Fernreisen planen

Fernreisen planen: Die ersten Schritte

Foto: Daniel Geiger Wohin fahr' ich nur?
Eine Reise ist umso stressfreier, desto besser sie vorbereitet ist. Lesen Sie, wie Sie dabei am besten vorgehen, Schritt für Schritt.

"Unvorbereitetes Wegeilen bringt unglückliche Wiederkehr" – das wusste schon Johann Wolfgang von Goethe. Bedeutete Reisen zu Zeiten des umtriebigen Dichterfürsten noch das langsame, oft mühselige Vorankommen zu Fuß und auf dem Pferd, in Kutschen und auf Schiffen, so bringen uns heutzutage schon ein paar hundert Euro und ein Tag im Flugzeug an das andere Ende der Welt.

Ein "unvorbereitetes Wegeilen" war scheinbar nie leichter – doch Goethes Worte gelten noch immer: Eine vernünftige Vorbereitung bleibt der erste und wichtigste Schritt auf dem Weg in die Ferne. outdoor erklärt, um welche Dinge sich angehende Weltenbummler unbedingt kümmern sollten.

1. Die ersten Schritte

Steht Ihr Reiseziel fest, geht es darum, die günstigste Reisezeit herauszufinden. Neben den jahreszeitlichen Verschiebungen rund um den Globus gilt es vor allem, die Regenzeiten zu beachten: In den Tropen gibt es ein- bis zweimal jährlich eine Monsunperiode; Reisen sind in dieser Zeit nicht empfehlenswert. Detaillierte Auskunft zur besten Saison finden Sie auf www.oeamtc.at, der Webseite des Österreichischen Automobil-, Motorrad- und Touringclubs, Suchwort: Reisezeit.

Nun sollte man das Zeitbudget kalkulieren. Das geht erst, wenn Sie den Routenverlauf so weit ausgearbeitet haben, dass die Transportmittel feststehen. Wer für die An- und Abreise oder auch längere Zwischentransporte öffentliche Verkehrsmittel nutzen will, sollte sich möglichst früh die besten und günstigsten Verbindungen sichern – das ist vor allem für Flüge wichtig. Gute Dienste bei der Suche leisten hier Internet-Reiseportale wie opodo oder expedia. Auch andere Leistungen mit begrenztem Angebot verlangen rechtzeitiges Handeln. Dazu gehören Übernachtungsplätze, aber auch geplante Touren vor Ort. So sind zum Beispiel die Permits für weltbekannte Trekkingklassiker wie den Milford Track auf Neuseeland oder den Otter Trail in Südafrika meist bereits auf Monate im Voraus vergeben.

Foto: © Ernst Rose / Pixelio Reisekasse & Reisepass

Reisepass und Reisekasse sollten vor der Abreise stimmen.

2. Drei Monate vorher

Spätestens jetzt wird es Zeit, sich mit den Einreisebestimmungen der Zielländer zu befassen. Alle notwendigen Infos erteilt das Auswärtige Amt (www.auswaertiges-amt.de). Der erste Blick gilt dem Pass. Innerhalb der EU reicht der Personalausweis, doch die meisten anderen Länder gewähren ohne Reisepass keinen Einlass. Wichtig: Je nach Ziel muss er noch drei, sechs oder sogar zwölf Monate über den geplanten Aufenthalt hinaus gültig sein. Werden zusätzlich noch Visa benötigt, sollte pro Land mindestens eine freie Seite zur Verfügung stehen. Achtung: Manche Länder verweigern die Einreise, wenn im Pass bereits Visa verfeindeter oder als problematisch betrachteter Nationen vermerkt sind. In solchen Fällen beantragen Reisende besser einen Zweitpass – im Extremfall sind sogar bis zu zehn möglich.

Ist der Pass überprüft, können die Visa beantragt werden. Kosten, Bearbeitungszeiten und eventuell nötige Zusatzdokumente (z. B. staatliche Einladungen, Nachweise über Hotelbuchungen/Ausreisetickets) variieren von Land zu Land. Je nach Reiseroute kann die Beschaffung mehrerer Visa eine sehr zeit- und nervenaufreibende Angelegenheit sein. Wer die Mühen - nicht aber die Mehrkosten - scheut, beauftragt einen professionellen Visumdienst (siehe weitere Reisetipps) – je nach Zeitpunkt des Antrags kostet dieser Service zwischen 15 und 40 Euro.

