Wölfe in Deutschland: Zahlen steigen

Podcast & Video Wölfe in Deutschland: Zahlen steigen

Die Tiere breiten sich in Deutschland weiter aus. Mehr über die heimischen Räuber erfahrt ihr im Video – und im Podcast ...

128 Rudel, 35 Paare, sowie zehn sesshafte Einzelwölfe – so viele Wölfe gibt es laut Bundesamt für Naturschutz derzeit in Deutschland (Monitoringjahr 2019/20). Das sind 23 Rudel mehr als im Vorjahr, die Zahl der Wolfspaare und Einzelwölfe ist demnach aber leicht gesunken. Im vorhergehenden Monitoringjahr 2018/19 wurden 105 Rudel, 41 Paare und zwölf Einzelwölfe nachgewiesen.

Die meisten Wölfe leben nach wie vor im Norden und Nordwesten Deutschlands – dort habe sich das Wolfsvorkommen weiter vergrößert. Aber auch außerhalb dieser Vorkommen konnten in den mittel- und süddeutschen Bundesländern einzelne Wolfsterritorien nachgewiesen werden. Zusätzlich konnte erstmals seit zehn Jahren wieder ein sesshafter Wolf in den bayerischen Alpen bestätigt werden.

Grund zur Sorge? – Podcast-Gespräch mit Wolfsforscher Peter Sürth

Wolfsforscher Peter Sürth
Peter Sürth
Auf Spurensuche: Peter Sürth

Der Wildtierbiologe und Wolfsforscher Peter Sürth, der die Tiere unter anderem sieben Jahre lang in den Karpaten erforscht hat, erklärt, was das für unseren (Outdoor-)Alltag und für die Umwelt bedeutet, wie man sich bei einer Begegnung verhält – und warum jegliche Annäherungsversuche und Anfüttern wie bei allen anderen Wildtieren das absolute No-Go sind:

Ihr könnt die Podcast-Folge entweder gleich hier auf dieser Seite anhören, oder auch auf einer der gängigen Plattformen: iTunes, Spotify, Deezer, Audio now, Soundcloud, Acast, The Podcast App, Google Podcast-App auf Android-Smartphones, Lecton sowie Castbox und vielen anderen Podcast-Apps und Verzeichnissen.

Weitere Zahlen & Fakten zum Wolf in Deutschland

  • Deutschland war über 150 Jahre wolfsfrei – durch Schutzmaßnahmen erholt sich der Bestand langsam wieder.
  • Die Wolfszahlen in Deutschland steigen stetig – 2018 wurden bereits 73 Wolfsrudel gezählt, zuletzt waren es 128.
  • Die meisten Wölfe hierzulande leben in Brandenburg, gefolgt von Sachsen und Niedersachsen.
  • Die Wölfe in den nördlichen Bundesländern stammen von den Nachkommen eingewanderter Tiere aus Ostpolen ab. Die Tiere der südlichen Bundesländer stammen zumeist aus den Alpen und Italien.
  • Normalerweise machen Wölfe einen Bogen um Menschen, bislang gab es auch noch keine derartigen Zwischenfälle (Stand: Juli 2021).
  • Ein ausgewachsener Wolf braucht pro Tag etwa 3-4 Kilo Fleisch. Übergriffe auf Nutzvieh stellen derzeit das größte Problem dar.
  • Allein im Jahr 2018 gab es 60 bis 65 Nutztierrisse. Auch Herdenschutzhunde und Zäune bringen keinen 100%igen Schutz.
  • Isegrim: So heißt der Wolf in der Fabel. Er wird dort als grimmig und bösartig beschrieben, genauso wie in einigen Märchen – was seinem Image ebenfalls schadet.
  • Die enge Verbindung von Wolf und Mond – insbesondere durch das Anheulen – ist ein Mythos. Allerdings stärkt das gemeinsame Heulen im Rudel den Zusammenhalt, so wie wenn Menschen zusammen singen!
  • Ein weiterer Mythos ist der Werwolf – ein Mensch, der sich bei Vollmond in einen Wolf verwandelt und auf Beutejagd geht.
  • Der ausgewachsene Wolf hat in Deutschland keine natürlichen Feinde und steht an der Spitze der Nahrungskette.
  • Die in Europa vorkommenden Wölfe sind meist grau/bräunlich gefärbt, die Schwanzspitze ist schwarz.
  • Der Wolf kann hervorragend riechen: seine Artgenossen und Beutetiere riecht er auf bis zu 2 km Entfernung.
  • Der Wolf kann auch nachts ausgezeichnet sehen. Sein Blickwinkel liegt bei 250 Grad. (Mensch nur 180)
  • Im Unterschied zum Schäferhund, mit dem der Wolf manchmal verwechselt wird, hat der Wolf eine gerade Rückenlinie und lässt den Schwanz (die Rute) beim Laufen hängen.
  • Wölfe sind soziale Tiere mit starken Bindungen. Sie leben in einer Art Familienverband, dem Rudel.
  • Frei lebende Rudel bestehen aus einem Elternpaar und dessen Nachwuchs.
  • Jungtiere verlassen das Rudel meist mit 1 bis 2 Jahren, um ein eigenes Rudel zu gründen.
  • Der Wolf legt in seinem Territorium täglich große Strecken zurück – was im eng besiedelten Deutschland ebenfalls zu Problemen führen kann.
  • Neben dem Wolf ist auch der Luchs in Deutschland wieder heimisch. Sein Bestand wächst im Vergleich zum Wolf aber nur leicht.
  • Der Eurasische Luchs (Lynx lynx) ist in Deutschland streng geschützt. Nachdem er lange Zeit aus seinem heimischen Lebensraum verschwunden war, gibt es heute wieder isolierte Vorkommen, vorwiegend im Bayerischen Wald, entlang des Oberpfälzer Waldes und im Fichtelgebirge (70 selbständige Luchse sowie 26 Jungtiere in Bayern).

