Smartphones & GPS-Navigation

Taugen Smartphones zum Navigieren?

Foto: Colourbox.de Smartphone Handy Wandern

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Smartphones lassen sich dank integriertem GPS-Empfänger auch zum Navigieren einsetzen. Wie das am besten funktioniert? - Wir sagen's euch ...

Warum sich nicht - beim Auto­fahren längst eine Alternative - auch beim Wandern und Biken von Handy oder Smartphone ans Ziel führen lassen? Schließlich besitzen heute fast alle Geräte einen integrierten GPS-Empfänger. Ihr Gerät nicht? Dann koppeln sie es einfach via Bluetooth mit einem externen GPS-Empfänger (einem sogenannten GPS-Logger), den es etwa von Qstarz und Wintec ab zirka 70 Euro gibt.

Navigations-Apps

Um Ihr Smartphone in einen vollwertigen GPS-Lotsen für Outdoor-Touren zu verwandeln, brauchen Sie allerdings noch eine Navigationssoftware für Karten zum Wandern und Biken ("App"). Die finden Sie bereits für wenige Euro, manchmal sogar umsonst im App-Store Ihres Smartphones – für Apples iPhone etwa im i-Tunes Store. Für das iPhone sowie für die verbreiteten Android-Modelle, wie sie etwa Motorola, Samsung oder Sony anbieten, gibt es eine besonders üppige Auswahl an Navi-Apps – doch welche nehmen?

Zu den Zu den beliebtesten Navi-Apps zählt komoot (ab 3,99 Euro, Testversion erhältlich). Kein Wunder, bietet die App nicht nur eine Fülle fertiger Touren zum Download. Dank automatischer Wegfindung lassen sich auch eigene Outdoor-Touren erstellen. Gut: Das üppige Angebot an Offline Karten auf Basis von OpenStreetMaps.

Gut & gratis: Die alpenvereinaktiv-App der Alpenvereine, die nicht nur beim Aufspüren lohnender Touren in Deutschland und den Alpen hilft, sondern auch mit Tracks ans Ziel führt – sogar mit Sprachführung! Die alpenvereinaktiv-App zeichnet Touren auf und hilft dank Routing und topografischen Karten bei der Planung von selbst angelegten Wander-, Berg- und Fahrradtouren.

In der Top-Liste (unten) stellen wir weitere beliebte Navi-Apps vor, die wir auch selbst schon ausprobiert haben. Ergebnis: Alle ­geprüften Versionen führen Wanderer und Biker mit vorgegebenen Tracks ans Ziel, manche sogar mit Routen, die man direkt auf dem Handy ­geplant hat. Zudem zeichnen alle das Outdoor-Erlebnis als Track auf, sind später also wieder ­abrufbar. Mehr noch: Unterwegs gibt ein integrierter Tripcomputer Auskunft über die zurückgelegte Strecke, Höhe, Geschwindigkeit sowie viele weitere interessante Daten.

Mit der Navi-App entscheidet man sich auch für die damit kompatiblen Karten. Die meisten binden kostenlose Online-Karten von Google, OpenStreetMap oder anderen ein. Outdoorer sollten darauf achten, dass sie mit der App auch Ausschnitte auf dem Mobiltelefon speichern können, sonst stehen sie unterwegs bei Lücken im Funknetz ohne Karte da!

Wer viel Wert legt auf eine detaillierte Wiedergabe des Geländes wird vor allem bei den Apps von Viewranger oder ape@map fündig, die sich auch mit hochwertigen Topokarten füttern lassen - und das zum Schnäppchenpreis, denn mehr als 40 Euro kostet kaum eine Karte. Nur sollte man sie wegen der Dateigröße über eine schnelle WLAN-Verbindung aufs Smartphone laden.

Outdoor-Smartphones

In der Fotostrecke unten stellen wir euch die Outdoor-tauglichsten Smartphones vor, die zur Zeit auf dem Markt zu finden sind. Viele davon sind schon von Haus aus mit einem robusteren "Gorilla-Glas" und einer IP-Zertifizierung gegen äußere Einflüsse wie Staub, Sand oder Wasser geschützt.

