Robuste Hardshelljacken für Berg- und Trekkingtouren

Test 2017: Hardshelljacken (3-Lagen)

Foto: Patitucciphoto Dreilagen-Jacken Test 2017

Fotostrecke

Dreilagenjacken sind der ultimative Nässeschutz auf Trekking- und Bergtouren. Welche Hardshells auch auf harten Touren dicht halten und komfortabel sind, klärt der Test aus Heft 11/2017 ...
Zu den getesteten Produkten
  • Getestet haben wir für die Herbst-Ausgabe 3-lagige Hardshells zwischen 330 Euro und 750 Euro
  • Einen tagesaktuellen Preisvergleich für die getesteten Jacken finden Sie unten auf dieser Seite sowie in der Fotostrecke und beim einzelnen Produkt.
  • Sie wiegen im Schnitt gerade einmal 500 Gramm und sind robust genug für anspruchsvolle Trekkingtouren und Bergabenteuer.
  • In unserer Fotostrecke oben findet ihr außer den getesteten Trekkingjacken (11/17) auch die etwas günstigeren Funktions- und Regenjacken aus dem Test in outdoor 04/17

Das Testfeld im Überblick:

Funktionsjacke / Link zum Testbericht Preis Testurteil
Arcteryx Beta SV (Testsieger) 700 Euro überragend
Norrona Trollveggen Pro 750 Euro überragend
Berghaus Extrem 7000 Pro (Kauftipp) 500 Euro Sehr gut
Fjällräven Keb Eco-Shell Anorak (Kauftipp) 480 Euro Sehr gut
Black Yak Gore-Tex Pro 3L 650 Euro Sehr gut
Montane Alpine Pro Jacket 430 Euro Sehr gut
Salomon S/LAB X Alp Pro 600 Euro Sehr gut
Mtn. Equipment Ogre 600 Euro Gut
Mammut Nordwand Pro 750 Euro Gut
Jack Wolfskin The Humboldt Jacket 450 Euro Befriedigend
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"Früher hatten Outdoorer die Qual der Wahl: Entweder vom Regen durchnässt werden oder in dampfdichten Sachen im eigenen Saft schmoren", sagt outdoor-Chefredakteur Alex Krapp. Das änderte sich erst, als Mitte der siebziger Jahre wasserdichte, atmungsaktive Bekleidung aus Gore-Tex auf den Markt kam - bis heute der Maßstab in Sachen Witterungsschutz. Dennoch haben moderne Funktionsjacken nicht mehr viel gemein mit den Jacken-Modellen früherer Tage. Glichen diese brettsteifen Ritterrüstungen, sind sie mittlerweile deutlich geschmeidiger.

Die Atmungsaktivität nahm ebenfalls spürbar zu – und zwar nicht nur beim Marktführer Gore-Tex, sondern auch bei den vielen anderen erhältlichen Materialien. Kapuzen lassen sich durch aufwendige Verstellungen exakt anpassen, statt wie ein viel zu großer Eimer auf dem Kopf zu sitzen. Außerdem schrumpften durch neue Konstruktionsmethoden und leichtere Stoffe das Gewicht und Packmaß um die Hälfte – praktisch, wenn der Wetterschutz bei guter Witterung im Rucksack steckt.

Im Test: 15 Hardshells von 330 bis 750 Euro

Der aktuelle outdoor-Test von 15 Dreilagenjacken von 330 bis 750 Euro zeigt diese Fortschritte deutlich. "Sie wiegen im Schnitt gerade einmal 500 Gramm und sind robust genug für anspruchsvolle Trekking- und Bergtouren", so Ausrüstungsredakteur Boris Gnielka. Den Spagat aus niedrigem Gewicht und Langlebigkeit schafft nur dieser Jackentyp, denn das Material (Laminat) besteht aus drei miteinander verklebten, sich gegenseitig verstärkenden Schichten: dem Oberstoff, der hauchdünnen wasserdichten, atmungsaktiven Folie (Membran) und einem feinen Futter. So ist die empfindliche Membran zwischen den beiden Stofflagen optimal geschützt.

