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Buchtipp: Tod am Khan Tenghri – Lorenz Saladin

Lorenz Saladin – nie gehört? Kein Wunder. Schließlich war der Schweizer Bergsteiger und Fotograf durch Jahrzehnte nahezu vergessen. Ein opulenter Bild- und Textband des AS Verlags verhilft Saladin nun zu neuem Ansehen – und dem Leser zu beeindruckenden Einblicken in ein faszinierendes Kapitel Alpingeschichte.

Warum wird ein Mann Gegenstand eines Buches, der Ende der 30er Jahre irgendwo im Kaukasus verschollen ist? Weil sich in Saladins Biographie verschiedene Fäden verweben, die so nur selten zusammenfinden. Zum Einen war Saladin ein begeisterter Bergsteiger und Abenteurer, der schon weltweit unterwegs war, als viele europäische Bergsteiger noch damit zufrieden sein mussten, es mit Zug und Fahrrad in die Dolomiten zu schaffen. Zum Anderen aber hatte sich Saladin in den 30er Jahren ein Zielgebiet auserkoren, das nicht nur geographisch weitab der Schweiz lag: den Kaukasus, tief in der kommunistischen Sowjetunion. Dass Saladin zudem ein begnadeter Fotograf war und es verstand, nicht nur den Bergen sondern auch den Menschen des Kaukasus fotografisch nahezukommen, sichert ihm vollends einen verdienten Platz in der Alpingeschichte.

Saladins Fotos dokumentieren nicht nur seine Besteigungen diverser Sechs- und Siebentausender in faszinierenden und dramatischen Bergbildern. Sie fühlen sich zudem unaufdringlich und sensibel in das Leben der Nomaden ein und dokumentieren die Bergsteigerei mit – heute kaum noch vorstellbar – einfachsten Mitteln.

1937 starb Saladin auf dem Rückweg vom Khan Tengri, dem zweithöchsten Gipfel des Tian-Shan. Lange war sein Grab unbekannt, und lange gab es auch Spekulationen, der russische Geheimdienst habe seine Hände im Spiel gehabt. Alpinismus und Politik - auch diese problematische Verbindung scheint am Rande des Buches immer wieder auf. Neigte doch Saladin sozialistischen Ideen durchaus zu, während er gleichzeitig eng mit der russischen Bergsteiger-Szene verbunden war, die immer wieder ins Visier des KGB geriet - viele russsische Alpinisten verloren in der 30er Jahren in Stalins politischen "Säuberungs"-Aktionen ihr Leben. Aber wie gesagt: Dieses Thema kann das Buch nur am Rande behandeln, im Zentrum steht Saladin selbst.

Die große Stärke des Buches liegt zweifellos in den großformatigen Bildern Lorenz Saladins, die immer wieder faszinieren und nachdenklich stimmen. Die Texte von Emil Zopfi und Robert Steiner treten dagegen eher in den Hintergrund, begleiten die Bilder sachlich und unaufdringlich.

„Tod am Khan Tenghri“ ist ein Buch, das man immer wieder zur Hand nimmt, weil Saladins ruhige und vielschichtige Bilder den Betrachter immer wieder neu in die Vergangenheit zu entführen vermögen – ein echter Tipp für lange Winterabende.

Emil Zopfi und Robert Steiner: „Tod am Khan Tenghri – Lorenz Saladin“, AS Verlag, 176 Seiten, 49,80 Euro, ISBN 3-909111-63-3

19.10.2009
Autor: Mario Steinheil
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