Welche Gesundheitsrisiken an Ihrem Reiseziel bestehen und welche Möglichkeiten der Vorsorge es gibt, wissen reisemedizinisch ausgebildete Ärzte und Tropeninstitute. Erste Infos und Kontaktadressen liefert das Zentrum für Reisemedizin (www.crm.de). Am dringlichsten stellt sich die Frage, ob Impfungen anstehen: Manche verlaufen in mehreren Phasen, zum Beispiel Cholera oder Hepatitis.

3. Sechs bis vier Wochen vorher

Fehlen noch Dokumente? Noch bleibt genug Zeit, um etwa einen internationalen Führerschein zu besorgen oder den verlorenen Tauchschein zu ersetzen. Um das Thema Gesundheitsvorsorge abzuschließen, fehlen noch Kontrolltermine beim Haus- und Zahnarzt. Anschließend sollte man die Reiseapotheke komplettieren und – falls noch nicht geschehen – eine Auslandskrankenversicherung abschließen. Auch ein erster Ausrüstungscheck steht nun an: Einige Dinge, beispielsweise spezielle Reiseliteratur, Karten oder technische Ersatzteile, müssen vielleicht noch bestellt werden. Damit die Kasse auch im Ausland stimmt, sind Kreditkarten heutzutage fast überall auf der Welt das erste, weil praktischste Mittel der Wahl.

Wer noch keine in der Reiseregion verbreitete hat – meist Visa oder Mastercard –, sollte sie spätestens jetzt beantragen. Verlassen darf man sich auf das kleine und zerbrechliche Stück Plastik aber nicht: Einen Teil der Reisekasse in Form von Traveller Checks mitzunehmen, macht in vielen Ländern Sinn. Und Bargeld lacht überall: Der letzte Rettungsanker jedes Reisenden ist immer noch eine Handvoll Dollar.

4. Die letzten zwei Wochen

Das Wichtigste haben Sie jetzt geregelt. Doch wie im Alltag sind es auch auf Reisen oft die kleinen Dinge, die Aufmerksamkeit verdienen: Fotos der Daheimgebliebenen beispielsweise lindern nicht nur etwaige Anfälle von Heimweh, sondern helfen auch, das Eis im Kontakt mit der lokalen Bevölkerung zu brechen. In diesem Zusammenhang bewähren sich auch kleine Mitbringsel mit Bezug zur eigenen Heimat, wie Briefmarken, Postkarten oder Geldmünzen. Der letzte Schritt zur Vervollständigung der Ausrüstung: Alle wichtigen Dokumente werden kopiert und – zusammen mit einer Liste von Telefonnummern für den Notfall – von den Originalen getrennt aufbewahrt. So lassen sie sich bei Verlust leichter ersetzen. Auf Nummer sicher geht, wer einen zweiten Satz Kopien bei einem Bekannten deponiert und sich die eingescannten Unterlagen ans eigene E-Mail-Postfach schickt. Ein paar Tage vor der tatsächlichen Abreise wird gepackt und alles vorbereitet, um das Haus zu verlassen.

Vielleicht fallen noch Dinge auf, an die man bisher nicht gedacht hatte: Ist der Rucksack zu schwer? Mehr als zwanzig Kilo gelten bei vielen Fluglinien als Übergepäck. Wenn Sie einen Kocher fürs Camp mitnehmen wollen, haben Sie bei der Gepäckkontrolle die besten Chancen mit einem Gaskocher; die Kartuschen müssen Sie aber zu Hause lassen. Jetzt überreden Sie noch den Nachbarn, den Briefkasten zu leeren und die Blumen zu gießen, und schon können Sie los. Wer den bevorstehenden Aufbruch so bereits durchgespielt hat, wird das Haus am Abreisetag mit sicherem Gefühl verlassen – und kann sich bestens vorbereitet auf das Abenteuer freuen.

5. Ausrüstungstipps:

03.03.2009
Autor: Niko Dohmen
© outdoor
Ausgabe 02/2009