Paleo - Ernährung unter der Lupe (Facts, Hintergründe, Vor- & Nachteile)

Pro & Kontra: Kritikpunkte an der Paleo-Diät

Bei der Paleo-Diät geht es darum, sich gesund zu ernähren. Dabei werden Kohlehydrate und Grundlagennahrungsmittel wie Getreide als schlecht angesehen. Dies kann Probleme mit sich bringen, vor allem für Sportler. Doch es gibt noch weitere Kritikpunkte.

Die Paleo-Diät bringt sicherlich einige Vorteile mit sich. Schließlich muss, wer sich paleo-konform ernähren möchte, sich gründlich mit dem Thema "Was esse ich?" auseinandersetzen. Das allein ist für viele Menschen schon ein Gewinn. Der Verzicht auf industriell verarbeitete Nahrungsmittel und Zucker gehört sicherlich auch zu den unbestreitbar gesundheitsfördernden Aspekten und stellen einen gewichtigen Vorteil der Paleo-Ernährungsweise dar.

Trotzdem gibt es Kritikpunkte, die vor allem für sportlich aktive Menschen wichtig sind.

Kritikpunkt 1: "Die _eine_ Steinzeit-Ernährung" gibt es nicht.
Obwohl es einleuchten will, dass vor Sesshaftigkeit und Ackerbau nicht gar so viel Getreide konsumiert wurde wie heute, ist es keinesfalls bewiesen, dass die Nahrung deshalb große Anteile an Fleisch und Tierprodukten enthielt. Derzeit gehen Wissenschaftler davon aus, dass ein Großteil der Steinzeitmenschen sich auf Pflanzenbasis ernährt hat und Fleisch nur in seltenen Fällen oder extremen Landschaften (vergleiche die Inuit) zur Verfügung stand.

Kritikpunkt 2: Kohlehydrate sind ein wertvoller und vor allem für Sportler und Frauen wichtiger Nahrungsbestandteil.
Wer übergewichtig ist oder sich wenig bewegt, kann sicherlich profitieren, wenn der Kohlehydrat-Anteil der Nahrung klein gehalten wird. Doch gerade wer Ausdauersport betreibt oder einen Kinderwunsch hegt, für den können zu wenig Kohlehydrate problematische Auswirkungen haben. Generell gilt, dass solch "einschneidende" Ernährungs-Umstellungen nur nach ärztlicher Beratung vorgenommen werden sollten. Problematisch sind vor allem "einfache" Kohlenhydrate in Form von Zucker, wie sie in Süßigkeiten und Gebäck vorkommen, komplexe Kohlehydrate aus beispielweise Vollkornprodukten bringen nach heutigem Wissenstand weit mehr gesundheitliche Vorteile als Nachteile mit sich.

Kritikpunkt 3: Einige "Zivilisationskrankheiten" werden mit dem verstärkten Konsum von Fleisch und Milchprodukten in Verbindung gebracht.
Der Mensch ist sehr anpassungsfähig, was Ernährung angeht. Andererseits besagt der heutige Wissenstand, dass der Konsum von viel Fleisch auch negative gesundheitliche Auswirkungen haben kann - vom Umweltaspekt ganz zu schweigen. Daher ist es sinnvoll, nicht blind dem einen oder anderen Ernährungs-Idee zu folgen, sondern sich intensiv mit den eigenen Bedürfnissen zu beschäftigen und im Idealfall mit ärztlicher Beratung seine eigene optimale "Diät" oder Ernährungsweise herauszufinden.

Kritikpunkt 4: Es ist belegt, dass sich ernährungsspezifische Anpassungen im Erbgut in weniger als 10.000 Jahren vollziehen können. Damit ist die Haupt-These der Paleo-Diät (nämlich dass wir ernährungstechnisch gesehen noch "Steinzeit-Menschen" seien) nicht haltbar.

Kritikpunkt 5: Nur weil einige Aspekte der Paleo-Diät bei einigen Menschen großen Nutzen bringen, heißt das nicht, dass die Paleo-Diät für alle Menschen gleich gut ist.
Viele Menschen vertragen Milchprodukte schlecht (Haut- und Magenprobleme können die Folge sein), andere vertragen kein Gluten (in Weizen und anderen Getreidesorten). Wenn man diese dann weglässt, kann dies den Gesundheitszustand erheblich verbessern. Doch sind die Anlagen der Menschen unterschiedlich. Daher ist es heikel, ein Konzept im Ganzen zum Ideal zu erheben, obwohl es im Prinzip einzelne Aspekte sind, die bei einzelnen Individuen Erfolg zeigen.

Fazit - Paleo oder nicht?

Die Schlussfolgerung? Kann nur sein, dass wer sich gesund und typgerecht ernähren möchte, nicht darum herum kommt, sich intensiv mit dem Thema und den persönlichen Bedürfnissen auseinanderzusetzen. Wie fast immer gilt: Den eigenen Kopf benutzen hilft.