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Greg Hill at Rogers-Pass Anthony Bonello
BANFF Tour 2020
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BANFF Tour 2020 10 Bilder

Elektro-Greg

Film über Bergsteiger und Umweltpionier Greg Hill

Früher zählten für Skibergsteiger Greg Hill nur Rekorde. Inzwischen beschreitet er neue Wege ...

Er hat sich gequält. Greg Hill, 44, ist keiner Herausforderung aus dem Weg gegangen, seit er 1995 mit dem Skibergsteigen begonnen hat. Immer wollte er bestimmte Grenzen überschreiten, bestimmte Marken knacken. 2006 schaffte er 50.000 Fuß Aufstieg in 24 Stunden, umgerechnet rund 18 000 Höhenmeter. Berühmter gemacht hat ihn aber ein anderer Coup. Er stellte das ganze Jahr 2010 für den Versuch ab, zwei Millionen Fuß aus eigener Kraft aufzusteigen – rund 600.000 Höhenmeter.

71 Berge in Nord- und Südamerika bestieg Hill dafür. Seine Leistung brachte ihm Ruhm ein, den Beinamen Two-Mill-Hill und den Wechsel ins Lager der Profi-Skibergsteiger. Hunderte Erstabfahrten hat er gemacht, vor seiner Haustür in British Columbia, in Südamerika, in Norwegen, im Karakorum. National Geographic wählte ihn zum Abenteurer des Jahres, ein anderes Magazin unter die 25 fittesten Männer der Welt – es kann einem schwindlig werden vor lauter Zahlen, Höchstleistungen, Rekorden.

Greg Hill at Rogers-Pass
Bruno Long

Aber Hills Leben hat sich geändert. Der Gedanke, dass seine Form des Skibergsteigens nicht die einzige sein könnte, kommt ihm in Pakistan. Er hat zu Hause in Kanada gerade eine 330 000-Fuß-in einem-Monat-Challenge geschafft und platzt vor Selbstbewusstsein. Doch gleich bei der ersten Abfahrt in Pakistan erwischt ihn eine Lawine, er kommt nur knapp mit dem Leben davon. Hill gerät ins Grübeln. Er denkt an seine Tochter Charlie, heute 14 Jahre alt, und seinen Sohn Aiden, 13. Und er fragt sich: Was wäre mein Erbe?

Wofür würde man sich an mich erinnern? Was kann ich der Welt von meinen Abenteuern zurückgeben? Er begreift, dass er Vorbild ist, nicht nur für seine Kinder, sondern auch für andere Skifahrer. »Meine körperlichen Grenzen kannte ich längst«, sagt Hill. Nun sucht er nach einem Weg, seinen ökologischen Fußabdruck so klein wie möglich zu halten und trotzdem noch Skiabenteuer zu erleben. Seine Hoffnung: »Wenn ich vorgehe, dann kommen andere nach.« Eine Weile versucht er, nur mit dem Fahrrad zu den Bergen zu kommen. Leider mag niemand ihn begleiten. Seine Freunde ziehen motorisiert an ihm vorbei.

Packt die Batterie das?

Im Mai 2017 ruft Hill das 100-Summit- Projekt aus. Er will hundert Gipfel besteigen – ohne dazwischen auf fossile Energie zurückzugreifen. Ein Novum: Früher hetzte Hill per Helikopter, Flugzeug und Schneemobil von Berg zu Berg und fuhr »den größten Diesel-Truck, den es auf dem Markt gab«. Jetzt will er mit einem Elektroauto, einem Chevrolet Bolt, zu seinen Bergen kommen. In seinem Heimatort Revelstoke fährt man mit solchen Kleinwagen zum Einkaufen. Damit auf Nordamerika-Tour gehen? Packt die Batterie das überhaupt? Hill weiß es nicht. Aber er will es versuchen. Hier der Trailer zum Film:

Aus Two-Mill-Hill wird Electric Greg. Er beginnt die 100-Gipfel-Challenge mit einem Trip zu den Drei- und Viertausender-Vulkanen an der US-amerikanischen Westküste, Mount Baker zuerst (3286 m). Und stößt auf eine ganz neue Grenze: die des Elektro-Akkus, der nur 150 Kilometer reicht. Doch Hill überrascht seine Freunde immer wieder, wie viel er mit einer bedachten Fahrweise aus dem Akku herausquetschen kann. Auf manche der Berge nimmt er seine Kinder mit. Er geht mit ihnen auf Fridays- for-Future-Demos. Und: Er lässt sich Zeit. Anders als früher hat er sich kein Limit gesetzt, bis wann er die hundert Gipfel schaffen will. Er postet Eindrücke, diskutiert mit Followern über die Vor- und Nachteile von Elektroautos.

Er ändert seine Lebensweise, isst nur noch an Wochenenden Fleisch, baut Gemüse an und fährt Rad, wann immer es geht. »Die Umstellung fällt nicht leicht. Aber je mehr sie zur Gewohnheit wird, desto besser fühlt sie sich an.« Im August 2019 steigt er mit seiner Tochter Charlie auf den Mount McCrae (1850 m) in den kanadischen Rockies. Es ist der hundertste Gipfel seiner Tour. Gemeinsam genießen die beiden die Aussicht. »Nach meinen anderen Abenteuern bin ich zusammengebrochen und habe geweint. Das war diesmal nicht so. Aber ich habe bewiesen, dass man Abenteuer anders erleben kann. Und ich werde weitermachen«, sagt er.

Von Bergen und Bäumen

Das Banff-Mountain-Festival ist die größte Bergfilm-Show der Welt. Ab Februar tourt sie mit grandiosen Leinwandabenteuern – darunter eine Paddeltour in Ladakh, eine Färöer-Erkundung im Laufschritt und Greg Hills klimafreundliche 100-Summit-Challenge – durch Deutschland, Österreich, die Schweiz und die Niederlande. Umweltschutz beschäftigt auch die Organisatoren der Tour: Sie soll mittelfristig CO2-neutral werden. Zudem sorgte 2019 die Banff-Baumpflanzaktion mit den Partnern Vaude und Primaloft für 1300 junge Tannen in einem Wald am Schliersee. 2020 dürfen es gerne noch mehr werden, die Menge richtet sich nach der Anzahl verkaufter Tickets. banff-tour.de

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