Corona-Virus: Infos für Outdoorer
Corona-Virus: Infos für Outdoorer
Irlands Connemara Mountains Christopher Lund
Irlands Connemara Mountains
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Irlands Connemara Mountains 14 Bilder

Einsam an St. Patrick's Day

Irland: Erfahrungsberichte aus der Corona-Krise

Wie gehen die Iren mit der außergewöhnlichen Situation angesichts der Corona-Pandemie um? Zwei Erlebnisberichte geben euch einen kleinen Einblick von der aktuellen Lage auf der grünen Insel. Da zumindest die Gedanken frei sind, haben wir auch noch eine ganz besondere Lichtstimmung für euch eingefangen. Der finnische Künstler Kari Kola bringt Galway und Connemara zum Leuchten ...

Corona-Erfahrungsbericht von Ciara O'Connor

Ciara O’Connor von Tourism Ireland erlebt die Pandemie in Ihrer Heimat und berichtet vom Umgang der Iren mit den Einschränkungen. Momentan zählt die Johns Hopkins University dort rund 1.300 Corona-Infizierte, im Vergleich zu Italien (69.176) oder Spanien (47.610) noch verhältnismäßig wenig (Stand. 25.März 2020)

"Es gibt viele Gründe, warum ich stolz darauf bin, Irin zu sein", sagt sie. "Angefangen vom St. Patrick's Day über Kerrygold-Butter bis hin zu Enya – aber die Art und Weise, wie sich die Menschen in Irland angesichts einer Krise vereinen, macht mich sehr stolz und glücklich." Wie das irische Sprichwort sagt: 'Ní neart go cur le chéile.' – Ohne Einheit gibt es keine Kraft." Weitere Eindrücke hier:

In den letzten Tagen hat die Covid-19-Pandemie weltweit rapide zugenommen, wobei Irland keine Ausnahme bildet. Schulen und öffentliche Gebäude in der gesamten Republik werden geschlossen – die Praxis der "sozialen Distanzierung" wird immer wichtiger, da wir versuchen, die Ausbreitung des Virus so gering wie möglich zu halten. Wir sehen dies in vielerlei Hinsicht – zum Beispiel durch die öffentliche Verfügbarkeit von Handdesinfektionsmitteln und die Anzeige von Infografiken am Flughafen Dublin, was am Frankfurter Flughafen trotz der vielen Reisenden, nicht vorhanden ist. Nie zuvor hätten wir uns vorgestellt, dass Pubs und Bars in Irland am St. Patrick's Day geschlossen sein würden!

Ciara O’Connor von Tourism Ireland
Tourism Ireland
Ciara O’Connor von Tourism Ireland

Ich verbrachte den Abend des 17. März damit, durch die leeren Straßen von Dublin zu spazieren, eine sehr unheimliche Erfahrung – dies gab mir das Gefühl, dass wir in einer Zeit leben wie nie zuvor. Ein bemerkenswerter Unterschied war jedoch das grüne Licht der lokalen Global Greenings, das die Straßen von Dublin erhellte und in einer Zeit großer Unsicherheit ein wenig Hoffnung gab.

Auf der grünen Insel ist nicht alles von Untergang und Finsternis geprägt. Es ist kein Geheimnis, dass die Iren für ihre gastfreundliche und entgegenkommende Art bekannt sind, und die letzten Tage haben gezeigt, dass die irische Gastfreundschaft trotz widriger Umstände weiterhin durchscheint. Einige Supermärkte in Irland, darunter Lidl und Tesco, haben täglich von 9 bis 11 Uhr vorrangige Einkaufszeiten für ältere Menschen eingeführt, um sicherzustellen, dass sie ihre Lebensmittel bei allen Großeinkäufern, Hamstern und der allgemeinen Supermarkthysterie kaufen können. Die großzügige Art der Iren hört hier nicht auf – eine Instagram-Spendenseite namens Feed the Heroes (@feedtheheroesire, s.u.) wurde eingerichtet, auf der alle Spenden für die Bereitstellung von Mahlzeiten für das medizinische und pflegende Personal an vorderster Front im Kampf gegen die Pandemie verwendet werden.

Zahlreiche irische Whiskey-Distillerien nutzen Ihre Einrichtungen, um Handdesinfektionsmittel herzustellen und verteilen dies kostenfrei an die Gesundheitsbehörde Health Service Executive (HSE). In kleineren Gemeinden gründen einige irische Bürger Whats-App-Gruppen in ihrer Nachbarschaft, um ihren Nachbarn in dieser schwierigen Zeit Hilfe und Unterstützung zu bieten.

Dublin, Irland
Tourism Ireland
Irlands Hauptstadt Dublin aus der Vogelperspektive.

Einsam an St. Patricks Day – Erfahrungsbericht von Heinz Bück

Still ist es immer in Donegal. Aber in diesem Frühjahr ist es in Irland stiller als sonst.

