Outdoor Legenden: Roald Amundsen

Roald Amundsen: Unbändiger Forschungsdrang

In einer neuen Serie stellen wir Ihnen legendäre outdoor-Pioniere vor. Ihre Errungenschaften und Abenteuer im Dienste der Wissenschaft und Forschung inspirieren auch heute immer wieder outdoor-Begeisterte auf der ganzen Welt.
Abenteurer gestern und heute

Es waren scheinbar finstere Zeiten, als sich Amundsen auf machte, die Welt zu entdecken.

Läge Roald Amundsen heute im roten Plüschbett direkt unter der Dachschräge seines Häuschens Uranienborg im norwegischen Svartskog bei Oslo, so würde der Polarforscher wohl etwas gelangweilt durch die zwei runden Schiffsluken in den Himmel schauen. Denn »weiße Flecken« gibt es kaum noch auf dem Globus. Keine Geheimnisse mehr, die dem »Ruhmvollen«, das bedeutet Roald auf altnordisch, seinen unbändigen Forschungsdrang geben.
Am 16. Juli 1872 wird Amundsen in Borge in der norwegischen Provinz Østfold geboren. Schon als Schüler interessiert er sich für die Berichte von Polarreisenden, wie etwa jene des Briten Frank­lin, der 1847 bei dem Versuch ums Leben kam, die Nordwestpassage zu entdecken. Im Jahr 1893, Amundsens Eltern sind bereits tot, hält ihn weder Heimat noch Universitätsstudium. Er besteigt norwegische Gletscher, heuert als Matrose an, legt das Steuer­­mannspatent ab und bereist bis 1896 große Teile der Welt. Von 1896 bis 1899 beweist er auf einer Antarktis-Expedition als zweiter Offizier sein Können und gewinnt Fridtjof Nansen, den Grönland-Bezwinger, als Förderer. Zwischen 1903 und 1906 gelingt es ihm als erstem Menschen, mit seinem Heringsfänger Gjøa durch die Nordwestpassage aus dem Atlantik in den Pazifik zu fahren. Für diese erfolgreiche Expedition feiert und ehrt ihn das erst 1905 unabhängig gewordene Norwegen als Nationalhelden.

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Daten und Fakten:

Roald Engelbregt Gravning Amundsen

Der Norweger wird am 16. Juli 1872 geboren. Zwischen 1903 und 1906 gelingt ihm als Erster die Durchfahrung der Nordwestpassage. Am 14. Dezember 1911 erreicht er als Erster den Südpol. 1925 leitet Amundsen die erste Flugbootexpedition in die Arktis.

Abenteurer gestern und heute Amundsen

Skitouring gestern und heute. Immer auf der Höhe der Zeit war auch Amundsen ausgerüstet mit dem damaligen Top-Equipment.

Nach seiner Nordwestpassagen-Entdeckung plant der Held die Erforschung des Nordpols. Doch es ist zu spät: Die Amerikaner Cook und Peary kommen ihm zuvor. Amundsen hat Schulden, braucht dringend einen Erfolg und plant kurzerhand, als erster Mensch den Südpol zu erreichen. Im August 1910 sticht er mit der »Fram«, dem Schiff Nansens, in See. Nur engste Freunde und seinen Bruder Leon weiht er ein, weder seine Crew noch der Brite Robert Falcon Scott, der acht Wochen vor Amundsen mit dem gleichen Ziel aufgebrochen ist, wissen zunächst vom neuen Ziel und dem Wettlauf. Im Januar 1911 erreicht er die Antarktis, im Oktober startet seine Expedition, und am 14. Dezember steht der Nor­weger am geografischen Südpol, 3000 Meter über dem Meeres­spiegel– 35 Tage früher als sein Rivale Scott. Der Engländer hat auf moderne Motorraupen und Ponys gesetzt, die sich in der Antarktis als unbrauchbar erwiesen, während Amundsen allein seinen Schlittenhunden vertraute.

Jetzt ist Amundsen ein gefragter Mann, veröffentlicht Reiseberichte, hält Vorträge und engagiert sich politisch. Zwischen 1918 und 1920 durchquert er die Nordostpassage entlang der sibirischen Nordküste, erforscht anschließend Teile Nord­kanadas und beschäftigt sich intensiv mit der Luftfahrt, in der er die »Zukunft des Reisens und Erforschens« sieht. 1925 startet Amundsen mit dem Amerikaner Lincoln Ellsworth die erste Flugboot-Expedition in die Arktis. 1926 überqueren die beiden in dem 106 Meter langen Luftschiff »Norge« den Nordpol. Mit von der Partie ist der italienische Aeronautiker Umberto Nobile. Als dieser zwei Jahre später in der Arktis abstürzt, bricht Amundsen auf, ihn zu retten. Amundsens Flugzeug verschwindet. Der Abenteurer Amundsen bleibt auch nach mehreren Suchakt­ionen bis heute verschollen.

08.04.2010
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Ausgabe 04, 05/2010, 2010