Olaf Obsommer Abenteuer Kajak, Tibet Live-Stream Olaf Obsommer
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Olaf Obsommer Abenteuer Kajak, Tibet Live-Stream 13 Bilder

Kajakabenteuer Tibet - Livestream - Olaf Obsommer

Kajak-Abenteuer im Himalaja Tibet Livestream von Olaf Obsommer

Am 01. Februar um 20 Uhr gibt es den Livestream über sein Kajak-Abenteuer in Tibet ...

Kajaker und Filmemacher Olaf Obsommer kann aufgrund der Corona-Situation nicht wie gewohnt auf Tour gehen. Abhilfe schafft daher jetzt ein Livestream – am 1. Februar um 20 Uhr startet auf seiner Website der Stream rund um Tibet. Dabei geht es unter anderem um das Land, die Reise, die Menschen, aber natürlich auch ums Kajakfahren: Denn das Ziel des neunköpfigen Teams um Filmemacher Olaf Obsommer war ambitioniert: die Wildflüsse auf dem Dach der Welt zur Monsunzeit zu erkunden!

Hier findet ihr den Live-Stream

Wer am 01. Februar um 20 Uhr keine Zeit hat, kann sich im Nachhinein noch die Aufzeichnung anschauen. Infos und weitere Live-Stream-Termine findet ihr auf Olafs Webseite unter www.obsommer.de/livestream

Am Limit – der Reisebericht dazu von Thilo Wietzke

Die Federn unseres Vehikels ächzen. Unsere Bandscheiben auch. Das Beste, was man über den Weg von Kathmandu nach Tibet sagen kann, ist: Es gibt nicht überall Schlaglöcher. Meistens gibt es nicht einmal Asphalt. Seit Stunden schon quetschen wir uns mit 14 Personen und Unmengen an Gepäck und Proviant in den uralten, ausgemusterten indischen Reisebus, der aber in Nepal noch einige Jahre fahren wird. Neun Paddler aus fünf Ländern, angelockt von den östlichen Gipfeln des Himalaja. Für die Expedition hat sich ein Dreamteam gefunden: die Extremkajak-Weltmeisterin und Vizeweltmeisterin im Kanuslalom, Nouria Newman aus Frankreich, die Szenestars Adrian Mattern aus Deutschland und Bren Orton aus England. Außerdem Altstar Jochen Lettmann, der 1992 olympische Bronze gewann, und die Youngsters Andi Brunner aus Österreich und die beiden Italiener Giordino Farina und Matthias Deutsch. Der Expeditions-Filmer Olaf Obsommer und ich leiten das Team. Ich war letztes Jahr schon einmal in Tibet und begeistert von dem unglaublichen, noch komplett unentdeckten Wildwasser. Vor allem im August, wenn sich die Luft über der tibetanischen Hochebene aufheizt und anschließend, mit Wasser gesättigt, auf die Gipfel des Himalaja-Massivs trifft, müssen für uns Kanuten ungeahnte Möglichkeiten entstehen, dachte ich.

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Olaf Obsommer
Das Team unterwegs in Tibet.

In einem abgelegenen Tal, auf 1800 Meter Höhe, taucht mitten im Nirgendwo das Grenzdorf Rasuwagadhi auf: eine holprige Hauptstraße, einige kleine Häuser und ein ziemlich mitgenommenes Hotel. Schwere Erdbeben haben 2015 den eigentlichen Grenzübergang im Nachbartal verwüstet. Die Chinesen errichteten innerhalb von drei Monaten ein neues Grenztor, ein wuchtiges, palastähnliches Gebäude, das sich nur über eine Brücke erreichen lässt. Am Talende versperrt es den Weg wie die Pforte nach Mordor. Im Bus wird es still. »Keine dummen Scherze jetzt, Leute«, raunt Jochen. Hinter uns liegt ein Bürokratiemarathon, die chinesischen Behörden geben nur ungerne Reiseerlaubnisse für Osttibet, wo es heftigen Widerstand gegen die Regierung gibt. Außerdem hat Olaf seine Filmdrohne nicht angemeldet. Und Bren einige chinakritische Länder bereist. Aber die Grenzer interessieren sich nur für unsere Bücher. Egal, ob Roman, Reisetagebuch oder die Betriebsanleitung für die Kamera – alles wird inspiziert. Nach gut zwei Stunden dürfen wir einreisen.

