OD Buchtipp alexander Huber Berg in mir Piper/Malik Verlag

Buchtipps: Die besten outdoor-Bücher

Ein echtes Geschichtenbuch

Böswillig gesagt: Der Zeitpunkt für dieses Buch ist gut gewählt. Aus dem Kino ist Huber verschwunden, sein Name aber außerhalb der Kletterszene präsenter denn je – der perfekte Moment für den nächsten Mediencoup. Na und? „Der Berg in mir“ mag gut getimet sein, aber das tut seinem Charme keinen Abbruch.

Schließlich hat Huber viel zu erzählen. Auf 313 Seiten, in kleinteilig portionierten Kapiteln, schön ordentlich und der Chronologie seiner Erfolge und Fehlschläge folgend. Von den ersten Touren der Kindheit über das Klettern im 11. Grad und Expeditionen nach Patagonien und in den Himalaya bis zu seinem Speed-Versuch an der Nose im Yosemite-Nationalpark (dokumentiert von Pepe Danquart in „Am Limit“ - große Fotogalerie vom Filmset) erzählt Huber seine Geschichte(n) vom Bergsteigen, Klettern, Leiden und Triumphieren. Dazwischen finden sich Interviews, zum Beispiel mit seiner Mutter sowie seinem Bruder und Kletterpartner Thomas Huber.

Profi-Alpinisten leben davon, in Vorträgen möglichst viel von sich zu erzählen. Wer einen Huber-Vortrag gesehen hat, wird deshalb manche Geschichten kennen. Macht aber nichts, denn gute Geschichten erkennt man gerne wieder, vor Allem die gut erzählten. Darin liegt eine große Stärke des Buchs: Wer Huber schon gehört hat, findet hier seinen spezifischen Erzählton wieder. Der Malik-Verlag war klug genug, nicht auf Literatur zu machen sondern Huber einfach so lebendig erzählen zu lassen, wie er nun mal ist. Da verzeiht der Leser auch den einen oder anderen Bajuvarismus oder Szene-Ausdruck.

Anekdoten hin, Helden-Storys her: Das Buch zeigt unter der gefälligen Oberfläche auch den widersprüchlichen, widerborstigen Alexander Huber. Und das meint nicht einfach nur die Kompromisslosigkeit des Egomanen, die er mit vielen Spitzenathleten teilt und von dem in den Interviews mit einer Mischung aus Hochachtung und leisem Tadel die Rede ist.

Huber spricht offen über eine längere psychische Krise, der er sich auf dem Gipfel seiner bergsteigerischen Entwicklung stellen musste. Er findet dafür genau den richtigen Ton: sachlich und ohne Pathos. Über diese Schattenseiten der Höchstleistung spricht man im Sport ebenso ungern wie über die Abhängigkeit von Medien und Publikum, der sich Huber ebenfalls widmet. Er gibt offen zu, zwar nur Projekte anzugehen, die ihn wirklich interessieren, dabei aber durchaus auch ein Auge auf ihre Vermarktbarkeit zu haben. Ein erfrischend klares Bekenntnis.

Sicher: Die Welt hat nicht auf Hubers Buch gewartet. Ebenso sicher ist ihm aber ein spannendes, lebendiges und ungekünsteltes Selbstportrait gelungen, in dem Person und Sport ausgewogen nebeneinander stehen. Bleibt die Frage, ob es mit Ende 30 wirklich schon Zeit war für eine Autobiographie. Immerhin: Wo ein erster Band ist, ist der zweite nicht weit. Vielleicht so etwa 10 bis 15 Jahre weit. Und wenn Huber in demselben Speed weiterklettert wie bisher, wird er dann auch wieder eine Menge zu erzählen haben.

Mehr über Alexander und Thomas Huber

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