Kraxeln & Absteigen
Den Fels im Griff
Bergstiefel-Test 09/2022 Jens Klatt
Bergstiefel-Test 09/2022
Bergstiefel-Test 09/2022
La Sportiva Trango Tech Leather GTX im Test 2022
Bergstiefel-Test 09/2022 9 Bilder

Die neuen Bergstiefel 2022 im outdoor-Test

Bergwanderschuhe 2022 Die neuen Bergstiefel im Praxistest

Die aktuelle Bergschuh-Generation verspricht höchsten Gehkomfort auf allen Wegen. Acht Paar Bergschuhe für Herren und Damen im Test.

Wandern boomt, vor allem in den Alpen. Immer mehr Naturbegeisterte zieht es in die Berge, wo neben frischer Luft, urtümlichen Landschaften und herrlichen Ausblicken viele neue Höhen-, Hütten- und Rundwege für faszinierende Erlebnisse und wohltuende Abwechslung sorgen. So richtig erholsam kann eine Tour jedoch nur dann sein, wenn auch die Ausrüstung und vor allem das Schuhwerk stimmt. Normale Wanderschuhe kommen im steinigen, steilen Terrain schnell an ihre Grenzen. Erst recht, wenn man mal ein Schnee- oder Geröllfeld überqueren muss oder einen Klettersteig versuchen möchte. Mit Bergstiefeln wie diesen gelingt das alles deutlich besser!

Damit sind nicht kiloschwere Lederbotten gemeint, sondern moderne Berg-Allrounder der neuesten Generation. Sie sind nur etwas schwerer als "normale" Wanderschuhe, besitzen aber einen schützenden Schaft, eine weit bis an die Zehen reichende Schnürung für perfekte Passform sowie eine kantenfeste Sohle. Mit ihr kann man beim Queren von Schneefeldern kinderleicht Stufen treten und kraftsparend auf Eisenleitern stehen. Bei den meisten lassen sich sogar Steigeisen daran befestigen – falls doch mal eine Gletscher- oder Hochtour auf der Urlaubswunschliste landen sollte.

Ein bunter Bergschuh-Mix: Die Testergebnisse im Überblick

La Sportiva Trango Tech Leather GTX

Überragend (Testsieger)
La Sportiva Trango Tech Leather GTX Bergschuh - Testsieger 2022
Hersteller
Fazit Ein Traumpaar für alle Fälle! - Schön, dass sich dieser stabile Bergschuh auch auf einfachen Wegen ausgesprochen gut trägt.
  • Preis: 269 €
  • Gewicht: 1260 g (Paar, Gr. 42,5)
  • Herkunft: Rumänien

Passform: vorne weit, sonst mittel

Einsatzspektrum: Voralpen - Hochalpen

Tragekomfort: Schmiegt sich super an, bietet viel Bewegungsfreiheit und rollt top ab: Beim Trango Tech trifft ein flexibler Schaft auf ein festes Chassis mit mittelfester Sohle – ein Konzept, das aufgeht. Zumal die Sohle sauber abrollt und das Chassis den Fuß so fest im Griff hat, dass der weiche Schaft keine Unsicherheit im Gelenk hervorruft. Im Gegenteil: Mit diesem Paar an den Füßen konnten selbst weniger trittsichere Tester geradezu übers Geröll tänzeln – was am präzisen Auftritt liegt. Schön, dass sich der Schuh auch auf einfachen Wegen ausgesprochen gut trägt.

Stabilität:

Performance:

Gewicht:

Nässeschutz:

Qualität:

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Mammut Kento Tour High GTX

Sehr gut
Mammut Kento Tour High GTX
Hersteller
Fazit Für sein geringes Gewicht bietet der Mammut Kento Tour High geradezu erstaunlich viel Seitenhalt – ideal für alle, die schnell umknicken.
  • Preis: 240 €
  • Gewicht: 1230 g (Paar, Gr. 42,5)
  • Herkunft: Vietnam

Passform: schmal, fällt klein aus

Einsatzspektrum: Voralpen - Hochalpen

Tragekomfort: Präziser, gut gedämpfter Auftritt, flüssige Abrollbewegung – stark! Ebenfalls gut: Der feste Schaft schränkt die Bewegungsfreiheit beim Kraxeln nur ein wenig ein. Doch das gleicht der Schuh mit kantenstabilen, präzisen Sohlen mehr als aus, er läuft im Felsterrain zur Höchstform auf, überzeugtaber auch in der Ebene: mit flüssigem Abrollverhalten und starker Dämpfung – für Wandernde mit Kraxelambitionen gerade richtig.

