10 Longsleeves aus Wolle im outdoor-Test 2018

Merinounterwäsche im Test: Langarmshirts

Foto: Devold of Norway Test: Langarmshirts

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Funktionswäsche aus Merinowolle hält warm und trägt sich kuschelig - ideal für kühlere Tage. Welches Wollshirt 2018 am meisten überzeugte, zeigt der Test von je zehn Langarmshirts für Männer und Frauen ...
Zu den getesteten Produkten

Hinweis: Einen tagesaktuellen Preisvergleich zu den getesteten Merino-Shirts finden Sie unten auf dieser Seite sowie in der Fotostrecke.

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Das Testfeld im Überblick:

Funktionswäsche / Link zum Testbericht Preis Testurteil
Woolpower Zip Turtleneck 200 (Testsieger) 100 Euro Überragend
Falke Wooltech Zip Shirt 110 Euro Überragend
Devold Breeze Half Zip (Kauftipp) 85 Euro Sehr gut
Bergans Fjellrapp Halfzip 80 Euro Gut
Mammut Go Warm Zip Longsleeve 80 Euro Gut
Odlo Merino Warm Shirt Turtle Neck ½ Zip 80 Euro Gut
Ortovox 145 Merino Ultra 110 Euro Gut
Super Natural M Base ¼ Zip 175 80 Euro Gut
Sweet Protection Alpine ½ Zipneck 200 120 Euro Gut
Vaude Seamless Longsleeve Shirt 100 Euro Gut

Unterwäsche aus Merinowolle ist bei Outdoorern beliebt

Kein Wunder, werden der Merinowolle doch nahezu magische Eigenschaften zugesprochen. So soll sie selbst im klitschnassen Zustand wärmen, die Körpertemperatur auch bei anstrengenden Aufstiegen im grünen Bereich halten, die Umwelt schonen, gegen Geruchsbildung immun sein und zudem kuschelig-weich auf der Haut liegen – vor allem das besonders feine Fell des in Neuseeland, Australien und Südamerika beheimateten Merinoschafes. Es eignet sich mit seiner extrem feinen Wolle, deren Härchen im 20-Mikrometer-Bereich liegen (europäisches Schaf: 30–40 Mikrometer), am besten für den Einsatz auf nackter Haut – und steckt daher auch in den zehn Langarmshirts dieses Testes.

Allerdings findet man reine Merinowolle bei nur bei vier der getesteten Longsleeves: Bergans Fjellrapp, Devold Breeze, Odlo Merino Warm und Sweet Protection Alpine Halfzip. In die übrigen sechs Langarmshirts haben die Hersteller Kunstfasern gemischt. »Das macht die Hemden widerstandsfähiger, erhöht die Elastizität und lässt sie schneller trocknen«, erklärt outdoor-Ausrüstungsredakteur Frank Wacker. Wollfasern können nämlich bis zu 35 Prozent ihres Eigengewichtes an Wasser aufsaugen und speichern, Kunstfasern hingegen nur 5 bis 15 Prozent. Ein zweiter wichtiger Faktor ist die Strickart: je lockerer, desto zügiger verdunstet die Feuchtigkeit.

Das beweist der outdoor-Labortest, bei dem das Shirt von Woolpower am schnellsten trocknete. Nicht nur wegen seines 40-prozentigen Synthetikanteils, setzt doch der schwedische Hersteller bei seiner Unterwäsche auf einen extrem offenen Strick mit Frotteeschlingen auf der Innenseite. Die luftig-leichten Kandidaten von Devold und Mammut trocknen ebenfalls zügig. Am meisten Zeit gönnt sich hingegen das sehr engmaschige Vaude – trotz Synthetikanteil.

Ein solcher macht sich auch beim Tragekomfort bemerkbar. »Hemden mit hohem Kunstfaseranteil können sich schnell künstlich-glatt anfühlen statt flauschig und weich«, so Frank Wacker. Am deutlichsten spürten das die vier Tester beim getesteten Longsleeve von Mammut – das nur zu 22 Prozent aus Wolle besteht. »Liegt etwas plastikartig auf der Haut«, notierte eine Testerin in ihren Bewertungsbogen.

Allerdings bringt ein hoher Wollanteil nur dann Vorteile, wenn die Fasern nicht die Haut piesacken. »Die getesteten Shirts von Bergans und Ortovox können bei Menschen mit empfindlicher Haut zu Juckreiz führen«, sagt Frank Wacker. Am weichsten trägt sich das Hemd von Falke. Devold und Woolpower spielen beim Hautgefühl ebenfalls in der ersten Liga mit.

Und nicht nur dort, ist das Duo doch so elastisch, ergonomisch und lang geschnitten, dass es weder bei Bewegungen spannt noch beim Bücken oder Hochgreifen aus der Hose rutscht und dabei Bauchnabel oder Nieren der Kälte ausliefert. »Außerdem lassen sich bei Devold und Woolpower – anders als beim Hemd von Odlo – die Ärmel einfach bis zum Ellbogen hochschieben, wenn‘s einem mal zu warm wird«, so outdoor-Testerin Katleen Richter, die alle Hemden fünf Wochen lang auf ihren täglichen Joggingrunden getragen und verglichen hat. Dabei zeigte sich rasch, in welchen Modellen man einen kühlen Kopf bewahrt: Schließlich soll Funktionswäsche nicht nur im Alltag überzeugen, sondern vor allem beim Wandern und Trekken – wo es auch mal anstrengend werden kann.