Viel Wasser, aber viel zu wenig Sauerstoff

Über 800 Kilometer auf dem Friendship-Highway nach Lhasa liegen noch vor uns. Waren Nepals Straßen nur zu etwa zehn Prozent geteert, fahren wir bis nach Lhasa ausschließlich auf Asphalt. Das Land liegt karg und weit vor uns. Wir haben freie Sicht auf den Mount Everest und überqueren drei Pässe von über 5000 Meter Höhe. Nachts plagen uns Kopfschmerzen und Schlaflosigkeit. Wie sich das mit unserer Mission verträgt, wissen wir noch nicht: Wir wollen in Osttibet von Fluss zu Fluss reisen und so viel Wildwasser fahren wie möglich, auf Gewässern, die anders als in den Alpen noch weitgehend unreguliert sind. Acht Tage nach unserer Landung in Kathmandu erreichen wir drei Stunden östlich von Lhasa unser erstes Paddelziel: den Drigung. Einen Kilometer entfernt von der gleichnamigen Stadt schlagen wir unser Zeltcamp direkt am Wasser auf. Neu an Bord ist seit der Grenze ein offizieller Touristen-Guide: der Tibeter Binpin, ein sympathischer und lustiger Vogel.

Ich kenne den Drigung vom Vorjahr, doch jetzt im Monsun führt er einen Meter mehr Wasser. Auf 4700 Meter Höhe schauen wir uns eine Gefällstrecke an. Das Wasser schäumt und pumpt über mehrere etwa zwei Meter hohe Stufen hinunter, Schwierigkeitsgrad IV bis V. Weiter als VI reicht die Skala nicht. Dem Team ist klar: In dem Katarakt will man definitiv auf der Linie bleiben. Abseits davon warten spitze Steine, tückische Unterspülungen und mächtige Wasserwirbel – Paddler sprechen von Walzen. Alle schaffen den 300 Meter langen Ritt, aber die Höhe macht uns zu schaffen. Wir ringen um Luft, und die Erfahrungsberichte im Anschluss fallen knapp aus. Morgens zeigt mein Thermometer zwei Grad. Trotzdem wollen wir auf dem unteren Drigung eine weitere Wasserfallkombination paddeln. Wir beeilen uns mit dem Frühstück und steigen direkt am Camp ein. Als wir vor den Fällen aussteigen, um die Stelle zu inspizieren, schwirrt ein Schwarm Drohnen über unseren Köpfen – unsere Expedition hat sich bis zum tibetischen Fernsehen herumgesprochen. Außerdem beobachten uns vom Ufer aus einige Einheimische. Unter Beifall paddeln wir nacheinander die Wasserfälle. Über drei Zweimeter-Stufen schießt das Wasser in einen Pool, der in eine kleine Klamm mündet, wo zwei Walzen auf uns warten. Nur Giordy klagt immer noch über Höhenkrankheit und bricht die Fahrt vor den Stufen ab. »Es hat keinen Sinn. Die Kopfschmerzen sind zu stark«, sagt er. Er möchte zu einem Arzt. Wir rufen in Lhasa an und er wird abgeholt. Zwei Tage später wird er zurück nach Italien fliegen.

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Der Himalaja in Tibet.

Wir ziehen weiter in Richtung Osten. Egal, wo wir hinkommen, erregen wir Aufmerksamkeit: Autofahrer stoppen mitten im Verkehr, Bauarbeiter unterbrechen ihre Arbeit, auch in den Camps haben uns schon Leute besucht und unsere Boote begutachtet. Das macht Spaß, bis unsere Fans beginnen, ihre Fotos von uns auf WeChat zu posten, dem chinesischen Facebook. WeChat gibt fast alle Daten an die chinesischen Behörden weiter. Die Bilder verbreiten sich in Windeseile, und die Polizei ist immer über unsere Vorhaben informiert. Fünfmal sollen wir auf unserem einmonatigen Trip von Beamten gestoppt werden, teure Genehmigung hin oder her. Die örtliche Polizei fürchtet sich vor den Folgen eines Unfalls mit einem Touristen in ihrem Bezirk. Spätabends schlagen wir das Camp in der Nähe der Stadt Lhari in einer beeindruckend tiefen Schlucht am Ufer des Yigong Tsangpo auf, des längsten und mächtigsten Flusses Tibets. Am nächsten Morgen weckt uns Binpins laute, aufgeregte Stimme. Ich schaue aus dem Zelt und sehe ihn wild gestikulierend telefonieren. Es stellt sich heraus, dass uns auch hier die Polizei im Visier hat.

