Alle Regenjacken-Tests 2018

Günstig vs. teuer: Welche Regenjacken halten wirklich dicht?

Foto: Boris Gnielka Regenjacken-Test

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Nur mit der richtigen Funktionsjacke bleibt die gute Laune auch bei Schmuddelwetter erhalten. Doch muss es immer die High-End-Jacke sein? Wir haben getestet, welche Jacken Wanderer, Kletterer und Bergsportler gut vor Regen schützen, sich dabei komfortabel tragen und welchen Preis das hat ...
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Regenjacken-Testfeld: High-End-Jacken bis 600 Euro

Die Funktionsjacke ist das Lieblingsteil vieler Wanderer. Sie erinnert an vergangene Touren, auf denen man mit ihr Wind und Wetter trotzte – und die trotz der schlechten Witterung großen Spaß machten. Doch auch die hochwertigsten Funktionsjacken gehen irgendwann in die Knie.

Wem dann der Abschied schwer fällt, kann sich damit trösten, dass selbst abgebrühte Ausrüstungstester vom Trage- und Klimakomfort der aktuellen Generation schwärmen – das zeigt der outdoor-Test von 18 Regenjacken für Damen und Herren.

Sie kosten zwischen 250 und 600 Euro, das Spektrum reicht von robusten Allroundern um 400 Gramm über drei besonders strapazierfähige Arbeitstiere (Fjällräven, Bergans und Jack Wolfskin – rund 600 Gramm) für den dauerhaft rauen Einsatz bis zum Federgewicht von Haglöfs.

Unsere Testergebnisse im Überblick:

Regenjacke / Link zum Testbericht Preis Testurteil
Fjällräven Bergtagen Eco-Shell (Testsieger) 580 Euro Überragend
Arcteryx Alpha FL 400 Euro Überragend
Jack Wolfskin The Humboldt Jacket (Kauftipp) 450 Euro Sehr gut
Montane Ultra Tour Jacket (Kauftipp) 260 Euro Sehr gut
Direct Alpine Guide Jacket 419 Euro Sehr gut
Haglöfs L.I.M. Comp Jacket 300 Euro Sehr gut
Outdoor Research Interstellar Jacket 340 Euro Sehr gut
Marmot Eclipse Jacket 270 Euro Gut
Rab Mantra Jacket 280 Euro Gut
Bergans Eidfjord Jacket 400 Euro Befriedigend

Klimakomfort

Die Outdoor Research Interstellar Jacket glänzt mit dem bis dato atmungsaktivsten von outdoor getesteten Dreilagenmaterial (Laminat) und lässt sich über die mit Netz gefütterten Taschen recht gut belüften. Die Arc’teryx Alpha FL punktet mit dem zweithöchsten Feuchtedurchgang von innen nach außen. Der Trick: Arc’teryx verarbeitet nur rund halb so breite Nahtdichtbänder (Tapes) wie die Kokurrenz. »Tapes sind dampfdicht und je weniger die Jacke von innen zupflastern, desto besser das Klima«, sagt Boris Gnielka.

Die Laminate von Jack Wolfskin, Fjällräven, Bergans und Direct Alpine sind zwar nicht ganz so leistungsfähig, doch lange Lüftungszipper in den Achseln (Pitzips) oder am Rumpf gleichen das aus. Die Modelle von Rab und Montane landen auf dem sehr guten dritten Platz, während sich die Marmot Eclipse am Ende des Feldes platziert. Der Dampfdurchgang ihres Materials ist gut und sie lässt sich wirkungsvoll belüften, allerdings bildet sich innen recht viel Kondensnässe. Ein dickes Lob verdient ihre neue, äußerst dauerhafte Imprägnierung. »Selbst nach zehn Wäschen perlt Wasser ab – das schafft kein anderes Modell«, so Gnielka.

Tagesaktueller Preisvergleich der getesteten Regenjacken zwischen 260 bis 580 Euro




Tragekomfort

Fast alle Jacken dieses Testfelds zieht man gerne an, sie machen selbst beim Klettern jede Bewegung mit, und ihre Kapuzen lassen sich exakt an den Kopf anpassen. Außerdem laufen die meisten Zipper wie geschmiert. Einen Favoriten gibt es dennoch: Die Rab Mantra ist noch eine Spur geschmeidiger als der Rest des Feldes. Auch die Jacken von Fjällräven, Outdoor Research und Haglöfs landen in der Spitzengruppe. An der Marmot Eclipse kritisierten die Tester, dass sich das Material auf der Haut ein wenig wie Gummi anfühlt.

Nach dem Praxistest stand die outdoor-Powerberegnung auf dem Programm. »Rund 220 Liter pro Quadratmeter prasseln auf die Jacken herunter – das entspricht einem mehrstündigen, sturmgetriebenen Wolkenbruch«, erklärt Boris Gnielka. Schwachstellen treten so schonungslos zutage: Beim Bergans Eidfjord Jacket tropft Nässe übers untere Ende der Zipper in die Taschen und gelangt durchs Netzfutter an den Körper.

