Test: Wanderrucksäcke - Volumen: 20 bis 30 Liter

Kompakte Wanderrucksäcke für Tages- und Wochenendtouren im Test

Foto: Björn Hänssler Wanderrucksäcke im Test 2018

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Wanderrucksäcke mit einem Volumen von rund 30 Litern sind die perfekten Kleintransporter für Tages- und Wochenendtouren. Welche sich besonders bequem tragen, zeigt der Test von 16 Rucksack-Neuheiten 2018 ...
Zu den getesteten Produkten

Die Testergebnisse im Überblick:

Wanderrucksack / Link zum Testbericht Preis Testurteil
Vaude Prokyon 30 (Testsieger) 120 Euro Überragend
Deuter Futura 28 SL/30 (Kauftipp) 140 Euro Sehr gut
Lowe Alpine Aeon ND 25/27 120 Euro Sehr gut
Osprey Sirrus 26 / Stratos 34 140/150 Euro Sehr gut
Exped Skyline 25 140 Euro Gut
Patagonia Nine Trails Pack 140 Euro Gut
Thule Stir 35 L 120 Euro Gut
Gregory Sula 28 / Salvo 28 130 Euro Gut
Jack Wolfskin Orbit 28 (L) / 32 (S) 140/150 Euro Gut
Tatonka Storm 25 100 Euro Gut
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Das Testfeld 2018

Was wäre ein Wanderer ohne Rucksack? Allenfalls Spaziergänger. Kein Wunder also, dass die Kleintransporter in der Gunst von outdoor-Lesern ganz weit oben rangieren: Rund die Hälfte von ihnen besitzt nach aktueller Umfrage drei oder mehr Exemplare und kauft sich im Schnitt alle zwei Jahre ein neues. In den meisten Fällen handelt es sich dabei um Rucksäcke mit einem Volumen von 20 bis 35 Litern. Zu Recht, sind sie doch wie geschaffen für das, was outdoor-Leser am liebsten und häufigsten machen: Tageswanderungen im Mittelgebirge sowie Hüttentouren in den (Vor-)Alpen.

Das gilt auch für die zehn Wanderrucksack-Neuheiten in diesem Test. Sie fassen zwischen (nachgemessenen) 21 und 32 Liter, sind ab 100 Euro zu haben und schmücken sich mit cleverer Ausstattung sowie vor allem aufwendig gestalteten Tragesystemen. Fünf Rucksäcke setzen hier auf einen so genannten Kontaktrücken, der nur schwach gepolstert ist, sehr direkt anliegt und die Last nah an den Körper bringt. »Rucksäcke mit Kontaktrücken lassen sich in der Regel extrem gut kontrollieren, was sich vor allem dort bezahlt macht, wo es auf ein gutes Gleichgewicht ankommt, beispielsweise auf holperigen oder ausgesetzten Pfaden«, erklärt outdoor-Ausrüstungsredakteur Frank Wacker. »Außerdem sind Kontaktrückenmodelle sehr leicht, weil ihre Tragesysteme nur aus einer dünnen, flexiblen Kunststoffplatte bestehen«, so der Experte.

Die anderen fünf Testkandidaten zielen dagegen auf eine effektive Rückenventilation und einen weichen, anschmiegsamen Sitz. »Bei ihnen besteht das Tragesystem aus einem gespannten Netz, das als luftige Auflage dient«, sagt Frank Wacker. Solche Netzrückenmodelle wenden sich in erster Linie an Genusswanderer und alle, die eher an warmen Tagen losziehen und keine Lust haben, ihr Shirt nasszuschwitzen.

Netz- vs. Kontaktrücken: Welche konnten im Test überzeugen?

Doch ob Kontakt- oder Netzrücken: Bequem tragen lassen sollten sich beide. Den meisten der zehn Wanderrucksäcken gelingt das auch, wie Dutzende Vergleichswanderungen ergeben haben. Zwei Rucksäcke mit Netzrücken konnten jedoch nicht ganz überzeugen: So führte der Gregory Salvo 28 (Damenmodell: Gregory Sula 28) mit seinem steifen, wenig flexiblen Rahmen bei vielen Testern zu Nackenverspannungen, andere klagten über den unharmonischen Sitz und punktuellen Druck über dem Steißbein. »Wie ein Brett auf dem Rücken«, befindet etwa outdoor-Redakteurin Kerstin Rotard, die mit dieser Einschätzung nicht allein dasteht. Auch der Jack Wolfskin Orbit 28/32 erntete viel Kritik. Hier störte vor allem eine über dem Steißbein drückende Polsterkante sowie der wenig bequeme, lastenfaule Hüftgurt.

