OD Landeskunde: Die Almwirtschaft in Tirol Tirol Werbung/Patrice Kunte
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Tiroler Landeskunde: Die Almwirtschaft

Landeskunde: Die Almwirtschaft in Tirol

Wer Tirol denkt, denkt auch Alm. Almen sind das Ziel von Wanderungen und Biketouren und wichtiger Bestandteil der Sommerfrische für Einheimische und Touristen. An erster Stelle ist die Alm aber die typische Wirtschaftsform für das Tiroler Hochgebirge.

Als Almen bezeichnet man zum Weiden und Heuen genutzte Bergweiden mitsamt den Wirtschaftsgebäuden und der Infrastruktur. Sie befinden sich meist über 1500 m Seehöhe in einem Gebiet, das ursprünglich durchgehend bewaldet war. Josef Lanzinger von der Landwirtschaftskammer Tirol weiß interessante Details zu den Tiroler Almen. „In Tirol gab es im Sommer 2009 2155 bewirtschaftete Almen, die zusammen eine Almfutterfläche von 185.000 ha ergeben. Das sind 60% der landwirtschaftlich genutzten Fläche Tirols. Im Vergleich dazu ist die landwirtschaftliche Nutzfläche der Tal- und Bergbauern ca. 100.000 ha groß.“ Von einer bewirtschafteten Alm spricht man, wenn dort Vieh gehalten wird, egal ob Kühe, Schafe oder Pferde. „Das Kriterium ist nicht, ob sich ein Wirtshaus auf der Alm befindet, sondern ob dort Vieh gehalten wird“, erklärt der Fachmann. Die Bedeutung der Almwirtschaft zeigt sich darin, dass ca. 50% des Viehes über den Sommer auf die Almen gebracht wird. In Tirol sind das jedes Jahr insgesamt 180.000 Rinder, Schafe und Ziegen. „57% der Milchkühe werden in Tirol gealpt. Im Vergleich dazu sind es in Österreich 10%, in Südtirol 4% und in Bayern 0,4 % der Milchkühe. Bei den Rindern sind es sogar 61%. Bei den weiblichen Jungrindern gar über 80%“ betont Lanzinger die Bedeutung der Almwirtschaft in Tirol. Durch die sogenannte Alpung werden die Bauern auf ihren Höfen entlastet, denn der Sommer ist die arbeitsintensivste Jahreszeit auf einem Bauernhof. Zudem wird durch die Alpung das Heu gespart, das in den Wintermonaten benötigt wird.

Milch- und Käsealmen

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Tirol Werbung/Laurin Moser
Ungeahnten Milchgenuss gibt es direkt auf der Alm vom Erzeuger.

Viele Almen sind Sennbetriebe, wobei damit im Oberland Almen gemeint sind, auf denen Käse verarbeitet wird, im Unterland steht der Begriff „Senner“ für den Melker auf einer Milchalm. Auf 1.247 Almen sind Milchkühe, diese Almen werden als Milchalmen bezeichnet. „Milchalmen bestehen aus einem Almgebäude und dem Stall für das Melken der Kühe“, erklärt Lanzinger „Neben der Milchkammer und der entsprechenden Einrichtung für die Milchkühlung braucht es noch einen guten Melker. Er kümmert sich um die Kühe, schaut, dass sie gesund bleiben. Nur so gibt es eine einwandfreie Milch.“ Im Vergleich dazu wird nur auf 69 Tiroler Almen Almkäse produziert und verkauft. Eine Käsealm verfügt über einen Käseraum mit allen notwendigen Einrichtungen für die Käseproduktion. Auch ein Käselagerraum für die Pflege und Reifung des Käses muss vorhanden sein. „Auch hier ist ein guter Käser unerlässlich für die Qualität des hergestellten Käses. Nicht jeder kann aus der hervorragenden Almmilch einen hervorragenden Almkäse erzeugen. Da braucht es Geschick und Erfahrung“ sagt Lanzinger.

