OD 0519 Atlasgebirge Marokko Überquerung Mountainbike Schafe Tobias Joos

Unterwegs im Land der Berber - MTB-Tour im Atlasgebirge

Leserreportage: Urlaub extrem in Marokko

Ein Sportlerpaar aus Leonberg überquert in vier Tagen auf Eselspfaden das Atlasgebirge in Marokko - 300 Kilometer weit und fast 6000 Höhenmeter durch die Bergwelt Marokkos ...

Vier Tage, zwei Mountainbikes und das imposante Atlasgebirge in Marokko! Mit diesem Bild im Kopf starten Sportfachhändler Tobias Joos, Geschäftsführer des Leonberger Sportgeschäfts "LeoSport", und seine Verlobte Elisabeth Shapiro, ihrerseits ehemalige TV-Auslandsreporterin, in ihr Abenteuer. Spontan haben sie sich ein paar Tage frei genommen und buchen den Flug nach Marrakesch.

Mit im Gepäck: 2 Mountainbikes, Trekkingnahrung für 4 Tage, 2 warme Schlafsäcke, 2 Isomatten, Fahrradbekleidung und ein Solarpanel um das Handy aufzuladen. „Ich ahnte bereits, dass wir auf Wegen landen, die auf keiner Karte verzeichnet sind, also musste ich vorsorgen, damit wir zumindest immer via GPS unseren Standort finden“, erklärt Tobias.

OD 0519 Atlasgebirge Marokko Überquerung Mountainbike Ausrüstung
Tobias Joos
Die Ausrüstung für das Abenteuer in Marokko: Nur das Nötigste wird eingepackt um zusätzliches Gewicht zu vermeiden.

Der nächste Morgen. 30 Grad und Sonne. Marokkanisches Frühstück am Straßenrand, Humus und Öl mit Minztee, umgeben von einer in Kutten eingemummelten Schar marokkanischer Männer.

Es folgen die ersten Kilometer auf marokkanischen Straßen, noch umgeben von Palmen und hin und wieder ein vorbeifahrendes Auto. Dann die Abzweigung und der Entschluss: Tobias und Elisabeth wollen den Atlas nur auf Eselspfaden überqueren. „Wir wollen keine Touristen, keine Autos. Nur uns, die Räder und die Einheimischen“, sagt Elisabeth.

OD 0519 Atlasgebirge Marokko Überquerung Mountainbike Esel
Elisabeth Shapiro
Marokko - Atlasgebirge - MTB-Tour

Nach 80 Kilometern und acht Stunden Fahrt treffen sie zum ersten Mal wieder auf Menschen. Einheimische Berber-Frauen waschen Wäsche am Fluss, die Männer hüten die Ziegen oder sitzen mit ihren Söhnen bei einem Glas Minztee im Schatten. Mit Staunen und dennoch herzlichem Grüßen passieren die beiden Mountainbiker die Einheimischen und entscheiden sich ein paar Kilometer entfernt zur heutigen Rast.

Doch Erholung gibt’s nicht sofort: Holzsuche fürs Feuer ist angesagt. Erst mit kochendem Wasser im Topf und nach einer Katzenwäsche mit Feuchttüchern entspannen die zwei. Zu essen gibt’s Trekkingnahrung aus der Tüte. Morgens immer Müsli, abends Reis oder Nudeln. Extremsportler Tobias weiß aus Erfahrung wie wichtig es ist genug Kalorien zu sich zu nehmen: „Wenn morgen der erste Anstieg kommt, müssen wir jede Stunde etwas essen. Wir dürfen in keine Kalorienarmut kommen und erst recht keinen Hunger verspüren. Sonst folgt sofort die Ermüdung – und die dürfen wir uns mitten im Nirgendwo nicht leisten".

Am nächsten Tag folgen 70 Kilometer und 1660 Höhenmeter, auf Straßen, auf Steinpfaden, immer weiter hinein ins Atlasgebirge. Wieder wird es leerer und leerer. Die nächste größere Stadt liegt erst am Zielort, an der Westküste: Agadir, knapp 300 Kilometer entfernt, dazwischen das Atlasgebirge.