Dass sich Rucksäcke mit Netzrücken ganz fantastisch tragen lassen, zeigen dagegen die Testkandidaten von Deuter und Osprey. Sie schmiegen sich großflächig und samtigweich an den Rücken, die Hüft- und Schultergurte liegen wie maßgefertigt auf und vertragen Zuladungen von bis zu 14 Kilo, ohne dass der Wanderrucksack schaukelt, drückt oder gar nach hinten zieht.

Doch auch bei den Rucksäcken mit Kontaktrücken finden sich zwei Komfortkönige: der Lowe Alpine Aeon ND25 bzw. Aeon 27 und ganz besonders der Vaude Prokyon 30. Er überragt mit seinem flexiblen, eng anliegenden Schaumrücken das gesamte Testfeld, was vor allem daran liegt, dass er die Last gekonnt auf dem Beckenkamm abstützt und so die Schultern perfekt entlastet. Bis zu zehn Kilogramm Gepäck – mehr als genug für die meisten Touren – lassen sich damit kontrolliert und komfortabel transportieren, mit dem kleineren Lowe Alpine sind es immerhin noch bis zu sieben Kilo.

Zu den Tugenden eines guten Wanderrucksacks zählt nicht nur ein bequemer Sitz, sondern auch praxisgerechte Ausstattung und einfaches Handling, also leichtlaufende Reißverschlüsse und Schnallen, genügend Fächer für Trinkflaschen, Kleinkram & Co. sowie ein einfacher und schneller Zugriff auf das Gepäck. In diesem Kapitel gibt sich kein Wanderrucksack im Test die Blöße, im Gegenteil: Viele Kandidaten punkten mit cleveren Lösungen wie etwa einem wasserdichten Außenmaterial (Thule), längenverstellbaren Schultergurten (Lowe Alpine), Frontzugriff (Vaude) oder Bodenfach (Deuter).

Allerdings geht die Feature-Fülle auf Kosten des Gewichts. So wiegt der mit 26 Litern kleine Osprey 1,4 Kilo, die mit 32 Litern Stauraum deutlich größeren Wanderrucksäcke von Thule und Vaude fast ein halbes Kilo weniger – und das bei zum Teil robusterem Außenstoff. »Wirklich empfindlich ist aber keiner der Kandidaten«, sagt Frank Wacker. Für Berg- und Klettersteigtouren bringen die Testrucksäcke also das nötige Rüstzeug mit.

Nach Abschluss des Tests und Auswertung der Ergebnisse können wir fast alle Testkandidaten empfehlen – ganz besonders aber die Netzrückenexemplare von Deuter und Osprey sowie die Kontaktrückenmodelle von Lowe Alpine und Vaude. Für welchen man sich entscheidet, klärt ein Besuch beim Händler, schließlich gilt beim Wanderrucksack das gleiche wie beim Schuh: Nur wenn er passt, trägt er sich bequem. Wer eine hochwirksame Rückenbelüftung und einen butterweichen Sitz schätzt, liegt beim Osprey-Duo Stratos/Sirrus richtig. Es fällt allerdings ein wenig klein aus. Mehr Stauraum bieten Deuter Futura 28 SL und 30. Beide lassen in puncto Ausstattung und Handling keine Wünsche offen und tragen sich genauso komfortabel wie die Ospreys, liegen fast ebenso weich an und verkraften sogar deutlich mehr Zuladung: Selbst mit 12–14 Kilogramm beladen tragen sie sich unbeschwert – perfekt für alle, die häufiger als Familienpackesel herhalten müssen oder Mehrtagestouren vorhaben.

Liegt Ihr Fokus weniger auf einer guten Rückenbelüftung (bei eisigen Temperaturen übrigens nicht immer ideal!) als vielmehr auf geringem Gewicht und hoher Lastkontrolle, landen Sie bei den Kontaktrückenmodellen und hier vor allem beim Vaude Prokyon. Er ist nicht nur leicht, geräumig, top ausgestattet und bis zehn Kilo Beladung laststabil, sondern trägt sich auch ganz vorzüglich, indem er die Last dezent auf dem Beckenkamm abstützt und sich sonst nicht groß bemerkbar macht. Sein topbequemer, kontrollierter Sitz adelt ihn zum perfekten Kleintransporter für Berg-, Klettersteig- und Hüttentouren.

Vielen Frauen dürften jedoch die Schultergurte des Prokyon 30 zu lang sein. Sie finden mit dem Lowe Alpine Aeon ND25 einen ähnlich vorzüglichen, aber etwas kleineren Wanderrucksack. Auch Männer, die mit wenig Gepäck und am liebsten ultraleicht unterwegs sind, empfiehlt sich der Lowe Alpine, wiegt die Herrenversion Aeon 27 doch nur zarte 820 Gramm.

