Maria Sibylla Merian im Porträt

Im Dienste der Natur: Maria Sibylla Merian

Maria Sibylla Merian im Porträt: Die Naturforscherin, Künstlerin und Kupferstecherin Maria Sibylla Merian lebte zu einer Zeit, als die meisten noch an Hexen glaubten.
Foto: Wikimedia Commons Maria Sibylla Merian zierte einst die 500 DM-Banknote.

Zierte einst die 500-DM-Banknote: Maria Sibylla Merian.

Ungewöhnlich ist das Leben von Maria Sibylla Merian - einer mutigen Frau, die in einem Jahrhundert lebt, in dem noch Hexen verfolgt werden. Die Pionierin Maria Sibylla Merian lebt in einer für Frauen nicht unbedingt einfachen Zeit. In England geht gerade der 30-jährige Krieg zu Ende, Zeitungen breiten sich aus, Europas Universitäten gewinnen an Bedeutung und Naturwissenschaften beschäftigen immer mehr Gelehrte – allerdings fast ausschließlich Männer.

Als Maria Sibylla Merians Vater, ein Verleger und Kupferstecher, 1650 stirbt, heiratet die Mutter den Blumenmaler und Kunsthändler Jacob Marrel. Der Stiefvater gibt ihr einen seiner Schüler zur künstlerischen Erziehung. Mit elf Jahren erstellt die junge Maria Sibylla Merian, die sich für Insekten, Raupen und Falter interessiert, bereits hervorragende Kupferstiche mit eigenem, akkuratem und ästhetischem Malstil.

Maria Sibylla Merian züchtet Raupen, sieht Schmetterlinge entstehen und skizziert deren Metamorphosen. Sachlich wie eine Wissenschaftlerin, aber auch mit religiöser Ehrfurcht vor diesem Wunder der Schöpfung forscht sie. Und sie ist eine der Ersten, die den Zyklus »Ei – Raupe – Puppe – Schmetterling« beschreibt – in einer Zeit, in der die meisten Menschen noch glauben, dass Insekten Ungeziefer sind und in einer Urzeugung aus Schlamm entstehen.

1665 heiratete Maria Sibylla Merian den Architekturmaler Johann Andreas Graff und zieht mit ihm nach Nürnberg. Hier gibt die Künstlerin Malunterricht, bestickt und bemalt Stoffe, erstellt und verkauft Vorlagen für Blumenbilder, kolorierte Zeichnungen und Aquarelle und handelt mit Künstlerbedarf.

In dieser für sie recht anstrengenden Zeit entstehen bis 1683 Maria Sibylla Merians Blumenbücher und auch das zweiteilige Raupenbuch – zwei bedeutende Arbeiten für Insektenkundler. Im Übrigen herrscht die strenge »Maler-Ordnung«: Ausschließlich Männer dürfen mit Pinsel, Ölfarben und auf Leinwände malen.

Als Naturforscherin hatte Maria Sibylla Merian es schwer

1681 trennt sich "Bille" von ihrem Mann und kehrt mit den beiden Töchtern zu ihrer Mutter nach Frankfurt zurück. 1685 ziehen die vier Frauen ins Schloss Walta-Stade im niederländischen Westfriesland. Es gehört den Schwestern des Gouverneurs von Surinam.

Hier begegnet Maria Sibylla Merian dann exotischen Insekten, Mitbringseln aus Südamerika, beginnt wieder Schmetterlinge und Blumen zu malen. Und schließlich zieht sie 1691 in die moderne Metropole Amsterdam. Als anerkannte Naturforscherin hat Maria Sibylla Merian es auch hier schwer, sich in der herrschenden Männergesellschaft zu behaupten.

Maria Sibylla Merian malt und forscht trotzdem neugierig weiter, besucht Botanische Gärten, Gewächshäuser reicher Bürger und liest Bücher über ihr Spezialgebiet. Als in ihr der Wunsch wächst, Surinam, die holländische Kolonie in Südamerika, in eigener Person zu besuchen, um dort ihre Forschungen voranzutreiben, verkauft sie zielstrebig Bilder und Sammlungen und bricht 1699 mit ihrer jüngsten Tochter Dorothea Maria auf einem Handelsschiff auf.

Zwei Frauen ohne männlichen Schutz auf einer – damals noch unbekannten – Forschungsreise, ganz ohne staatlichen Auftrag und Protektion eines Mächtigen, das ist einmalig. Mit Indianern im feucht-heißen Klima des sumpfigen Regenwaldes auf Tour, entdecken die Frauen neue, unbekannte Tierarten und Pflanzen.

Alles wird genau skizziert; das von Maria Sibylla Merian entwickelte System, Schmetterlinge in Tag - und Nachtfalter einzuteilen, ist heute noch gültig. Zwei Jahre später – die Malaria hat die Pionierin krank gemacht – kehrt sie nach Amsterdam zurück. Die Reise wird für sie zu einem einzigen Triumph: Endlich wird sie berühmt, sie empfängt Gelehrte, und 1705 erscheint ihr Hauptwerk, das aufwendig illustrierte Surinambuch "Metamorphosis insectorum Surinamensium".

Der Höhepunkt der Buchkunst des achtzehnten Jahrhunderts ist damit erreicht. Als sie im Alter von 69 Jahren stirbt, wird Maria Sibylla Merian – im Totenregister als "unvermögend" bezeichnet – in einem bis heute nicht auffindbaren Armengrab beerdigt.

Zur Zeit der deutschen Mark ziert die Selfmade-Frau Maria Sibylla Merian die 40-Pfennig-Briefmarke und den 500-Mark-Schein; Schulen tragen heute Sibylla Merians Namen, außerdem ein Forschungsschiff, ein Preis für Künstlerinnen und sogar ein 22 Kilometer gro­ßer Krater auf der Venus.

Daten und Fakten zu Maria Sibylla Merian

  • Maria Sibylla Merian, Naturforscherin, Künstlerin und Kupferstecherin, wird im April 1647 in Frankfurt/Main in eine gutsituierte Kupferstecherfamilie hineingeboren.
  • Von sich reden macht Maria Sibylla Merian durch Insektenbücher und ihre Südamerikareise.
  • 1717 stirbt Maria Sibylla Merian in Amsterdam.
30.06.2011
Autor: Beate Hitzler
© outdoor
Ausgabe 06/2011