Reiseapotheke: Das muss rein

Notfallapotheke - für alle Fälle gerüstet

Foto: Benjamin Hahn
Das gehört in die Notfallapotheke für unterwegs! - Damit ihr für den Fall der Fälle vorbereitet seid, geben wir euch wichtige Tipps, was in euer Erst-Hilfe-Set für Wanderungen, Bike- und Bergtouren alles rein muss + Tipps zur Rettung und Bergung von Verletzten ...

Im Fall der Fälle wichtig: Die Notfallapotheke für unterwegs. Gerade auf Reisen, beim Trekking, Bergsteigen und Wandern ist es sinnvoll und klug, ein gut ausgerüstetes Erste-Hilfe-Paket als Notfallapotheke dabei zu haben. Schließlich weiß man nie was kommt und so ein Unfall auf Tour ist schnell mal passiert - da kann einen die Notfall-Apotheke im Zweifelsfall vor Schlimmerem bewahren!

Natürlich muss die Notfallapotheke für den Rucksack auch an die Länge der Tour angepasst werden. Aber für eine Tagestour die Hälfte aus dem großen Erste-Hilfe-Set auszupacken, ist nicht gerade sinnvoll.

Besser: Man nimmt einfach die Wochenendversion einer vernünftigen Notfallapotheke mit. Folgende Gegenstände sollten Outdoor-Fans wirklich immer auf Tour dabei haben.

Notfallapotheke - das muss mit

  • Desinfektionsmittel
  • 5 Alkoholtupfer
  • 50 cm Wundschnellverband (6 cm)
  • 1 Paket Klammerpflaster
  • Blasenpflaster (Compeed)
  • 2 Verbandpäckchen (1 x elastisch)
  • 5 Wundkompressen (5 x 5 cm)
  • Fixierbinde (6 cm, 4m)
  • sterile Handschuhe
  • Rettungsdecke
  • Dreiecktuch aus Viskose
  • Verbandschere
  • Pinzette
  • Zeckenzange/-karte
  • Schmerzmittel: Paracetamol (bei Höhentrips Ibuprofen, wirkt auch gegen Höhenkopfschmerz)
  • Brand - und Wundheilsalbe
  • Antihistaminika (bei Allergiebeschwerden)

Darauf kommt es beim Erste-Hilfe-Set für unterwegs an

In der Fotostrecke unten findet ihr unsere Testergebnisse einiger im Handel erhältlicher "Notfallapotheken" bekannter Outdoor-Hersteller. Diese kleinen Erste-Hilfe-Sets passen bequem in viele Rucksäcke, Taschen oder Täschchen. Auf folgende Punkte solltet ihr beim Einpacken eurer Notfallapotheke achten:

  • Die Erste-Hilfe-Tasche muss genug Platz für das gesamte Material bieten.
  • Man sollte das Material in der Tasche schnell finden und gut erreichen können.
  • Für alle Wassersportler und Canyoning-Fans lohnt sich eine wasserdichte Tasche.
  • Die Erste-Hilfe-Tasche sollte im Notfall schnell zur Hand sein.

Die Erweiterung zum Basispaket: das Expeditions-Modul

Für anstrengende Höhentrips oder Touren in Ländern mit niedrigem Hygienestandard empfiehlt sich die Erweiterung des Erste-Hilfe-Basissets, was zum Beispiel Mittel gegen Höhenkrankheit oder Antibiotika beinhaltet. Zusätzlich einzupacken:

  • Breitbandantibiotikum
  • Pilzsalbe (z.B. Clotrimazol)
  • Durchfallmittel (z.B. Tannacomp)
  • Hydrocortisolsalbe gegen Insektenstiche
  • 2 Spritzen (2 & 5 ml)
  • 2 Nadeln mit gelben Aufsätzen (mittlere Stärke)
  • Infusionsset
  • Skalpell
  • Bei Höhentrips evtl. Mittel gegen Höhenkrankheit (z.B. Diamox, Fortecortin, Nifedipin)

Was tun bei Wunden & Verletzungen?