Alle anderen Modelle überstehen die Wasserschlacht dagegen ohne ernsthafte Blessuren, nur gelegentlich wandert am Kragen oder den Taschen über Saugeffekte minimal Feuchtigkeit nach innen. Den effektivsten Wetterschutz bieten Fjällräven und Jack Wolfskin: Sie halten nicht nur Regen ab, die riesigen Kapuzenschilde und hohe Kragen bilden ein Bollwerk gegen eisigen Wind. Ihnen dicht auf den Fersen folgen Arc’teryx und Direct Alpine sowie die preiswerten Modelle von Rab und Montane.

Regenjacken-Testfeld: Funktionsjacken um 250 Euro

Allerdings wandern nur die wenigsten Outdoorer tagelang durch den Regen. Vielmehr steckt der Wetterschutz die meiste Zeit im Rucksack und wird nur gelegentlich bei Wind oder einem kurzen Wolkenbruch getragen. "Dafür braucht man kein für Expeditionen oder wochenlange Wildnistouren gedachtes Hardcoremodell, das 500 Euro und mehr kostet", sagt Ausrüstungsredakteur Boris Gnielka.

In einem zweiten Testfeld haben wir deshalb günstigere Regenjacken zwischen 200 und 300 Euro getestet (Ausnahme: die Columbia-Jacke, die unter 200 Euro liegt). Die 12 Testjacken für Damen und Herren wiegen gerade einmal 230 bis 375 Gramm, ihr Packmaß liegt im Schnitt bei minimalen 1,2 Liter – so passen sie selbst in den kleinsten Rucksack.

Unsere Testergebnisse im Überblick:

Regenjacke / Link zum Testbericht Preis Testurteil
Mountain Equipment Odyssey (Testsieger) 280 Euro Sehr gut
Montane Minimus Stretch (Kauftipp) 210 Euro Sehr gut
Arc'teryx Alpha SL Jacket 300 Euro Sehr gut
Marmot Knife Edge Jacket 250 Euro Sehr gut
Omm Kamleika Jacket 240 Euro Sehr gut
Columbia Outdry Ex Gold Tech Shell 150 Euro Befriedigend

Klimakomfort

Das Columbia Outdry Ex Gold Tech Shell landet beim Klimakomfort ganz vorne. Wird es doch einmal zu warm, kann man über Achselreißverschlüsse (Pitzips) und mit Netz gefütterten Taschen Dampf ablassen. "Außerdem saugt sich die Außenseite kaum voll", demonstriert Boris Gnielka an seiner Jacke, von der Wassertropfen abperlen, während die Imprägnierung bei den anderen Testjacken mit der Zeit mehr oder weniger anfängt zu schwächeln. Und je stärker ein Material durchnässt, desto geringer die Atmungsaktivität. »Forschungen an der Eidgenössischen Materialprüfungsanstalt im schweizerischen St. Gallen zeigten, dass der Dampfdurchgang dann um bis zu 80 Prozent zurückgeht«, so Gnielka.

Auch die Mountain Equipment Odyssey landet in der Spitzengruppe: Sie punktet ebenfalls mit einem hochatmungsaktiven Material und dauerhafter Imprägnierung. Außerdem lässt es sich über die – etwas kurzen – Achselzipper ordentlich belüften. Die Modelle von Arc’teryx, Montane und Marmot können da nicht ganz mithalten. Zwar entweicht über ihre Materialien viel Dampf, doch es entsteht mehr Kondenswasser als bei den anderen Testmodellen, weil die Innenseite kaum Nässe aufnimmt.»Immerhin trocknen sie aber recht schnell«, sagt Boris Gnielka. Die Atmungsaktivitätsmessungen im Labor bestätigen die Praxiserfahrungen: Sämtliche Laminate schneiden gut bis sehr gut ab, Columbia und Mountain Equipment erzielen Spitzenwerte.

Tagesaktueller Preisvergleich der getesteten Regenjacken zwischen 150 bis 300 Euro




Halten die günstigen Funktionsjacken dicht?

Bis auf eine Ausnahme halten alle bei Schmuddelwetter dicht, nur bei der Columbia Outdry Ex Gold Tech Shell tropft mit der Zeit Wasser über unzureichend abgedeckte Pitzips ins Innere – was auch bei der outdoor-Powerberegnung passiert. »In der Praxis lässt sich manchmal nicht sagen, ob es sich um Feuchtigkeit von außen oder Kondens handelt«, erklärt Boris Gnielka.

Unterm Strich am besten schützen die Arcteryx Alpha SL und Mountain Equipment Odyssey. Bei beiden wandert nur auf Kinnhöhe minimal Feuchtigkeit ins Innere (Saugeffekte). Außerdem blocken ihre großen, versteiften Kapuzenschilde und hohe Kragen eisigen Wind ab. Doch die meisten anderen Kandidaten folgen ihnen dicht auf den Fersen und bekommen ebenfalls gute bis sehr gute Noten.

