Microadventures in Deutschland

Die besten Abenteuer vor der Haustür

Foto: Christoph Jorda Freilassing-Camping
Unter Sternen schlafen, mal bei Regen schwimmen, Touren vor der eigenen Haustür starten: Wir stellen die schönsten Microadventures für den Sommer vor.

Im Freien schlafen

Biwakieren: Die gute Nachricht: Biwakieren ohne Zelt ist in Deutschland erlaubt, und das kostenlose »1000-Sterne-Hotel« steht jedem offen. Das Problem: Straßenlaternen, Leuchtreklame und andere künstliche Lichtquellen sorgen dafür, dass der Himmel nachts nicht mehr seine natürliche Dunkelheit annimmt. Wer bei einer Nacht im Freien möglichst viele Sterne sehen will, schlägt sein Lager also lieber außerhalb von Wohngebieten auf. Besonders gute Aussichten bieten sogenannte »Sternenparks«: der Naturpark Westhavelland in Brandenburg, der Nationalpark Eifel in Nordrhein-Westfalen und das Unesco-Biosphärenreservat Rhön im Grenzgebiet von Thüringen, Hessen und Bayern.

Boofen: In der Sächsischen Schweiz bezeichnet man Felsvorsprünge, die eine Art natürliches Dach bilden, als »Boofen«. Traditionell dienen sie Kletterern und Bergsteigern als Freiübernachtungsstellen, aber auch Wanderer suchen sich gerne mal eine der 57 offiziell zugelassenen Boofen für eine Nacht in der Natur. Auch in anderen Mittelgebirgen, zum Beispiel in der Pfalz, findet man Felsüberhänge, die sich für ein Nachtlager anbieten – allerdings sind sie, im Gegensatz zu den sächsischen Boofen, nicht als solche deklariert. Die Suche ist also schon ein Abenteuer für sich ...

Wild Zelten: Freies Zelten ist in Deutschland eigentlich verboten. Wer die Nacht aber doch lieber im Zelt verbringt, für den sind sogenannte Trekking-Camps interessant: kleine, minimalistisch ausgestattete Natur- beziehungsweise Waldzeltplätze. Es gibt eine Komposttoilette und oft eine Feuerstelle, Wasser und Verpflegung müssen mitgebracht werden. Man bucht die Camps im Vorfeld und bekommt dann Wegbeschreibungen beziehungsweise GPS-Daten. Ob in der Pfalz (trekking-pfalz.de), im Schwarzwald (naturparkschwarzwald.de), im Spessart (trekking-bayern.de) oder in der Eifel (trekking-eifel.de): Überall locken Mehrtagestouren von Camp zu Camp.

Foto: Garmin Garmin Oregon

Mit GPS-Gerät auf "Schatzsuche" im Wald.

Geocaching: Schatzsuche für die ganze Familie

Irgendwo versteckt jemand eine kleine Box mit kleinen Dingen sowie einem Logbuch, in das Finder sich wie in ein Gipfelbuch eintragen können. Die Koordinaten des Verstecks werden im Internet (Adressen s.u.) veröffentlicht. Mit Hilfe von GPS-Geräten kann die Suche losgehen. Das Schöne: Der Schatz bleibt, man nimmt sich bloß ein Souvenir heraus und lässt dafür eins da. Weltweit gibt es fast eine Million Caches, davon rund 90.000 in Deutschland.

geocaching.com: Die wichtigste Website rund ums Thema Geocaching. Hier erfährt man so ziemlich alles: Von der Geschichte des Geocachings über Ausrüstung bis zum richtigen Verhalten im Gelände. Die Seite ist nur auf Englisch abrufbar, aber eine Infobroschüre zum Herunterladen gibt es auch auf Deutsch. Und natürlich findet man die Koordinaten vieler Caches.

geocaching.de: Auf dieser deutschsprachigen Seite gibt es viele nützliche Informationen über Geocaching. Datenbanken zu Caches werden hier nicht geführt, die Seite versteht sich eher als Ergänzung zu Geocaching.com, Opencaching.de und Navicache.com. Hilfreich ist auch die interaktive Karte, die eine Übersicht über Cache-Verstecke vor allem in Deutschland verschafft.

opencaching.de: Übersichtliche, deutschsprachige Seite, die grundlegende Info bietet und auf der man Cache-Daten veröffentlichen sowie Logeinträge schreiben kann. Auch ein Forum findet sich.