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Wanderrucksäcke - so testet outdoor

Eingangskontrolle: Weil viele Rucksackhersteller das Packvolumen unterschiedlich ermitteln, lassen sich die angegebenen Werte schlecht vergleichen. Aus diesem Grund messen wir das Fassungsvermögen jedes Testmodells mit Hilfe von speziellen Volumensäcken selbst. Die Werte sind realistisch und in einigen Fällen erstaunlich weit von den Angaben der Hersteller entfernt. Auch die Leergewichte der Rucksäcke ermitteln wir selbst – mit Regenhülle, sofern im Lieferumfang enthalten. Die Bewertung des Gewichts erfolgt immer im Verhältnis zum Packvolumen.

Trageprüfung: Das Trageverhalten ermittelt die outdoor-Testcrew bei Tageswanderungen. Jeder Wanderrucksack wird mit dem gleichen Gewicht nach einem Muster beladen: Schwere Gegenstände wie die volle Trinkblase, Thermosflasche und die Brot- und Gemüsebox kommen direkt an den Rücken, leichtere Sachen (Wärme- und Regenjacke, Sitzunterlage) davor, um die Beladung zu stabilisieren. Wo möglich, wird das Tragesystem genau an den jeweiligen Träger angepasst und eingestellt. Beim Tragetest bewertet das Team zuerst die Anschmiegsamkeit und den Sitz am Rücken sowie die Bewegungsfreiheit (können die Arme nach hinten durchschwingen?). Ebenfalls im Fokus liegen die Kontrollierbarkeit der Last bei plötzlichen Bewegungen, die Kopffreiheit nach hinten und die Lastübertragung: Im Idealfall verteilt sich das Gewicht gleichmäßig auf den Beckenkamm, den Rücken und – zu einem kleineren Teil – auf die Schultern.

Lastgrenze: Bis zu welcher Last sich die Testmodelle komfortabel tragen, können Sie der Tabelle entnehmen, wo wir unter »Tragekomfort« die maximale Zuladung angeben. Kleine Rucksäcke um 25 Liter sollten mindestens 6 Kilo packen, größere um 30 Liter mindestens 8 Kilo schultern. Wer Hüttentouren plant oder das Familiengepäck tragen muss, sollte mit rund 10 Kilo rechnen.

Ausstattungs-Check: Auch die Ausstattung und Bedienung wird auf Testtour benotet. Wichtiger als die Anzahl der Features ist deren Praxistauglichkeit. Abzug gibt es nur für das Fehlen einer Regenhülle oder Deckeltasche. Pluspunkte bringen eine Frontöffnung, Schulterträger-Längenverstellungen sowie eine einstellbare Rückenwölbung. Welche Features die Testrucksäcke besitzen, können Sie in unseren Einzeltests nachlesen. Mit Seitenfächern und Hüftgurttaschen sind alle getesteten Wanderrucksäcke ausgestattet.

Den richtigen Wanderrucksack finden - so geht's

Vorbereiten: Für den Kauf eines Rucksacks sollte man viel Zeit einplanen und sich seinem Rücken zuliebe darauf vorbereiten, indem man keine Jeans oder andere Freizeithose mit Gürtelschlaufen trägt, sondern am besten eine leichte Outdoor-Wanderhose. Fragen Sie im Geschäft Ihrer Wahl nach Ballast zum Beladen der Rucksäcke und nach einer Hängewaage, mit der Sie das Gewicht der zu vergleichenden Modelle im beladenen Zustand ermitteln können.

Foto: Benjamin Hahn

Anpassen der Schulterlänge.

Einstellen: Bei einigen Rucksäcken lässt sich die Länge der Schulterträger einstellen, andere Modelle gibt es in verschiedenen Rückenlängen – fragen Sie danach. Und bitten Sie den Verkäufer um Stopfmaterial, Ballast und eine Waage. Beladen Sie all Ihre Favoriten mit zirka acht Kilo, die nah am Rücken sitzen sollten.

Vergleichen: Dann lockern Sie vor dem Aufsetzen alle Riemen des Tragesystems, setzen den Wanderrucksack auf und straffen nacheinander den Hüftgurt, dann die Schulterträger und zuletzt die Lastkontroll- und Brustriemen. Vergleichen Sie den Sitz, die Beweglichkeit und Lastkontrolle, indem Sie umhergehen und Treppen steigen.

Größerer Rucksack gesucht? - Hier weitere outdoor-Tests

Video-Ratgeber Rucksäcke

26.09.2018
Autor: Boris Gnielka
© outdoor
Ausgabe 04/2018