Am Ende begutachtet die Testcrew noch die Qualität aller Jacken. Am robustesten ist das Material der Mountain Equipment Odyssey, mit 375 Gramm die schwerste Jacke im Feld. Die Arc’teryx Alpha SL (305 g) fällt nicht ganz so strapazierfähig aus, auf Wanderungen und Klettersteigtouren kann man sie aber bedenkenlos einsetzen. Nur für den täglichen Gebrauch empfiehlt sie sich nicht. Schlusslichter bilden die Jacken von Omm und Montane. Bei ersterem zieht der Außenstoff schnell Fäden, letztere besitzt ein hauchdünnes, nicht ganz so langlebiges Material.

Noch günstigere Regenjacken? - Testfeld unter 200 Euro

Ja, auch die gibt es - und sind als Notregenschutz im Rucksack gar nicht unbedingt viel schlechter. Allerdings muss man hier meist mit einem höheren Gewicht rechnen - und oft auch mit einer schwächeren Imprägnierung/Atmungsaktivität. Positiv überrascht waren wir allerdings von der Quechua FH 500 Helium (Decathlon-Eigenmarke) die zu einem Schnäppchenpreis von knapp 70 Euro angeboten wird: Sie entpuppte sich in unserem "Gut & günstig"-Vergleich in Heft 08/2018 als sehr gute und leichte Notregenjacke, die so leistungsfähig wie deutlich teurere Funktionsjacken ist.

Ebenso gut zeigte sich die aktuelle Version der Vaude Escape Pro II Jacket, die weiterhin eine der besten Wanderjacken mit Vollausstattung unter 200 Euro ist. Alle Ergebnisse dieses Tests gibt es hier:

Regenjacke / Link zum Testbericht Preis Testurteil
Quechua FH 500 Helium (Kauftipp) 70 Euro Sehr gut
Vaude Escape Pro II Jacket (Kauftipp) 170 Euro Sehr gut
Maier Sports Metor 150 Euro Gut
Maier Sports Altid long W 130 Euro Gut
Montane Atomic Jacket 150 Euro Gut

Tagesaktueller Preisvergleich der getesteten Regenjacken zwischen 70 bis 170 Euro




So testet outdoor Regenjacken

Wetterschutz-Prüfung
Die Dichtigkeit wird mit der outdoor-Powerberegnung getestet. Sie simuliert einen stundenlangen, sturmgetriebenen Wolkenbruch. Übersteht eine Regenjacke diese Tortur ohne Leckage, hält es auch auf Tour garantiert trocken. Im Praxiseinsatz kontrolliert die Testcrew, wie effektiv Kragen und Kapuzen den Wind abhalten und ob die Ärmelbündchen und der Saum zugfrei schließen.

Waschmarathon
Zehn Maschinenwäschen entsprechen dem harten Dauergebrauch mehrerer Monate. Danach sieht man, ob die zum Abdichten der Nähte aufgebrachten Bänder (Tapes) halten und wie gut der Außenstoff imprägniert ist. Wenig robuste Gewebe zeigen erste Abriebsspuren oder ziehen etwas Fäden.

Klima-Check
outdoor misst im Labor den Dampfdurchgang der Laminate und prüft, wie viel Kondens innen anfällt (je weniger, desto besser). Diese Werte und der Grad der Luftdurchlässigkeit der Membran ergeben die Atmungsaktivität. Außerdem bewertet outdoor die Imprägnierung. Auch die Jackenkonstruktion spielt eine Rolle, denn an den zur Abdichtung der Nähte aufgebrachten Tapes entweicht keine Feuchtigkeit. Auch Stoffüberlappungen an Taschen reduzieren die Atmungsaktivität etwas. Ein weiteres, wichtiges Kriterium ist, wie gut sich das Klima über Belüftungen (Pitzips, Bündchen, Taschen mit Netzfutter) regulieren lässt.

Foto: Boris Gnielka

Praxiseinsatz
Auf Tour beurteilt die Testcrew den Tragekomfort. Dazu gehört, wie geschmeidig sich die Jacken tragen, ob sie Bewegungen mitmachen oder stark rascheln. Auch der Kapuzensitz wird benotet: Gute machen Kopfbewegungen mit und drücken nicht. Außerdem steht die Bedienung der Zipper, Taschen und Züge auf dem Prüfstand.

Qualitätssiegel
Mit einem Scheuertest simuliert outdoor, ob die Gewebe abriebfest genug für harte Beanspruchungen ausfallen. Umweltfreundliche oder nachhaltige Materialien sowie eine saubere Verarbeitung geben Bonuspunkte.

Ältere Regenjacken & Hosen Kauftipps:

21.09.2018
Autor: Frank Wacker
© outdoor
Ausgabe 09/2018