Outdoor-Legenden: Polarforscher Robert Falcon Scott

Robert Scott: Tragödie am Südpol

Robert Falcon Scott war britischer Marineoffizier und Polarforscher. Er wurde durch seinen Wettlauf zum Südpol mit dem Norweger Roald Amundsen berühmt.

Nur ein paar hundert Meter vom geografischen Südpol entfernt steht auf 2835 Metern Höhe eine Forschungsstation der USA, die auf den ersten Blick nicht anders aussieht als eine mitteleuropäische Liftstation. Vor dem Gebäude wehen Flaggen, so weit das Auge reicht, ist Schnee zu sehen. Aber hierhin verläuft sich keiner zum Vergnügen; das hielte sich auch in Grenzen bei Temperaturen, die im Jahresdurchschnitt bei unter –40 Grad liegen. In der Amundsen-Scott-Südpolstation geht es um Forschung, und benannt ist sie nach jenen beiden Männern, die den Südpol mit ihren Expeditionen als Erste erreichten.

Ob es Robert Scott gefallen würde, an diesem Ort in einem Atemzug mit jenem Mann genannt zu werden, der das Ziel vier Wochen früher als er gefunden hatte? In seinem Buch "Sternstunden der Menschheit" widmete der Dichter Stefan Zweig dem Briten und dem Norweger das Kapitel Kampf um den Südpol und bezeichnete Scott darin als Sinnbild des Zu-spät-Gekommenen "in einer Menschheit, für die der Erste alles ist und der Zweite nichts".

Foto: Public Domain (Wikipedia) Robert Falcon Scott

Scott (2.v.r.) und seine Gefährten am Südpol.

1912 den Südpol erreicht

Als Scott, 1868 in der Nähe der englischen Hafenstadt Plymouth geboren, am 17. oder 18. Januar 1912 mit seinen Gefährten Wilson, Evans, Oates und Bowers den Südpol erreichte, steckte Amundsens norwegische Flagge schon im Schnee. Fast zur gleichen Zeit waren die beiden Expeditionen drei Monate zuvor aufgebrochen; Amundsen mit Skiern und Schlittenhunden, Scott mit Ponys, Motorschlitten und ebenfalls Schlittenhunden. Doch die Ponys waren den Strapazen nicht gewachsen, die Motoren versagten, und mit den Schlittenhunden konnten weder Scott noch seine Männer umgehen.

Aus seinem ersten Versuch, den Südpol zu erreichen, bei dem er Ende 1902 auch wegen der Schwierigkeiten mit den Hunden gescheitert war, hatte er keine Lehre gezogen. So kam er im Gegensatz zu Amundsen, der täglich zwischen 24 und 32 Kilometer schaffte, nie über eine Tagesleistung von 20 Kilometer hinaus, und am Ende betrug der Rückstand einen Monat.

Auf dem Rückweg in der Mitte des Winters litten sie unter der selbst für antarktische Verhältnisse extremen Kälte um –60 Grad; der Schweiß auf ihrer Haut gefror, Schlafsäcke fühlten sich wie Stahlröhren an, sie hatten zu wenig Proviant, und in den Depots mussten sie feststellen, dass die mit Zinn verlöteten Brennstoffbehälter durch die sogenannte Zinnpest undicht geworden waren und sie nicht genug Paraffin für die Kocher hatten.

Als Erster der Gruppe starb Evans, dann Oates, und schließlich besiegte die Antarktis auch Scott, Wilson und Bowers. Die Leichen der drei wurden acht Monate später in ihrem Camp gefunden, nur knapp 18 Kilometer von einem Nahrungsdepot entfernt. Von den Qualen, der Verzweiflung und der immer wieder enttäuschten Hoffnung schrieb Scott in seinem Tagebuch: "Wären wir am Leben geblieben, hätte ich eine Geschichte von Kühnheit, Ausdauer und vom Mut meiner Gefährten erzählen müssen, die das Herz jedes Briten gerührt hätte." Der letzte Eintrag vom 29. März 1912 lautet: "For God‘s sake look after our people. R. Scott" – Um Gottes Willen: Kümmert euch um unsere Leute.

Daten und Fakten: Robert Falcon Scott

Robert Falcon Scott, geboren am 6. Juni 1868 in Devonport bei Plymouth, gestorben am 29. März 1912 im Ross-Schelfeis, Antarktis, war britischer Marineoffizier und Polarforscher. Er wurde durch seinen Wettlauf zum Südpol mit dem Norweger Roald Amundsen berühmt.

09.03.2011
Autor: Beate Hitzler
© outdoor
Ausgabe 02/2011