Die Almabtriebe: alles marsch!

Je nach Witterung zogen Bauern und Vieh um den Georgitag am 24. April auf die Almen und traditioneller Weise blieben sie bis zum Martinitag am 11. November. Heute wird das Vieh Ende September, beim Almabtrieb, wieder ins Tal gebracht. Die Almabtriebe sind in ganz Tirol Volksfeste, bei denen Dörfer, ja ganze Täler, die Rückkehr des Viehes feierten. Besonders im Zillertal sind die Almabtriebe Publikumsmagnete, jedes Jahr kommen viele Hundert Schaulustige, um diese Parade zu sehen. Fritz Pfister, Bauer aus Mayrhofen, der seine Kühe jedes Jahr von einer Alm im Breitlahner zurück ins Dorf treibt, erzählt von den traditionellen Almabtrieben im Zillertal. Am Rosenkranzsonntag, also am ersten Samstag im Oktober, werden die Kühe zurück ins Tal gebracht. Die Vorbereitungen auf der Alm, erzählt er, dauert eine ganze Woche. „Der Almabtrieb wurde früher ja nur für uns Bauern durchgeführt, heute aber auch für unsere Gäste. Dann macht alles noch mehr Spaß und Freude“. Auf den Almen werden die Kühe mit Blumen, Glocken und Schellriemen geschmückt. Gottesbilder, Kreuze, Sinnbilder sind kunstvoll mit Almrosen, Silberdisteln und Latschenkiefern verziert. Zum Aufbinden des fast 20 kg schweren Kopfschmuckes braucht es viele Hände. Die Kühe sind unruhig, es braucht Profis, um die Kühe langsam und besonnen zurück ins Tal zu bringen. „Das ist nicht leicht“ erzählt Pfister, „denn die Kühe sind übermütig“. Wenn die Herde nach stundenlangem Abstieg im Heimatort ankommt, warten dort viele Dörfler und Touristen auf die Tiere. „Natürlich freut uns das, wenn die Gäste vom Almabtrieb begeistert sind, sie die Kühe fotografieren und es für sie in guter Erinnerung bleibt!“ sagt Pfister, der im diesjährigen Herbst seinen 24. Almabtrieb abwickeln wird.

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Die Sage vom Kasermandl

Während der Wintermonate lebt der Legende nach nur das Kasermandl, ein Kobold, auf den verlassenen Almhütten, den Kasern. Ursprünglich lebte es als Senner auf der Umbrüggeler Alm bei Innsbruck. Da es nicht fürsorglich mit den Erzeugnissen der Alm umging, wurde es dazu verdammt, jeden Winter auf den verlassenen Almen Tirols zu hausen. Nach dem Almabtrieb muss das Kasermandl auf die Almen, um dort bis zum Almauftrieb zu verweilen. Erst dann darf es wieder hinunter ins Tal. Außerdem heißt es, in den Sommermonaten würde das Kasermandl die Milchkühe beschützen, weshalb man ihm für die kargen Wintermonate etwas Ofenholz und ein wenig Nahrung bereitstellt. Dadurch soll das Kasermandl auch für den nächsten Sommer wohlwollend gestimmt werden, denn ein erzürntes Kasermandl würde womöglich die Kühe schlecht behandeln. Für Menschen war es in dieser Zeit verpönt, sich auf den Almen aufzuhalten, denn das Kasermandl gilt als tückisch und nicht sehr freundlich. Aus diesem Aberglauben heraus entstand der Brauch des Kasermandl-Gehens: Am Vorabend von Martini gingen Kinder als Kasermandl verkleidet von Haus zu Haus, sagten Gedichte auf, sangen Almlieder und verteilten Almspezialitäten. Aber dieser Brauch wird heute leider nicht mehr gelebt.

Literaturtipp:
Irene Prugger: Almgeschichten – Vom Leben nah am Himmel, Erschienen im Löwenzahnverlag Innsbruck, 2010

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