Was muss ich beim Smartphone-Akku beachten?

Während normale Handys spätestens nach einem Tag wieder Strom tanken müssen, meistern viele Outdoor-Smartophones durchaus auch Wochenendtouren. Vorausgesetzt, man geht sorgsam mit den Energiereserven um. Viel Akkusaft spart, wer unterwegs die ohnehin nicht benötigten Stromfresser wie WLAN, Bluetooth und automatische Updates der installierten Apps auf Nulldiät setzt. Alternativ kann man das Gerät auch in den Flugmodus schalten, der alle Verbindungen kappt – auch den Handyempfang. Zwar ist man dann nicht mehr erreichbar, doch andernfalls saugt die permanente Netzsuche in entlegenen Regionen – wie etwa in den Alpen – rasch den Akku leer.

Viel Strom zieht auch das Display – umso mehr, je größer der Bildschirm, je höher Auflösung und je heller er leuchtet. "Reduzieren Sie deshalb die Helligkeit oder aktivieren Sie die automatische Helligkeitsanpassung, die die Beleuchtung per Sensor an die Umgebung angleicht", rät outdoor-Handy-Experte Joachim Bardua. "Alternativ könne Sie das Gerät in den Energiesparmodus setzen, der die Displayhelligkeit ebenfalls reduziert, aber auch die Prozessorgeschwindigkeit."

Doch selbst die eifrigsten Sparbemühungen verhindern nicht, dass irgendwann selbst der potenteste Akku leer ist. Zu Hause hängt man das Handy ans Ladegerät.Doch unterwegs? Im Gegensatz zur landläufigen Meinung finden sich selbst auf Berghütten nur vereinzelt Steckdosen. Und die sind heiß begehrt ... Für längere Touren abseits von Lademöglichkeiten bleibt somit nur die Anschaffung von Ersatzakkus – sofern sich der Stromspeicher des Mobiltelefons wechseln lässt, was jedoch selten vorkommt.

Alternativ helfen Powerbanks weiter: mobile Universalakkus, die das Smartphone per USBKabel nachladen. Wie oft, hängt von der Kapazität der Powerbank und des HandyAkkus ab, die meist in Milliamperestunden (mAh) angegeben werden. Wer etwa den 3000-mAh-Akku des Samsung Galaxy A5 zweimal füttern möchte, benötigt dazu nicht etwa 6000 mAh, sondern mindestens 8000. "Beim Laden gehen rund 25 Prozent an Energie in Form von Wärme verloren«, erklärt Joachim Bardua. Wer sichergehen will, greift gleich zu einer Powerbank mit 10.000 mAh, schließlich kann das Defizit durch weitere Faktoren steigen, sinkt doch mit den Temperaturen auch die Kapazität der externen Stromtankstelle. Doch gilt es, bei der Wahl der richtigen Powerbanks nicht nur die Kapazität zu beachten, sondern auch den Ladestrom.

Welche Powerbank mit auf Tour nehmen?

Kleinere Versionen bis 5000 mAh, laden oft nur mit einem Ampere, größere hingegen mit rund dem Doppelten. "Damit kann man dann auch hungrige Tablets wiederbeleben", sagt Joachim Bardua.

Zu den Topmodellen zählt die Power Bank 10.000 mAh von Power Theory (200 g, 30 Euro), die dank Dual-USB-Anschluss zwei Geräte
simultan lädt. Grammzähler finden in der dünnen Intenso Slim S5000 (5000 mAh) eine 110 Gramm leichte Alternative – zum Schnäppchenpreis von 10 Euro. Wer seine Ladestation nicht wasserdicht eintüten mag, findet im Goal Zero Venture 30 (7800 mAh, 250 g, 100 Euro) eine nässegeschützte Version. Eine Auswahl robuster Powerbanks für den Outdoor-Einsatz gibt es hier:

Was ist mit einer Solarpaneele?