Unfälle auf Tour sind zwar selten, doch wenn etwas passiert, ist man meistens ratlos. Hier zeigen wir euch, wie ihr euch und anderen unterwegs helft – und wie ihr im Notfall Hilfe holt.

Zu den häufigsten Verletzungen auf Outdoor-Touren gehören Wunden: Schnell hat man sich mit dem Messer geschnitten, rutscht aus und schürft sich die Hand oder das Knie auf. Mit einigen einfachen Regeln kann man wirksam helfen und eine Infektion der Wunde vermeiden.

Starke (bis lebensbedrohliche) Blutungen müssen unbedingt schnell zum Stillstand gebracht werden, in aller Regel mit einem Druckverband. Die Reinigung der Wunde ist zunächst nicht ganz so wichtig. Ein Blutverlust über 500 Milliliter gilt als lebensbedrohlich (zum Beispiel Schlagaderverletzungen mit spritzender Blutung o.ä.). Bei schlechter körperlicher Verfassung können auch geringere Mengen gefährlich werden.

Ist eine Blutung gestillt oder ist die Blutung nicht lebensbedrohlich, dann wasche die Wunde umgebenden Hautpartien. Die gesunden, nicht verletzten Hautpartien um die Wunde mit Wasser und (neutraler) Seife reinigen. Anschließend die Wunde mit klarem (Trink-) Wasser ausspülen. Verwende nur kaltes Wasser, da warmes Wasser die Blutung wieder starten oder verstärken kann. Grobe Partikel werden mit einem Wasserstrahl aus der Wunde »geschossen«. Hierfür kann man sich eine Plastiktüte mit Wasser füllen und ein kleines Loch in den Beutel schneiden. Drückt man nun auf den Beutel, so kann man mit dem herausschießenden Wasserstrahl die Wunde leicht ausspülen.

Alle sichtbaren Fremdkörper, die nach dem Ausspülen zurückbleiben, werden nun mit einer Pinzette, frischem Tempo etc. aus der Wunde entfernt. Wichtig ist auch, tote Hautreste zu entfernen oder abzuschneiden, denn tote Haut ist der ideale Nährboden für Bakterien und mit eine Hauptursache für Infektionen auf Tour. Oft sieht man erst nach einem Tag, was abgestorben ist. In solch einem Fall die Wundreinigung wie beschrieben einen Tag später wiederholen.

Anschließend versorgt man die Wunde mit einem Antiseptikum. Die Reinigung der Wunde wie beschrieben trägt zu 80 Prozent zur Verhütung von Infektionen, das Antiseptikum nur zu 20 Prozent. Vergesst Alkohol, Chlor und ähnlich aggressive Mittel als Antiseptikum. Sie desinfizieren die Wunde zwar, töten aber gleichzeitig gesunde oder teilgeschädigte Hautzellen ab. Auf diese Weise entsteht in einer desinfizierten Wunde neuer Nährboden für die übriggebliebenen Erreger. Verwende stattdessen zum Beispiel Betaisodona, das es in flüssiger Form und als Salbe gibt. Es eignet sich am besten, um Wunden zu versorgen.

Zum Schluss wird die Wunde so steril wie möglich verbunden. Direkt auf die Wunde kommt eine sterile Wundauflage, die im optimalen Fall aus einer Kompresse besteht. Wundauflagen kann man sich auch aus einem T-Shirt basteln. Schneide dazu fünf Lagen eines Baumwoll T-Shirts mit zirka 15 x 15 cm aus und koche diese Kompressen 15 Minuten. Lass diese dann an der Sonne trocknen, am besten auf einer Leine. Sind die Kompressen trocken, eignen sie sich als behelfsmäßige Wundauflage.

Tipps zum Verletztentransport

Ein Ausrutscher, ein Insektenstich oder einfach etwas Steinschlag – und schon liegt der Tourenpartner bewusstlos am Boden. Ohne Handy(netz) und Mitwanderer stellt sich nach der Erste-Hilfe-Versorgung (Puls? Atmung? Blutungen stillen) die Frage, wie man ihn allein zur nächsten Straße, Hütte oder Siedlung transportiert.

