Isolationsjacken im Test 2017

Test: Winterjacken für eisige Temperaturen

Foto: Studio Nordbahnhof Daunenjacken-Test

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Diese Winterjacken sollen auch bei deftigen Minusgraden warm halten! Welchen das am besten gelingt, steht hier ...
Zu den getesteten Produkten

kurz und knapp:

  • Getestet: 21 Wärmejacken von 220 bis 400 Euro für Damen & Herren (einen tagesaktuellen Preisvergleich gibt's weiter unten auf dieser Seite)
  • Grob lässt sich das Feld in zwei Gruppen einteilen: dickere Jacken fürs Camp oder Pausen und dünnere Jacken, die man während des Wanderns oder Skifahrens als Zwischenschicht tragen kann
  • Vier Synthetikjacken vs. acht Daunenjacken

Das Testfeld im Überblick:

Isolationsjacke / Link zum Testbericht Preis Testurteil
Arcteryx Cerium LT Hoody (Testsieger) 400 Euro Sehr gut
Berghaus Ramche Micro 400 Euro Sehr gut
Haglöfs Bivvy Down Hood 300 Euro Sehr gut
Mountain Equipment Skyline Jacket (Kauftipp) 270 Euro Sehr gut
Mountain Hardwear Stretchdown Hood 259 Euro Gut
Salewa Ortles Light Down Hood 240 Euro Sehr gut
Rab Continuum (Kauftipp) 300 Euro Sehr gut
Schöffel Keylong/Kashgar 250 Euro Gut
Fjällräven Keb Lite Padded Jacket 260 Euro Sehr gut
Gamsbokk Mt. Vinson Hoody (Kauftipp) 220 Euro Sehr gut
Marmot Avant Featherless 250 Euro Gut
Patagonia Micro Puff Hoody (Testsieger) 300 Euro Sehr Gut

Wandern, Schneeschuhlaufen oder Skitourengehen, auch im Winter kommen Outdoorer voll auf ihre Kosten. Während man sich bewegt, reichen meist dicke Unterwäsche und darüber eine Softshell, doch sobald man in Pausen oder im Camp zur Ruhe kommt, kühlt der Körper in wenigen Minuten aus. Dann schlägt die Stunde von gefütterten Isolationsjacken.

21 Wärmejacken von 220 bis 400 Euro für Damen und Herren hat outdoor Ende 2017 getestet. 14 davon sind mit Daune gefüllt, sieben mit Kunstfasern. Die leichtesten Kandidaten bringen weniger als 300 Gramm auf die Waage, die schwersten rund doppelt so viel. Außerdem begeistern alle mit kleinem Packmaß: »Im Schnitt nur zwei Liter – so findet der Kälteschutz in jedem Rucksack Platz«, sagt Ausrüstungsredakteur Boris Gnielka.

Ein großes Lob verdienen die Hersteller in Sachen Nachhaltigkeit: Fast alle Daunen stammen aus kontrollierter, artgerechter Produktion. Zusätzlich verarbeitet Haglöfs beim Bivvy Down Hood noch Recyclestoffe, die Imprägnierungen kommen ohne das in die Kritik geratene PFC aus. Außerdem sind alle Materialien Bluesign­zertifiziert – einer der strengsten Umweltstandards.

Vier Hersteller verwenden wasserabweisende Daune. Das klingt vielversprechend und funktioniert in Laborversuchen hervorragend, doch die Praxis sieht anders aus: »Vor allem bei Druck, etwa durch einen Rucksack, oder der Komprimierung im Packbeutel verklumpt eine feucht gewordene Füllung genauso wie unbehandelte Ware und verliert ihre Isolation«, so Gnielka. Der große Vorteil liegt aber in der schnelleren Trockenzeit. Möchte man eine nässeunempfindliche Wärmejacke, gibt es auch weiterhin keine Alternative zum Kunstfasermodell.

Gespannt wartet die Testcrew jedes Mal auf die Ergebnisse der Isolationsprüfung. »Im Praxiseinsatz zeigt sich grob, wie warm die Modelle ausfallen, doch erst die Labormessungen führen zu exakt vergleichbaren Werten«, erklärt Boris Gnielka.

Die mit Daunen gefüllte Mountain Equipment Skyline glänzt mit der besten Wärmeleistung. Sie lässt sich von wenig verfrorenen Personen in Pausen bis minus 18 Grad einsetzen und schützt durch ihren langen Schnitt auch das Gesäß – genug für frostige deutsche Winter oder für Skandinavientouren im Frühjahr, der idealen Zeit zum Skiwandern.

Rang zwei belegt die Berghaus Ramche Micro (Daune) mit einem unteren Temperaturlimit von minus 15 Grad, dicht gefolgt von den meisten anderen Daunenmodellen und der Gamsbokk Mt. Vinson, der dicksten Kunstfaserjacke. Sie alle bieten mit Werten um minus zwölf Grad ausreichend Reserven für Wintertouren in unseren Breiten.

