Tunnel, Kuppel, Geodät: So finden Sie das richtige Zelt für Ihren Zweck

Welche Zeltform taugt für welchen Zweck?

Zelten ist das Nonplusultra eines jeden outdoor-Trips. Doch bevor Sie losziehen, sollten Sie sich genau überlegen, welche Zeltform für Sie Sinn macht.
OD Zelt-Special Apsis

Ist es draußen kalt oder nass, kocht man in der Apsis – wenn der Platz reicht.

Welches Modell nehmen? Das hängt davon ab, wo Sie es einsetzen. Reisen Sie nur in warme, trockene Gebiete, wählen Sie ein Zelt, das auch ohne Außenhaut steht. Sie bauen dann nur das Innenzelt auf und sind vor Wind, Sand und Mücken geschützt. Fängt es an zu tröpfeln, werfen Sie flugs die Außenhaut übers Zelt, fixieren sie mit ein paar Handgriffen am Boden und legen sich wieder hin. Weiterer Vorteil dieses Zelttyps: Er lässt sich besser trocknen. Einfach das von Kondenswasser, Tau oder Regen nasse Außenzelt abnehmen, ausschütteln und separat vom Innenzelt aufhängen.

Sie ziehen bei jedem Wetter los und ­bereisen selbst verregnete Gebiete wie Skandinavien? Dann sollten Sie sich für ein Modell entscheiden, bei dem Innen- und Außenzelt zusammenhängen. Hier baut man beides in einem Rutsch auf. Dabei bleibt das Innenzelt beim Aufbau durch das Außenzelt geschützt, kann also nicht nass werden. Zelte für Nordlandfans sollten außerdem mindes­tens einen geräumigen Vorraum (Apsis) besitzen. Darin lässt sich die nasse Jacke abstreifen, der Rucksack lagern und die Küche einrichten. Doch Achtung: Wer den Kocher im Zelt anwirft, muss für viel Frischluftzufuhr sorgen. Das übernehmen weit zu öffnende Lüfter­hutzen und zur Not auch ein leicht geöffneter Eingang.

Kuppelzelte: Alleskönner für Alpentrekker
Für Alpentrekker und Bergsteiger zählen vor allem geringes Gewicht und eine kompakte Bauform, die wenig Platz zum Aufstellen benötigt. Damit finden sie im felsdurchsetzten, steilen Gelände eher einen ebenen Platz fürs Zelt. Aber nicht nur Stellfläche ist in den Bergen rar, auch Erdboden für die Heringe. Kuppelzelte erfüllen daher die Anforderungen von Alpentrekkern und Bergsteigern am besten: Sie stehen notfalls schon mit zwei Heringen fixiert stabil. Ideal sind Kuppelmodelle mit zwei oder drei sich im Zenith kreuzenden Stangen. Gute Versionen gibt‘s schon ab 200 Euro, wie der Test ab Seite 152 verrät. Sucht man ein besonders leichtes Modell, wird‘s deutlich teurer, dann sind zwischen 500 und 900 Euro fällig.

Tunnelzelte: nicht nur fürs Flachland
Wanderer, die überwiegend in flachem Terrain unterwegs sind, können auch zu einem Tunnelzelt greifen. Seine steilen Seitenwände formen ein geräumiges Innenzelt, in dem man durchaus auch einen Tag Zwangsaufenthalt bei Schlechtwetter aussitzen kann. Trotz ihres üppigen Innenraums wiegen Tunnelzelte oft erstaunlich wenig, benötigen sie doch kürzere Gestängebögen und weniger Nähte. Das schlägt sich auch in den Preisen nieder, die zwischen 200 und 600 Euro liegen. Auf- und abgebaut sind Tunnel im Nu, allerdings bleiben sie nur mit vier bis sechs sicher verankerten Heringen stehen. Geht auch nur ein leichtes Lüftchen, sind deutlich mehr Abspann­punkte nötig: je nach Zeltgröße zwischen 12 und 20! Und die müssen bombenfest sitzen, soll das Zelt nicht umfallen. Für steiniges oder bergiges Gelände eignen sich Tunnel daher kaum. Ihr Metier liegt eher in weitem, grasigem Terrain, in Tundralandschaften und auf Wintertouren – hier findet man genügend Platz zum Aufstellen und Abspannen.

Vidoe: So bauen Sie ein Tunnelzelt auf

Geodätische Zelte: für stürmische Zeiten

Für sturmgeplagte Regionen wie Patagonien, für Hochlager im Himalaya oder harte Wintertreks sind geodätische Zelte ideal. Bei ihnen verlaufen vier bis sechs Gestängebögen kreuzweise übers Zelt und bilden ein unerschütterliches, halbrundes (oder ovales) Gerüst. Geodäten stehen schon mit wenigen Abspannungen stabil, überstehen gut abgespannt sogar Orkane und bieten innen reichlich Platz. Für normale Treks sind Geodäten allerdings zu schwer, außerdem lassen sie sich nicht gerade flott und einfach aufstellen. Dazu kommt der Preis: Gute Modelle bekommt man erst ab 500 Euro, Spitzenzelte ab 800 Euro.

Bevor Sie jetzt Kataloge wälzen, noch ein Rat: Die Herstellerangaben zu Gewicht und Platz­angebot fallen oft sehr optimistisch aus. Begutachten Sie Ihren Favoriten deshalb auf jeden Fall vor dem Kauf – am besten im Fachgeschäft. Hier können Sie das Zelt aufbauen und Probe wohnen. Dann passiert es garantiert nicht, dass Sie Ihre erste Nacht draußen in einer wackeligen Hundehütte verbingen.

18.08.2009
Autor: Boris Gnielka
© outdoor
Ausgabe 07/2009