Tessin Fotoworkshop 2020 Christoph Jorda
Tessin Fotoworkshop 2020
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Tessin Fotoworkshop 2020 31 Bilder

Berge im Fokus

Die schönsten Bilder vom Fotoworkshop im Tessin

Übung macht den Meister: Beim viertägigen OUTDOOR-Fotoworkshop im Tessin hatten die Teilnehmer ausgiebig Gelegenheit zu Knipsen – grandiose Landschaft inklusive.

»Warum wollt ihr das Bild machen?«, fragt Christoph Jorda in die Runde. Er steht neben der rotweißen Markierung eines Wanderweges, der rund um den auf 2000 Metern gelegenen Ritómsee im Tessin führt, und blickt in etwas ratlose Gesichter. »Diese Frage sollte man sich immer beantworten, bevor man den Auslöser drückt«, fährt der Outdoor-Fotograf fort. »Wenn ihr zum Beispiel zeigen wollt, dass der Mensch nur ein Furz in der Zeit ist, könnt ihr hier eine verwischte Aufnahme von einem Wanderer im Vorbeigehen machen, indem ihr eine lange Verschlusszeit wählt.

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Christoph Jorda
Beim viertägigen Fotoworkshop im Tessin hatten die Teilnehmer ausgiebig Gelegenheit zu fotografieren – grandiose Landschaft inklusive.

Kerstin Krebs, Stephanie Frazier und Max Thüring stellen die Belichtungszeit auf 1/30 und lassen die Spiegel ihrer Kameras klackern. Die drei haben einen viertägigen Fotokurs gebucht, den OUTDOOR mit dem Schweizer Veranstalter Eurotrek und Tessin Tourismus anbietet. Hier im Norden des Kantons, wo die Autobahn bei Airolo im Tunnel verschwindet, erheben sich die Gipfel der Gotthardberge bis zu 3000 Meter hoch. Besonders pittoresk werden sie an ihrer Südflanke, wo eine steile Standseilbahn ins Pioratal führt. Das auf 2000 Metern gelegene Hochtal wartet mit einer Reihe funkelnder Seeaugen auf.

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Hier setzt der herzförmige Lago Scuro auf 2450 Metern den Rahmen für den Wanderer, der den Ausblick genießt.

Ziel des ersten Tages ist die Capanna Cadagno. 1934 erbaut, wurde die aus Gneissteinen bestehende Hütte 2013 durch den Architekten Giorgio Guscetti vollständig renoviert. So vereint sie modernen Stil und traditionelles Baumaterial. Und es schmeckt richtig gut hier oben. Die Salbeignocchi sind zum Niederknien und würden auch jedem Restaurant im Tal alle Ehre machen. Es ist schon später Nachmittag, als die Gruppe auf der Terrasse sitzt.

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Christoph Jorda
Fotograf Christoph Jorda (rechts) im Gespräch mit den Teilnehmern des Fotoworkshops.

Christoph Jorda erklärt seine Philosophie der Reportagefotografie. Neben seinem Engagement als Outdoor-Fotograf ist der 38-Jährige auch in verschiedenen Krisenregionen unterwegs. Und so geht es ihm nie nur um »die große Panoramatapete«, wie er sagt, sondern auch um die Geschichten, die sich mit den Bildern erzählen lassen. »Die Details erzählen die Geschichte. Überlegt euch, wie ihr die Story euren Leuten zu Hause beschreiben würdet, und macht dann die Bilder dazu.« Umsetzen können das die Teilnehmer schon am nächsten Morgen.

Da steht als Erstes die Besichtigung der Alpkäserei Piora auf dem Programm, die nur einen Steinwurf von der Hütte entfernt liegt. Dort empfängt Davide Cominotti die Gruppe in Gummistiefeln, seit fünf Jahren arbeitet der aus dem Trentino stammende Käser in dem Betrieb, in dem in der Saison bis zu 4000 Liter Milch jeden Tag in einem großen Bottich landen. Was daraus wird, zeigt Davide im benachbarten Steinkeller. Hier lagern die Käselaibe. Ein Fotomotiv, das nicht nur die Kreativität, sondern auch die Technik auf die Probe stellt.

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Davide Cominotti zwischen seinen Käselaiben regt zur Bildkomposition an: Die Linien der Regale führen auf das Hauptmotiv.

Christoph erklärt, wie man per ISO-Zahl die Lichtempfindlichkeit des Sensors ändert, um im dunklen Keller fotografieren zu können. »Ich hätte nicht gedacht, dass man auch ohne Blitz so gute Bilder machen kann«, sagt Kerstin und experimentiert mit Blendenwert und Belichtungszeit. Davide präsentiert stolz den Käse. »Die Hauptsache beim Porträtfotografieren ist, dass man schnell eine gute Beziehung zu seinem Modell aufbaut. Wenn das Modell einen nicht leiden kann, dann wird man niemals ein gutes Foto hinbekommen«, erklärt Christoph, als die Gruppe wieder unter sich ist.

Es ist schon Mittag, als man zur ersten größeren Tour aufbricht. Wanderführer Laura hat einen moderaten Aufstieg zum Lago Dendro geplant. Leichter Regen setzt ein, normalerweise ein Signal, die Kamera wegzupacken. Nicht so bei Christoph. Er hält die Linse in den Regen, fängt ein paar Tropfen ein. Man hat das Gefühl, dass er jetzt erst so richtig in Fahrt kommt. Es geht darum, Regentropfen im Gegenlicht einzufangen. Max, der pensionierte Lehrer, spielt mittels Blende und Belichtungszeit, um die Tiefenschärfe zu verändern. »Der Kurs beginnt schon zu wirken«, sagt er zufrieden, als er sich das Ergebnis auf dem Display seiner Kamera anschaut. Doch der Höhepunkt kommt am nächsten Tag: die auf 2500 Meter gelegene Capanna di Cadlimo.

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Die Capanna di Cadlimo thront auf 2570 Metern in den Gotthardbergen. Manchmal sorgt eine Nordföhnwalze für besonderes Drama, wie hier im Bild.

800 Höhenmeter sind es bis dorthin, immer dramatischer werden die Berge ringsum, immer mehr Seen liegen unter einem, bis man ein steinernes Meer betritt, an dessen Ende die Hütte liegt. Die Silhouetten der Berge staffeln sich im schrägen Licht des Abends. Bis in die Dunkelheit klackern die Kameraspiegel. Mit der Fotografie ist es so wie mit allen Leidenschaften: Man weiß gar nicht, wo man aufhören soll, wenn man einmal angefangen hat.

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Die Teilnehmer des Fotokurses 2020 (v.l.n.r.): Max Thüring, Christoph Jorda, Stephanie Frazier, Jutta Ulrich, Alex Krapp, Kerstin Krebs und Lara Mandioni

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