Softshelljacken für den Sommer

10 Softshelljacken im Test

Foto: Benjamin Hahn Softshelljacken im Test 2018

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Wer eine gute Softshelljacke trägt, kann Fleece- und Funktionsjacke in vielen Fällen zu Hause lassen. Mit welchen Softshells das gelingt, zeigt der Test von zehn aktuellen Sommermodellen.
Zu den getesteten Produkten

Die Testergebnisse im Überblick:

Jacke / Link zum Testbericht Preis Testurteil
Outdoor Research Ferrosi Summit Jkt (Testsieger) 180 Euro Überragend
Rab Borealis Jacket (Kauftipp) 100 Euro Überragend
Marmot Rom Jacket 200 Euro Überragend
Arcteryx Gamma LT Jacket 230 Euro Sehr gut/Gut*
Patagonia R1 Tech Face Hoody 180 Euro Sehr gut/Gut*
Mountain Equipment Echo Hoody 150 Euro Sehr gut
Salewa Agner Engineered DST Jacket 200 Euro Sehr gut
Adidas CG 2448/CG 2449 120 Euro Gut
Schöffel Keylong/Kashgar 220 Euro Gut
Vaude Skarvan Jacket 150 Euro Gut

Als der französische Ökonom und Geschäftsmann Jean-Baptiste Say Anfang des 19. Jahrhunderts herausfand, dass Angebote ihre Nachfrage selbst schaffen, hatte er sicher nicht an Softshelljacken gedacht. Sie kamen erst zwei Jahrhunderte später auf den Markt, bestätigten aber das Say’sche Theorem besonders eindrucksvoll. Bis zu ihrem Erscheinen hatte nämlich niemand nach ihnen verlangt. Doch als sie 2001 erstmals im Laden hingen, konnte kaum jemand widerstehen: Wie unsere letzte Umfrage zeigt, besitzen heute 83 Prozent der outdoor-Leser mindestens eine Softshelljacke, mehr als jeder Dritte kauft sich sogar jedes Jahr eine neue.

Kein Wunder, schließlich kombinieren sie die Vorteile von Regen- mit denen von Fleecejacken: Die weichen Zwitter halten Wind sowie Schauer und Nieselregen ab, tragen sich dabei aber fast so geschmeidig und luftig wie ein Wollpulli. Und längst nicht so raschelig, knitterig und steif wie die meisten Funktionsjacken. Außerdem kosten Softshelljacken deutlich weniger. »Ein gutes Modell bekommt man schon für 100 Euro«, sagt outdoor-Ausrüstungsredakteur Frank Wacker und beruft sich dabei auf den aktuellen Test von zehn Sommerjacken, für die man zwischen 100 und 230 Euro berappen muss.

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Softshelljacken: Wetterschutz

Sommersoftshells sind weniger warm und winddicht als ihre Winterpendants, dafür aber geschmeidiger und leichter. Doch können sie dann Wind und Nässe überhaupt noch ausreichend Paroli bieten? Sie können. Vier der zehn Kandidaten halten Nieselregen sogar stundenlang ab, wie die outdoor-Sprühberegnung zeigt. Am besten gelingt das dem Marmot Rom Jacket, dessen Kapuzen- und Schulterpartie aus nahtbandversiegeltem Gore Windstopper besteht, der Rest aus leicht luftdurchlässigem, aber gut imprägniertem Stretchnylon.

Ein ähnliches Konzept – oben wind- und regendicht, sonst eher luftig – findet sich bei den Jacken von Schöffel und Vaude. Allerdings müssen die beiden ohne abgeklebte Nähte und mit einer weniger wirksamen Imprägnierung auskommen. »Dennoch bleibt man in dem Duo – wie in den meisten Testsoftshells – im Nieselregen bis zu einer Stunde lang trocken«, so Frank Wacker.

Keine halbe Stunde schaffen dagegen Arc’teryx und Salewa. Ärgerlich: Bei der Arc’teryx Gamma LT Jacket kommt die Nässe über das durchgestickte Logo auf der Brust hinein, bei der Salewa Agner Engineered leiten Kapuzennähte Feuchtigkeit nach innen.

Softshelljacken: Klima

Eine noch größere Rolle als der Nässeschutz spielt bei Softshelljacken der Schutz vor Auskühlung durch Wind. Dazu benötigen sie einmal ein windabweisendes Material, zum anderen dicht schließende Ärmelbündchen, eng anliegende Kapuzen und einen hohen Kragen, der am besten bis zur Nasenspitze reicht. So wie bei Marmot und Outdoor Research, deren Kragen-Kapuzen-Einheit vom Gesicht nur noch die Augenpartie freilässt. Relativ wenig Schutz bietet hingegen die Rab, was aber vor allem am Jackenstoff liegt, der von allen Modellen am meisten Wind durchlässt.

»Bei Wärme oder hohem Tempo kommt man dafür nicht so schnell ins Schwitzen«, sagt outdoor-Testerin Katleen Richter. Sie hat den Klimakomfort aller Kandidaten beim Trailrunning verglichen und kommt – wie auch Testprofi Wacker, der die Kühlwirkung beim Wandern ermittelte – zu einem rundherum positiven Ergebnis: »Schwitzig trägt sich kein Modell. Am besten dampfen Patagonia und Rab ab, gefolgt von Arc’teryx, Mountain Equipment und Outdoor Research«, so das Fazit der beiden »Klimaforscher«.