Stabilität:

Performance:

Gewicht:

Nässeschutz:

Qualität:

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Lowa Cadin II GTX Mid

Sehr gut
Lowa Cadin GTX Bergschuh
Hersteller
Fazit Der Lowa Cadin II zählt im Test 2022 zu den schwersten Modellen, trägt sich aber alles andere als träge – und leistet sich auch sonst keine Schwächen.
  • Preis: 270 €
  • Gewicht: 1520 g (Paar, Gr. 42,5)
  • Herkunft: Italien

Passform: mittelbreit, vorne breit

Einsatzspektrum: Voralpen - Hochalpen

Tragekomfort: Lowa spendierte seinem beliebten Alpinklassiker ein Update – das im Test rundherum überzeugte. Er rollt rund ab, dämpft ausreichend und trägt sich überaus stimmig. Mit ihm lassen sich einfache Hüttenwege ebenso locker meistern wie anspruchsvolle Alpintouren mit Gletscherquerungen. Auch Klettersteige machen dank verwindungssteifer und ausreichend kantenfester Sohlen viel Spaß. Ein toller Allrounder!

Stabilität:

Performance:

Gewicht:

Nässeschutz:

Qualität:

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Scarpa Ribelle Lite HD

Sehr gut
Scarpa Ribelle Lite HD Bergschuh
Hersteller
Fazit Dieser stabile Bergschuh wendet sich an Alpinjunkies: Denn auf steilen Felspfaden, beim Kraxeln und in schwierigen Klettersteigen fühlt er sich am wohlsten.
  • Preis: 300 €
  • Gewicht: 1400 g (Paar, Gr. 42,5)
  • Herkunft: Italien

Passform: ingesamt eher schmal

Einsatzspektrum: Hochalpen

Tragekomfort: Setzt knackig auf und rollt definiert und etwas hakelig ab, hoher Stand. Auch geröllige Saumpfade meistert dieser Scarpa-Bergschuh mit Leichtigkeit, ebenso Gletscher­ und Hochtouren bis über 4000 Meter. Beim gemütlichen Wandern oder einfachen Hüttenzustieg lässt der Ribelle Lite anderen, komfortableren Paaren daher gerne den Vortritt.

Stabilität:

Performance:

Gewicht:

Nässeschutz:

Qualität:

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Hanwag Makra Light GTX

Sehr gut
Hanwag Makra Light GTX Bergschuh
Hersteller
Fazit Das leichteste Paar im Testfeld – und das mit dem niedrigsten Schaft. Seitenhalt bietet er kaum, dafür dem Gelenk viel Freiheit.
  • Preis: 240 €
  • Gewicht: 1100 g (Paar, Gr. 42,5)
  • Herkunft: Kroatien

Passform: mittelbreit

Einsatzspektrum: Voralpen

Tragekomfort: Trägt sich unbeschwert, fast luftig und sehr bewegungsfreundlich. Sein Mini-Gewicht (1100 g/Paar, Gr. 42,5) verführt zu hohem Tempo und macht Aufstiege zum Genuss, zumal die dünne, flexible Sohle viel Rückmeldung gibt und so die Trittsicherheit erhöht. Felsiges Terrain bleibt in ihm aber erfahrenen Bergfexen vorbehalten, alle anderen finden im Makra den richtigen Partner für flotte Touren über eher einfache Wege.

Stabilität:

Performance:

Gewicht:

Nässeschutz:

Qualität:

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Garmont Ascent GTX

Gut
Bergstiefel-Test 09/2022
Hersteller
Fazit Kerniger Aufsteiger: Eine gute Wahl für alle, die mehr steigen als wandern.
  • Preis: 220 €
  • Gewicht: 1360 g (Paar, Gr. 42,5)
  • Herkunft: Rumänien

Passform: schmal, wenig Volumen

Einsatzspektrum: Hochalpen

Tragekomfort: Fester Auftritt, etwas bockiges Abrollen, bietet viel Flex im Gelenk.

Der italienische Hersteller schielt mit dem Ascent auf Kraxel- und Klettersteig-Fans. Auf Feld- und Waldwegen trägt sich das verwindungssteife Paar hölzern, auf felsigen Bergpfaden hingegen gefällt es mit präzisem Auftritt, kantenstabilen Sohlen und Flexibilität im Gelenk. Kletterpassagen werden so zum Vergnügen, Klettersteige zum Genuss, und auch vor Gletschern schreckt der solide Ascent dank Steigeisenaufnahme nicht zurück.

Stabilität:

Performance:

Gewicht:

Nässeschutz:

Qualität:

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Salewa MTN Trainer 2 Mid GTX

Gut
Salewa MTN Trainer 2 Mid GTX Bergschuh
Hersteller
Fazit Wer weiche Schuhsohlen und einen stabilen Schaft schätzt, wird diesen Schuh mögen. Er sitzt wie eine Socke und überzeugt vor allem in einfacherem Terrain.
  • Preis: 240 €
  • Gewicht: 1300 g (Paar, Gr. 42,5)
  • Herkunft: Rumänien

Passform: vorne weit, sonst mittel

Einsatzspektrum: Voralpen

Tragekomfort: Anschmiegsam, gut gedämpft, flexible Sohle – wie ein Wanderschuh. Dabei lässt er sich selbst von Geröll nicht beeindrucken. Auf Steilpassagen braucht man aber Kraft in den Zehen, sonst biegt die Sohle zu stark durch. Leider rissen bei einem Paar die Fersenfixierungskabel aus – ein Einzelfall, bei den restlichen fünf Paaren halten sie bombenfest. Dennoch kostet das Punkte.

