Acht Sommersoftshells im Test

Next Generation

Die neueste Generation von Softshells verspricht überirdischen Tragekomfort und galaktisch-guten Wetterschutz. Zukunftsmusik oder Wahrheit? Der Test von acht Modellen bringt Licht ins Dunkle.
Zu den getesteten Produkten

Keine Frage: Aktuelle Softshells sehen den Kostümen der alten Weltraumhelden aus Hollywood zum Verwechseln ähnlich. Doch während die flotten Joppen von Kirk und Co. vor allem für einen schneidigen Auftritt sorgten und allenfalls Weltraumstaub abzuweisen hatten, müssen Softshell-Jacken aus dem wahren Leben Komfort in fast jeder Wetterlage bieten. Nur wenn es wie aus Kübeln schüttet, kommen sie in den Rucksack und werden durch die Funktionsjacke ersetzt. In allen übrigen Situationen müssen sie ran: Sie sollen starkem Wind und Regenschauern Paroli bieten, gleichzeitig sich weich wie ein Fleece tragen und jede noch so extreme Bewegung zulassen – beispielsweise beim Klettern. Ein hehres Ziel. Inwieweit es die neueste Generation von Softshelljacken erfüllt, klärt der Test von acht Sommermodellen zwischen 100 und 200 Euro. Drei Monate lang wurden die Jacken bei Wind und Wetter getragen, auf Rucksacktouren über die Schwäbische Alb genauso wie beim Klettern im Pfälzer Buntsandstein oder auf Bike-Touren rund um den Hausberg. Stets mit dabei: Kuli und Bewertungsbogen.

Ganz oben auf der Test-Liste steht der Trage­komfort. Wie geschmeidig trägt sich die ­Jacke? Wie weich ist ihr Griff, wie weit reichend die Bewegungsfreiheit? Wie seidig laufen die Reißverschlüsse, wie gut lassen
sich die Taschen mit umgeschnalltem Rucksackhüftgurt nutzen? Ergebnis: Das Niveau im Testfeld liegt hoch. Alle Kandidaten tragen sich im Großen und Ganzen bequem und ziehen in Sachen Komfort an der klassischen Funktionsjacke souverän vorbei. Allerdings sitzen nur bei der Hälfte der Testmodelle die Taschen hoch genug, dass der Rucksackhüftgurt sie nicht bedeckt: bei den Modellen von Bergans, Jack Wolfskin, Millet und Patagonia.

Beim Thema Wetterschutz dagegen sieht es nicht ganz so rosig aus. Er steht auf dem Bewertungsbogen der Tester gleich an zweiter Stelle. Schließlich soll eine Softshell bei unbeständig vorhergesagtem Wetter genügend Reserven bieten, um auch Nässeattacken abzuwehren – nur dann kann die Funktionsjacke ganz zu Hause bleiben. Ergänzend zum Praxistest wurden deshalb alle Modelle unter der outdoor-Sprühberegnung auf ihre Wasser abweisenden Eigenschaften untersucht.

Natürlich muss eine Sommersoftshell nicht stundenlangem Landregen widerstehen, zumal bei Wolkenbrüchen ohnehin das Wasser über Kopf und Kragen ins Jackeninnere laufen würde – Sommersoft­shells besitzen in der Regel keine Kapuze. Aber trüb-nasse Hochnebelsuppe und Nieselregen sollten sie schon draußen lassen. Das gelingt einem Testmodell gar nicht, immerhin vier Modellen recht ordentlich, und nur dreien richtig gut: Bergans, Millet und Patagonia. In ihnen bleibt man trocken. Bei Sprühregen, ja selbst bei Regenschauern übernehmen diese drei Modelle die Schutzwirkung der Funktionsjacke.

Guter Regenschutz nützt aber wenig, wenn sich die Nässe auf der Innenseite der Jacke bildet: wegen geringer Atmungsaktivität des Materials oder fehlender Belüftungsoptionen. Denn gerade im hohen Klimakomfort liegt einer der Hauptvorteile von Softshells. Selbst auf steilen Anstiegen kann man sie anbehalten, ohne zu überhitzen, lästiges Aus- und Umziehen bleibt einem so erspart. Im Test zeigt vor allem das Vaude-Modell, wie’s geht: Es ist ideal für sportlich-flotte Aktivitäten.

Fazit: Die neuen Softshells zeigen vor allem in puncto Tragekomfort gute Leistungen. Auf ganzer Linie überzeugen können jedoch nur die Bergans Stamsund (170 Euro) und Millet Pro Touring (190 Euro). Während die etwas dickere Bergans vor allem bei eher kühlem Wetter punktet, und das beim Wandern wie Trekken oder Biken, brilliert die Millet bei fast jedem Wetter –ebenfalls in einer Vielzahl von Disziplinen: Selbst Klettertouren oder Joggingrunden sind mit ihr ein Vergnügen. Eine Softshell, auf die Captain Kirk neidisch gewesen wäre.

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26.06.2008
Autor: Boris Gnielka
© outdoor
Ausgabe 06/2008