Teil des
od-0219-kanada-Wilderness-International-Wildnispatenschaften-im-Tal-der-Grizzlies_Foto-Reinhard-Mink_100pc.psd (jpg) Wilderness International Reinhard Mink

Zu Besuch im Grizzly-Wald: Wie eine deutsche Stiftung Kanadas Urwald schützt

Der Küstenregenwald Kanadas gehört zu den wertvollsten Ökosystemen des Nordens - und zu den meistbedrohten. Wilderness International hält dagegen. Auf einer Grizzly-Expedition gewährt die Umwelt-Organisation Einblicke in ihre Arbeit.

Gebannt starren wir auf die Bärenspuren, die sich flussaufwärts an der Sandbank entlangziehen. Die Abdrücke sind riesig. Und sie sehen verdammt frisch aus. »Hier war vor kurzem ein Grizzly unterwegs«, meint Kai Andersch, CEO von Wilderness International. Die deutsch-kanadische Stiftung will Kanadas Küstenregenwald und seine Fauna für künftige Generationen schützen und hat zu dieser Expedition eingeladen. Zusammen mit Kai und einem Berg von Gepäck warte ich am Ufer des Toba River auf die übrigen Teilnehmer, die mit dem Jetboot von der Flussmündung hierher transportiert werden. »Der Küstenregenwald ist nicht nur das artenreichste Ökosystem der Nordhalbkugel«, sagt Kai. »Er ist auch die Lunge unseres Planeten.« Unmengen von Kohlenstoff bindet er in seiner Biomasse. Wird er abgeholzt, gelangt ein Großteil davon als Kohlendioxid wieder in die Atmosphäre und trägt zur Erderwärmung bei.

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Reisebericht Kanada: Im Wohnzimmer der Grizzlys
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Um den Verlust dieses Schatzes zu verhindern, kauft Wilderness International von Privatpersonen, Forstkonzernen und Bergbauspekulanten Regenwälder an der kanadischen Westküste auf. Seit der Gründung 2008 hat die Stiftung 3,91 Millionen Quadratmeter Wald – umgerechnet 548 Fußballfelder – erworben und unter Schutz gestellt. Zwei Drittel wurden über Spenden refinanziert, sogenannte Wildnispatenschaften.

Auch outdoor beteiligt sich und gleicht mit dem Kauf von Regenwald das durch den Papierverbrauch freigesetzte Kohlendioxid aus. Der Toba River entspringt in der südkanadischen Pacific Range. Eine Expedition in das entlegene Tal des Gletscherflusses ist schwierig. Mehrere Stunden braucht das Wassertaxi von Campbell River bis zur Mündung des Toba River, dort, wo Kai die wuchtige Grizzlyspur im Sand entdeckt hat.

Tief rein in die Wildnis Kanadas

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Wilderness International Kai Andersch
Das Jetboot muss mehrere Male fahren, um alle Teilnehmer und die Ausrüstung ans Ziel zu bringen.

Von hier bringt ein Jetboot Mensch und Material flussaufwärts. Anderthalb Tage kostet die Anreise in mehreren Gruppen. Flussaufwärts wird die Szenerie immer wilder. Unter der Wasseroberfläche lauern tückische Baumstämme. Dichter Regenwald mit Douglasien, Ahornen und Riesenlebensbäumen säumt die Ufer, überragt von mächtigen Felsen. Ein stattlicher Weißkopfseeadler fliegt flussaufwärts vorbei, als wolle er uns den Weg ins »Land der Grizzlys« zeigen. Das Zielgebiet der Expedition, am Zusammenfluss von Big Toba und Little Toba, ist eines von vier Arealen der Stiftung im Toba Valley. Zwei weitere liegen auf Porcher Island, an der Nordwestküste Kanadas.

»Bei der Auswahl der Gebiete spielen Kriterien wie Artenvielfalt, Biomasse und akute Bedrohung eine große Rolle«, erklärt Kai. »Wir arbeiten hier eng mit den Forschern zusammen«, unter anderem vom Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ) und der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung.« Auch die Kooperation mit Schulen ist Kai wichtig. Rund fünfzig deutsche Schulen organisieren sogenannte Wildnisläufe. Achtzig Prozent der Einnahmen fließen in den Schutz des Regenwaldes, den Rest nutzen die Schulen für eigene Umweltprojekte. Die Teilnehmer können sich bei Wilderness International für ein Umweltbotschafter-Stipendium bewerben. Kinder mit einer überzeugenden Bewerbung dürfen mit auf Wildnis-Expedition. Vor einigen Monaten erst hat Kai eine Schüler-Expedition dorthin geleitet, wo auch wir jetzt hinwollen. Doch kurz vor dem Ziel bekommen wir Probleme: Der Little Toba steht diesmal viel niedriger, Baumstämme versperren die Mündung.