Stabilität:

Performance:

Gewicht:

Nässeschutz:

Qualität:

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Meindl Air Revolution 4.4

Gut
Meindl Air Revolution 4.4
MPS Fotostudio
Fazit Klettersteige oder steile Bergpfade sind nicht so sein Ding, Touren mit schwerem Gepäck dafür umso mehr!
  • Preis: 300 €
  • Gewicht: 1580 g (Paar, Gr. 42,5)
  • Herkunft: Deutschland

Passform: voluminös, eher weit

Einsatzspektrum: Zwischen Voralpen und Hochalpen

Tragekomfort: Anschmiegsam, rollt rund ab, in Gehrichtung recht steifer Schaft. Von allen Test-Kandidaten 2022 wiegt der Meindl am meisten (1580 g/Paar, Gr. 42,5). Leichtfüßig-agil trägt er sich daher nicht, dafür aber sicher - außerdem überzeugt er mit sehr viel Seitenhalt und einer Sohle, die alles glattbügelt.

Stabilität:

Performance:

Gewicht:

Nässeschutz:

Qualität:

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Testfazit

Am Ende unseres Praxistests kann die Crew guten Gewissens alle acht Schuhe 2022 für Bergtouren empfehlen. Das gilt selbst für das softeste Bergschuh-Modell, den Hanwag Makra Light. Der topkomfortable Schuh eignet sich jedoch nur für erfahrene Bergfexe, die sich auch mit flexiblen Sohlen und niedrigem Schaft sicher fühlen. Wer dagegen nicht genug Seitenhalt bekommen kann – etwa für einen Alpencross mit Zeltgepäck –, findet im schaftstabilen Meindl Air Revolution 4.4 seinen Traumpartner. Das gilt auch für den mit etwas weicheren Sohlen bestückten, wunderbar anschmiegsamen Salewa MTN Trainer 2 Mid GTX. Er überzeugt – wie der Hanwag – dank geringem Gewicht auch auf Mittelgebirgstouren. Für Felsakrobaten und Klettersteig-Fans eignen sich Meindl und Salewa aber weniger.

Wer höher hinaus will, sollte besser die alpinen Präzisionswerkzeuge von Garmont und Scarpa probieren. Ihre kantenstabilen, steifen Sohlen bereiten vor allem in der Vertikalen eine Menge Freude, der Scarpa Ribelle Lite HD bringt zudem das Rüstzeug für 4000er-Besteigungen mit.

Ganz so hoch sollte man sich mit unseren Test-Favoriten nicht wagen: Die Modelle von La Sportiva, Lowa und Mammut brillieren dafür als alpine Allrounder in Höhen von bis zu zirka 3500 Metern – mit viel Gehkomfort auf einfachen wie schwierigen Wegen und solider Kraxelperformance. Das ausgewogenste Paket liefert dabei der La Sportiva Trango Tech Leather GTX, der sich so knapp den Testsieg sichert.

Den gesamten Testbericht + weitere Bergschuhtests hier als PDF

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So testen wir

Was sich hinter den einzelnen Testkriterien verbirgt, erklären wir hier:

  • Tragekomfort: Sämtliche Testpaare wurden vor den Bergtouren bereits im Mittelgebirge eingelaufen. Hierbei wie auch später in den Alpen bewerteten die Tester, wie weich die Schuhe aufsetzen, wie rundsie abrollen und wie gut sie sich um die Füße legen und anpassen lassen. Auch die Bewegungsfreiheit im Gelenk fließt mit ein, weil sie die Agilität erhöht.
  • Stabilität: Je verwindungssteifer die Sohlen und je seitenhaltstabiler der Schaft, desto hö- her die Punktzahl bei diesem Kriterium.
  • Performance: Hier beurteilt die Crew, wie gut sich die Kandidaten für verschiedene Wege und Geländearten prinzipiell eignen. Qualität Wie sauber sind die Schuhe verarbeitet, wie hochwertig die verwendeten Materialien? Haben sie die Testprozedur ohne Zwischenfälle überstanden?
  • Wasserdichtigkeit: Weil es, von ein paar Bächen abgesehen, auf den Tragetests trocken zuging, prüften wir die Wasserdichtigkeit vor allem im Labor. Von jedem Modell wurde ein Paar in unseren Gehsimulator eingespannt. Er bewegt die Schuhe wie beim Wandern, und das 24 Stunden lang im Wasserbad.
Bergstiefel-Test 09/2022
Jens Klatt
Sensorbestückte Sohlen melden ein Leck sofort – doch diesmal hielten alle Schuhe dicht.

Mehr Testeindrücke in der Fotostrecke (oben) und auf Instagram:

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