Hochseilgarten: Abenteuer in den Baumwipfeln

Schwankende Brücken, Seilrutschen und Kletterpassagen hoch oben zwischen Baumkronen: In Hochseilgärten kann man sich richtig austoben. Bis zu 25 Meter hoch sind die abwechslungsreichen Parcours-Stationen in und zwischen Baumwipfeln angebracht. Mitarbeiter vor Ort geben eine kurze Einweisung, bevor das Klettervergnügen losgeht, und man kann zwischen unterschiedlichen Schwierigkeitsstufen wählen. Im Allgemeinen eignen sich die Anlagen auch für Kinder. Und gut zu wissen fürs Umweltbewusstsein: In der Regel sind alle Stationen so konstruiert, dass die Bäume unbeschädigt bleiben.

Foto: Daniel Geiger Klettersteig im Wald: Hochseilgarten

Verschiedene Schwierigkeitsstufen machen Hochseilgärten zum Vergnügen für Kinder und Erwachsene gleichermaßen.

Waldhochseilgarten Rutesheim: Auf der drei Hektar großen Waldfläche nahe Stuttgart fordern sieben verschiedene Parcours Kletterer ab sechs Jahren heraus: Mit Seilbrücken, Holzstegen, Flying Fox-Rutschen und mehr. www.freizeitparkrutesheim.de.

Waldseilgarten Höllschlucht/Pfronten: Der Waldseilgarten bei Pfronten hat viel zu bieten: 70 Stationen umfasst er, sieben verschiedene Parcours sowie einen Extra-Parcours nur für Gruppen gibt es. Auch Baum-Übernachtungen sind möglich. www.waldseilgarten-hoellschlucht.de

Waldhochseilgarten Saar: Mitten im Stadtwald Saarbrücken liegt dieser Waldhochseilgarten, der über fünf Parcours mit 56 Stationen verfügt. Sie liegen in drei bis zwölf Metern Höhe. Das Mindestalter beträgt zwölf Jahre. www.abenteuerpark-saar.de

Foto: Noctalis Bildarchiv Kalkberghöhle

Noctalis Höhle in Bad Segeberg, Welt der Fledermäuse - geöffnet täglich vom 1. April bis zum 30.September.

Höhlenausflug

Heimat von Drachen, Geheimversteck für Goldschätze – um Höhlen ranken sich viele Legenden. Heiße Sommertage sind ideal, um ihnen auf den Grund zu gehen. Ob Tropfstein-, Kalk- oder sogar Eishöhle: Rund 60 Schauhöhlen sind deutschlandweit für Besucher zugänglich. Noch abenteuerlicher wird der Gang in die Unterwelt, wenn man mit Lampen und festen Schuhen auf eigene Faust eine wilde Höhle erkundet.

Besonders gut geht das auf der Schwäbischen Alb, die mit über 2000 entdeckten Hohlräumen und Gängen die höhlenreichste Region Deutschlands bildet. Mehr Info: »Wilde Höhlen, Grotten, Felsennester: 100 geheimnisvolle Hohlräume zwischen Alb und Donau«, Verlag Oertel und Spörer, 10 Euro.

Foto: Ben Wiesenfarth Radtouren in Deutschland

Radfahren macht Spaß und ist umweltfreundlich. In Deutschland gibt es hervorragende Radfernwege.

Radwandern in Deutschland

Es geht so einfach und ist dabei spannender als mancher Urlaub in fernen Ländern: eine Fahrradreise in Deutschland. Es gibt kein besseres Transportmittel, um in Ruhe die Landschaft zu genießen und zugleich zügig voranzukommen, Pausen einzulegen, wo immer man möchte – und dabei Sport zu machen und die Umwelt zu schonen.

Ob man sich im Norden die Meeresluft um die Nase wehen lässt oder durch liebliche Flusstäler in Süddeutschland radelt, die Infrastruktur des deutschen Fernradwegenetzes ist bestens ausgebaut. Einen guten Überblick bietet die Homepage des Allgemeinen Deutschen Fahrrad Clubs (ADFC): www.adfc.de.