Die übrigen Kandidaten kommen dagegen schon bei Temperaturen zwischen minus fünf und null Grad an ihre Grenzen – zu wenig für Pausen in der kalten Jahreszeit, doch perfekt als extra warme Zwischenschicht für Frostbeulen. Skitourengeher können sie auf Abfahrten zudem als Schutz gegen den eisigen Fahrtwind tragen. So genutzt, verschiebt sich das Temperaturlimit um rund 15 Grad nach unten (gehendes Männchen). Für diese Einsätze empfehlen sich vor allem die nässeunempfindlichen Synthetikmodelle von Patagonia (–3° C) und Fjällräven (0° C), die durch ihren körpernahen Schnitt und die nicht zu dicke Füllung gut unter eine Softshell passen.

Wichtig: Ein gutes Wärme-Gewichts-Verhältnis

»Steckt der Kälteschutz die meiste Zeit im Rucksack und kommt nur während der Ruhephasen zum Einsatz, sollte man auf ein möglichst gutes Wärme-Gewichts-Verhältnis achten«, rät Testredakteur Boris Gnielka. Hier geben die hochwertigen Daunenjacken den Ton an, vor alle die Berghaus Ramche (–15°C/320 g) und die Arcteryx Cerium LT hoody (–12°C/300 g). Beide isolieren nicht nur sehr gut, sondern gehören auch zu den leichtesten Jacken im Testfeld 2017.

Den zweiten Platz teilen sich drei Kandidaten: Rab Continuum (–12°C/355 g), Mountain Equipment Skyline (–18°C/490 g) und die gerade einmal 250 Gramm schwere Patagonia Micro Puff Hoody (–3° C). Letztere beweist, dass auch Kunstfaserjacken mitterweile enorm leistungsfähig sein können. Die wärmste Kunstfaserjacke wiederum, die Gamsbokk Mt. Vinson Hoody (–13°C/555 g), schneidet immerhin noch gut ab.

Schwachpunkt Kapuze

In Sachen Tragekomfort und Ausstattung gibt es kaum Kritik, nur die Kapuzen von Marmot, Schöffel und Mountain Hardwear stören: Sie lassen sich ums Gesicht herum nicht schließen. Dadurch zieht es an den Wangen. Und wenn sich der Kopf bewegt, schaut man in die Kapuzenröhre.

Das Fazit unseres Winterjacken-Tests:

Grob lässt sich das Feld in zwei Gruppen einteilen. In ersterer finden sich die dickeren Winterjacken, der ideale Kälteschutz fürs Camp oder Pausen. Den besten Kompromiss aus hoher Isolation und geringem Gewicht bieten die Daunenjacken von Arcteryx, Berghaus und Rab. Erstere sichert sich mit knappem Vorsprung vor der Berghaus Ramche den Testsieg in dieser Kategorie, während die Rab Continuum einen Kauftipp bekommt. Sie ist nicht ganz so leistungsfähig wie die beiden Topperformer, kostet mit 300 Euro aber 100 Euro weniger.

Wer schnell friert oder in Skandinavien Skiwandern will, sollte zur Mountain Equipment Skyline greifen. Sie glänzt mit der besten Wärmeleistung und niedrigem Preis. Bevorzugt man dagegen eine nässeunempfindliche oder sehr günstige Jacke, heißt der Kauftipp Gamsbokk Mt. Vinson (Synthetik, 220 €). Außerdem gibt es einen klaren Testsieger bei den Jacken, die man während des Wanderns oder Skifahrens als Zwischenschicht tragen kann: die ultraleichte Patagonia-Kunstfaserjacke Micro Pfuff Hoody.

Daunenjacken: Auf diese Details kommt es an

Guter Schnitt
Eine erstklassige Bewegungsfreiheit macht nicht nur für Kletterer Sinn. Auch beim Wandern und Wintercampen hebt man die Arme öfters einmal über den Kopf. Rutschen dabei die Ärmel hoch, zieht es an den Handgelenken. Und wenn der Saum nach oben wandert, kriecht Kälte von unten in die Jacke. Dank der sehr aufwendigen, meist körperbetonten Schnitte passiert das aber bei fast keinem der Testkandidaten.

Die Länge macht‘s
Vor allem bei klirrendem Frost kühlt auch das Gesäß schnell aus. Dann sind länger geschnittene Modelle wie von Mountain Equipment oder Berghaus im Vorteil. Bei kurzen Jacken empfiehlt sich die Mitnahme einer gefütterten Shorts, die man in den Pausen kurz überzieht (Tipp: Vaude Waddington Short/Skirt).

Warmhaltezone
Nur in isolierten Taschen kann man schnell die Hände aufwärmen. Auch das Smartphone oder eine Kamera finden hier Platz, da vor allem etwas ältere Akkus oder Batterien bei Kälte häufig ihre Leistungsfähigkeit einbüßen. Diese Möglichkeiten bieten fast alle Modelle im Feld.

Einstellungssache
Kopf und Nacken sind nicht nur kälteempfindlich, hier geht auch viel Wärme verloren. Deshalb verbessert eine prall gefüllte Kapuze die Isolation enorm. Allerdings nutzt man sie nur, wenn sie sich sauber anpassen lässt – noch immer keine Selbstverständlichkeit, wie der Test zeigt. Im Idealfall gibt es einen Zug, mit dem sich die Kapuze ums Gesicht herum schließen lässt, und eine Volumenverstellung auf der Rückseite. Sie führt zu einem kappenähnlichen Sitz, der Kopfdrehungen mitmacht.

Tagesaktueller Preisvergleich zu diesen getesteten Daunenjacken




29.12.2017
Autor: Frank Wacker
© outdoor
Ausgabe 12/2017