Test: Primaloftjacken - Hybridjacken - Winterjacken 2018

Die Mischung macht's: Hybridjacken im Test

Foto: Hansi Heckmair outdoor Hybridjacken Test

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Aus unterschiedlichen Stoffen gefertigt, sollen Hybridjacken das Körperklima im Lot halten. Welche das können, zeigt der outdoor Winterjacken-Test 2018 ...
Zu den getesteten Produkten

Die einzelnen Ergebnisse unseres Jackentests im Überblick:

(einen tagesaktuellen Preisvergleich gibt's weiter unten auf dieser Seite)

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Windabweisende Jacken

Jacke / Link zum Testbericht Preis Testurteil
Arc‘teryx Procline Hybrid (Testsieger) 230 Euro Überragend
Karpos Marmarole Jacket (Kauftipp) 180 Euro Sehr gut
Adidas Skyclimb Fleece Jacket (Kauftipp) 100 Euro Sehr gut
Salewa Ortles 2 Hybrid Jacket 230 Euro Sehr gut
Black Diamond First Light Hybrid (Kauftipp) 230 Euro Gut
Jack Wolfskin Skyland Crossing 140 Euro Gut
Mammut Aenergy in Hybrid 200 Euro Gut
Yeti Clive 250 Euro Gut

Regenabweisende Jacken

Jacke / Link zum Testbericht Preis Testurteil
La Sportiva Hyperspace/Exodar Jacket 239 Euro Überragend
Vaude Roccia Primasoft (Kauftipp) 180 Euro Sehr gut
Dynafit Radical 2 Primaloft 240 Euro Gut
The North Face Verto Prima Hoodie 250 Euro Gut

Jacken zum Drunterziehen

Jacke / Link zum Testbericht Preis Testurteil
Patagonia Nano Air Light Hybrid 190 Euro Überragend
Carinthia G-Loft Ultrashirt (Kauftipp) 120 Euro Sehr gut
Ortovox Swisswool Piz Roseg 200 Euro Sehr gut
Schöffel Rom 1/Nagano Hybrid 180 Euro Sehr gut

Wintertouren können einen Heidenspaß machen - wenn man nicht friert oder bei der kleinsten Anstrengung im eigenen Saft schmort. Funktions-, Softshell- oder Daunenjacke stoßen hier schnell an ihre Grenzen. »Daunenjacken sind zum Wandern meist zu bauschig und zu warm – vor allem unter den Achseln und am Rücken, wo der Rucksack zusätzlich einheizt«, sagt outdoor-Ausrüstungsredakteur Frank Wacker. Kombiniert man Regen- oder Softshelljacke mit einem gewöhnlichen Fleecepulli, steht man vor dem gleichen Problem: vorne zu kalt, unter den Achseln zu warm, und der Rücken gleicht einer Herdplatte.

Das liegt nicht nur am Rucksack, sondern auch daran, dass der Körper nicht überall gleich stark schwitzt. Hybridjacken berücksichtigen das unterschiedliche Temperaturempfinden, indem sie je nach Körperbereich verschiedene Materialien einsetzen. »Bodymapping« nennt sich das Verfahren, bei dem luftiger Stretchfleece, schnell trocknender Softshellstoff, kuscheliger Hochflorfleece und/ oder wärmende Isolationskammern so kombiniert werden, dass man sich wohl- fühlt auf Tour. Und zwar beim schweißtreibenden Aufstieg genauso wie beim gemütlichen Dahinschlendern. Das hört sich nicht nur verlockend an, es funktioniert zudem erstaunlich gut, wie der Test von 30 Hybridjacken beweist.

Foto: Boris Gnielka Jackentest auf der Schwäbischen Alb

outdoor-Redakteure Frank Wacker (l.) und Boris Gnielka (r.) beim Praxistest auf der verschneiten Alb.

Allerdings offenbart der Vergleich auch, wie unterschiedlich die Hersteller das Bodymapping-Prinzip interpretieren: Während manche Winterjacken nicht einmal eine Kapuze haben oder aus feinem Stretchstoff mit einer dünnen Isolierung auf der Jackenfront bestehen, protzen andere mit regendichten Besätzen, plüschigen Wattierungen, Daunenfüllungen und Sturmkapuze. Um den Hybridjackendschungel etwas aufzuräumen, haben wir alle Kandidaten nach ihren Merkmalen in drei Gruppen gebündelt und separat bewertet: windabweisende Jacken, regenabweisende Jacken und kapuzenlose Jacken zum Drunterziehen. In der größten Gruppe der windabweisenden Jacken befinden sich alle nicht wasserdichten Kapuzenmodelle. Sie wurden als Außenlage für trocken-kühles Wetter konzipiert, passen aber – etwa bei Regen, Schneefall und Eiseskälte – noch gut unter eine Funktions- oder Softshelljacke. »Nässeschutz spielt bei diesen Modellen keine Rolle«, erklärt outdoor-Ausrüstungsredakteur Frank Wacker. »Im Fokus stehen vielmehr der Trage- und Klimakomfort sowie der Schutz vor Wind. «

Bester Allrounder: Arcteryx Procline Hybrid Hoodie

Den Spagat zwischen Komfort und Wetterschutz gelingt Arcteryx mit dem Procline Hybrid Hoodie am besten. Es trägt sich top bequem, bietet ein luftiges Klima, ist – nach Rucksackwanderungen – am Rücken im Nu wieder trocken und schützt auf der Front effektiv vor Auskühlung. »Keine Jacke lässt sich vielseitiger einsetzen. Auch bei zehn Grad plus trägt sie sich angenehm«, so der Equipment-Profi. Mit 230 Euro kostet die Hybridjacke jedoch nicht gerade wenig.

