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Königin der Meere: Interview mit Langstrecken-Paddlerin Freya Hoffmeister

Langstrecken-Paddlerin Freya Hoffmeister: "Support? Das Wort kenne ich nicht."

Wenn Freya Hoffmeister paddeln geht, macht sie keinen halben Sachen: 2009 umrundete die Husumerin Australien im Alleingang, für die nächsten drei Winter hat sie sich Südamerika vorgenommen. outdoor sprach mit ihr vor der Abreise.

5 Tipps, wie Sie ambitionierte Ziele packen

Nachdem du vor dreieinhalb Jahren in 70 Tagen 2386 Kilometer um Neuseeland gepaddelt bist und 2009 in 332 Tagen 13.790 Kilometer um Australien, nimmst du nun Südamerika (24.000 km) in Angriff. Was ist die spezielle Herausforderung daran?

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Freya Hoffmeister im Seekajak

Ganz schrecklich langweiliges Paddeln! In Südamerika müssen keine Buchten überquert werden, für die man mehrere Tage braucht und Krokodile gibt es auch nicht. - Nein, im Ernst: Der Kontinent hat eine Menge anderes zu bieten, zwölf verschiedene Länder mit überwiegend Spanisch und später in Brasilien Portugiesisch sprechender Bevölkerung.

Sprichst du Spanisch oder Portugiesisch?

Null. Ich kann zwar eine Menge verstehen, aber ich beherrsche keine der beiden Sprachen. Das wird das größte Problem sein für mich, denn die Leute sprechen ja auch sehr wenig Englisch.

Was wird in puncto Paddeln die Crux an der Südamerikaumrundung werden?

Es gibt genügend Haie, und der Panamakanal und Kap Hoorn werden, glaube ich, auch ganz interessant. Der Panamakanal ist einfach zu paddeln, schwierig wird nur, die Genehmigung dafür zu bekommen. Vielleicht muss ich auch huckepack auf einem größeren Schiff mitfahren.

Und Kap Hoorn?

Kap Hoorn ist ja bekanntlich eine Insel. Die Südspitze Südamerikas, Feuerland, ist auch schon eine Insel, die nehme ich auf jeden Fall mit, aber Kap Hoorn wäre noch eine Extraschlaufe. Leider möchte die chilenische Marine für diese Extraschlaufe grundsätzlich ein Unterstützungsboot haben, was ich hasse wie die Pest, und zudem würde mich diese Begleitung eine ganze Stange Geld kosten. Aber die haben eben ihre Vorschriften. Ich muss vor Ort sehen, wie ich das regeln kann. Entweder es klappt, oder nicht.

Wie lange ist die Überfahrt nach Kap Hoorn?

Nur 35 Kilometer. Bei gutem Wetter ist das ein Katzensprung, nur: Das Wetter kann da sehr schnell umschlagen, und das ist auch der Grund, warum die von Paddlern ein Supportschiff verlangen.

Hast du auf deiner Tour einen Support an Land?

Support? Das Wort kenne ich normalerweise nicht. Ich will es auch gar nicht kennenlernen. Ich will alleine paddeln, und die Wahrscheinlichkeit ist auch groß, dass ich das darf. In Chile und Argentinien braucht man ja immer Genehmigungen für alles. In Australien hatte ich von den 11 Monaten sechs Wochen meinen damaligen Freund dabei, das war zwar nicht geplant, hat sich aber damals einfach so ergeben.

Wovor hast du auf der Reise am meisten Respekt?

In Südamerika wohnen ganz schön viele Leute. Und vielleicht auch mal nicht ganz so gut gesinnte ... Aber die werde ich schon entsprechend in die Schranken weisen, wenn es so weit kommt. In Australien war das alles einfach, alle waren freundlich und nett, Überfälle gab es gar nicht. Schauen wir mal, wie das jetzt so läuft, da kann einem schon mal eine Kugel ins Bein gejagt werden.

Das wollen wir doch mal nicht hoffen. Nimmst du etwas zur Selbstverteidigung mit außer deinem Paddel?

Paddel. Genau. Pfefferspray vielleicht noch. Aber das Wichtigste sind: gesunder Menschenverstand und Bauchgefühl.

Wie hast du dich körperlich vorbereitet?

So gut wie gar nicht. Ich treibe sicherlich schon viel Sport, ob ich nun Fahrrad oder Rollschuh fahre. Ich mache aber keine Highend- Trainingseinheiten, wie das Leistungssportler tun. Ich bin Reisesportler, ich habe eine gute physische Konstitution, und wenn ich jetzt im September in Buenos Aires lospaddele und am ersten Tag 60 Kilometer weit komme, habe ich am zweiten Tag vielleicht Muskelkater und ein paar Blasen an den Händen, aber da habe ich kein Problem mit.

