shortcuts und das helle, oft auch ohne aktivierte Hintergrundbeleuchtung gut ablesbare Display setzen Maßstäbe. Hingegen lässt sich auf den Monitoren der übrigen Kandidaten oft nur mit aufgedrehter Beleuchtung etwas erkennen – was den ohnehin hohen Strombedarf der Hightech-Empfänger noch einmal steigert.

Foto: Till Gottbrath / Garmin Garmin Dakota 20

Die Garmin-Modelle sind perfekt für lange Treks ohne Stromversorgung.

Kein Wunder also, dass das GPSmap 62 mit einem Satz Batterien am längsten durchhält: bis zu 20 Stunden lang. Ein Wert, den sonst nur das Garmin Dakota erreicht und der perfekt ist für lange Treks ohne Stromversorgung. Doch lassen sich auch mit den restlichen Modellen für Tages- und Wochenendtouren ausreichende Laufzeiten von 8 bis 16 Stunden erzielen, zumindest, wenn man die Hintergrundbeleuchtung ausknipst.

Ein Kopf-an-Kopf-Rennen liefert sich das Testfeld bei den Navigationsoptionen – mit leichten Vorteilen für das MyNav und die beiden Garmin-Empfänger. Sie führen Wanderer einmal mit vorgegebenen Routen oder Tracks ans Ziel, beherrschen aber auch die automatische Wegfindung (Routing). Einfach ein Ziel eintippen, und schon präsentiert der Satellitenlotse die perfekte Tour? Ganz so einfach ist es nicht. Obwohl sich vor allem beim MyNav detaillierte Vorgaben für die Routenwahl eingeben lassen – etwa »Wanderweg leicht« oder »Wanderweg mit Klettersteig« –, muss man die Streckenführung in der Regel durch das Einfügen von Zwischenzielen an die eigenen Vorstellungen anpassen. Trotzdem: Vor allem Tagestouren sind auf dem MyNav und den Garmins mit Routing recht flott erstellt und durchaus eine Alternative zur klassischen, manuellen Planung am Computer.

Damit die automatische Routenberechnung funktioniert, muss nicht nur das GPS-Gerät dafür ausgelegt sein – im Test sind das alle bis auf Satmap –, sondern auch das Kartenmaterial. Das zeigt, es kommt bei der Wahl des richtigen Gerätes also auch auf das jeweils verfügbare Kartenangebot an. Verwenden lassen sich fast ausschließlich die Karten der gleichen Gerätemarke. Garmin-Modelle kann man nicht mit Lowrance-Karten füttern und umgekehrt.

Grundsätzlich unterscheidet man zwischen Rasterkarten und Vektorkarten (s. Kasten links). Während Satmap und TwoNav Rasterkarten vorziehen, setzen etwa Garmin und MyNav auf routingfähige Vektorkarten. Allerdings bietet Garmin seit kurzem einen kostenpflichtigen Online-Dienst, über den gerätekompatible Rasterkarten bezogen werden können. Darüber hinaus lassen sich die Garmins sowie auch das MyNav mit Rasterkartenausschnitten von Fremdanbietern füttern. Hierzu zählen der Tour Explorer Deutschland von MagicMaps und alle mit der Software Touratech QV kompatiblen Karten.

Dieser Upload von Rasterkarten zaubert nicht nur klassische Landkartenoptik aufs Display, er erweitert auch die Navigationsmöglichkeiten der Garmin- und MyNav-Empfänger. So kann man beide Kartentypen parallel verwenden und damit die vertraute Ansicht von Rasterkarten mit der Routingfunktion von Vektorkarten kombinieren.

Wer auf Routing verzichten kann, nicht aber auf die klassische Landkartenoptik, sollte dennoch lieber zu den Geräten von Satmap oder TwoNav greifen. In puncto Darstellungsqualität sind deren Rasterkarten denen von Garmin und MyNav oftmals überlegen.

Wohin geht die Reise?

Ein gutes Kartenbild ist nicht alles. Genauso wichtig ist das verfügbare Kartenangebot. Hier überzeugen Garmin, TwoNav und Satmap mit einem sehr breiten Sortiment wandertauglicher Karten. Es deckt nicht nur viele europäische Länder ab, sondern auch beliebte Reiseziele wie die USA oder Australien. Praktisch: Mit den Karten von Garmin, MyNav und TwoNav lassen sich Touren sogar am Computer planen und anschließend auf das Gerät laden, Satmap stellt stattdessen auf seiner Webseite Karten für die Onlineplanung zur Verfügung. Abgesehen vom Kartenangebot spielt bei der Wahl des richtigen GPS-Geräts auch die Ausstattung eine große Rolle.

Alle Modelle verfügen über einen Kompass, der dafür sorgt, dass die Navis die Richtung auch im Stehen anzeigen, und bis auf das Satmap auch über einen Höhenmesser. Dessen Nutzen schöpft das Garminduo am bes­ten aus. Es zeigt nicht nur die aktuelle Höhe an, sondern informiert auch über die bereits absolvierten Höhenmeter oder über die Wettertendenz mittels einer Druckgrafik. Mehr noch: Ein weiteres Extra erlaubt Garmin- und Twonav-Nutzern das Laden von Gratiskarten aus dem Internet.

Doch auch andere Geräte punkten mit cleveren Zusatzfunktionen. Auf dem Lowrance können etwa diverse Navigationsprogramme von Fremdherstellern installiert werden, mit denen sich Rasterkarten wie die MagicMaps oder die Kompass-Karten verwenden lassen. Ähnliches gilt für das MyNav, auf dem eine Software für Mountainbiker läuft.

14.02.2011
Autor: Uli Benker
© outdoor
Ausgabe 01/2011