Outdoor-Pionier Percy Harrison Fawcett im Porträt

Percy Harrison Fawcett: Auf der Suche nach Stadt Z

In unserer Serie über legendäre Outdoor-Pioniere stellen wir Ihnen hier den britischen Abenteurer und Südamerikaforscher Percy Harrison Fawcett vor.
Foto: Wikimedia Commons outdoor-Legenden: Percy Harrison Fawcett

Die letzte Nachricht von Fawcett ist ein Telegramm aus dem Dead Horse Camp.

"Wenn wir nicht zurückkommen sollten, soll keine Expedition uns suchen. Das ist zu gefährlich." Wie gefährlich, sollte der Abenteurer Percy Harrison Fawcett bald erfahren. 1867 wird er in einer englischen Kleinstadt geboren und mit wenig Elternliebe groß gezogen. Nach dem Schulabschluss tritt er dem Royal Regiment of Artillery bei und wird auf Sri Lanka stationiert. Dort lernt er Nina, seine zukünftige Frau kennen.

Zwischen 1893 bis 1903 arbeitet er in England und Malta, danach als Oberstleutnant für den Secret Intelligence Service in Marokko, hier lernt er das Handwerk der Landesvermessung. 1901 heiraten Nina und Percy, 1903 kommt Sohn Jack zur Welt, 1906 Brian. Zur Schlichtung eines Grenzstreites zwischen Bolivien und Brasilien wird 1906 die Royal Geographical Society als dritte Partei eingeschaltet. Fawcett soll die Vermessungsexpedition leiten. Er reist durch das brasilianischbolivianische Grenzland, erforscht in keiner Karte eingezeichnete Flüsse. Dabei hört Fawcett vom Häuptling der Nhambiquara-Indianer die Legende der sagenhaften Stadt Manao, einer Ruinenstadt in der Nähe des Rio Xingu – auch El Dorado genannt.

In Rio de Janeiro entdeckt Fawcett im Staatsarchiv Informationen portugiesischer Abenteurer, die im Amazonasgebiet eine versteckte, große und verlassene Stadt beschreiben. Damit sieht er die Legende der Indianer bestätigt. Er nennt die mysteriöse Stadt »Z«. Mit neuen Vermessungsaufträgen reist Fawcett zwischen 1908 bis 1911 immer wieder nach Brasilien, Bolivien und Peru. Von 1913 bis 1915 sucht er in eigener Mission in den Anden nach Überresten der Inkastadt Paititi – ohne Erfolg.

The Lost World in den Wäldern des Amazonas

Im ersten Weltkrieg kämpft er für England und lebt danach in Kalifornien. 1925 schließlich bricht er mit seinem Sohn Jack und dessen Freund Rimmel aus der brasilianischen Stadt Cuiabá in die Wälder des Amazonas auf. Fawcett ist jetzt 58 Jahre alt, er will endlich die Stadt Z finden. Auf dieser Tour in die Lost World, wie sie Fawcetts Freund und Sherlock-Holmes-Erfinder Arthur Conan Doyle später nennen wird, trifft er auf wilde Indianerstämme mit Blasrohren und Giftpfeilen, Krokodile, Piranhas und Riesenschlangen. Enden soll ihre Reise in Salvador da Bahia am Atlantik. Am 29. Mai 1925 telegrafiert Fawcett vom Dead Horse Camp seiner Frau: "Unsere zwei Führer gehen von hier zurück. Sie werden immer nervöser, und wir dringen weiter in das Indianerland vor. Du brauchst keine Angst vor einem Fehlschlag zu haben." Das ist das letzte Lebenszeichen von Percy Harrison Fawcett.

In den folgenden 70 Jahren wird immer wieder versucht, das Verschwinden aufzuklären, ohne Erfolg. Haben Fawcett und sein Sohn die »Stadt Z« je entdeckt? Wurden sie ermordet oder von wilden Tieren umgebracht? Lebte der Colonel als Indianerhäuptling weiter? Viele Theorien beflügeln die Fantasie von Nachahmern und Autoren. Mehrere Expeditionen scheitern. Steven Spielberg wird zu Indiana Jones inspiriert, eine Folge von Tim und Struppi nimmt Fawcetts Suche als Vorlage. In den 90ern machte sich der New Yorker Autor David Grann auf die Suche. Mit »Lost City of Z« landet er einen Bestseller. Derzeit plant Paramount mit Produzent und Darsteller Brad Pitt eine Verfilmung des Stoffes. Die Legende Percy Harrison Fawcett lebt.

Daten und Fakten: Percy Harrison Fawcett

1867 in Torquay an der Südküste Englands geboren und am Oberlauf des Rio Xingu verschollen, animiert der Südamerikaforscher, Abenteurer und Ethnologe bis heute mit seiner Suche nach der mythenumrankten »Stadt Z« zu Abenteuerbüchern und Filmen.

05.11.2010
Autor: Beate Hitzler
© outdoor
Ausgabe 10/2010