Mit dem Boot gibt es hier kein Durchkommen

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Erik van de Perre
Zum Auftakt des Wildnis-Trips geht es mit dem Wassertaxi von Campbell River zur Mündung des Toba River.

Es bleibt uns nichts anderes übrig, als das Expeditionsgepäck zu Fuß, bis zum Bauchnabel im eiskalten Wasser, an das andere Ufer zu transportieren. Sobald das Camp errichtet ist, heißt es warten. Auf die Grizzlys, die sich normalerweise an den Lachsen im Fluss gütlich tun. Einige von uns versuchen sich beim Angeln. Carsten zieht einen fetten Sockeye-Lachs an Land. Nur Meister Petz sehen wir nicht.

Der Fluss ist zu niedrig. Die Bären kommen nicht, weil die Lachse fehlen, die sonst um diese Zeit zum Laichen den Little Toba hinaufschwimmen. David MacDonald (CEO Wilderness International Canada): »Wegen des trockenen Augusts ist der Fluss zu niedrig. Die Lachse warten im Meer, bis Regen den Pegel steigen lässt und das Wasser genug Sauerstoff für die Entwicklung der Brut hat.« Auch die Bären warten – bis das Buffet angerichtet ist. Ganz anders bei der GrizzlyExpedition 2016: »Da haben wir an zwei Tagen um die 20 Bären gesichtet«, sagt Wilderness-Guide Tobi. »Sogar nachts wurden wir vom Planschen fischender Bären geweckt.«

In der Nacht setzt der Regen ein. Morgens wabern Wolkenschleier zwischen den Riesenbäumen, drapiert mit dicken Bartflechten. Als der Regen nachlässt, brechen wir zum Laichgebiet der Lachse auf. Das liegt oberhalb des Camps, erreichbar über schmale Tierpfade. Kai geht vorneweg, Tobi schließt die Ränge, beide haben das Bärenspray parat. Tobi: »Hier möchten wir keinem Bären begegnen, denn in dem dichten Wald hätte ein aufgeschrecktes Tier keine Fluchtmöglichkeit.« Und dass es hier vor Bären nur so wimmeln muss, zeigen die vielen Kratzspuren an den Bäumen, halb aufgefressene Lachse oder Exkremente am Wegesrand. Einmal verrät lautes Knacken, wie sich ein massives Tier verdammt nah durch den Wald bewegt.

»Willkommen im Wohnzimmer der Grizzlys.«

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Wilderness International Ronny Scholz
Wenn die Lachse kommen, dann kommen auch die Grizzlys - hier ein junges Exemplar, aufgenommen auf einer früheren Expedition.

Bei einer Sandbank gelangen wir aus dem Wald heraus. Hier liegen noch mehr verweste Lachse. Im seichten Wasser laichen die Tiere im Kiesbett. Der Zug kommt offensichtlich langsam ins Rollen. Aber die Zeit läuft uns davon. Am nächsten Tag geht es zurück in die Zivilisation. Im Dunklen wird das Camp abgebaut, das Gepäck einmal mehr durch den Fluss geschleppt. Einige fahren mit dem Jetboot hinunter, die übrigen lassen sich mit Packrafts treiben. Weiter unten holt uns das Boot ab. Und siehe da: Plötzlich huscht vom Ufer einer Sandbank ein kleiner Grizzly in den Wald. Es ist nur eine Momentaufnahme, zu kurz sogar für ein Foto. Aber sie ist lang genug, um uns noch einmal klarzumachen, warum der Schutz dieses Regenwaldes so wichtig ist.

Über die Stiftung Wilderness International

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Wilderness-International-Logo

»Was einmal zerstört ist, lässt sich entweder gar nicht mehr oder nur mit langwieriger Arbeit und hohen Kosten reparieren«, sagt Kai Andersch, CEO von Wilderness International. Die 2008 gegründete Stiftung mit Sitz in Dresden hat sich der Erhaltung des kanadischen Regenwalds verschrieben. Dazu kauft sie besonders wertvollen und akut bedrohten Regenwald auf. Die neun Mitarbeiter in Dresden, Berlin, Hamburg und Edmonton organisieren außerdem Austausch- und Forschungsprojekte und bringen engagierte Jugendliche, Forscher und Unternehmen zusammen.

Zu den Partnern zählen u. a. Air Canada (aircanada.com), die offizielle Tourismusorganisation von British Columbia, Hello BC (HelloBC.de), Diamir Erlebnisreisen (diamir.de), SK Touristik (sktouristik.de), in Kanada Campbell River Whale Watching (campbell riverwhalewatching.com) und outdoor (outdoor-magazin.com). Auch Sie können mit Wilderness International Wald schützen, beispielsweise durch CO2-Kompensation oder eine Wildnispatenschaft (wildnispatenschaft.org).

Weitere Infos: wilderness-international.org

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