OD 0519 Atlasgebirge Marokko Überquerung Mountainbike Elisabeth
Tobias Joos
Oftmals geht es steil bergauf, aber die fantastische Aussicht entschädigt die beiden Mountainbiker für ihre Anstrengungen.

Tag 3 besteht aus maximal ein Meter schmalen Geröllpfaden, es geht stetig bergauf. Es ist der anstrengendste Tag der bisherigen Reise. Knapp 50 Kilometer und 1400 Höhenmeter über Stein und Geröll. Die Anstrengung wächst mit den Höhenmetern und die Hoffnung auf den Gipfel wird größer und größer. „An jeder Kurve hofft man irgendwann, dass es einfach nur wieder runter geht“, so Elisabeth.

Im Tal angekommen gesteht sich Tobias ein: „Heute fahren wir keine weitere Etappe mehr hoch. Wir schlafen einfach hier, trotz Gefahr von Gewitter und Sturm, für heute reichts.“ Doch das sehen die Einheimischen anders. Kaum entschieden zu bleiben, kommt ein freundlicher Berber ins Lager und bittet sie in sein Haus. Zusagen? Ein warmes Haus und warmes Essen versus Schlafsack und Sturm? Tobias und Elisabeth sind sich einig – und am Ende glücklich über das Angebot. „Wir wurden so herzlich empfangen, die ganze Familie hat sich gefreut. Es war der lustigste Abend der ganzen Reise“, erzählt Tobias freudestrahlend.

Der nächste Morgen, Tag 4: die Abreise ist schwerer als gedacht, ob Elisabeth und Tobias die mitten im Atlas lebende Familie je wiedersehen? Es führt keine Straße in den Ort, nur Eselspfade über 2500m hohes Gebirge lassen erahnen dass es hier irgendwo weiter geht. Fahrbar ist hier nichts mehr. Die nächsten drei Kilometer wird das Leonberger Paar noch von den Kindern in Richtung Gipfel begleitet, dann sind sie wieder allein. Ein 50cm breiter Weg aus Geröll und einem Abhang – 3 Stunden lang bergauf. Das Rad irgendwie noch dabei. In zwei Tagen wollten die beiden an der Küste sein, noch stecken sie mitten im Nirgendwo. Das GPS versagt, der genaue Standort ist unklar.

OD 0519 Atlasgebirge Überquerung Marokko Mountainbike Kinder
Tobias Joos
Marokko - Atlasgebirge - MTB-Tour

Und dann: der Moment der Momente – der Gipfel des Antiatlas (3304m) an Tag 4 und eine Aussicht die einem die Tränen in die Augen schießt. „Wir waren so stolz und so glücklich, wir wussten, dass wir hier eine Wahnsinnstour vollbringen und es von nun an nicht mehr höher hinaus gehen kann. Es war ein fantastisches Gefühl“, erinnern sich die beiden leidenschaftlichen Biker. Ein Hochgefühl, das nun über die nächsten Stunden anhält. Fantastische Trails und Landschaften belohnen auf dem Weg nach unten.

Die Motivation ist hoch und beim nächsten Anstieg motivieren sich die beiden mit der Aussicht, vielleicht am Abend schon am Strand zu sitzen und einen Tag schneller zu sein als gedacht. Doch der Anstieg ist steiler und zehrender als erwartet. Die dunklen Wolken holen das Duo wieder ein. Übernachten ist nun wirklich riskant, „es kann ja nicht mehr so weit sein“ ist der Gedanke, der die beiden antreibt. Die beiden schlängeln sich durch die Nacht Marokkos, dank Stirnlampe ist die Straße gut erkennbar - kein Mensch ist unterwegs. Dann steigt der Geräuschpegel, LKWs sind zu hören und nach insgesamt 92 Kilometern und 1860 Höhenmetern weiß das Paar: sie sind raus, raus aus dem Atlas Marokkos.

Unvergessliche Abenteuer, schmerzende Muskeln und der schreiende Muezzin, der zum Mitternachtsgebet aufruft, erlauben es den beiden sich einzugestehen: es reicht! Bis ins nächste Hotel wird getrampt. Um zwei Uhr nachts liegen sie in einem Hotelbett und sind froh, es geschafft zu haben: In vier Tagen einmal über den Atlas Marokkos zu fahren!

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