Zustiegsschuhe im Test 2018

10 Zustiegsschuhe im Vergleich

Foto: Steffen Scheyhing Multifunktionsschuhe im Test 2018

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Niedrig geschnittene Wander- und Zustiegsschuhe locken mit Knöchelfreiheit, Gehkomfort, Grip und viel Halt. Welche auch Mittelgebirgstouren zum Genuss machen, zeigt der Test von zehn Zustiegsschuhen bis 200 Euro.
Zu den getesteten Produkten

Die Testergebnisse im Überblick:

Zustiegsschuh/Link zum Testbericht Preis Testurteil
Aku Tengu Low GTX (Testsieger) 190 Euro Überragend
Salewa Wildfire GTX 170 Euro Überragend
Lowa Arco GTX Lo/Sassa GTX Lo (Kauftipp) 170 Euro Sehr gut
Adidas Skychaser GTX 180 Euro Sehr gut
Asolo Apex GV 180 Euro Sehr gut
Hanwag Belorado Low 180 Euro Sehr gut
Meindl Tereno GTX 170 Euro Sehr gut
Keen Targhee 3 WP (Kauftipp) 130 Euro Gut
La Sportiva Genesis Low GTX 200 Euro Gut
Salomon Outpath GTX 160 Euro Gut

Ein toller Mischwald, mystische Burgruinen, bunte Felstürme und saftige Wiesen: Der Pfälzer Wald ist ein Paradies für Outdoorer – und eine Herausforderung für Wander- und Zustiegsschuhe, die hier verschlungene Wurzelpfade, weiche Waldwege, matschige Senken, harte Teerpisten und krümeligen Sandsteinfels bewältigen müssen. Das gilt auch für die zehn Zustiegsschuhe, die das outdoor­-Testteam hier über einen 17 Kilometer langen Prüfparcours schickt.

Zuvor wurden sie bereits von der neunköpfigen Testcrew drei Wochen lang eingelaufen und im Alltag genutzt: So konnten sie sich auf gemütlichen Spaziergängen, strammen Wochenendwanderungen und zackigen Speedhikingtouren mit Passform, Sitz und Abrollverhalten im Vorfeld vertraut machen.

In der Pfalz geht es nun ums Ganze: Ausgerüstet mit einem Rucksack voller Wechselpaare, Kuli und Bewertungsbogen, wollen die Tester hier den Schuhkönig küren – bei so vielen unterschiedlichen Zustiegsschuhen eine anspruchsvolle Aufgabe: Da gibt es einmal die drei Leichtmodelle von Adidas, Salewa und Salomon, die mit einem Paargewicht zwischen 670 und 800 Gramm fast schon als Trailrunningschuhe durchgehen.

»Besonders dem Salomon merkt man seine Leichtbauweise an, in steilem Terrain hat er nichts zu suchen, sein weicher Schaft verwindet sich hier zu stark«, bemerkt Johannes Butscher, der gerade auf einem abschüssigen Pfad um Gleichgewicht ringt. Deutlich souveräner agieren dabei die Test-­Schwergewichte von Aku, Lowa und Meindl. »Mit rund 1000 Gramm wiegen sie zwar etwas mehr, meistern aber raues Terrain viel besser«, sagt outdoor­Redakteur Frank Wacker.

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Diese Zustiegsschuhe sind stabiler, als sie aussehen

Nicht nur beim Abstieg, auch beim ganz normalen Wandern bietet das Trio Aku-­Lowa-Meindl deutlich mehr Stabilität. Und Schutz vorm Umknicken – trotz des niedrigen Schafts. »Lowa und Aku liegen in puncto Verwindungssteifigkeit und Seitenhalt ganz vorne«, sagt Felix Wiedmann, der den zwei Schwergewichten Berg- und Hüttentouren genauso zutraut wie Mittelgebirgswanderungen mit 15-Kilo-Rucksack. Zumal sie sich bequem tragen – ganz besonders der Aku. »Seine 1090 Gramm merkt man beim Gehen nicht«, notiert outdoor-Redakteurin Kerstin Rotard in den Testbogen. Den hohen Komfort verdankt der Aku seiner exzellent abrollenden Sohle und dem anpassungsfähigen Schaft, der für einen schlüssigen Sitz sorgt.

Foto: Steffen Scheyhing Multifunktionsschuhe im Test 2018

Testalltag: hinsetzen, Notizen machen, Schuhe wechseln, weitergehen.