Prima Klima: Bodymapping-Spezialist Falke

»Bei hohem Puls – oder bei Wärme – fängt der Körper an zu schwitzen, um über Verdunstung zu kühlen«, erklärt Frank Wacker. Ein gutes Funktionsshirt unterstützt diesen Prozess, indem es der Haut ihren Schweißfilm lässt. Dicht gestrickte Longsleeves mit hohem Wollanteil saugen hingegen die Feuchtigkeit flächendeckend auf und geben sie so schnell nicht wieder her. Anders bei lockerer Strickart: Hier hat der Schweißfilm Platz, um auf der Haut zu verdunsten. Kunstfasern begünstigen diesen Effekt, indem sie Feuchtigkeit nicht bunkern, sondern gleich an die Außenseite durchwinken und dort verdunsten lassen – was ebenfalls kühlt.

Ein eng anliegendes Shirt schafft das am besten. Erst recht, wenn es unterschiedlich dick ausfällt, also etwa den schnell fröstelnden Nieren mehr Stoff gönnt als den Achseln, die es lieber luftig mögen. »Bodymappping« nennt sich diese Verarbeitungsweise. Wie gut sie funktioniert, zeigt Falke: Kein anderes Shirt im Test klimatisiert besser. Nur das mit einem ähnlich hohen Synthetikanteil gefertigte, ebenfalls eng anliegende Woolpower kann da mithalten. Modelle aus reiner Wolle haben es dagegen schwer, sieht mal einmal vom sehr locker gestrickten Devold Breeze Half Zip ab. Sie eignen sich eher für gemütliche Touren – und für Outdoorer, die selbst bei hohem Tempo kaum schwitzen.

Reine Wollshirts müffeln deutlich später

Je höher der Synthetikanteil, desto eher muss das Unterhemd gelüftet respektive gewaschen werden. Das zeigt auch der Test 2018: Während das Mammut Go Warm Zip schon nach ein paar Stunden riecht, fangen Bergans, Devold, Odlo, Ortovox und Sweet Protection damit erst nach drei bis fünf Tagen Dauereinsatz an – perfekt für Mehrtagestouren.

»So hat jedes der zehn getesteten Wollshirts seine Stärken«, zieht Frank Wacker nach dem Test Bilanz. Fünf langarmshirts stechen heraus: einmal die besonders weichen Hemden aus reiner Wolle, die von Odlo, Sweet Protection sowie Devold kommen. Zwar gehört das Devold nicht zu den wärmsten Shirts, eignet sich aber als einziger reinrassiger Wollkandidat auch für anstrengende Unternehmungen. Für Hüttentouren ist es sogar geradezu prädestiniert, da es erst spät anfängt zu müffeln und dazu zügig trocknet, sodass man es unterwegs auch mal durchwaschen kann.

Bei der Unterwäsche mit Kunstfaseranteil hingegen treffen Falke und Woolpower ins Schwarze: Diese Shirts tragen sich genauso bequem und weich wie die Wollshirts, bieten aber bei schweißtreibenden Einsätzen einen deutlich besseren Klimakomfort. Damit empfehlen sie sich in erster Linie für Sportler und Heißsporne. Während das eher eng sitzende, mittelwarme Falke Wooltech Zip das ganze Jahr über punktet, brilliert das flauschige Woolpower Zip Turtleneck 200 vor allem an eisigen Tagen. Klasse: Als einziges im Test darf man das in Schweden gefertigte Shirt bei 60 Grad waschen, was (geruchsbildende) Bakterien unschädlich macht. Und es fühlt sich am schnellsten von allen wieder trocken an.

Merinoshirts - ökologisch korrekt?

Herstellung: Im Vergleich zu Kunstfasern verursacht die Produktion eines Wollhemdes ein Vielfaches an Treibhausgasen. Das liegt vor allem an den Schafen, die Unmengen von hoch klimawirksamem Methan ablassen und oft mit Pestiziden (etwa gegen die Schaflausfliege) behandelt werden. Wolle durchläuft zudem einen aufwendigen Wasch- und Färbeprozess und wird über weite Wege transportiert – die meiste Merinoware stammt aus Australien. Dafür handelt es sich um einen nachwachsenden, nicht erdölbasierten Rohstoff.

Gebrauch: Deutlich besser fällt die Klimabilanz von Wollshirts während der Benutzung aus: Da die Naturfasern antibakteriell wirken und weniger schnell anfangen zu müffeln, muss man sie nur selten waschen. Oft reicht sogar lüften aus. Weiterer Pluspunkt: Wollkleidung setzt beim Waschen und Tragen – anders als Synthetik – kein Mikroplastik frei.

Entsorgung: Je länger man sein Shirt, egal ob aus Plastik oder Wolle, benutzt, desto besser für die Umwelt. Außerdem lässt sich heute nicht nur Polyester, sondern auch Wolle recyceln – wenn man sie nicht in den Hausmüll wirft.

Tagesaktueller Preisvergleich für die getesteten Merino-Shirts (soweit Angebote bei unseren Partnershops vorhanden)




22.01.2018
Autor: Boris Gnielka
© outdoor
Ausgabe 01/2018