Gut & günstig: Adidas Terrex Skyclimb Fleece Jacket

Wer öfter ein flottes Tempo anschlägt oder eine Jacke für Skitourenaufstiege, Speedhiking- und Trailrunningrunden sucht, kommt mit dem Adidas Skyclimb Fleece Jacket deutlich günstiger davon. Es besteht aus luftigem Stretchfleece, das auf der Vorderseite durch eine Lage Pertex Equilibrium vor Wind schützt – und kostet nur 100 Euro. Ganz anders, nämlich deutlich dicker und wärmer fällt die Marmarole von Karpos aus. Die kuschelige Jacke eignet sich wie keine zweite für Schnellfrierer und überzeugt beim (gemütlichen) Wandern genauso wie als reiner Kälteschutz in Pausen, auf der Hüttenterrasse oder beim Stadtbummel.

Weitere Ergebnisse unseres Hybridjacken-Tests

Bei Regen und Schneefall kommen die windabweisenden Jacken aufgrund ihrer vielfach schwach imprägnierter Stretch- und Fleecestoffe schnell an ihre Grenzen. Hier schlägt die Stunde der nässefesten Hybridjacken. Sie halten zwar keinen Dauerregen ab, bei Schneefall, Niesel und kurzen Schauern bleibt man in ihnen aber trocken. »Auf luftigen Fleece verzichten diese Jacken, und Stretcheinsätze finden sich nur noch wenige«, so Frank Wacker. Ein Kandidat, das Verto Prima Hoodie, kommt sogar ganz ohne aus. Stattdessen rüstet The North Face die Jacke an den weniger kälteempfindlichen Bereichen mit einer dünnen Lage Primaloft aus. An der Vorder- und Rückseite heizen Daunen ein. Doch wie der Test zeigt, klimatisiert die Jacke zumindest bei gemächlichen Wanderungen absolut ausreichend. Bei Rucksacktouren durchnässen aber die Daunenkammern am Rücken.

Wanderer sollten daher besser zur Hyperspace (Damen: Exodar) von La Sportiva greifen. Die warme Jacke bietet dank ihres netzartigen Futterstoffes und einer sehr dampfdurchlässigen Primaloft-Variante ein Klima, das selbst schnellen Skitourenaufstiegen oder winterlichen Joggingrunden genügt. Zwar schützt die La Sportiva nicht so gut vor Nässe wie die übrigen Jacken dieser Gruppe, doch bleibt man darin zumindest bei Schneefall und Nieselregen trocken, wie die Tester auf der Schwäbischen Alb feststellten.

»Der Schutz vor Schneefall ist hier eh wichtiger als der vor Regen – schließlich trägt man solch warme Jacken meist bei Minusgraden«, so Ausrüstungsredakteur Frank Wacker. Allerdings fallen die Winter in Deutschland zunehmend mild aus – Dauerfrost herrscht allenfalls noch in den Hochlagen, im Flachland dominiert hingegen nasskaltes Schmuddelwetter. Und davor schützt eine wasserdichte Funktionsjacke immer noch am besten – vor allem in Kombination mit einer der Hybridjacken zum Drunterziehen aus der dritten Gruppe. Anders als normale Fleecejacken isolieren sie an den Ärmeln, unter den Achseln und – bis auf die Schöffel – am Rücken nur schwach, sodass man darin nicht so rasch überhitzt. »Hier überzeugt jedes Modell«, so Frank Wacker.

Am meisten die leichte, blitzschnell trocknende Patagonia Nano Air Light Hybrid mit ihrer luftigen Rückseite. Sie lässt sich dank rucksacktauglicher Taschen und windabweisender Vorderseite notfalls auch mal ohne Überjacke tragen – zumindest bei kräftigen Plusgraden. Wollfans hingegen werden die weiche Piz Roseg von Ortovox mögen und Sparfüchse das Carinthia G-Loft Ultra Shirt: Die taschenlose 120-Euro-Jacke sitzt körpernah, trägt kaum auf, wärmt ordentlich und trocknet im Nu. »Zum Drunterziehen perfekt«, so Frank Wacker.

Aktueller Preisvergleich der getesteten Jacken




Material Know-How / Wunderstoff Primaloft

Was alles drin steckt in den Hybridjacken
Daunen, Wolle, Polyester, Elastik- und Hochflorfleece: Die in den Jacken steckenden Materialien können kaum unterschiedlicher sein. Doch nicht alle eignen sich gleich gut für den Outdooreinsatz – und manche sogar nur für ganz bestimmte Zwecke.

Stärken und Schwächen
Jacken mit Daunenanteil (im Test: The North Face Verto Prima & Yeti Clive) sind leicht, warm, aber auch nässeempfindlich. Sie eignen sich nur für Outdoorer, die wenig schwitzen, dafür umso eher frieren. Deutlich unempfindlicher sind Hybridjacken mit Wollanteil (im Test: Black Diamond First Light Hybrid, Ortovox Piz Roseg, Mammut Aenergy IN Hybridjacke). Wie Daune klimatisiert Wolle sehr gut, leidet aber weniger unter Feuchtigkeit. Am vielseitigsten lassen sich Synthetik-Hybriden einsetzen, ihnen macht Nässe nichts aus, gleichzeitig wärmen sie gut – vor allem solche mit Primaloft-Füllung:

Foto: Primaloft outdoor Hybridjacken Test

Wunderstoff Primaloft
Der dünne, wärmende und nässeunempfindliche Polyesterflies kommt im Testfeld in vier Versionen zum Einsatz: »Gold« ist besonders warm, »Black Eco« aus 60 % Recycling-Fasern, »Silver« vielseitig und »Silver active« besonders dampfdurchlässig.

11.02.2018
Autor: Boris Gnielka
© outdoor
Ausgabe 02/2018