Auf ausgedehnten Touren ohne Steckdosenzugang können Powerbanks den Blackout des Smartphones allerdings kaum allein abwenden. Hier helfen Solarpaneele weiter. Befestigt am Rucksack oder Zelt, liefern sie selbst bei bedecktem Himmel Strom. "Effiziente Geräte rechnen sich ab einem Energiebedarf von 15 000 mAh", so outdoor-Ausrüstungsredakteur Boris Gnielka, "zumal leichte Solarpaneelen wie das Xtorm AP 25 (320 g) oder das Leaf+ von SunnyBag (200 g) kaum mehr wiegen als eine Powerbank." Auf sie sollte man aber keinesfalls verzichten, fungiert sie doch als Reserve für düstere Tage sowie als Zwischenspeicher des solar erzeugten Stroms. Die Powerbank schont auch den Handy-Akku, der die bei wechselnd bewölktem Himmel schwankenden Ladeströme schlechter verkraftet. Außerdem kann man so sein Smartphone nachts laden und es tagsüber voll einsetzen.

Foto: PatitucciPhoto Handy aufladen auf Tour

Kostenfallen im Ausland umgehen

Auch im Ausland ist das Smartphone zu einem fast unverzichtbaren Begleiter geworden. Je nachdem, in welchem Land man sich aufhält und welchen Mobilfunkanbieter man gewählt hat, kann das ganz schön teuer werden. Dabei gibt es einige Möglichkeiten, selbst außerhalb der EU preisgünstig im Internet zu surfen, Kurznachrichten zu verschicken und in die Heimat zu telefonieren.

Roaming in der EU
Sorglos zum Mobiltelefon greifen kann, wer in der EU, Norwegen, Island oder Liechtenstein auf Tour geht. Ob Telefonieren, Kurznachrichten versenden oder Surfen, Gebühren für Roaming – die Nutzung des Handys im Ausland – fallen keine an. Stattdessen bewegt man sich zu den gleichen Tarifen wie zu Hause (Roam-like-at-Home). Ein Gespräch in Griechenland kostet so nicht mehr als in Deutschland. Allenfalls bei Daten-Flatrates können Provider Höchstgrenzen festlegen. Wer sie überschreitet, muss extra zahlen.

Roaming außerhalb der EU
In Ländern, in denen der EU-Tarif nicht gilt, kann der unbekümmerte Griff zum Handy nach wie vor zur Kostenfalle werden – zum Beispiel in der Schweiz. Die Eidgenossen sind nur bei der Telekom im EU-Paket enthalten. Alternativ kann eine Prepaid-Sim-Karte vor Ort gekauft werden. Vor allem bei Inlandsgesprächen fahren Sie damit deutlich günstiger – was meistens auch fürs Surfen im Netz und Anrufe nach Deutschland gilt. Eine weitere Möglichkeit bilden internationale Roaming-Sim-Karten – etwa von Bnesim oder Naka Mobile – mit denen Sie in vielen Ländern ohne Zuschläge telefonieren und surfen können.

Alternative W-LAN-Call
Telefonieren oder verschicken Sie Kurznachrichten über ein WiFi-Netz, umgehen Sie hohe Roamingtarife. Nötig dazu sind ein dafür ausgelegtes Smartphone sowie ein Vertrag oder eine Prepaid-Sim-Karte mit entsprechender Option und natürlich ein WLAN-Netz.

Messenger-App
Messenger-Apps wie Whatsapp, Signal oder Skype sind eigentlich zum Chatten gedacht. Mit den Apps lässt sich aber auch gebührenfrei telefonieren – wenn Sie sich in ein WLAN-Netz einloggen. Zwar können Sie auch via mobile Datenverbindung kommunizieren, doch brauchen Sie damit Ihr in der EU zur Verfügung stehendes Daten-Roaming-Limit rasch auf; außerhalb der EU übersteigen die Kosten für Daten-Roaming oft die von Telefonaten übers Handy-Netz. Um mit Whatsapp und Co. zu telefonieren, müssen beide Gesprächspartner den gleichen Messenger installiert haben. Auch sind (kostenpflichtige) Anrufe ins Fest- oder Mobilfunknetz – wenn der Angerufene keine Messenger-App hat – nur mit Skype möglich.

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22.08.2013
Autor: Uli Benker
© outdoor
Ausgabe 10, 11/2018, 2018