"Wir wollten zum St. Patricks Day hier sein. Waren wir auch. Die Fähre aus Cherbourg hatte uns in Dublin Port an Land gesetzt. Der Gard am Kontrollposten im Hafen warf einen schelmischen Blick in die Pässe: "Welcome Deutschlaaand", grinste er mit seinem breiten Akzent. Ob wir Haustiere dabei hätten? "Oh no, keine Flöhe, aber German Bier bis zum Dach", feixten wir zurück. "Ach ihr", lachte er, "hurry up!" Und mit einem freundlichen Gruß winkte er uns durch.

Am Hafen noch schnell tanken. Der Sprit hier ist – wie immer – preiswerter als in Frankreich. Nur am Eingang zur Tankstelle steht diesmal Desinfektionsmittel. Und ein Schild, es vor dem Zahlen auch zu benutzen. Ich las es beim Rausgehen und holte mein Versäumnis schuldbewusst nach. Ich war noch nicht eingenordet. Der Kassierer hatte trotz seiner Gummihandschuhe meine Karte nicht genommen, sondern nur auf die Cash-Machine gewiesen. Mit spitzen Fingern reichte er mir meine Quittung.

Immer einsamer wurden die Straßen hinter Dublin. Mitten durch das irische und das nordirische Terrain des Vereinigten Königreiches mäandriert die Route nach Nordwesten. Selbst das Virus hat die innerirische grüne Grenze bislang nicht schließen können. Warum auch? Vom County Monaghan bis Omagh in Tyrone kaum Verkehr mehr auf den Straßen. Weiter Richtung Derry, dann links ab nach Lifford, von Nordirland über die Brücke des River Foyle in die Republik, ins County Donegal: up here it’s different.

Malerische Landschaft im County Donegal, Irland
Tourism Ireland
Malerische Landschaft im County Donegal.

Wir durchqueren Gweedore, das gleich hinter Dublin die größte St. Patricks Parade des ganzen Landes veranstaltet: menschenleer. Das wird diesmal nix. Die Parade wurde bereits abgesagt, die Pubs sind geschlossen, wie überall im Land. Und über allem ein Donegal-Landregen, der für die schrecklichsten Klischees über das vermeintlich schlechte irische Wetter hätte Modell stehen können.

Wir nahmen die kleine einspurige Straße hinauf zum Haus. Das Licht brannte im Porch, dem wetterfesten verglasten Vorbau vor der Tür. Er ist eine irische Institution, die zu konspirativen Versammlungen und fröhlichen Gelagen auf engstem Raume taugt, am besten bei Regen, aber derzeit wohl nicht. Im behaglich warmen Kaminzimmer knasterte schon das Feuer. Auf dem Tisch stand ein frisch gebackenes Brot. Unsere lieben, lieben Nachbarn hatten schon eingeheizt: a warm welcome á la Donegal, unvergleichbar!

Wir schlenderten hinüber zu ihnen und klopften an die Tür. Doch diesmal wurden wir nicht hineingebeten: "Sorry, we keep strictly self isolation." Liam hat die 70 bald erreicht und leidet an Asthma. Risikogruppe. Zwei Meter Abstand sind nun die Regel. Die Leute halten sich daran und sie bleiben zuhause, wenn es eben geht. Shut down im ganzen Land. Die Restaurants geschlossen. Nur die Lebensmittelläden haben auf, selbst am St Patricks Day. Aber das Sortiment ist deutlich geschrumpft. Gemüse ausverkauft.

Heinz Bück, freier Journalist und Irland-Kenner
Tourism Ireland
Heinz Bück arbeitet als freier Publizist und Journalist in Deutschland und Irland.

Cormac kam noch vorbei. Auch er blieb deutlich auf Distanz. Das mag unirisch sein. Ist aber geboten. Er hatte die Heizung repariert. Hatte alles versucht, um die Pumpe wieder gangbar zu machen, aber dann aufgeben müssen. Sie musste am Ende doch ausgetauscht werden. Ja, auch er geht bei Notfällen noch raus. "Aber wir müssen uns und die anderen jetzt diszipliniert schützen", sagt er, hupt und fährt von dannen.

Im Kühlschrank lagen Gemüse und Cheddar neben schwarzem und rotem Dosenbier. Wir würden es diesmal allein trinken müssen: "...a red Quaran-kenny and a black Iso-inness..." (Quarantäne-Kilkenny und Isolation-Guinness), hatte Liam geschrieben, auf eine grüne Glückwunschkarte unter der Figur des großen Nationalheiligen: "Happy St. Patricks Day! Welcome home!"

Na dann: Sláinte! Auf die Gesundheit!

Für die Zeit nach der Corona-Krise: Alle Infos für eine Wanderreise nach Donegal

Irland - County Donegal
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Oder einen Wandertrip nach Connemara:

OD Abenteuer Irland - Wandern in Connemara
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