Ostseeküsten-Radweg: Dieser Radwanderweg folgt der deutschen Ostseeküste vom Norden Schleswig-Holsteins bis zur polnischen Grenze. Der Weg führt durch traumhafte Küstenlandschaft, zu Stränden und durch geschichtsträchtige Städte. Start: Flensburg, Ziel: Ahlbeck, Länge: 1075 km. www.radweg-reisen.com/ostsee-radweg

Rheinradweg: Burgenfreunde sind hier richtig: Der Rheinradweg ist gespickt mit alten Prachtgemäuern. Der Deutschland-Klassiker von Neuburg am Rhein bis Remagen ist 330 Kilometer lang. Wer mehr Rhein mag, fährt den ganzen Weg von der Rheinquelle bis zur Nordsee. Start: Andermatt/Schweiz, Ziel: Rheinmündung bei Rotterdam, Länge: 1233 km. www.rheinradweg.eu

Elberadweg: Mit Highlights wie den Felsnadeln der Sächsischen Schweiz und den weiten Elbauen nördlich von Magdeburg gehört der Elberadweg zu den beliebtesten Radfernwegen Deutschlands. Start: Bad Schandau, Ziel: Cuxhaven, Länge: 860 km. www.elberadweg.de

Oder-Neisse-Radweg: Dieser Radfernweg folgt dem deutsch-polnischen Grenzverlauf und führt durch dichte Wälder, weite Auen und wunderbar einsame Nationalparks. Start: Zittau, Ziel: Ueckermünde, Länge: 465 km. www.oder-neisse-radweg.de

Klettersteige: Routen für Einsteiger & Fortgeschrittene

Du wanderst gerne und hast Spaß an drahtseilgesicherten Passagen? Dann wird es Zeit, mit einem Sicherungsset loszugehen und eine Via Ferrata zu testen. Klettersteige vereinen Naturerlebnisse und schöne Ausblicke mit Adrenalinschüben und – verglichen mit freiem Felsklettern – unkompliziertem Klettersport. Unterschätzen sollte man sie aber nicht: Einige Steige erfordern starke Arme, eine starke Psyche und Erfahrung. Wir stellen drei Wege für Einsteiger und zwei anspruchsvollere Routen vor.

Karhorn-Klettersteig: Ein idealer Klettersteig für Neulinge: 600 Meter lang, gut gesichert, und auch Kinder können ihn gehen. Vom Karhorngipfel (2416 m) bietet sich dann ein Superblick auf die Berge zwischen Allgäu und Silvretta. Start: Warth/Bergstation Steffisalpelift, Gehzeit: 4 Std.

Mittenwalder Klettersteig: Dieser Klettersteig-Klassiker ist zum großen Teil eine Kammtour. Anfänger gewöhnen sich auf der Tour ohne technische Schwierigkeiten an das Gehen am Drahtseil und auf Leitern, brauchen aber Ausdauer, Trittsicherheit und sollten schwindelfrei sein. Start: Bergstation der Karwendelbahn, Gehzeit: 6 Std.

Boppard Klettersteig: In Rheinland-Pfalz liegt diese Ferrata, die 300 Höhenmeter überwindet und schöne Blicke auf den Rhein ermöglicht. Man bewegt sich viel auf steilen Leitern, so dass Klettersteig-Erfahrung hilfreich ist; einige Stellen können auch umgangen werden. Start: Boppard, Gehzeit: 1,5 Std.

Ilmspitz-Klettersteig: Für diese steile, lange Tour in den Stubaier Alpen braucht man Erfahrung und Kondition. Manche Abschnitte der 1100 Höhenmeter sind sehr exponiert und technisch fordernd. Der Zustieg ist lang. Start: Neustift Neder im Stubaital, Gehzeit: 6,5 Std

Foto: Bayerische Zugspitzbahn Bergbahn AG Zugspitze

Ein lohnendes Ziel, aber nicht ganz ein Dreitausender: die Zugspitze.

Bergsteigen: Der erste 3000er

Wer 2500 Meter hohe Berggipfel ohne Seitenstechen schafft, dem winkt eine neue Herausforderung: Die Dreitausendermarke. Natürlich ist es nur eine Zahl, und sie sagt nichts über die technische Schwierigkeit eines Gipfels aus. Trotzdem: Mit der 3000 beginnt eine neue Klasse von Bergen, beginnen Höhenlagen, die man in Deutschland gar nicht erst finden kann.

Auch die Blicke in Täler und die umliegende Bergwelt werden immer spektakulärer, je höher man kommt. Und längst nicht für jeden Dreitausender braucht man Bergsteigerkenntnisse, einen Helm und eine Kletterausrüstung. Wir haben fünf Gipfel herausgesucht, auf die ganz normale Wege führen – und das in einigen der schönsten Gebirgszüge der Alpen. Wichtig: Nur bei gutem Wetter und in festen Wanderschuhen losgehen.

