Bergstiefel für Klettersteige, Hüttentouren und Bergwanderungen

Leichte Bergwanderschuhe im Test

Foto: Ben Wiesenfarth outdoor 0917 Bergstiefel Test Teaser

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Gute Bergstiefel müssen nicht zwangsläufig schwer und steif sein, wie der Test von 20 leichten Bergwanderschuhen für Hüttentouren, Klettersteige und Bergwanderungen beweist ...
Zu den getesteten Produkten

kurz & knapp - der Bergstiefeltest 2017:

  • Die Bergstiefel im Test eignen sich für Hüttenwanderungen, Klettersteige und Kraxelwege.
  • Das Preisniveau der getesteten Leichtwanderschuhe liegt durchschnittlich bei 220 Euro.
  • Herausragend zeigen sich der Hanwag Makra Combi GTX und der Lowa Arco GTX/Sassa GTX. Beide Bergstiefel brillieren sowohl bei einfachen Talwanderungen, wie auch im steileren Terrain.

Die Ergebnisse des Bergschuhtests im Überblick:

Bergstiefel / Link zum Testbericht Preis Testurteil
Hanwag Makra Combi GTX 260 Euro Überragend
Lowa Arco GTX/Sassa GTX (Testsieger) 190 Euro Überragend
Asolo Shiraz GV 230 Euro Sehr gut
Meindl Litepeak GTX 230 Euro Sehr gut
Scarpa Kailash Trek GTX 200 Euro Sehr gut
Zamberlan Quazar GTX 239 Euro Sehr gut
Dachstein Preber MC DDS 190 Euro Gut
La Sportiva Trango Tower GTX 285 Euro Gut
Mammut Ayako High GTX 200 Euro Gut
Salewa Mt. Trainer MID GTX 220 Euro Gut

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Mehr Sicherheit im Gebirge dank guter Bergschuhe

Bergstiefel haben offenbar keinen guten Ruf. Anders lässt es sich kaum erklären, dass ungefähr jeder vierte Wanderer, den die outdoor-Crew bei ihren vielen Tests in den Alpen trifft, Multifunktions- oder Turnschuhe trägt. Bis zur Baumgrenze mag das gutgehen, doch oberhalb davon, auf Altschneehängen, losem Geröll und blankem Fels, sind solch weiche Treter heillos überfordert – und gefährlich: Jährlich verunglücken allein in Österreich rund 1600 Bergwanderer, 100 davon tödlich, so eine neue Studie der Universität Innsbruck, die Stürze durch Umknicken, Wegrutschen und Stolpern als Hauptunfallursache benennt.

Mit Bergstiefeln lässt sich das Unfallrisiko zwar nicht ausschließen, aber minimieren, geben sie doch deutlich mehr Halt und fördern dadurch die Trittsicherheit. Das gilt auch für Leichtmodelle, wie der Test in den Allgäuer Alpen zeigt.

Gemacht für Hüttenwanderungen, Klettersteige und Kraxelwege (nicht aber für Gletscher- und Hochtouren), wiegen die Kandidaten mit 1200 bis 1470 Gramm wenig – und bewegen sich damit auf dem Niveau von Leichtwanderschuhen. Das gilt auch für den Preis, der im Schnitt bei 220 Euro liegt. Im Unterschied zu Wanderschuhen besitzen Bergmodelle allerdings festere Sohlen. »Auf steilen Grashängen, Schutt- und Schneefeldern findet man damit deutlich mehr Halt, da man mit der harten Schuhspitze Stufen treten kann«, erklärt Ausrüstungsredakteur Frank Wacker.

Schuhtest in den Alpen - unterwegs mit den Testern

Je steifer Sohle und Sohlenkante, desto kraftsparender gelingt das – wie das sechsköpfige Testteam beim Aufstieg aufs 2240 Meter hohe Rauhhorn feststellt. Während etwa Sina und Jürgen mit dem weichen Mammut Ayako High GTX ständig nur zwei Schritte hochkommen, um einen wieder zurückzurutschen, ziehen Wicke und Johannes mit dem bockharten La Sportiva Trango Tower GTX Tritt für Tritt souverän an ihren um Gleichgewicht bemühten Kollegen vorbei, als würden sie auf Asphalt und nicht losem Geröll gehen. Ähnlich gut gelingen Steilpassagen – ob auf Schnee, Gras oder Schotter – sonst nur mit dem Asolo Shiraz GV und dem Hanwag Makra Combi GTX. Beide Bergstiefel verfügen ebenfalls über sehr kantenstabile Sohlen.

Auch am Gipfelgrat, auf blankem, teils abgeschmiertem Fels bieten die drei steifsten Testpaare Vorteile. »Damit kann man selbst auf ein Zentimeter breiten Absätzen stehen«, freut sich Jürgen. Je steifer die Sohlen, desto weniger Wadenkraft ist dafür nötig. Nach vielen Schuhwechseln und Kraxelmetern am Gipfel angekommen, sind sich die sechs Tester einig: Im schroffen Terrain hat man mit dem La Sportiva Trango Tower GTX, gefolgt vom Asolo Shiraz GV und dem Hanwag Makra Combi GTX den meisten Spaß.

Vor ein paar Stunden, beim Aufstieg über Wald- und Wiesenpfade, sah das noch anders aus. Da hießen die Spitzenreiter Lowa Arco GTX/Sassa GTX, Scarpa Kailash Trek GTX und Hanwag Makra Combi GTX. Das Trio überzeugt nicht nur mit geringem Gewicht, schlüssigem Sitz, ausgewogener Dämpfung und harmonischem Abrollkomfort, sondern außerdem mit viel Agilität. Die Kommentare in den Testbögen zeichnen ein klares Bild: »Trägt sich fast wie ein Laufschuh«, »kein Unterschied zu normalen Wanderschuhen« und »bequemer geht’s eigentlich nicht«. Weniger freundlich fielen die Worte zum La Sportiva Trango Tower GTX aus, dessen knüppelharte, bockige Sohle ein beschwingt-flüssiges Gehen im Keim erstickt.

