Kaufberatung Wanderstiefel, Top-Wanderschuhe, Wandersocken und nützliche Tipps

Wanderschuh kaufen: Darauf sollten Sie achten

Alles zum Thema Wanderschuhe kaufen: Die besten Wanderstiefel der letzten Tests, Schuhtypen, Einsatzbereiche, Passformcheck und weitere Kauf- und Schuhtipps.

Beim Wanderstiefelkauf sollten Sie einiges berücksichtigen: Am besten, Sie gehen nachmittags Wanderstiefel kaufen, denn der Fuß schwillt im Verlauf des ­Tages an. Außerdem sollten Sie sich ein paar Stunden Zeit nehmen. Nur dann lassen sich die in Frage kommenden Modelle im Fachgeschäft gründlich probieren. Gute Läden messen außerdem vor dem Kauf den Fuß aus und bieten fürs Bergauf- und -Ablaufen eine schiefe Ebene. Ziehen Sie zum Anprobieren auch gleich die Wandersocken an, die Sie später auf Tour tragen werden. Am besten schnüren Sie den Stiefel für diesen Test nochmals nach, weil er sich erst nach 10 bis 15 Minuten am Fuß optimal anpassen lässt. Achten Sie auch auf ein geschmeidiges Abrollverhalten – je geschmeidiger ein Schuh abrollt, desto besser. Im Idealfall sitzt der Abrollpunkt direkt unter dem Ballen.

Neigen Sie zu Druck­stellen, sollten Sie extra dicke Socken ­anziehen. Spezielle Einlegesohlen, beispielsweise von Superfeet, Conform‘able oder Spenco, verbessern den Sitz im Schuh – ein lohnender Kauf!

Welche Wanderschuhtypen es auf dem Markt gibt und welche Einsatzbereiche sie abdecken erfahren Sie hier ...

Foto: MPS-Fotostudio Wanderschuhe im Test

Tipp: Adidas TX Skychaser GTX

Multifunktionsschuhe

Einsatzbereich: Tageswanderungen auf einfachen, befestigten Wanderwegen, außerdem auf Reisen und im Alltag.

Schuhtyp: Low-Cut-Modelle (Halbschuhe) mit meistens sehr gut gedämpfter, nicht sonderlich steifer Sohle mit griffigem Profil. Das Obermaterial besteht entweder aus Leder, einem Mix aus Leder und Synthetik oder Synthetik pur. Für den Einsatz bei jedem Wetter sollte eine wasserdichte, atmungsaktive Membran wie Gore-Tex nicht fehlen. Preis: 60 bis 150 Euro.

Foto: Benjamin Hahn Leichtwanderstiefel im Test 2018

Tipp: Salomon X-Ultra 3 Mid GTX

Leichte Wanderstiefel

Einsatzbereich: Tageswanderungen mit leichtem Rucksack im hügeligen Gelände, auch abseits befestigter Wege.

Schuhtyp: Vom Aufbau und den verwendeten Obermaterialien sind Leichtwanderstiefel mit Hikingschuhen vergleichbar, jedoch haben sie einen knöchelhohen Schaft und bieten mehr Halt im weglosen Gelände. Auch die Sohle fällt meist einen Tick steifer aus. Leichtwanderstiefel wiegen zwischen 500 und 700 Gramm pro Schuh (Gr. 43) und kosten 90 bis 200 Euro.

Foto: MPS Fotostudio Wanderschuh Test 2019

Tipp: Aku Alterra Nubuk GTX

Wanderstiefel

Einsatzbereich: Tageswanderungen im Mittelgebirge oder Voralpenland mit nicht zu schwerem Rucksack; auch für ruppige Wege.

Schuhtyp: Wanderstiefel stützen durch den festeren und etwas höheren Schaft besser als Leichtwanderstiefel. Außerdem ist die Sohle vom Aufbau steifer, sodass Steine und Wurzeln nicht so schnell durchdrücken. Das Obermaterial besteht oft aus Leder, manchmal auch mit Cordurabesätzen. Wanderstiefel wiegen 650 bis 900g pro Stiefel (43) und kosten ca. 150 bis 200 Euro.

Foto: Benjamin Hahn outdoor Top-Trekkingschuhe im Praxistest

Tipp: Hanwag Alaska GTX

Trekkingstiefel

Einsatzbereich: Lange Trekkingtouren mit schwerem bis sehr schwerem Gepäck, auch in schwierigem Gelände abseits fester Wege.

Schuhtyp: Wanderschuhe mit sehr festem, stabilem und hohem Schaft, der den Fuß im weglosen Gelände und mit vollem Rucksack gut stützt. Sie besitzen eine steife, nur mäßig gedämpfte Sohle für gute Trittsicherheit. Für reine Zelttouren sollten auch Lederstiefel eine Funktionsmembran besitzen, dann trocknen sie schneller. Gewicht: über 800g pro Schuh (43), Preis: ab 170 Euro.

Foto: MPS-Fotostudio Wanderschuhe im Test

Tipp: Scarpa Mescalito GTX

Leichte Bergschuhe

Einsatzbereich: Bergtouren ohne Gletscherkontakt, leichte Kletterei, Klettersteige. Wird auch Zustiegs- oder Approachschuh genannt.

Schuhtyp: Halbschuh oder knöchelhoher Stiefel mit weichem Schaft, aber relativ steifer, kaum gedämpfter Sohle. Sie ermöglicht kontrolliertes Steigen auf Fels ebenso wie bequemes Wandern auf Wegen und bietet eine hohe Trittpräzision. Als Material verwendet man überwiegend Leder, oft in Verbindung mit einer Funktionsmembran. Gewicht: 550 bis 900 g pro Schuh (Gr. 43); Preis: um 150 Euro.