Dennoch gibt es Unterschiede in Sachen Langlebigkeit. "Die strapazierfähigsten Jacken im Feld von Arcteryx, Berghaus und Norrøna eignen sich auch für den harten Dauergebrauch und Expeditionen: Ihre kräftigen Oberstoffe fallen noch abriebfester aus als die der Konkurrenz", erklärt Gnielka nach dem Scheuertest.

Dafür tragen sich die drei Arbeitstiere nicht so geschmeidig wie die Jacken aus den etwas dünneren Laminaten. Vor allem der Keb Eco-Shell Anorak von Fjällräven begeistert auf den Testtouren mit seinem anschmiegsamen Sitz und dem weichen, raschelarmen Material. Im Gegensatz zur vor zwei Jahren getesteten Fjällräven Keb EcoShell Jacke mit durchgängigem Reißverschluss handelt es sich beim Anorak um einen Schlupfer – ein in Skandinavien sehr beliebtes Design. Zwar muss man ihn wie einen Pullover über den Kopf streifen durch den kurzen Zipper beult vor dem Bauch aber nichts aus.

Gute Testnoten für das Trageverhalten der Hardshells

Auch die anderen Hardshelljacken im Testfeld 2017 bekommen durchweg sehr gute Noten für ihr Trageverhalten. Sie machen Bewegungen mit und besitzen komfortable Kapuzen, die Kopfbewegungen folgen. Außerdem bieten die Testkandidaten hochgesetzte Taschen: Sie lassen sich nutzen, wenn man einen Rucksack mit Hüftgurt trägt. Die Bedienung der Zipper und Züge klappt insgesamt problemlos, bei der Salomon S/Lab X Alp Pro könnten die Reißverschlüsse aber leichtgängiger laufen.

"Der Klimakomfort liegt ebenfalls auf einem hohen Niveau. Alle Materialien punkten in der Praxis und bei den Labormessungen mit einer hohen bis sehr hohen Atmungsaktivität, setzen zum Teil aber etwas andere Schwerpunkte", fasst Boris Gnielka zusammen. Die Gore-Pro-Laminate, die sieben Hersteller verarbeiten, sind am dampfdurchlässigsten, während die Innenseite des Eco-Shell-Materials von Fjällräven Feuchtigkeit sehr gut aufnimmt. So fühlt es sich weniger klamm an, wenn Nässe im Innern auskondensiert – was während der Testtouren im Dauerregen bei längeren, deftigen Anstiegen in jeder Jacke passierte.

Sobald die outdoor-Crew dann wieder gemächlicher unterwegs war, trockneten alle Jacken innen ab. Das gelingt nur hochatmungsaktiven Materialien. Weil selbst die dampfdurchlässigsten Laminate ans Limit kommen, gehören Belüftungsmöglichkeiten zur Standardausstattung. Am effektivsten funktionieren möglichst lange Achselreißverschlüsse, sogenannte Pitzips, in Kombination mit weit zu öffnenden Bündchen. Auch mit Netz gefütterte Taschen eignen sich. Alle diese Features finden sich bei der Norrøna Trollveggen, dem Klimakomfort-Sieger.

Dicht auf den Fersen folgt die Arcteryx Beta SV. Sie bietet ebenfalls lange Pitzips. Außerdem werden ihre Nähte größtenteils mit AchtMillimeter-Bändern (Tapes) abgedichtet, während die der Konkurrenz bis zu 2,5-mal breiter ausfallen. Dadurch reduziert Arc’teryx die Fläche der dampfundurchlässigen Tapes um fast zwei Din-A4-Blätter – was den Klimakomfort verbessert. Der Rest des Feldes belegt den – sehr guten – dritten Rang.

Und wie sieht es mit dem Wetterschutz der Jacken aus?