Vorbereitungen:
Zuerst braucht man eine zirka zwei Meter lange Schlinge. Ist kein Seil und keine Reepschnur zur Hand, tut‘s auch ein sehr langer Gürtel, der Umhängeriemen einer Fototasche oder ein Packriemen vom Rucksack. Knote ihn zur Schlinge, dann schiebst du diese auf Hüfthöhe unter den Verletzten.

Aufstehen:
Leg dich zwischen die Beine des Verletzten, und greife mit beiden Armen durch die Enden der Schlinge. Sie müssen wie ein Rucksack-Schultergurt über Ihren Schultern verlaufen. Jetzt kommt der schwierigste Part: Das Umdrehen – zuerst zur Seite, dann auf den Bauch. Dabei darf der Verletzte nicht aus der Schlinge rutschen. Am einfachsten geht das, wenn man beim Drehen auf die Seite einen Arm des Verletzten um seine Schulter legt und festhält. Liegt man erstmal bäuchlings mit dem Verletzten auf dem Rücken, gelingt der Rest dann wieder einfacher: Gehe dazu zuerst auf alle viere und stell dann ein Bein auf und drück dich hoch.

Alle Schritte zum Verletztentransport sowie die Anleitung, wie man einen Bruch richtig schient, gibt's mit Bild in der Mediashow:

Was tun bei Wundinfektion?

Falls bei einer Wunde doch noch eine Infektion auftritt, merkt man das in der Regel erst zwei bis vier Tage nach der Verletzung: Eiter wird in der Wunde sichtbar, der rote Rand um die Wunde weitet sich stark aus und die Wunde schmerzt. Möglicherweise stinkt es unter dem Verband faulig. Auf keinen Fall sollte der Eiter ausgedrückt werden, da die Erreger auf diese Weise durch die Schutzschicht der Wunde in gesundes Gewebe geschwemmt werden. Die Infektion breitet sich so aus.

Man muss nun zwischen einer lokalen und einer systemischen Infektion unterscheiden. Zeichen einer lokalen Infektion sind: Der normale rote Wundrand breitet sich aus und wird größer, möglicherweise treten rote Striche von der Wunde in Richtung Herzen auf (hierbei handelt es sich um eine Lymphbahnvergiftung und nicht – wie oft behauptet – um eine Blutvergiftung), verstärkte Schmerzen und Berührungsempfindlichkeit, Eiter, der nur sichtbar wird, wenn die Wunde offen ist, geschwollene Lymphknoten etwas oberhalb der Wunde.

Treten diese Symptome auf, dann sollte man wie folgt vorgehen: Pflaster etc. von der Wunde entfernen, so dass Eiter ablaufen kann. Die Wunde mit sauberem Wasser und Antiseptikum ausspülen. Bäder in warmem Wasser mit Betaisodona (20 min) durchführen, Wunde steril verbinden und jeden Tag den Verband wechseln, wenn nötig auch zwei Mal pro Tag. Das betroffene Körperteil ruhig stellen, die Verletzung ständig beobachten und auf eine systemische Infektion achten. Falls vorhanden und verordnet, sollte man im Anschluss Antibiotika einnehmen.

Bei einer systemischen Infektion handelt es sich um einen Notfall, der mit höchster Priorität evakuiert werden muss, da sich die Infektion auf den ganzen Körper ausgebreitet hat. Zeichen dafür sind: Dem Patienten geht es sehr schlecht, hohes Fieber und starke Schmerzen an der Wunde, meist auch rote Striche oberhalb der Wunde (in den Lymphbahnen) und geschwollene Lymphknoten im ganzen Körper weisen auf den lebensbedrohlichen Zustand hin. Der Patient muss dringend evakuiert werden, egal ob Antibiotika zur Verfügung stehen oder nicht. Ein Patient in diesem Zustand außerhalb qualifizierter medizinischer Hilfe schwebt in großer Lebensgefahr! Bis zur Evakuierung sollte man die Versorgung der Wunde wie beschrieben fortsetzen.