Doch mit Gehkomfort geizt in diesem Testfeld kein Zustiegsschuh– im Gegenteil. Bis auf La Sportiva, der zusammen mit den Kandidaten von Asolo, Hanwag und Keen das Gewichts-Mittelfeld im Test bildet, tragen sich alle Paare sehr komfortabel. An der Komfortspitze stehen die Zustiegsschuhe von Adidas und Salewa. Sie rollen top ab, umschließen die Füße sauber und dämpfen stark – wodurch längere Asphalt-Etappen ihren Schrecken verlieren.

Auch beim Schuhklima überzeugen sie voll – wie fast alle Kandidaten. Nur im La Sportiva und Salomon kann es etwas warm werden – obwohl das Duo (wie alle Testpaare) eine atmungsaktive Membran besitzt.

Ins Rutschen kommt kein Zustiegsschuh

»Sie schützt die Füße bei Dauerregen oder auf nassen Wiesen«, erklärt Test-Redakteur Frank Wacker. Wie gut, bewiesen nicht nur Hunderte von Wanderkilometern im nassen Märzwetter, sondern auch der Schuhflexer im outdoor-Labor. Die gefrierschrankgroße Maschine zwang alle zehn Paare jeweils 24 Stunden zu Gehbewegungen im Wasserbad. »Bei einem Leck hätte sie sofort Alarm geschlagen – was aber zum Glück ausblieb«, so Frank Wacker.

Allerdings zeigte der Labortest auch: Allzu weit sollte man mit niedrig geschnittenen Schuhen nicht ins Wasser gehen. »Die Membran hört oft schon ein, zwei Zentimeter unterhalb des Schaftabschlusses auf«, so Wacker. Auch reicht der Zungenfalz bei vielen Modellen nicht sehr weit nach oben. Als Faustregel gilt: Solange die Wasserlinie maximal bis zur Mitte der Schnürzone reicht, bleibt's innen trocken.

In puncto Sohlengrip zeigen die Zustiegsschuhe im Test ebenfalls keine Schwächen: Ob Fels, Waldboden oder Schlamm – ins Rutschen kommt so schnell keiner, mit dem Adidas ist das sogar fast unmöglich. Seine spärlich gepflanzten, hohen Stollen kleben selbst auf nassem Holz. »Sie laufen sich aber zügig ab, vor allem auf Teer« sagt Kerstin Rotard, die den Adidas Skychaser vor dem Pfalz-Test häufiger trug.

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Zustiegsschuhe 2018 sind besser denn je

Als die Testcrew nach zwei Tagen Wandern ihre Ergebnisse vorlegt, wird schnell klar: So viele sehr gute Zustiegsschuhe hatte sie lange nicht mehr an den Füßen. »Mit welchem Paar man am besten klarkommt, bestimmt neben der Passform der Einsatz«, so Frank Wacker. Wer breite Füße hat und einen Schuh für gemütliche Wanderwege sucht, kann beispielsweise mit dem Keen Targhee 3 viel Geld sparen: Er kostet nur 130 Euro – und zeigt im Test eine sehr solide Leistung.

Für knackige Mittelgebirgs- und einfache Bergtouren wäre der Keen aber zu weich. Hier empfiehlt sich vielmehr der verwindungssteife, präzise und sehr bequeme Lowa Arko (Damenmodell: Sassa). Damit sind sogar leichte Klettersteige kein Problem. Stehen starke Dämpfung und ein geringes Schuhgewicht oben auf der Wunschliste – etwa zum Speedhiken –, macht der Salewa Wildfire das Rennen. Er bietet überragenden Gehkomfort, bleibt aber kontrolliert-präzise und sorgt so für viel Trittsicherheit.

Am meisten von allen Modellen überzeugt jedoch der Aku Tengu Low GTX. Er brilliert auf ganzer Linie, holt in vier von fünf Kriterien volle Punktzahl. »Ein bequemer, superstabiler, griffiger Zustiegsschuh für alle Einsätze, ob am Berg, im Tal, mit schwerem oder leichtem Rucksack«, bringt es outdoor-Redakteur Frank Wacker auf den Punkt.

Sie tragen lieber leichte Wanderstiefel?

08.06.2018
Autor: Boris Gnielka
© outdoor
Ausgabe 06/2018