Sulzkogel (3016 m)/Stubaier Alpen: Vier Bergseen säumen den Weg durch Urgesteinslandschaft auf den Hauptgipfel über Kühtai. Von der Bergstation des Dreiseenlifts 3 Std. Aufstieg. www.kuehtai.info

Flüela Schwarzhorn (3146 m)/Silvretta: Auf den nördlichsten Dreitausender der Albulaberge führen unkomplizierte Wege. Vom Parkplatz 1,5 km östlich des Flüelapasses 2,5 Std. Aufstieg. www.davos.ch

Wildes Mannle (3023 m)/Ötztaler Alpen: Bei dieser Gipfeltour genießt man von Anfang an großartige Aussichten, bei der Überschreitung helfen Sicherungen. Per Seilbahn von Vent zur Stableinalm, dann 2 Std. Aufstieg. www.vent.at

Schönbichlerhorn (3134 m)/Zillertaler Alpen: Zwei Gletscher gehören zu den Highlights der Tour, die zunächst auf Wegen, dann über kleinere Steige und eine Steilstufe zum Gipfel führt. Ab Parkplatz Schlegeissee 2,5 Std. Aufstieg. www.zillertal.at

Cima Ombretta (3011 m)/Dolomiten: Gegenüber der Marmolada-Südwand bietet sich die Cima Ombretta als einer der wenigen Dolomiten-Dreitausender an, auf den man ohne Kletterei kommt. Vom Dorf Alba 2 Std. Aufstieg zum Contrinhaus, von dort 3 Std. bis zum Gipfel. www.fassa.com

Survival Camp: Überleben in der Wildnis

Sie wollen die Wonnen der Zivilisation mal hinter sich lassen? Survival Camps lehren, wie man ohne Komfortzelt und Trekkernahrung in der Wildnis zurechtkommt. Es gibt nicht unbedingt Maden zum Frühstück, aber selbst auf den im Outdoor-Bereich gewohnten Komfort müssen die Teilnehmer von Survival Camps in der Regel verzichten.

Zum Programm gehört meist, sich eine Unterkunft zu bauen, ohne Feuerzeug und ohne Streichhölzer ein Feuer zu entzünden und sich in unwegsamem Gelände zu orientieren. Hinzu kommen mal Handwerksaufgaben, zum Beispiel Löffel schnitzen bei den Naturfreunden, mal physische Herausforderungen wie ein Nachtmarsch oder Abseilübungen.

Survival im Elbsandstein: Die Camps vom Unger Outdoor Team fordern Trekker heraus – vor allem der dreitägige Intensivkurs mit Klammdurchquerung und Orientierungsmarsch. www.outdoorteam.de

Überlebenstraining: Notlagerbau, Nahrungsbeschaffung, Feuer machen - neben elementaren Survival-Kenntnissen werden beim "Team Survival" auch Grundlagen der Psychologie des Überlebens vermittelt. www.team-survival.de

Schwimmen bei Regen

Nichts gegen den Freibad- oder den Seebesuch bei blauem Himmel, im Normalfall will man sich ja nach dem Schwimmen auch sonnen. Trotzdem: An einem verregneten Sommertag durchs Nass zu gleiten und dabei sanftes Plätschern zu hören, auch zu spüren, ist ein wunderbares Erlebnis. Vielleicht hat man das Wasser sogar ganz für sich ...

Damit die Glücksgefühle beim Beenden des Bades nicht durch nasse Kleidung verscheucht werden, bereitet man alles gut vor: Bademantel und Regenjacke wasserfest verpackt in Ufernähe bereitlegen, eventuell auch einen Schirm. Im Idealfall gibt es eine Unterstellmöglichkeit zum Abtrocken und Anziehen. Eine Thermoskanne mit warmem Inhalt kann auch nicht schaden.

Immer am Fluss entlang

Durch Deinen Wohnort fließt ein kleiner Fluss oder ein Bach? Prima! Folge doch einfach mal stromaufwärts seinem Lauf und schau, wie weit Du kommst. Kleine Umwege kann man in Kauf nehmen, unbefestigtes Terrain besitzt mehr Abenteuerflair als Rad- und Spazierwege. Vielleicht erreichst Du sogar die Quelle des Bachs, viel wichtiger aber ist das Entdeckergefühl unterwegs. Wichtige Ausrüstung: festes Schuhwerk, Zip-off- oder lange Hosen und Mückenspray. Und wirf hin und wieder einen Blick auf die Uhr – zurück nach Hause willst Du am Ende des Tages wahrscheinlich auch noch ...

23.07.2018
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