Diese Frage beantwortet die outdoor-Powerberegnung, die einem mehrstündigen, sturmgetriebenen Wolkenbruch gleicht. "Trotzt eine Jacke den Wassermassen, hält sie auch auf Tour garantiert dicht", erklärt Boris Gnielka. Fast alle getesteten Hardshell-Regenjacken im Feld überstehen die Nässeschutzprüfung ohne Lecks, nur bei der Mountain Equipment Ogre saugt sich unterhalb des Kinns spürbar Feuchtigkeit ins Innere und beim Jack Wolfskin The Humboldt Jacket dringt Nässe über das untere Ende der Pitzips ein. Hier fehlt im Innern eine extra Abdeckung. In der Mammut Nordwand Pro bleibt man trocken, allerdings lässt sich ihre Kapuze ohne Kletterhelm an den Wangen nicht sauber schließen – unangenehm bei eisigem Wind.

Testfazit unseres Hardshelljacken-Tests:

Alles in allem schützen die Kandidaten von Arcteryx, Berghaus, Fjällräven und Norrøna am besten gegen die Unbilden der Natur. Sie halten nicht nur dicht, sondern verfügen über perfekt schützende Kapuzen mit einem großen, steifen, tunnelförmigen Schild und hohe Kragen. Insgesamt liefert das Testfeld eine starke Performance ab, vier Kandidaten zeigen auf beeindruckende Weise, was heute möglich ist. Wer eine sehr robuste Jacke für harte Einsätze sucht, greift zu den überragenden, aber auch teuren Modellen von Arc’teryx (700 Euro) und Norrøna (750 Euro). Die ähnlich strapazierfähige Berghaus Extreme 7000 Pro ist fast genauso leistungsfähig, kostet mit 500 Euro allerdings deutlich weniger, und der Fjällräven Keb Eco-Shell Anorak (480 Euro) wiederum empfiehlt sich für alle Trekker oder Bergsteiger, die ein geschmeidige und umweltfreundliche Jacke suchen.

Tagesaktueller Preisvergleich für die getesteten Hardshell-Jacken:




Der Jackentest unter der Lupe:

  • Waschmarathon: Zehn Maschinenwäschen simulieren den Dauergebrauch mehrerer Monate. Danach zeigt sich, ob die Nahtbänder, auch Tapes genannt, halten und wie gut der Außenstoff imprägniert ist. Wenig robuste Gewebe zeigen die ersten Abriebspuren.
  • Wetterschutz-Prüfung: Jede getestete Jacke muss die outdoor-Powerberegnung über sich ergehen lassen. Diese entspricht einem stundenlangen, sturmgepeitschten Wolkenbruch. Im Praxiseinsatz beurteilt die Testcrew, wie effektiv Kragen und Kapuzen eiskalten Wind abhalten.
  • Klima-Check: Labor misst den Dampfdurchgang der Laminate und untersucht, wie viel Kondensnässe auf der Innenseite anfällt (je weniger, desto besser). Diese Werte und der Grad der Luftdurchlässigkeit eines Materials ergeben die Atmungsaktivität. Außerdem bewertet outdoor die Imprä- gnierung: Saugt sich der Oberstoff mit Wasser voll, sinkt der Feuchtigkeitsdurchgang eines Laminats um bis zu 80 Prozent. Auch die Jackenkonstruktion spielt eine Rolle. Ein weiteres, wichtiges Kriterium ist, wie gut sich das Klima über Belüftungsmöglichkeiten regulieren lässt.
  • Praxistest: Auf Tour beurteilt die Testcrew den Tragekomfort und ob sich die Kapuzen sauber anpassen lassen, sodass sie Kopfbewegungen mitmachen. Auch die Position und Größe der Taschen wird geprüft sowie die Handhabung der Reißverschlüsse und Schnürzüge.
  • Qualitäts-Kontrolle: Neben der Verarbeitung steht die Haltbarkeit auf dem Prüfstand: Mit einem Scheuertest simuliert outdoor, ob die Gewebe abriebfest genug für harte Beanspruchungen ausfallen. Umweltfreundliche oder nachhaltige Materialien bekommen Bonuspunkte.
29.11.2017
© outdoor
Ausgabe 11/2017