Softshelljacken: Tragekomfort

Damit man sich in einer Softshelljacke richtig wohlfühlt, muss sie nicht nur für eine ausgeglichene Körpertemperatur sorgen, sondern auch einiges bieten: ein geschmeidiges Material etwa, viel Bewegungsfreiheit und eine gut sitzende Kapuze – die folgt, wenn man den Kopf zur Seite dreht. Drei Prüflinge treffen hier ins Schwarze: Rab, Outdoor Research und das Patagonia-Männermodell. »Das Trio ist derart bequem, dass man es sicher auch mal im Büro, beim Einkaufen, im Café oder sogar zu Hause tragen wird«, sagt Frank Wacker. Ganz im Gegenteil zu den Modellen von Schöffel und Vaude. Sie tragen sich raschelig und folgen Bewegungen nicht immer widerstandslos.

Softshelljacken: Robustheit

Nach Abschluss des dreiwöchigen Praxistests und der Sprühberegnung wollten wir noch wissen, wie gut die Jacken Felskontakt – etwa beim Klettersteiggehen – sowie dauerscheuernde Rucksack-Hüftgurte und Schulterträger aushalten. »Je weicher ein Material, desto höher die Wahrscheinlichkeit, dass es im Dauereinsatz Fäden zieht oder unschöne Knötchen bildet«, erklärt Frank Wacker. So ist es kein Zufall, dass die auch außen ziemlich flauschige Softshelljacke von Adidas den Abriebtest nur mit stark sichtbaren Blessuren überlebt. »Nichts für Berg- oder häufige Rucksacktouren«, so der Experte, der für solche Einsätze vor allem die extrem robuste Arc’teryx Gamma LT empfiehlt.

Allerdings übersteht das restliche Testfeld die schmirgelnde Prozedur fast ebenso souverän und zeigt danach so gut wie keine Abnutzungserscheinungen. Damit bleibt die Adidas die einzige Jacke, die bei zumindest einem Kriterium nicht die Vorgaben erfüllt. Allen anderen neun Jacken gelingt das – zum Teil mit Bravour.

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Fazit: Für jeden die passende Softshelljacke

Insgesamt zeigt der Test ein sehr positives Ergebnis. Am meisten überzeugen die Kandidaten von Marmot, Outdoor Research sowie das leichtgewichtige Rab Boreali Jacket: Es kostet nur 100 Euro, trägt sich mit seinen 280 Gramm federleicht und überaus geschmeidig. Dank des luftig-dünnen Stoffs eignet es sich hervorragend für sportliche Touren, als Notschutz zum Immer-Dabeihaben sowie auch zum Wandern bei zweistelligen Plusgraden.

Besser ausgestattet, sonst in vielen Punkten ähnlich, zeigt sich das Ferrosi Summit Hooded Jacket von Outdoor Research. Ebenfalls aus hochelastischem, stark dampfdurchlässigem, aber etwas dickerem Stoff gefertigt, punktet sie mit längerem Schnitt, vier Taschen, per Klett weit zu öffnenden Ärmelbündchen und mit einer perfekt sitzenden Kapuze – ein Volltreffer.

Legt man hingegen mehr Wert auf Wetterschutz als auf maximalen Klimakomfort – etwa für Nordlandtouren –, empfiehlt sich vor allem die Marmot Rom. Sie schützt bestens vor Wind, Schauern und Nieselregen, bietet rucksacktaugliche Taschen und macht bei nicht nur bei kühlem Wetter Spaß.

So testen wir Softshelljacken

Tragekomfort
Jeweils drei Testerinnen und Tester vergleichen beim Wandern, Trailrunning, Kraxeln und Gassigehen Schnitt, Kapuzensitz und Bewegungsfreiheit der Jacken (Spannt es an den Ellbogen oder Schultern? Rutscht die Jacke beim Hochgreifen nach oben?). Auch die Haptik des Materials und des Futters sowie die Neigung zum Rascheln fließen mit ins Ergebnis ein.

Wetterschutz
Vor dem Praxistest mussten alle Jacken unter der outdoor-Sprühberegnungsanlage ihre wasserabweisenden Eigenschaften unter Beweis stellen. Zuvor wurden sie zwei Mal in der Maschine gewaschen, um die Beständigkeit der Imprägnierung auf die Probe zu stellen. Nach der Beregnung durften die Jacken dann mit auf Tour, wo ein weiteres Mal der Schutz vor Nässe, aber auch der vor Wind und Auskühlung ermittelt wurde – was im wechselhaften Monat März ein Leichtes war.

Foto: Boris Gnielka Softshelljacken im Test 2018

Der feine Sprühstrahl simuliert intensiven Nieselregen.

Praxis
Hier checkte die Testcrew die Leichtgängigkeit der Zipper, Schnürzüge – vor allem an der Kapuze – sowie Klettverstellungen. Ein besonderes Augenmerk richteten die Prüfer darauf, ob und wie viel Taschenstauraum zur Verfügung steht, wenn sie einen Rucksack mit Hüftgurt trugen.

Klima
Immer wieder den gleichen Hang hinaufwandern und herunterspurten, und das abwechselnd mit allen Jacken: So verglichen die Redakteure den Klimakomfort der Softshells. Eine Testerin und ein Tester untersuchten das Jackenklima zusätzlich während ihrer Trailrunningläufe – bei knackigem Frost genauso wie bei zweistelligen Plusgraden und Sonnenschein.

Robustheit
Softshelljacken sind nicht billig, umso ärgerlicher, wenn ihr Oberstoff nach kurzer Zeit Fäden zieht oder sich dort unschöne Knötchen bilden. Wie abriebfest die verwendeten Materialien sind, zeigt ein Test mit Sandpapier (40er- & 180er-Körnung). Er simuliert Felskontakt und das Scheuern von Hüft- und Schultergurt.

30.05.2018
Autor: Boris Gnielka
© outdoor