Sportklettersteige - das müssen Sie vorher wissen

Bis ans Limit: Faszination Sportklettersteig

Sportklettersteige sind die moderne Spielart der Via Ferrata. Sie machen Laune, fordern aber auch Mut. In unserem Special erfahren Sie alles über die Faszination der Sportklettersteige.
Foto: Bernd Ritschel OD 0809 Faszination Sportklettersteig

Zug um Zug in die Höhe: Auf Sportklettersteigen braucht es eine gehörige Portion Armschmalz

Aua! Die Oberarme protestieren, die Knie fühlen sich leicht schwammig an. Schon zwanzig Minuten geht es auf schmalen Eisentritten hinauf und hinauf.

Mit sattem Klonk treffen die festen Schuhe auf die Tritte, mit sanftem Surren versichert das Klettersteigset, dass es noch mitläuft am Drahtseil und bereit ist, im Notfall seine Dienste zu tun. Wie weit ist es wohl noch? Der Kopf wandert in den Nacken. Unter dem Helmrand peilen die Augen nach oben. Und entdecken die nächste Herausforderung: einen Überhang. Die Eisentritte ziehen zwar als beruhigende Linie weiter den grauen Fels hinan, aber leider kragt die Wand immer mehr über. Jetzt heißt es Zähne zusammenbeißen und ein paarmal beherzt durchziehen! Oben dann: Erleichterung. Durchschnaufen. Einen sicheren Stand suchen, vom Abhang zurücktreten, Arme und Beine lockern. Der Atem beruhigt sich, und langsam keimt Stolz auf, aus eigener Kraft hier oben zu stehen. Die Augen lösen sich vom Fels, wandern in die Ferne, nehmen das Panorama auf. Die Mundwinkel zucken in die Höhe, man erwischt sich dabei, wie irre zu grinsen und glücklich in die Sonne zu blinzeln.

Ja, so fühlt sich das Abenteuer Sportklettersteig an! Gut nämlich, sehr gut! Langeweile kommt keine auf, denn Sportklettersteige locken nicht nur mit körperlicher Herausforderung, sondern verlocken auch mit verspielten Details wie Hängebrücken und rasanten Abfahrten an Drahtseilen. Gipfelsiege stehen etwas im Hintergrund bei dieser auf Adrenalin ausgelegten Klettersteig-Spielart. Spaß sollen sie machen – und das tun sie.

Als erster Sportklettersteig gilt der »Mori«. 1976 wurde er hoch über der Ortschaft Mori in den Gardasee-Bergen erschlossen. Offiziell heißt er »Via attrezzata Monte Albano« und führt nach einer halben Stunde Zustieg steil in eine glatte Wand. Nach fünf bis zehn Minuten klettern kann man es sich noch mal überlegen: Ein Notausstieg hilft Verzagten beim Rückzug, denn einsteigergeeignet ist dieser anspruchsvolle Steig nicht.

16.09.2009
Autor: Kerstin Rotard
© outdoor
Ausgabe 08/2009