Foto: Benjamin Hahn

Tipp: Asolo Elbrus GV

Bergstiefel

Einsatzbereich: Von ausgebauten Wegen bis zu Hochgebirgstouren mit Kletterpassagen in Fels und Eis; Gletscherüberquerungen.

Schuhtyp: Bergstiefel haben meist eine brettsteife Sohle, die jedoch so vorgewölbt ist, dass man mit dem Schuh auch längere Wege zurücklegen kann. Die meisten Bergschuhe sind für halbautomatische Steigeisen (Kipphebel/Körbchen) ausgelegt. Der Schaft fällt oft niedriger aus als bei Trekkingstiefeln, um die Beweglichkeit beim Klettern zu verbessern. Gewicht: 900 bis 1200g pro Schuh (43); Preis: ab 200 Euro.

Foto: ISPO ISPO Award 2017

Tipp: Scarpa Ribelle Tech OD

Hochtourenstiefel

Einsatzbereich: Anspruchsvolle Unternehmungen in extremem Gelände; Hochtouren in Fels und Eis sowie Expeditionen.

Schuhtyp: Extrem steife Sohle mit minimaler Dämpfung, sodass Automatik-Steigeisen montiert werden können. Sehr hoher Schaft, bei manchen Alpinstiefeln mit integrierten Gamaschen. Hochtourenstiefel sind meistens gut gegen Kälte isoliert, damit die Füße auch in eisigen Extremregionen nicht erfrieren. Gewicht: ab 1000 g/Stiefel (Gr. 43); Preis: ab 230 Euro.

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Schuh-Check: Sohle, Wetter, Passform, Einsatzzweck

Outdoorschuhe unterscheiden sich jedoch nicht nur im Schaft, sondern auch in der Sohlenkonstruktion. Es gibt montierte und angespritzte Sohlen. Angespritzte Sohlen bestehen aus Polyurethan (PU) und werden in einem Arbeitsgang auf den Schaft des Schuhs angespritzt. Das funktioniert zügig und kostet wenig. Doch sind solche Konstruktionen oft sehr weich, nutzen sich schnell ab und können nicht wiederbesohlt werden. Montierte Sohlen bestehen dagegen aus mehreren Lagen. Sie verursachen höhere Produktionskosten, halten dafür aber länger und lassen sich beim Schuster günstig wiederbesohlen. Montierte Sohlen finden Sie vor allem an hochwertigen Wanderstiefeln sowie an vielen Trekking- und Bergstiefeln. Nur wenige, meist italienische Hersteller verpassen auch ihren flachen Hikingschuhen montierte Sohlen.

Sind Sie sich über die Sohle im Klaren, machen Sie sich anschließend ein paar Gedanken zum Wetter. Erwarten Sie auf Ihrer Tour nur wolkenlosen Himmel, entscheiden Sie sich ruhig für einen Schuh ohne Funktionsmembran à la Gore-Tex. Er eignet sich auch für wechselhaftes Wetter, vorausgesetzt, Sie können Ihre Stiefel jeden Abend in einer festen Unterkunft trocknen. Auf Trails mit Zeltübernachtung hingegen erweisen sich Schuhe mit wasserdichter Funktionsmembran als bessere Wahl. Sie trocknen auch in der Zeltapsis relativ schnell und benötigen unterwegs keine Pflege.

Am Ende sollten Sie sich für den Wanderschuh entscheiden, der die Passformkriterien und den Einsatzzweck am besten erfüllt. Mit diesem Wanderschuh laufen Sie dann eine Stunde im Laden herum. Trägt es sich währenddessen immer noch angenehm, haben Sie ihren Traumschuh gefunden. Dieses sollten Sie in den nächsten Wochen auf kurzen Wanderungen einlaufen, bevor Sie zur ersten richtig langen Tour starten. Denn auch wenn moderne Wanderstiefel nicht mehr so gründlich wie früher eingelaufen werden müssen, passen sie sich in der Anfangszeit noch an den Fuß an. Außerdem steigert die richtige Pflege den Komfort – und verlängert die Lebensdauer des Wanderschuhs immens.

Die richtige Pflege von Wanderschuhen

Darauf kommt es bei der Wanderschuh-Pflege an: Entfernen Sie nach jeder Tour möglichst schnell sämtlichen Schmutz mit ­einer festen Bürste und klarem, kaltem Wasser. Schmutz trocknet das Leder aus, im Extremfall wird es sogar brüchig. Dann sprühen Sie das feuchte Obermaterial mit Imprägnierspray ein – es zieht tiefer ein als auf bereits trockenen Materialien. Fühlt sich Leder am Ende einer Tour an wie trockene Haut, muss es mit Lederwax (zum Beispiel Meindl Sportwax oder Sno-Seal) eingeschmiert werden. Vorher müssen Sie den Schuh aber mit Wasser reinigen, bei geringer Wärme und von der Sonne geschützt trocknen lassen – dann einschmieren.

Einmal im Jahr oder sobald der Schuh anfängt zu müffeln, reinigen Sie das Schuhinnere mit lauwarmem Wasser und einem Spritzer Wollwaschmittel und spülen es dann mit kla­rem Wasser. Befolgen Sie all diese Ratschläge, werden Sie mit jedem Jahr mehr Freude an Ihrer Investition haben.

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01.02.2018
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