Bevor sich die Tester wieder auf den Weg ins Tal machen, schnüren sie die Schuhe kräftig nach, um die Sprunggelenke bestmöglich zu stabilisieren – passieren doch die meisten Stürze beim Abstieg, wie die österreichische Studie belegt. »Kraft und Konzentration lassen nach, man geht schluderiger und hat bei einem Stolperer nicht mehr genügend Kraft, sich abzufangen«, erklärt DAV-Fachübungsleiter Ben Rettig, der auf seinen Kursen im Hochgebirge schon leidvolle Erfahrungen sammelte – und weniger erfahrenen Kursteilnehmern Schuhe mit viel Seitenhalt empfiehlt. Damit bewegt man sich nicht nur sicherer und flotter, sondern kann auch besser Schotterfelder hinuntergleiten, wie die Tester im direkten Vergleich feststellen.

Am besten gelingt das mit folgenden Bergstiefeln: Asolo Shiraz GV, Lowa Arco GTX/Sassa GTX und Zamberlan Quazar GTX. Diese Bergwanderschuhe bieten ausreichend Seitenhalt, um damit eine Alpenüberquerung mit Zeltgepäck wagen zu können. Im Salewa Mt. Trainer MID GTX wäre das keine gute Idee. Er bietet dem Sprunggelenk viel Flexibilität und trägt sich durch seine hoch aufbauende Sohle leicht kippelig.

Bergwanderstiefel im Test: Fazit

Im Tal angekommen, diskutieren und vergleichen die Tester die Ergebnisse – und stellen rasch fest, dass sie eigentlich keinen wirklich schlechten Schuh dabeihatten. »Alle Kandidaten haben ihre Stärken, manche beim Wandern, andere beim Kraxeln. Nur zwei Modelle können beides gleichermaßen gut«, zieht Ausrüstungsredakteur Frank Wacker Bilanz.

Wer sich gern in steilem Fels bewegt, trittsicher ist und vor schwierigen Aufstiegen mit Kletterstellen im 3. oder 4. Grad nicht zurückschreckt, findet im La Sportiva Trango Tower GTX einen guten Begleiter. Zumal er auch mit Steigeisen bestens klarkommt. Allerdings trägt er sich auf einfachen Wegen holperig. Wer den Schwerpunkt eher beim Wandern auf Talwegen und soliden Hüttenpfaden legt, wird die leichten, harmonisch abrollenden Modelle Meindl Litepeak GTX und Scarpa Kailash Trek GTX mögen. Beide tragen sich fast wie normale Wanderschuhe und müssen erst in steilem Gelände passen.

Nicht so die beiden Multitalente Lowa Arco GTX/Sassa GTX und Hanwag Makra Combi GTX. Sie brillieren sowohl auf einfachen Talwanderungen wie auch im steilen Kraxelterrain oder auf Klettersteigen – mit dem Hanwag Makra Combi GTX sind dank Steigeisenaufnahme sogar Gletschertouren drin. Er hat zwar beim Kraxeln leicht die Nase vorn, kostet aber auch satte 260 Euro. Der in Deutschland gefertigte Lowa Arco GTX/Sassa GTX hingegen setzt den Schwerpunkt mehr beim Gehkomfort, wo er den Hanwag Makra Combi GTX genauso hinter sich lässt wie den Meindl Litepeak GTX und den Scarpa Kailash Trek GTX. Dennoch meistert man mit ihm selbst Kraxelpassagen und schwere Klettersteige sicher. Dabei kostet er nur 190 Euro.

Details der Testschuhe: Schnürzone

Über eine bis zu den Zehen reichende Schnürzone lässt sich der Schuh im Vorfußbereich anpassen. Das zahlt sich vor allem beim Kraxeln und Klettersteiggehen aus, wo ein guter Kraftschluss die Performance steigert.

Details der Testschuhe: Fersenabsatz

Ein ausgeprägter Fersenabsatz verbessert Halt und Bremswirkung beim Abstieg. Auch entlastet eine große Sprengung (= Höhendifferenz zwischen Ferse und Vorfuß) die Wadenmuskulatur beim Aufstieg.

Details der Testschuhe: Kipphebelaufnahme

Wer Gletscher- oder Hochtouren plant, kann an Schuhen mit Kipphebelaufnahme Halbautomatik-Steigeisen anlegen. Damit gelingt das An- und Ablegen im Nu. Im Test sind nur der Hanwag Makra Combi GTX und der La Sportiva Trango Tower GTX damit ausgestattet.

Details der Testschuhe: Schaft

Bergstiefel mit festem Schaft schützen zwar vorm Umknicken, lassen sich aber beim Kraxeln oder Klettersteiggehen weniger präzise setzen. Hersteller wie La Sportiva verpassen ihren Bergschuhen daher Flexzonen im Gelenk.

Details der Testschuhe: Schnürung

Je leichtgängiger die Schnürung, desto kraftsparender und schneller lässt sich ein Schuh anpassen. Unter den Testschuhen lassen sich diese Kandidaten besonders leicht schnüren: Asolo Shiraz GV, Lowa Arco GTX/Sassa GTX und Scarpa Kailash Trek.

Video: Die besten Schuhe aus unseren Tests




02.10.2017
Autor: Boris Gnielka
© outdoor
Ausgabe 09/2017