Diesmal hat sie aber keine Chance – wir sind eingeschlossen: Schlammlawinen versperren die 80 Kilometer lange, einspurige und ungeteerte Straße entlang des Flusses. Deswegen stehen unserer Zelte erhöht auf einer sicher anmutenden Lichtung. Unter dem Camp braust eine gewaltige Stromschnelle. Einen halben Tag lang verbringen wir damit, die riesigen Walzen und Rückläufe anzuschauen. Wir schätzen, dass hier 500 Kubikmeter pro Sekunde hinunterdonnern – vergleichbar mit der Wassermenge am Rheinfall von Schaffhausen. Nouria, Bren, Adrian und ich sind heiß. Morgen wollen wir einsteigen. Seit die Entscheidung gefallen ist, stehe ich die ganze Zeit unter Strom. Es dauert ewig, bis ich einschlafe. Immer wieder gehe ich die Linie im Kopf durch.

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Tibets Flüsse sind reißend und ungezähmt. Selbst das hochkarätige Kanuteam um den Filmemacher Olaf Obsommer kam an seine Grenzen.

Beim Frühstück ist das gesamte Team angespannt. Wir besprechen den Ablauf: Olaf und Jochen kümmern sich ums Filmen. Andi und Matthias sitzen unterhalb der Schwierigkeiten in ihren Kajaks und können im Notfall zu Hilfe eilen. Der Rest steht mit Rettungsleinen am Ufer. Bren möchte als Erster paddeln, dann Nouria, dann Adrian. Bren erwischt die Linie nahezu perfekt. Einmal stoppt ihn kurz eine Walze, er kann sich aber befreien. »Das war der fetteste Wasserfall, den ich je gepaddelt bin! Und der beste!«, ruft er unten angekommen. Auch Noria und Adrian packen es. Das macht Mut. Aber bei mir läuft es nicht so gut. Schon beim Einpaddeln bemerke ich, wie dünn die Luft ist. Wir paddeln immer noch auf über 4500 Meter Höhe.

Manchmal ist weniger eben doch nicht mehr

Ich nehme mir vor, verhalten zu starten, um Kraft zu sparen. Genau das wird mir zum Verhängnis. Ich fahre zu passiv in den ersten Abfall, komme schon im Eingang von der Linie ab und muss korrigieren. In der zweiten Stelle schmeißt mich eine Welle von der Seite um. Blitzschnell rolle ich wieder auf. Leider völlig ohne Speed. Den brauche ich aber, um zwischen der dritten und vierten Stufe nach links zu kommen. Vergeblich ziehe ich am Paddel. Wasser trifft mich wie ein Faustschlag und wirft mich nach rechts. Statt auf der Ideallinie lande ich in einem riesigen Wasserloch und merke, wie es mich dreht. Etwa fünfzehn Meter flussab rolle ich erneut hoch. Rückwärts treibe ich auf zwei große Rückläufe zu, die letzten Hindernisse. Ohne zu drehen, durchstoße ich den ersten davon. Mit allem, was der Akku noch zu bieten hat, versuche ich über die nächsten Brecher zu kommen. Aber die Wasserwalze packt mich und ich kentere. Nichts funktioniert. Nichts aus meinem Repertoire kann mich aus der Situation befreien. Die Luft wird knapp, und ich muss mein Kajak verlassen. Ein Alptraum. Immer wieder zieht es mich unter Wasser. Ich japse so oft es geht nach Luft, aber die Wellen lassen das nur selten zu. Nach 250 Metern schafft es Matthias, zu mir zu paddeln. Mit letzter Kraft kralle ich mich an seinem Heck fest. Das erste Rettungsseil rauscht an mir vorbei. Kurz bevor ich meine Kräfte verliere, wirft mir Andi sein Seil direkt ins Gesicht. Ich kann mich festhalten und werde ans Ufer gezogen. Wir sind alle geschockt. Das war knapp, sehr knapp.

Zwei Wochen später sitzen wir wieder in Lhasa. Ich spendiere das obligatorische Kenterbier. Zum Glück habe ich meine Form relativ schnell wiedergefunden, und wir sind auf acht weiteren Flüssen sicher im Team gepaddelt. Was für ein Trip. Vielleicht nicht besonders gut für die Bandscheiben. Aber ein Höhepunkt im Leben eines Paddlers.

Auch in unserem Podcast ging es schon ums Paddeln:

Ihr könnt den Podcast entweder gleich unten auf dieser Seite anhören, oder auch auf einer der gängigen Plattformen: iTunes, Spotify, Deezer, Audio now, Soundcloud, Acast, The Podcast App, Google Podcast-App auf Android-Smartphones, Lecton sowie Castbox, Podcast Addict und vielen anderen Podcast-Apps und Verzeichnissen.

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