Kann man Wunden und andere kleine Verletzungen noch einigermaßen gut unterwegs behandeln, wird es bei Notfällen wie Bauchschmerzen oder Blut im Stuhl kritisch. Da uns als Laien das Wissen der inneren Medizin fehlt und auch der diagnostische Apparat nicht zur Verfügung steht, ist es zumindest wichtig, die Warnsignale des Körpers zu erkennen und Hilfe zu holen. Dabei sind internistische (im Körper befindliche) Notfälle problematischer als traumatische (Verletzungen durch Gewalteinwirkung, sichtbare Blutungen, etc.). Grund: Man sieht nicht, was dem Patienten fehlt. Irgendwo tut der Bauch weh, im Brustkorb sticht es oder die Hände kribbeln. In einem Krankenhaus wird zur Diagnostik schweres Gerät aufgefahren: Röntgen, Computertomografie, Labor, Ultraschall etc., um ins Innere des Patienten schauen zu können. Da uns diese Möglichkeiten unterwegs nicht zur Verfügung stehen, sollte man schauen, dass der Patient schnell evakuiert wird.

Alpine Notsignale und Heli-Rettung

Mit einem Handy ist das in der Regel kein Problem (europaweit: 112). Und ohne? Da gilt das alpine Notsignal: sechs kurze Licht- oder Schallsignale in einer Minute. Danach eine Minute Pause. Empfängt man ein Notsignal, bestätigt man es mit drei Signalen pro Minute – und holt sofort Hilfe. Die Bestätigung zeigt dem Notrufenden, dass er entdeckt wurde und Hilfe unterwegs ist. Als Sig­nalgeber eignen sich Lampe, Pfeife oder reflektierende Gegenstände (z.B. Alufolie).

Körpersprache:
Befindet sich ein (potenzieller) Helfer in Sicht-, aber außer Hörweite, teilt man ihm über die Körperhaltung mit, ob man Hilfe braucht oder nicht. Wie's funktioniert, zeigt die Fotostrecke unten.

Wenn der Hubschrauber kommt:
Abseits von Pisten und Fahrwegen kommt die Rettung meist per Heli. Zum Landen braucht er einen festen, ebenen Platz von 25 mal 25 Metern. Man sollte darauf achten, dass keine Gegenstände wie Jacken, Skier oder Äste herumliegen – sie werden sonst vom Abwind aufgewirbelt. Mit dem Piloten sollte man stets Augenkontakt halten und sich nur nach Aufforderung nähern – geduckt und von vorne.

Die 5 W-Fragen beim Notruf

Damit Einsatzkräfte alarmiert und gleich mit den wichtigsten Infos versorgt werden können, muss der Anrufer wichtige Informationen durchgeben. Dafür gibt es die fünf W-Fragen für Notfälle:

1. Wo ist der Unfall passiert?
Den Ort des Geschehens so genau wie möglich angeben (zum Beispiel Gemeindename oder Stadtteil, Straßen- oder Wegname, Berghütten o.ä in der Nähe, Besonderheiten, etc.

2. Wer ruft an?
Nenne deinen Namen, Standort und deine Telefonnummer für Rückfragen!

3. Was ist geschehen?
Das Ereignis kurz beschreiben und das, was Du konkret siehst (was ist geschehen? was ist zu sehen?), beispielsweise Verkehrsunfall, Absturz, Brand, Explosion, Einsturz, eingeklemmte Person!

4. Wie viele sind betroffen?
Schätze die Zahl der betroffenen Personen, ihre Lage und die Verletzungen! Gib bei Kindern auch das (geschätzte) Alter an!

5. Warten auf Rückfragen
Nicht gleich auflegen. Die Einsatzkräfte benötigen vielleicht noch weitere Informationen zum Notfall.

Und immer dran denken: Wenn andere Personen verunglückt sind, soll man Erste Hilfe leisten - soweit man sich nicht selbst in Gefahr bringt!

07.02.2019
Autor: Redaktion | Christian Langer
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