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Komfort auf die nachhaltige Art

Gradonna Mountain Resort in Osttirol

Viele Luxushotels belasten die Umwelt mit ihrem Ressourcenverbrauch. Was macht das Gradonna Mountain Resort anders?

Keine Tischdecken? Manche Besucher erstaunt dieser Anblick im Restaurant des Gradonna-Hotels zunächst. Dafür ist jeder Sitzplatz nebst Besteck und Stoffserviette mit einer Granitplatte als Tisch-Set eingedeckt. »Wir machen vieles anders als andere Luxushotels«, sagt Martha Schultz, die zusammen mit ihrem Bruder Heinz das Vier-Sterne-Superior-Haus oberhalb des österreichischen Dorfes Kals in der Großglocknerregion führt.

»Wir versuchen, so umweltfreundlich wie möglich zu sein.« Deshalb verzichtet man zum Beispiel auf Tischdecken: »Die tägliche Wäsche würde bei einem Haus mit 130 Zimmern Unmengen an Abwasser produzieren.« Damit Gäste diese und andere Eigenheiten besser nachvollziehen können, erhalten sie direkt bei der Anreise eine Broschüre, die über die nachhaltige Arbeitsweise des Gradonna informiert. Und dahinter steckt mehr als der sparsame Umgang mit Wasser, das hier aus einer hauseigenen Bergquelle der Hohen Tauern stammt. Bereits beim Bau des Resorts im Jahr 2012 gaben die Schultzes den Löwenanteil der Kosten im Umkreis von 50 Kilometern aus und investierten überwiegend in heimische Materialien, darunter Fichten- und Zirbenholz sowie Marmor aus Kals. Alle Gebäude sind Niedrigenergiehäuser, wurden mit Vollholz aus heimischen Wäldern ausgebaut, und die Dächer der 41 Chalets begrünen regionale Pflanzen.

Gert Perauer

Skepsis überwinden

»Unser Bauvorhaben hatte anfangs allerdings nicht nur Anhänger«, gibt Martha Schultz zu. Denn Holzschindelverkleidung hin oder her, die geradlinige, kastenförmige Architektur der großen Anlage fanden nicht wenige Einheimische befremdlich. Sie bezweifelten daher auch den Erfolg des Projekts. Diese Zweifel dürften inzwischen ausgeräumt sein: An Besuchern mangelt es dem Gradonna weder sommers noch winters. Und das wundert wenig bei seiner Lage auf 1350 Metern, direkt vor den Toren des Nationalparks Hohe Tauern. Kein Autolärm stört die Ruhe hier, der Blick auf die umliegenden 60 Dreitausendergipfel beeindruckt immer wieder, und gleich vor der Haustür beginnt ein rund 250 Kilometer umfassendes Wanderwegenetz. Radfahrbegeisterte Gäste finden in der Umgebung ebenfalls zahlreiche Trails und Touren sowie einen Verleih mit Mountainbikes und E-Bikes direkt im Hotel. Im Winter locken Langlaufloipen ebenso wie Skipisten und Winterwanderwege direkt vor dem Gradonna. Auch die Anreise – beim Urlaub grundsätzlich die größte Stellschraube in puncto Klimabilanz – lässt sich unkompliziert umweltfreundlich gestalten: Wer mit dem Zug anreist, kann sich kostenlos am Bahnhof Lienz abholen lassen.

»Wir sind uns bewusst, dass wir kein perfektes Ökotopia sind«, stellt Martha Schultz klar. So sehr man bei ihnen zum Beispiel auf regionale Lebensmittel Wert lege, nach Möglichkeit aus Bioanbau, würden Gäste in einem Vier-Sterne- Hotel eben auch im Winter Tomaten erwarten. Und sie bekommen. Auch verbrauchen Sauna und Spa nun einmal ein gewisses Maß an Ressourcen. Aber: Die Energie für Heizung und Warmwasser stammt aus einem hauseigenen Holzhackschnitzelwerk, und mit der Abwärme seiner Kältetechnik werden im Gradonna die Schwimmbäder beheizt. Der Badeteich im Garten wiederum erhält dank einer Solaranlage angenehme Temperaturen.

Große und kleine Hebel

Neben diesen großen Hebeln in Sachen Nachhaltigkeit setzt die Hotelführung auch auf kleinere Dinge: Bei der Reinigung etwa kommen ökologisch zertifizierte Putzmittel zum Einsatz, und für Shampoo und Co. gibt es nachfüllbare Behälter, die allesamt die eigene, vegane Bio-Pflegelinie »Magdalenaʼs – Made in Tyrol« enthalten. Die Köche arbeiten an energieeffizienten Induktionsherden, Kräuter kommen aus dem eigenen Garten und aus dem Nationalpark. »Unser Ansatz ist, alle Bereiche des Hauses immer wieder zu hinterfragen. Wo wir besser werden können, da versuchen wir es«, erklärt Martha Schultz ihre Philosophie. Schließlich seien sie und ihr Bruder sich darüber im Klaren, dass die traumhafte Gebirgslandschaft des Nationalparks Hohe Tauern zu ihren wertvollsten Gütern gehöre. Nur mit einer nachhaltigen Wirtschaftsweise kann sie langfristig erhalten bleiben.

EINKAUFEN VOR ORT Wer in einer Ferienwohnung Urlaub macht, versorgt sich häufig selbst – so auch viele Besucher der 41 Chalets, die zum Gradonna-Hotel gehören. Und wie bekommt man mitten in der Bergnatur Lebensmittel? Das vier Kilometer entfernte Dorf Kals bietet zwar Einkaufsmöglichkeiten, aber im wahrsten Wortsinne naheliegender ist der hotelinterne Laden. Hier gibt es neben hauseigenen Spezialitäten auch frische regionale Produkte, Grundnahrungsmittel und Dinge des täglichen Bedarfs – bis hin zu Windeln für die kleinsten Gäste. Souvenirs finden sich in dem Laden ebenfalls. So wird autofreier Urlaub noch bequemer.

Mehr Info: gradonna.at

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