Obwohl Wölfe nach der Fauna-Flora Habitat-Richtlinie der EU unter strengem Schutz stehen, mehren sich auch die Fälle von illegaler Tötung, so das BfN. Mehr Infos: dbb-wolf.de

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Axel Gomille
Wölfe in Deutschland - fotografiert von Axel Gomille

Weitere interessante Fakten zur Rückkehr des Wolfes in Deutschland gibt es auch in unserem Interview mit Wolfsexperte Axel Gomille

Praktische Tipps bei Wolfsbegegnungen

Das Bundesamt für Naturschutz gibt außerdem die folgenden Tipps für den seltenen Fall einer Wolfsbegegnung in freier Wildbahn:

  • Verhalten Sie sich bitte ruhig. Bleiben Sie stehen und halten Sie Abstand.
  • Laufen Sie nicht weg, sondern gehen Sie langsam rückwärts und sprechen Sie dabei laut.
  • Falls der Wolf nicht wegläuft, halten Sie an, schreien Sie ihn an und klatschen in die Hände. Machen Sie sich groß, um ihn einzuschüchtern.
  • Wenn Sie mit Hund unterwegs sind, leinen Sie ihn bitte grundsätzlich an und führen Sie ihn nahe bei sich. Sollte sich ein Wolf trotzdem nähern, rufen Sie laut und klatschen Sie in die Hände, um Ihre Anwesenheit deutlich zu machen.
  • Bitte locken Sie keine Wölfe an und füttern Sie diese keinesfalls. So verhindern Sie, dass ein Wolf seine natürliche Scheu vor dem Menschen verliert.
  • Melden Sie Wolfsbegegnungen an die zuständigen Länderbehörden. Auffälliges Verhalten kann so frühzeitig erkannt werden, so dass, wenn notwendig, entsprechend gegengesteuert werden kann.
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Axel Gomille
Wölfe in Deutschland - fotografiert von Axel Gomille

Unter allen dokumentierten Wolfssichtungen in der Lausitz waren nur einige wenige, in denen sich Wölfe Menschen genähert haben, obwohl sie deren Anwesenheit schon bemerkt hatten. Meistens handelte es sich in diesen Fällen um unerfahrene, neugierige Jungwölfe oder es überwog vor dem Fluchtimpuls das Interesse der Wölfe für Hunde oder Schafe in der Nähe der jeweiligen Person. Grundsätzlich gilt, dass man sich bei einer Begegnung ruhig verhalten und Wölfen mit Respekt begegnen sollte. Denn Wölfe sind, wie Wildschweine auch, große wehrhafte Wildtiere.

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