Was hast du als Tagesleistung eingeplant?

Wie üblich etwa 50 bis 60 Kilometer. In Australien habe ich durchschnittlich elf Stunden am Tag im Boot gesessen. Das wird wohl auch jetzt so sein. Obwohl ich in Australien ja einen ganz konkreten Zeitplan verfolgt habe, weil ich schneller sein wollte, als der einzige Vorgänger.

Anm. d. Red.: Freya Hoffmeister unterbot Paul Caffyn um 29 Tage.

Welche Rolle spielt die Geschwindigkeit bei deinen Expeditionen?

Für mich ist das in erster Linie ein Mittel, um den inneren Schweinehund herauszufordern, weniger, um andere zu schlagen. Jeder mit Paddel- und Outdoor-Skills kann eine Insel umrunden, wenn er Zeit hat, kurze Etappen paddelt und nur bei gutem Wetter rausgeht. Es ist ein großer Unterschied, ob man zum Beispiel Island in drei Monaten umpaddelt oder in einem.

Wie reagiert der Körper auf diese enorme Ausdauerleistung bei Salzwasser und unter sengender Sonne?

Innerlich, mit den Muskeln oder den Ellbogen, hatte ich in Australien nie Probleme, da ich eine gute Paddeltechnik habe. Auf der Haut bekam ich vom Salzwasser Ausschlag, und wenn man in den Tropen eine kleine Wunde hat, heilt sie im Wasser schlecht. Vor allem meine Rückseite sah ziemlich unappetitlich aus, und ich war ständig am Kratzen.

Konntest du etwas dagegen unternehmen?

Ich habe jeden Abend zwei- bis dreihundert Milliliter meiner Frischwasserration für eine Mini- Dusche abgezweigt. Abspülen musste einfach sein, sonst klebt die Haut, und der Ausschlag wäre bestimmt noch schlimmer gewesen. Außerdem musste ich schnell rausfinden, welche Materialien meine Haut verträgt. Fleece war das Beste.

Du sagst, eine gute Paddeltechnik macht sich spätestens bei Langstrecken bezahlt. Wie sieht sie aus?

Wenn man den Oberkörper mit den Armen als Verlängerung des Paddels rotieren lässt, dann bewegt man weder die Ellbogen noch die Handgelenke, und es ist auf Dauer viel besser.

Wie verpflegst du dich?

Normal. Ich gehe in Supermärkten einkaufen, was jeder andere auch kauft. Es muss nur haltbar sein. Morgens gibt es Müsli mit Milchpulver und Wasser, abends Nudeln mit gemischten Zutaten, tagsüber liegen Snacks griffbereit.

Kannst du angeln?

Nein. Ich habe keine Lust und keine Zeit dazu, und wenn ich hinter dem Boot eine Leine herziehe, locke ich nur Haie an.

Womit wir bei den Haigeschichten wären ...

In Australien waren ständig Haie da. Besonders im tropischen Norden. Zwei, drei Mal am Tag hat ein Hai mehr oder weniger kräftig mein Boot gerammt. Manchmal war ich kurz vor dem Kentern.

Einer davon hat sogar Spuren an deinem Boot hinterlassen!

Der Allerletzte! Es war sechs Uhr und gerade mal hell, als aus dem milchigen Wasser das Viech auftauchte, sein Maul aufriss und in mein Heck biss. Passend zum Kieferabdruck muss der Körper wohl so groß wie mein Boot gewesen sein. Gesehen hab ich nichts, nur den Stoß gehört und gefühlt. Auch dass er zugebissen hat, habe ich anfangs gar nicht bemerkt. Beim Umdrehen sah ich etwas auf dem Deck liegen. Ein Zahn? Erst zu Mittag habe ich dann registriert, dass hinten das ganze Abteil abgesoffen war. Das war der einzige Moment der Australienreise, an dem ich wirklich gezweifelt habe, ob es das Risiko wert ist. Nach zwei Stunden hatte ich das Leck repariert, und weiter ging‘s.

Was sagt deine Familie dazu, dass du solche Sachen machst?

Mit meiner Familie musste ich natürlich als Erstes sprechen, ob ich so lange weg kann und darf. Nachdem mein Ex-Mann meine Pläne unterstützt hat, habe ich meine Mitarbeiter gefragt und als Drittes meine Franchisepartner von »Janny‘s Eis« hier in Husum – für alle war es so weit in Ordnung. Ich denke, mein Sohn ist auch stolz auf seine ungewöhnliche Mama.

Worauf freust du dich am meisten auf der Reise?

Dass es endlich losgeht! Wird Zeit, in die Hufe zu kommen.

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