Nonstop-Wanderer Thorsten Hoyer im Interview
Weitwanderer Thorsten Hoyer: „Am Ende wartet ein Bier“

Wenn er loszieht, dann tage- und nächtelang. Nonstop-Wanderer Thorsten Hoyer über Motive, Müdigkeit und Schuhe.

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Foto: Hanwag/Peter Wilson
In diesem Artikel:
  • Du wanderst gerne am Stück, zum Beispiel 215 Kilometer durch Island oder einmal über die Alpen. Wie kommt man darauf?
  • Hast du auf deinen Märschen noch einen Blick für die Schönheit der Landschaft?
  • Wie motivierst du dich unterwegs? Mit Musik?
  • Welche Phase einer Nonstop-Tour ist die schwierigste?
  • Wie hältst du dich wach?
  • Wandern macht hungrig – was isst du so unterwegs?
  • Wirst du davon satt, oder zehrst du von Reserven?
  • Und wie deckst du deinen Flüssigkeitsbedarf?
  • Was außer Trinkflaschen und Proviant kommt sonst noch in deinen Rucksack?
  • Ist dir auf Tour schon mal etwas kaputtgegangen?
  • Die wichtigsten Ausrüstungsgegenstände dürften deijavascript:{}ne Schuhe sein. Nach welchen Kriterien wählst du sie aus?
  • Bei so vielen Kilometern bilden sich an den Füßen gerne Blasen. Wie behandelst du sie?
  • Und wie bekämpfst du Scheuerstellen?
  • Stichwort Unterwäsche: Wolle oder Synthetik?
  • Verrätst du uns dein nächstes Projekt?
  • Weitere Tipps für Weitwanderer

Zu seinen größten Erfolgen zählen die Kjölur-Tour in Island (215 km, 54,5 Stunden), der Rheinsteig (209 km, 52 Stunden) und die Überquerung der Alpen von Oberstdorf nach Vernagt bei Meran (130 km, 49,5 Stunden). Der gelernte Koch und staatlich geprüfte Betriebswirt/Tourismus arbeitet heute als Autor, Tourismus Berater und Veranstalter großer Dia-Shows. Außerdem ist er Mitglied im Hanwag Pro Team . Mehr über Thorsten Hoyer gibt es im Internet unter: www.thorsten-hoyer.de

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Du wanderst gerne am Stück, zum Beispiel 215 Kilometer durch Island oder einmal über die Alpen. Wie kommt man darauf?

Vor neun Jahren habe ich meine erste 24-Stunden-Wanderung unternommen, vor allem aus Neugierde. Mit den gesammelten Erfahrungen ging ich dann immer einen Schritt weiter, es hat sich irgendwie aufgeschaukelt.

Hast du auf deinen Märschen noch einen Blick für die Schönheit der Landschaft?

Auf jeden Fall! Reizvolle Landschaften bewegen mich – und das im wahrsten Sinne des Wortes. Auf einem Laufband würde ich vermutlich keine fünf Kilometer durchhalten.

Wie motivierst du dich unterwegs? Mit Musik?

Nein, nicht mit Musik. Ich setze mir Zwischenziele, die ich dann abhake. Als Motivator genügt mir aber auch, das eigentliche Ziel im Blick zu behalten. Da wartet dann ein Weißbier!

Welche Phase einer Nonstop-Tour ist die schwierigste?

Das Durchwandern einer kompletten zweiten Nacht ist immer eine echte Herausforderung. Da stehen sich Konzentration und Müdigkeit demonstrativ gegenüber.

Wie hältst du dich wach?

Mittelchen nehme ich keine. Ich glaube, dass die Uhr im Kopf die wirkliche Müdigkeit so lange zurückhält, bis ich angekommen bin.

Wandern macht hungrig – was isst du so unterwegs?

Sehr wenig, da ich kaum Hunger habe. Am liebsten Nusskerne, die sind nahrhaft und schmecken mir – im Gegensatz zu Energieriegeln.

Wirst du davon satt, oder zehrst du von Reserven?

Zusätzliche Fettpolster lege ich mir vor einer Tour nicht an. Trotzdem schwinden unterwegs immer ein paar Kilo. In den 54 Stunden meiner Islanddurchquerung etwa waren es rund fünf. Die sind jedoch recht schnell wieder drauf ...

Und wie deckst du deinen Flüssigkeitsbedarf?

Auf einer durchschnittlichen 50-Stunden-Tour brauche ich zwischen sechs und zehn Liter Wasser. Weil ich Trinkblasen nicht mag, nehme ich Flaschen mit, die ich unterwegs immer wieder auffülle.

Was außer Trinkflaschen und Proviant kommt sonst noch in deinen Rucksack?

Nur das Nötigste, damit der Rucksack schön leicht bleibt. Er wiegt je nach Tour zwischen drei und zwölf Kilogramm. Immer dabei sind ein Erste-Hilfe-Set, Taschenmesser, Karte und GPS-Gerät, Stirnlampe, Ersatzbatterien, Kamera und Lippenbalsam. Manchmal ist auch ein zusätzlicher Kälteschutz sowie ein Biwaksack dabei.

Ist dir auf Tour schon mal etwas kaputtgegangen?

Noch nie. Mit Ausrüstung habe ich bislang wirklich nur gute Erfahrungen gemacht – obwohl sie schon ziemlich strapaziert wird. Meine älteste atmungsaktive Jacke wird in diesem Jahr 20 Jahre alt und ist noch immer vollkommen in Ordnung.

Die wichtigsten Ausrüstungsgegenstände dürften deijavascript:{}ne Schuhe sein. Nach welchen Kriterien wählst du sie aus?

Qualität und Komfort sind für mich entscheidend. Die Schuhe müssen perfekt passen, nicht nur in der Länge, sondern auch in der Breite. Eine starke Dämpfung und bestes Abrollverhalten sind ebenfalls wichtig. Ich weiß gar nicht, wie viele Schuhe und Marken ich schon an den Füßen hatte ...

Bei so vielen Kilometern bilden sich an den Füßen gerne Blasen. Wie behandelst du sie?

Mit Blasen habe ich inzwischen keine Probleme mehr – das war allerdings nicht immer so. Früher habe ich sie mit einer Nadel aufgestochen und ein Blasenpflaster draufgeklebt. Das ist aber nicht als Empfehlung zu verstehen!

Und wie bekämpfst du Scheuerstellen?

Scheuerstellen entstehen zumeist, wenn Unterwäsche nicht hautnah aufliegt und Falten wirft. Das behindert auch den Feuchtigkeitstransport.

Stichwort Unterwäsche: Wolle oder Synthetik?

Nachdem ich jahrelang auf Kunstfasern gesetzt habe, trage ich sie heute nur noch den Sommer über, da sind sie unschlagbar. Im Winter bevorzuge ich hingegen Wolle.

Verrätst du uns dein nächstes Projekt?

Im Mai werde ich den 289 Kilometer langen Kammweg im Erzgebirge und Vogtland angehen. Mal schauen, wie weit ich komme ... Im Juni begleite ich die "24 Stunden von Bayern", worauf ich mich schon freue. Dann werde ich mich auf den Weg machen, ein recht unbekanntes Gebiet zu erkunden: die Albanischen Alpen.

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