OD_0419_Green Friends_Tatonka_1500 (png) Tatonka / Lars Schneider

Fair und umweltbewusst: Tatonka

Beim Outdoor-Ausrüster Tatonka steht der Mensch im Mittelpunkt. Nicht nur in der bayerischen Heimat, sondern auch in den unternehmenseigenen Werken in Vietnam. Im Interview erklärt uns Jan Loschinski, Leiter der Produktentwicklung bei Tatonka, was Nachhaltigkeit für das Unternehmen bedeutet.

outdoor: Tatonka ist ein inhabergeführtes Familienunternehmen und bezeichnet sich als fairen, umweltbewussten und verantwortungsvollen Arbeitgeber. Was bedeutet das konkret?

Jan Loschinski: Nachhaltigkeit zeigt sich oft auch im Kleinen. Ich habe jetzt seit 25 Jahren den gleichen Chef, zu dem ich jederzeit gehen und mit ihm reden kann. Er zahlt immer und pünktlich, 13-mal im Jahr, dazu Urlaubsgeld – das alles bekommen unsere Mitarbeiter in Vietnam auch. Außerdem gilt bei uns die eiserne Regel, Lieferanten ausnahmslos sofort zu bezahlen – und auch den Handel zu unterstützen: Tatonka-Chef Andreas und davor sein Vater, der Tatonka-Gründer Winfried Schechinger, haben schon so vielen Händlern aus der Patsche geholfen, dass man darüber ein Buch schreiben könnte. Diese Art des Unternehmertums bezeichne ich gerne als gelebte Menschlichkeit. Bei Andreas Schechinger steht, wohl im Gegensatz zu den meisten anderen Firmenchefs, nicht der Profit an erster Stelle. Er steckt einen Großteil des Gewinns wieder ins Unternehmen und achtet darauf, nicht auf Kosten der Mitarbeiter, Kunden und Dienstleister zu handeln.

Für eure Werke in Vietnam gilt ein strenger Verhaltenskodex. Was beinhaltet er?

Jan Loschinski: Also, wir befinden uns in Vietnam ja nicht im rechtsfreien Raum. Es gibt dort sehr gute, dem deutschen Recht ähnliche Sozialund Arbeitsrechtsgesetze. Außerdem stehen wir als ausländischer Investor unter deutlich stärkerer Kontrolle als einheimische Betriebe. Dennoch hat Tatonka den SA 8000-Standard der ILO (International Labour Organisation) eingeführt. Der TÜV Rheinland auditiert und zertifiziert ihn in regelmäßigen Abständen. Wer mehr darüber wissen will, kann sich auf unserer Homepage informieren. übrigens h ängt unser Kodex, der ja Rechte und Pflichten für beide Seiten definiert, an allen Werkstoren, und zwar in Vietnamesisch und Englisch. Da sehen ihn alle: Mitarbeiter, Vorgesetzte, Besucher. Kommt einfach mal vorbei! In unserer »Open Factory« gibt es jede Woche Werksführungen bei laufendem Produktionsbetrieb.

Wirkt sich ein solches soziales Engagement nicht auf den Produktpreis aus?

Jan Loschinski: Natürlich erhöhen bessere und stetig steigende Löhne die Produktionskosten.Aber gute Arbeitsbedingungen, regelmäßige, gerechte Bezahlung, garantierter Urlaub und möglichst wenig Überstunden erhöhen die Zufriedenheit der Mitarbeiter und damit die Qualität der Produkte. Billig können und wollen wir ausdrücklich nicht. Wir möchten vielmehr, dass unsere Kunden Respekt vor der geleisteten Arbeit haben und einen fairen Preis zahlen.

Nachhaltigkeit bedeutet, Produkte möglichst lange zu nutzen und nicht jede Saison zu ersetzen. Wie steht ihr dazu?

Jan Loschinski: Unser erstes Ziel lautet nicht, den Gewinn von Jahr zu Jahr zu steigern. Viel wichtiger ist, dass auch die folgende Generation einen Platz zum Leben und Arbeiten hat. Weniger kann so viel mehr sein! Und in diesem Sinne finde ich es toll, wenn jemand keinen neuen Rucksack kauft, solange es der alte noch tut. Oder wenn er ihn weiterreicht oder reparieren lässt.

Wie geht Tatonka mit Reparatur- oder Recyclingwünschen seiner Kunden um?

Jan Loschinski: Wenn man etwas reparieren kann, dann reparieren wir es auch in unserer eigens dafür geschaffenen Serviceabteilung. Außerdem machen wir bei sämtlichen Verpackungs-Recyclingprogrammen mit, nicht nur bei den vorgeschriebenen. Als ich vor 25 Jahren bei Tatonka anfing, hatte Winfried Schechinger bereits die Mehrweg-Box zwischen Großhändler und Händler eingeführt, aber vergeblich versucht, sie durchzusetzen. Er war damit einfach zu früh dran. Jetzt wird so etwas in Fachkreisen wieder diskutiert ...

Welche Nachhaltigkeitsziele hat sich Tatonka für die Zukunft gesetzt?

Jan Loschinski: 2020 wird auch Tatonka Produkte aus Recyclingstoffen anbieten. Dass wir da nicht die Ersten sind, liegt daran, dass ich mich als Produktmanager lange gesträubt habe, Stoffe einzukaufen, die mehr kosten, aber weniger können und rascher verschleißen – das widerspricht meinem Verst ändnis von Nachhaltigkeit. Doch mittlerweile ist die Qualität von Recyclingmaterialien besser geworden. Unser nachhaltigstes Ziel lautet aber immer noch, so erfolgreich zu sein, dass wir unseren Mitarbeitern – auch denen in Fernost – ein gutes Einkommen zahlen können. Es muss definitiv nicht das große Umsatzplus dastehen, mindestens genauso wichtig sind Spaß bei der Arbeit und Geschäftsbeziehungen auf Augenhöhe. Und natürlich sind auch wir für den Weltfrieden (lacht).

»Je zufriedener die Mitarbeiter, desto besser die Qualität unserer Produkte.«

Jan Loschinski

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Boris Gnielka

Leiter der Produktentwicklung

Jan Loschinski (52) heuerte als studierter Maschinenbauer – Fachrichtung Schiffstechnik – vor ziemlich genau 25 Jahren bei Tatonka an. Damals unterstützte er den Sohn des Firmengründers und jetzigen Chef Andreas Schechinger bei der Produktentwicklung. Mittlerweile ist aus dem Duo eine fünfköpfige Development-Abteilung unter Jans Führung geworden. Zu seinen Aufgaben zählen zudem regelmäßige Arbeitsbesuche in Vietnam. Mehr als vier Jahre lebte und arbeitete der begeisterte Outdoorer auch vor Ort, woraus viele Freundschaften erwachsen sind.

Einblicke beim Werk in Vietnam gefällig? Info unter Openfactory Tatonka

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